Betriebsbedingt nach Jahrzehnten gekündigt – und nun?
Aus eigenem Antrieb gewillt, die Firma nach Jahren zu verlassen – doch wie?
Der erlernte Beruf oder die eigene Branche wird mehr und mehr vom Markt verdrängt – wie geht es weiter?
Fragen, die auch dich gerade umtreiben? Dann geht es dir wie vielen Menschen, die plötzlich arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit werden. Ob selbst gegangen oder gekündigt: Schlagartig verändert sich die alltägliche Routine. An ihre Stelle treten Aufgaben, über die du dir zuletzt vor etlichen Jahren Gedanken machen musstest, zum Beispiel Stellenanzeigen sichten und Bewerbungen schreiben. Nach Jahrzehnten im gleichen Arbeitsumfeld geht damit oft eine gewisse Verunsicherung einher, da auch die eigene Identität stark an den alten Arbeitgeber gekoppelt war oder noch immer ist. Zudem hat sich im Laufe der Jahre wohlmöglich eine technologische Lücke aufgetan, die die fehlende Bewerbungsroutine zusätzlich erschwert.
Denn was vor zehn, 20 oder 30 Jahren in Bewerbung und Beruf aktuell war, ist heute zum Teil längst überholt. Andere Unternehmen könnten neue Impulse viel schneller aufgegriffen und im Unternehmen eingebettet haben als dein alter Arbeitgeber. Damit du im Rennen um den Wunschjob nicht ins Hintertreffen gerätst, müssen die eigenen Kompetenzen neu ausgeleuchtet, hinterfragt und gegebenenfalls ausgebessert werden.
In diesem Artikel verraten wir dir, wie du den Schulterschluss zwischen Ausbildung oder Studium und den heutigen Anforderungen am Arbeitsmarkt schaffst. Zudem stellen wir dir zwei Menschen vor, die arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit wurden und trotzdem erneut ihren Platz im Berufsleben gefunden und gefestigt haben.
„Das betrifft doch nur die Generation 50+“ – falsch gedacht!
Arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit zu sein, ist kein Phänomen, das nur die ältere Generation betrifft. Zuerst kommt vielen Menschen aber das Stereotyp der Generation 50+ in den Sinn: Lehre abgeschlossen, 30 Jahre in derselben Firma gearbeitet, dann die betriebsbedingte Kündigung erhalten.
Dabei vergessen die meisten, dass auch jüngere Menschen im Anschluss an Ausbildung oder Studium nicht selten längerfristig bei der ersten oder zweiten Firma hängen bleiben. Doch auch hier kann aufgrund von fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten, einem Managementwechsel oder einer jahrelang besetzten Eltern- oder Krankheitsvertretung plötzlich Schluss sein. Und so muss sich nicht nur eine Generation arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit auf einem Arbeitsmarkt zurechtfinden, der mit dem von damals wenig gemein hat.
Arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit und ein Arbeitsmarkt im Wandel
Ob 50+ oder Mitte 30: Der Arbeitsmarkt hat sich für alle gleichermaßen verändert und verändert sich weiter, kontinuierlich und zunehmend schneller.
- Digitale Grundkompetenzen avancierten schon vor langer Zeit zur Voraussetzung für fast jeden Job.
- Bewerbungsprozesse laufen heute oft ausschließlich über Online-Portale sowie Netzwerke und Bewerbungen werden mithilfe von KI gefiltert.
- Neue Technologien überschwemmen den Arbeitsmarkt und automatisieren Arbeitsprozesse immer weiter.
- Der eigene Job wird digital(er) oder verschwindet. Es entstehen neue Berufsfelder.
- Jobwechsel nach einigen Jahren sind zugunsten der Erfahrung bisweilen gerne im Lebenslauf gesehen.
- Teilzeitmodelle, Remote Work oder hybride Modelle und Work-Life-Balance haben sich zur gängigen Praxis gemausert.
- Kommunikation auf Augenhöhe, ein agiles Mindset und Diversität spielen eine immer größere Rolle bei der Zusammenarbeit.
- Lebenslanges Lernen erfreut sich im beruflichen Kontext wachsender Bedeutung.
Recherche, Netzwerken und Weiterbildung: Chancen auf den Wunschjob verbessern
Statt sich mit diesen Veränderungen auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, wie sie ihre Jobsuche taktisch am klügsten angehen, stürzen sich viele in die gängigen Jobbörsen und das Schreiben von Bewerbungen. Und das obwohl nicht selten folgende Gedanken mitschwingen: „Trotz viel Know-how habe ich nur ein Unternehmen kennengelernt und bin dadurch sehr spezialisiert. Warum sollte ein Unternehmen mich noch nehmen?“ und „Was lese ich eigentlich aus Stellenanzeigen und wie schreibe ich die passende Bewerbung?“
Der Schreck, überhaupt arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit zu sein, trübt oft den Blick für die Möglichkeiten, die sich ergeben können. Nicht nur die Frage, was heute bezüglich Anschreiben und Lebenslauf als State of the Art gilt, sollte geklärt werden. Damit der Großteil deiner eigenen Bemühungen nicht im Sand verläuft, solltest du dich vor allem fragen:
- Was hat sich seit meiner letzten Arbeitslosigkeit verändert? Welche Möglichkeiten gibt es neben dem offenen Stellenmarkt?
- Wie funktioniert die Jobsuche im verdeckten Stellenmarkt?
- Welche Werte sind mir wichtig?
- Wie lege ich ein aussagekräftiges Profil auf LinkedIn an?
- Wie baue ich mir als Einsteiger*in ein Netzwerk auf? Und wie funktioniert dies auch im Notfall ‚Arbeitslosigkeit‘?
- Worauf muss ich bei der Erstellung des CV im Zeitalter von KI besonders achten?
- Und was fehlt mir (noch) an fachlichen Skills, um mit meinen Wettbewerber*innen gleichzuziehen oder mich gegen sie durchzusetzen?
Gerade wenn du arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit geworden bist, solltest du deine Motivation und Qualifikation für den bisher ausgeübten Job auf den Prüfstand stellen. So kannst du Lücken für die Wunschposition oder -branche identifizieren und im Rahmen einer Fort- beziehungsweise Weiterbildung füllen.
- Bist Du beispielsweise versierter Marketing-Profi, hast bisher aber wenige Berührungspunkte mit KI gehabt?
- Vielleicht bist du aber auch in einem handwerklichen Beruf tätig, aber dir fehlen digitale Kompetenzen für den Wechsel auf die Büroebene?
- Oder bietet dir dein Metier nicht mehr genug Sicherheit und du möchtest den Quereinstieg wagen?
Besonders wenn du feststellst, dass deine ausgeübte Tätigkeit dich nicht mehr erfüllt oder dir relevante Kompetenzen fehlen, um weiterhin in deiner Branche zu bestehen, können neues Wissen und anerkannte Zertifikate der Schlüssel sein, um dir schnell in deinen Wunschjob zu verhelfen. Beides kannst du im Rahmen einer Weiterbildung erwerben.
Weiterbildung im eigenen Bereich – sinnvoll oder nicht?
LVQ-Absolvent Mathias Quint hat im Anschluss an seine Ausbildung in seiner Firma bleiben wollen. Knapp zehn Jahre später revidierte er mit 31 Jahren diese Entscheidung und zog die Reißleine im Unternehmen. Zwar wollte er weiterhin seiner zuvor ausgeübten Tätigkeit nachgehen, nur nicht mehr im Ausbildungsunternehmen und entschied sich arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit zu werden. Um seine Kenntnisse zu vertiefen und benötigte Zertifikate zu erwerben, nutzte er seine Auszeit für eine Weiterbildung:
„Da ich mehr als acht Jahre im Bereich vorbeugender Brandschutz, Arbeitssicherheit und Prävention auch praktische Berufserfahrungen erlangen konnte, konnte ich mich persönlich weiterentwickeln und meinen Erfahrungsschatz im Bereich Arbeitsschutz erweitern. Man sollte nie aufhören zu lernen, auch berufliche Pausen sinnvoll mit Weiterbildungen füllen [und s]ich durch zusätzliche Qualifikationen und eine gute Außendarstellung lukrativ machen.“
Mithilfe der Weiterbildungen Fachkraft für Arbeitssicherheit, Umweltmanagement und Qualitätsmanagement fachlich besser für die nächste Position aufgestellt, arbeitet Mathias heute im Bereich HSE (Health, Environment and Safety) und profitiert täglich von seinen in den Kursen erworbenen Fachkenntnissen. Eine Weiterbildung im eigenen Bereich kann also hilfreich sein, bestehendes Wissen aufzufrischen beziehungsweise auszubauen und damit attraktiv für potenzielle Arbeitgeber zu bleiben: „Die Konstellation Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement und Umwelt ist für den Bereich HSE sehr wichtig. Von daher war die Weiterbildung bei der LVQ schon eine wichtige Grundlage für die nächsten beruflichen Schritte.“
Upgrading und Downshifting – rein in die Führung und raus aus der Führung
Anja Gellert war sowohl in jungen Jahren als auch im fortgeschrittenen Berufsleben freiwillig arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit. Auch sie fand einen neuen Job. Mit Mut, Ehrgeiz und Motivation suchte sie zwei Mal den Quereinstieg – einmal in beruflicher Hinsicht, einmal in Bezug auf ihre Branche – und war beide Male erfolgreich.
Zuerst entschied sie sich, als Werkzeugmacherin mit Anfang 30 und nach mehr als zehn Jahren Betriebszugehörigkeit, ihren beruflichen Weg umzugestalten. Sie wollte raus aus ihrer schaffenden Tätigkeit, sich weiterentwickeln und an neuen Aufgaben wachsen: „Der Beruf [und meine Karriere] stand[en] für mich in der Zeit im Vordergrund.“ Dank ihrer Weiterbildung zur Qualitätsbeauftragten inklusive Qualitätstechnik und interner Auditorin ist ihr genau das gelungen und sie konnte sich ein neues Standbein in der Qualitätssicherung aufbauen. Noch während der Weiterbildung fand sie eine Stelle in ihrer alten Branche, die sie direkt nach Beendigung ihrer Module antreten konnte und stieg im Laufe der Zeit zur Führungskraft im Qualitätsmanagement auf.
Knapp 15 Jahre später wollte sie raus aus der Automobilindustrie und trat auf die Bremse: „Wer im Automotive-Bereich im Qualitätsmanagement in führender Position arbeitet, ist einem enormen Druck von verschiedenen Seiten ausgesetzt[.] Ich wollte [nun aber] weniger Verantwortung, weniger Stress, raus aus der Automobilbranche. Ich wollte mehr Leben[.]“ Dank ihrer erneuten Weiterbildung in den Bereichen Umweltmanagement und Arbeitssicherheit war es kein Problem für Anja, wieder eine Anstellung im Qualitätsmanagement zu finden und so arbeitet sie heute für einen großen Chemie-Distributor: „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass man Qualitätsmanagement in vielen Unternehmen nicht mehr alleine betrachten kann. Arbeitssicherheit und Umweltmanagement gehören mittlerweile dazu. Das sind drei Säulen, mit denen man im beruflichen Bereich so viel aufbauen, in so viele Richtungen gehen kann.“
Arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit: Was du jetzt tun kannst
Wenn es um das erneute Schreiben von Bewerbungen geht, ist die Frage nach dem formalen wie natürlich nicht zu vernachlässigen – ganz im Gegenteil. Entscheidend ist aber vor allem, was du wie mit Blick auf Klarheit und Relevanz in deinen Unterlagen hervorhebst . Dabei spielen auch Netzwerke und der verdeckte Stellenmarkt eine besondere Rolle, die du für dich abstecken und in deine Jobsuche miteinbinden solltest.
Ob Jung oder Alt, betriebsbedingt gekündigt oder auf eigenen Wunsch gegangen: Selbst wenn du arbeitslos nach langjähriger Betriebszugehörigkeit nur eine Firma vorzuweisen hast, gibt dir ein Neuanfang die Möglichkeit, deine Kompetenzen, Erfahrungen und Verlässlichkeit aus dieser Zeit mit neuem Wissen zu verbinden.
Eine Weiterbildung ist eine interessante und im Verhältnis zu Ausbildung und Studium schnelle Möglichkeit, die Diskrepanz zwischen deinem Wissen und Können und den geforderten Qualifikationen zu minimieren und die Chancen auf den Wunschjob zu erhöhen . Mit einer Weiterbildung schaffst du dir besonders nach langjähriger Betriebszugehörigkeit neue Perspektiven, sowohl in Bezug auf den ausgeübten Beruf als auch die dahinterstehende Branche. So kannst auch du deine Erfolgsgeschichte bei einem neuen Arbeitgeber schreiben – so wie Anja und Mathias.
Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.
Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.
Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.











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