Fachkraft für Arbeitssicherheit – Weiterbildung mit Bildungsgutschein

04.11.2021, Angela Borin

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Unfälle, Krankheiten und sich daraus ergebende langfristige gesundheitliche Einschränkungen – kurzum Ausfallzeiten von Arbeitnehmer:innen – resultieren für Unternehmen häufig in zusätzlichen Kosten und Einschränkungen der alltäglichen Arbeitsprozesse. Kaum verwunderlich, dass Unternehmen sich zur Sicherung Ihrer Wettbewerbsfähigkeit und des wirtschaftlichen Erfolgs für den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz interessieren, sind sie obendrein auch behördlich dazu angehalten, eine Fachkraft für diese Aufgabe abzustellen. Diese Pflicht führt zu einem hohen Bedarf an Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt, der auch beruflichen Quereinsteiger:innen mit entsprechender Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) berufliche Chancen ermöglicht.

Doch mit welchen Aufgaben genau befasst sich eine Fachkraft für Arbeitssicherheit? Welche Qualifikationen muss sie mitbringen? Wie können diese durch eine Weiterbildung erworben werden? Wie kann eine Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit zwischen zwei Jobs während der Jobsuche absolviert werden? Und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um als Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt werden zu können?

Diese und weitere Fragen erörtern wir im Folgenden und beleuchten unsere gesetzlich geregelte Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit, die für Arbeitssuchende zu 100 Prozent durch den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden kann. Zudem geben wir Beispiele für Arbeitssuchende, die durch die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ihren neuen Job gefunden haben.

Am Arbeitsmarkt stets gefragt

Jährlich passieren in Deutschland mehrere 100.000 Arbeits- und Wegunfälle. Erst im letzten Jahr 2020 gab es laut DGUV 760.492 meldepflichtige Arbeitsunfälle, von denen 13.227 zu Arbeitsunfallrenten und 399 zum Tode führten. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 sind die Zahlen zwar jeweils um knapp 13% bzw. 1% und 19% gesunken, dennoch betont die DGUV, die nicht zu unterschätzende Auswirkung von Corona, die viele Betriebe zu Kurzarbeit zwang (Stand 2019: 871.547 Arbeitsunfälle, 13.362 Unfallrenten, 497 tödliche Arbeitsunfälle).

Wenig überraschend, dass Betriebe also ein immerwährend großes Interesse an der Reduktion solcher Unfälle haben und durch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) behördlich verpflichtet sind, die Sicherheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten und eine fachkundige Person mit allen Fragen rund um das Thema Gesundheitsschutz im Arbeitsalltag zu betrauen. Von Industrie und Bau über Logistik und Nahrungsmittelhandwerk bis hin zu verwaltungstechnischen Organisationen und Wohlfahrt suchen daher Unternehmen jedweder Branche Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit entsprechender Qualifikation.

Werfen wir einen Blick in bekannte Jobsuchmaschinen wie Indeed finden sich deutschlandweit allein für diese spezifische Qualifikation „Fachkraft für Arbeitssicherheit“ 2.480 offene Stellenausschreibungen (Stand: 02.11.2021). Hinzu kommen fachspezifische oder berufsspezifische Jobbörsen wie die von arbeitssicherheit.de oder ingenieur.de. Natürlich erfolgt die Stellenbesetzung aber auch über Dienstleister oder den verdeckten Stellenmarkt.

Aufgaben, Pflichten und Voraussetzungen für die Fachkraft für Arbeitssicherheit

Von Arbeitsschutzanforderungen über gesundheitsfördernde Faktoren bis hin zur Gefährdungsbeurteilung sind die Aufgaben einer Fachkraft für Arbeitssicherheit im Arbeitssicherheitsgesetz § 6 genauestens definiert. Zuständig für den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz bringt die Fachkraft für Arbeitssicherheit das nötige Wissen um zu beachtende Unfallverhütungsvorschriften mit, ermittelt Unfall- und Gesundheitsgefahren und erarbeitet geeignete Maßnahmen zur Vermeidung solcher Gefahren- und Unfallquellen am Arbeitsplatz. Überdies berät und unterstützt sie den Betrieb hinsichtlich der Umsetzung der vorgeschlagenen Sicherheitsmaßnahmen.

Um als Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt werden zu können, müssen bestimmte berufliche Voraussetzungen erfüllt sein, die im Arbeitssicherheitsgesetz festgeschrieben sind. Hierzu ist im Regelfall eine technische Vorbildung plus zweijährige Berufspraxis gefragt, die die angehende Fachkraft für Arbeitssicherheit als Ingenieur:in, Meister:in oder Techniker:in ausweist. Mit Abschluss des Lehrgangs zur Fachkraft für Arbeitssicherheit weisen die genannten Berufsgruppen ihre nach DGUV Vorschrift 2 erforderliche sicherheitstechnische Fachkunde nach und können sich fortan als Sicherheitsingenieur:in, Sicherheitsmeister:in oder Sicherheitstechniker:in betiteln und als Fachkraft für Arbeitssicherheit tätig werden.

In Abstimmung mit dem angestrebten Unfallversicherungsträger können aber auch Personen, die eine meisterähnliche Tätigkeit ausgeübt haben oder durch einen nichttechnischen Beruf eine gleichwertige Qualifikation vorweisen, die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit absolvieren und in diesem Kontext arbeiten. Jedoch dürfen sie nach Erwerb der Fachkunde nicht die Titel Sicherheitsingenieur:in, -meister:in oder –techniker:in tragen.

Weiterbildung bei der LVQ: Fachkraft für Arbeitssicherheit Stufe I bis III

Damit Sie Unternehmen auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit beraten und unterstützen können, erwerben Sie in unserer Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit das notwendige Fach- und Handlungswissen. Dazu gehören für die Stufen I und II nach DGUV:

  • die Kenntnis um gesundheitsfördernde und Gefährdungsfaktoren
  • sowie überbetriebliche Arbeitsschutzsysteme und Arbeitsschutzanforderungen,
  • das Behandeln konzeptionell-planerischer Aufgaben, um Arbeitsbedingungen einschätzen und beurteilen zu können,
  • die Anfertigung einer Gefährdungsbeurteilung im Rahmen einer Begehung und
  • die vorgesehenen Lernerfolgskontrollen.
  • Zusatz in der LVQ: Sie vertiefen Ihr Wissen im Bereich Arbeitsschutz im Rahmen der TÜV-Tage „Auditor Arbeitsschutzmanagement“ und unter anderem auch in der Norm ISO 45001.

Aufbauend auf Ihre in den Stufen I und II erworbenen Kenntnisse – die Voraussetzungen für eine Teilnahme der folgenden Stufe sind – vermittelt die Stufe III, die wir in Kooperation mit Mplus Management GmbH durchführen:

  • branchenbezogene Erweiterungen,
  • Lösungsstrategien anhand konkreter Fallbeispiele und
  • typische bereichsbezogene Gefährdungen sowie
  • arbeitsbedingte Belastungen.

Diese letzte Stufe ist der spezifisch-berufsgenossenschaftliche Teil der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit und zwingend erforderlich, um als Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt werden zu können. Er umfasst die Rahmenthemen der Branchen Maschinenbau, Metall, Hütten- und Walzwerk der BG Holz und Metall, der Branchen Energie- und Wasserwirtschaft der BG ETEM sowie der BG Bau. 

Die Besonderheit unserer Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit hebt Geschäftsführer Lars Hahn noch einmal deutlich hervor:

In nur drei Monaten lernen unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer komprimiert die entscheidenden Rahmenthemen der Fachkraft für Arbeitssicherheit kennen und können im Anschluss als solche bestellt werden. Das Besondere hierbei ist, dass wir einer der wenigen Anbieter sind, die diesen behördlich zu genehmigenden Lehrgang auch über die Förderung der Bundesagentur für Arbeit anbieten. So können Ingenieur:innen, Meister:innen, Techniker:innen und vergleichbare Fachkräfte, die sich zwischen zwei Jobs befinden, die SiFa als Vollzeitkurs während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit absolvieren – und das schon seit mehr als zwanzig Jahren.“ 

Weiterbildung öffnet Türen

Nicht immer muss die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ausschließlich berufliche Perspektiven in die eine Richtung aufzeigen. Während die hohe Nachfrage am Arbeitsmarkt nach Fachkräften für Arbeitssicherheit zweifelsohne für eine Weiterbildung spricht, kann sich für viele Branchen und Berufszweige auch eine Kombination mit Themen wie Qualität (QM), Umwelt (UM) oder Projektmanagement (PM) anbieten. Inwieweit eine solche Weiterbildung individuell gesehen Türen öffnen kann, zeigen Beispiele unserer Absolventinnen und Absolventen.

1. Dirk Brinkmann, gelernter Vulkaniseur

Nach einem Unfall konnte Dirk Brinkmann seiner Arbeit nicht länger nachgehen und startete dank Rentenversicherung in eine Kombinationsweiterbildung aus SiFa, UM, QM und PM. Heute arbeitet er als Fachkraft für Arbeitssicherheit bei einem Personaldienstleister im Fleischergewerbe:

Ich fahre als SiFa zu den Schlachtbetrieben, beobachte die Abläufe aus arbeitssicherheitstechnischer Sicht [und kann] einen Teil meiner Arbeit, die Schreibarbeiten und Dokumentation, von zuhause aus machen. Durch meine Weiterbildung im Qualitätsmanagement überlegt [mein Arbeitgeber zudem], sich als erster Personaldienstleister im Fleischergewerbe zertifizieren zu lassen.

2. Keramikingenieurin Silke Krieger

Silke Krieger musste sich aufgrund der schrumpfenden Keramikindustrie umorientieren, entschied sich nach anfänglicher Skepsis für eine Kombination aus SiFa, QM und UM und arbeitet heute als Fachkraft für Arbeitssicherheit in ihrem Heimatort:

Der Bedarf an Fachkräften für Arbeitssicherheit ist sehr groß, da gibt es nicht so viele auf dem Markt, die auch noch Berufserfahrung im technischen Bereich haben… [Und nun] habe ich in meinem jetzigen Job als Fachkraft für Arbeitssicherheit viele Überschneidungen mit dem Gelernten, vor allem den Themen aus dem Umweltmanagement.

3. Mathias Quint, meisterähnliche Tätigkeit

Auch Mathias Quint hat seine Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) mit den drei Weiterbildungsmodulen aus QM sowie UM kombiniert. Heute profitiert er in seiner Stabsrolle als HSE-Manager bei einem großen Lebensmittelkonzern speziell von der Kombination SiFa und QM:

Die Konstellation Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement und Umwelt ist für den Bereich HSE sehr wichtig... [Zum Beispiel wurde] mein Sicherheitskonzept sowie Sicherheitsrichtlinien weltweit vom Konzern übernommen und in den Markt ausgerollt. Hier kam das Thema Qualitätsmanagement dazu, in Form von internen Audits, ergänzend zur Arbeitssicherheit.

Fachkraft für Arbeitssicherheit: Stetig gefragt

Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind derzeit, aber auch künftig, auf dem Arbeitsmarkt äußerst gefragt. Mit der Ausbildung ergibt sich insbesondere für berufserfahrene Meister:innen, Ingenieur:innen und Techniker:innen dadurch die Chance auf ein neues Tätigkeitsfeld in den unterschiedlichsten Branchen. Dabei lässt sich die Weiterbildung durch den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters fördern und bereits in nur drei Monaten abschließen. Eine spannende Alternative, um die Zeit zwischen zwei Jobs entsprechend sinnvoll zu nutzen und zeitgleich möglichst kurz zu halten – nicht zuletzt für den Lebenslauf.


 


 

 

 

Auch für Berufstätige interessant

Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit kann bei der LVQ nicht nur in Vollzeit als Arbeitssuchende:r absolviert werden. Auch Berufstätige und Unternehmen haben dank der LVQ Business Akademie die Chance dazu, sich auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit weiterzubilden – ab 2022 sowohl in Online-Präsenz als auch in reiner Präsenz in Mülheim. Dies kann unter bestimmten Voraussetzungen anteilig durch den Bildungsscheck NRW oder andere Fördermöglichkeiten gefördert werden.

 „Wir führen die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit schon seit Jahren auch berufsbegleitend für Beschäftigte und Unternehmen in der LVQ Business Akademie durch. Diese findet im Blockunterricht statt und berücksichtigt nur die Präsenzphasen des SiFa-Lehrgangs. Die Selbstlernphasen erarbeiten die Teilnehmer:innen in Eigenregie. Dadurch ergibt sich eine Kursdauer für die Stufe I und II von 25 Tagen. Im Anschluss kann der 6-tägige Stufe III-Kurs von Montag bis Samstag absolviert werden.“, erklärt Dorothee Düking, Leitung der LVQ Business Akademie.


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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Autor

Angela Borin

ist Mitarbeiterin in der Online-Kommunikation und im Online-Marketing bei der LVQ. Als Berufseinsteigerin schreibt sie insbesondere über Berufsorientierung und Jobsuche.