Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa 3.0) – Weiterbildung mit Bildungsgutschein

13.03.2025, Angela Borin

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Unfälle, Krankheiten und sich daraus ergebende langfristige gesundheitliche Einschränkungen – kurzum Ausfallzeiten von Arbeitnehmer*innen – resultieren für Unternehmen in zusätzlichen Kosten und Einschränkungen der alltäglichen Arbeitsprozesse. Kaum verwunderlich, dass Unternehmen sich zur Sicherung Ihrer Wettbewerbsfähigkeit und des wirtschaftlichen Erfolgs für den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz interessieren. Obendrein sind sie auch behördlich dazu angehalten, eine Fachkraft für diese Aufgabe abzustellen. Diese Pflicht führt zu einem hohen Bedarf an Fachkräften, sodass auch Berufs- oder Quereinsteiger*innen mit entsprechender, aktueller Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa 3.0) gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

  • Mit welchen Aufgaben genau befasst sich eine Fachkraft für Arbeitssicherheit? 
  • Wie können geforderte Qualifikationen durch eine Weiterbildung erworben werden? 
  • Wie kann eine SiFa-Ausbildung zwischen zwei Jobs kompakt in sechs Monaten absolviert werden? 
  • Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um als Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt werden zu können?

Diese und weitere Fragen erörtern wir im Folgenden und beleuchten unsere gesetzlich geregelte Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit. Diese kann für Arbeitssuchende zu 100 Prozent durch den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden. Zudem geben wir Beispiele für Arbeitssuchende, die durch die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ihren neuen Job gefunden haben.

Am Arbeitsmarkt stets gefragt

Jährlich passieren in Deutschland mehrere 100.000 Arbeits- und Wegeunfälle. Erst 2023 gab es laut DGUV 783.426 meldepflichtige Arbeitsunfälle, von denen 10.283 zu Arbeitsunfallrenten und 381 zum Tode führten. Wenig überraschend, dass Betriebe daher durch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) behördlich verpflichtet sind, die Sicherheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Zudem müssen sie dank des Arbeitssicherheitsgesetzes (ASiG) eine fachkundige Person mit allen Fragen rund um das Thema Gesundheitsschutz im Arbeitsalltag betrauen. Von Industrie und Bau über Logistik und Nahrungsmittelhandwerk bis hin zu verwaltungstechnischen Organisationen und Wohlfahrt: Unternehmen jedweder Branche suchen Mitarbeiter*innen mit entsprechender Qualifikation.

Werfen wir einen Blick in bekannte Jobsuchmaschinen wie Indeed, finden sich deutschlandweit allein für „Fachkraft für Arbeitssicherheit“ mehr als 2.000 offene Stellen (Stand: 10.02.2025). Hinzu kommen fach- oder berufsspezifische Jobbörsen wie die von hsseq4u.de oder ingenieur.de. Natürlich erfolgt die Stellenbesetzung aber auch über Dienstleister oder den verdeckten Stellenmarkt.

Aufgaben, Pflichten und Voraussetzungen für die Fachkraft für Arbeitssicherheit

Die Aufgaben einer Fachkraft für Arbeitssicherheit im Arbeitssicherheitsgesetz § 6 sind von Arbeitsschutzanforderungen über gesundheitsfördernde Faktoren bis hin zur Gefährdungsbeurteilung genauestens definiert. Zuständig für den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz bringt die Fachkraft für Arbeitssicherheit das nötige Wissen um zu beachtende Unfallverhütungsvorschriften mit. Sie ermittelt Unfall- und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz und erarbeitet geeignete Maßnahmen zur ihrer Vermeidung. Überdies berät und unterstützt sie den Betrieb hinsichtlich der Umsetzung der vorgeschlagenen Sicherheitsmaßnahmen.

Um als Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt werden zu können, müssen bestimmte berufliche Voraussetzungen erfüllt sein. Hierzu ist im Regelfall eine technische Vorbildung plus zweijährige Berufspraxis gefragt, die die angehende Sifa als Ingenieur*in, Meister*in oder Techniker*in ausweist. Mit Abschluss des Lehrgangs zur Fachkraft für Arbeitssicherheit weisen die genannten Berufsgruppen ihre nach DGUV Vorschrift 2 erforderliche sicherheitstechnische Fachkunde nach (siehe auch DGUV Regel 100-002). In Abstimmung mit der zuständigen Behörde können auch andere Berufsgruppen die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit absolvieren und in diesem Kontext arbeiten. Dazu muss vorher eine meisterähnliche Tätigkeit ausgeübt worden sein oder eine gleichwertige Qualifikation durch einen nichttechnischen Beruf vorgewiesen werden.

Weiterbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa 3.0) bei der LVQ

In unserer Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit erwerben die Teilnehmer*innen das nötige Fach- und Handlungswissen, um Unternehmen auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit bestmöglich zu beraten und zu unterstützen. Folgende Inhalte vermittelt die Weiterbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa 3.0) nach dem Plan der DGUV:

  • die Kenntnis um gesundheitsfördernde und Gefährdungsfaktoren,
  • Arbeitssysteme und betriebliche Organisationen sowie
  • überbetriebliche Arbeitsschutzsysteme und Arbeitsschutzanforderungen,
  • die Fähigkeit zur Beurteilung von Arbeitsbedingungen,
  • die Gestaltung von Arbeitssystemen und
  • die Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Organisation.

In insgesamt 112 Tagen eignen sich unsere angehenden SiFas erforderliches branchenübergreifendes Wissen und Kompetenzen einer Fachkraft für Arbeitssicherheit an. Dies geschieht in Präsenzphasen (SEM-Phase), in selbstorganisierten Lernphasen (SOL-Phase) und in projektbezogenen Besuchen im Unternehmen (PRA-Phase). Die fünf vorgesehenen Lernerfolgskontrollen und die Durchführung eines Projektes (in einem selbstgesuchten Betrieb) – inklusive des erforderlichen Praktikumsberichts – führen bei Bestehen zum erfolgreichen Abschluss der Fachkraft für Arbeitssicherheit 3.0. 

Mit Lernfeld 6, welches wir in Kooperation mit der MPlus Management GmbH durchführen, bauen unsere Teilnehmer*innen in weiteren 8 Tagen auf die bisher erworbenen Kenntnisse auf. Diese letzte Stufe bildet die branchenbezogene Handlungsfeld-Erweiterung der Berufsgenossenschaft. Nur die erfolgreiche Teilnahme an beiden durch den Bildungsgutschein förderbaren Kursen ermöglicht eine Bestellung zur Sifa. Die Vorgaben für die Bestellung als Fachkraft für Arbeitssicherheit sind in den Vorschriften der DGUV geregelt.

Die Besonderheit unserer Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit hebt Lernbegleiter Marian Schmerkötter hervor:

„Teilnehmerinnen und Teilnehmer eignen sich ihr Wissen mithilfe der Ilias-Welt nun noch praxisorientierter an. Die Ausbildung lebt davon, eigenständig zu reflektieren, welche Kompetenzen ich als Teilnehmer*in schon erlangt habe und welche ich noch ausbauen muss. Dies geschieht sehr lebensnah und orientiert sich an der Natur des Berufslebens. Im Gegensatz zu anderen Kursen, in denen Teilnehmende üblicherweise durch Dozent*innen unterrichtet werden, erarbeiten angehende Sifas den Lernstoff also absolut eigenständig. Sie werden dabei lediglich von Lernbegleiter*innen bei jeder Stufe ihres Kompetenzerwerbs begleitet.“

Weiterbildung öffnet Türen

Nicht immer muss die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ausschließlich berufliche Perspektiven in die eine Richtung aufzeigen. Während der hohe Bedarf an Fachkräften für Arbeitssicherheit zweifelsohne für eine Weiterbildung spricht, kann sich für viele Branchen und Berufszweige auch eine Kombination mit Themen wie Qualität (QM), Umwelt (UM), Projektmanagement (PM), Scrum oder KI anbieten. Inwieweit eine solche Weiterbildung individuell gesehen Türen öffnen kann, zeigen Beispiele unserer Absolvent*innen:

1. Silvia Reufzaat, gelernte Diplom-Verwaltungswirtin

Bereits seit mehr als 10 Jahren berät Silvia Reufzaat als Projektleiterin Unternehmen in Belangen des Qualitätsmanagements und des Brandschutzes. Im Rahmen der Beschäftigtenqualifizierung der Bundesagentur für Arbeit bildet sie sich nun für die KMU-Kund*innen ihres Arbeitgebers, ein Ingenieurbüro, in Kombination mit KI und Scrum zur Fachkraft für Arbeitssicherheit weiter.

„Arbeitsschutz ist eines unserer Kernthemen. Als beratendes Ingenieurbüro macht Qualifizierung deswegen doppelt Sinn: Ich kann nur zu Themen beraten, in denen ich fachlich und methodisch fit bin. Es ist als Argument beim Kunden einfach sehr wichtig, belegen zu können, dass ich den fachlichen Background und die formale Qualifikation habe, um Projekte auch in diesem Themenfeld eigenständig führen und begleiten zu können. Die neue Ausgestaltung der Sifa 3.0 war für mich daher eine spannende Erfahrung. Unser Geschäftsführer, selber Betriebssicherheitsmanager war wie ich davon begeistert, dass das Thema Arbeitsschutz im neuen Format nicht nur so eng auf Gefährdung zu fassen ist, sondern dass es noch mehr in den betrieblichen Kontext eingebunden wird. Dadurch, dass ich die Sifa 3.0 machen darf, können wir nun auch die neuen Erkenntnisse und Änderungen direkt für unsere Kunden miteinbinden. Das bereichert uns als Unternehmen wahnsinnig.“

2. Keramikingenieurin Silke Krieger

Silke Krieger musste sich aufgrund der schrumpfenden Keramikindustrie umorientieren, entschied sich nach anfänglicher Skepsis für eine Kombination aus Sifa, QM und UM und arbeitet heute als Fachkraft für Arbeitssicherheit an ihrem Heimatort:

„Der Bedarf an Fachkräften für Arbeitssicherheit ist sehr groß, da gibt es nicht so viele auf dem Markt, die auch noch Berufserfahrung im technischen Bereich haben … [Und nun] habe ich in meinem Job als Fachkraft für Arbeitssicherheit viele Überschneidungen mit dem Gelernten, vor allem den Themen aus dem Umweltmanagement.“

3. Mathias Quint, meisterähnliche Tätigkeit

Auch Mathias Quint hat seine Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) mit den Weiterbildungsmodulen QM und UM kombiniert. Heute profitiert er in seiner Stabsrolle als HSE-Manager bei einem großen Lebensmittelkonzern speziell von der Kombination Sifa und QM:

„Die Konstellation Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement und Umwelt ist für den Bereich HSE sehr wichtig ... [Zum Beispiel wurde] mein Sicherheitskonzept sowie Sicherheitsrichtlinien weltweit vom Konzern übernommen und in den Markt ausgerollt. Hier kam das Thema Qualitätsmanagement dazu, in Form von internen Audits, ergänzend zur Arbeitssicherheit.“

Fachkraft für Arbeitssicherheit: Stetig gefragt

Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind derzeit, aber auch künftig, auf dem Arbeitsmarkt äußerst gefragt. Mit der Ausbildung ergibt sich insbesondere für berufserfahrene Meister*innen, Ingenieur*innen und Techniker*innen die Chance auf ein neues Tätigkeitsfeld in den unterschiedlichsten Branchen. Dabei lässt sich die sechsmonatige Weiterbildung durch den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters fördern. Sie bildet dadurch eine spannende Alternative, um die Zeit zwischen zwei Jobs entsprechend sinnvoll zu nutzen und zeitgleich möglichst kurz zu halten – nicht zuletzt für den Lebenslauf.

Bist auch du als Fachkraft für Arbeitssicherheit tätig? Erzähl uns in den Kommentaren gern, wie du deine Weiterbildung wahrgenommen hast und welche Learnings du mitnehmen konntest.


 

 

 

 


 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Martin Salwiczek, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.

Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

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2 Kommentare

Andrea
01. März 2023

Ich habe einen Bildungsgutschein nehmen sie ihn bei der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit?

Lg Burig


Martin Salwiczek
02. März 2023

Hallo Frau B.,

 

ja, dies ist möglich!

 

Über diesen Link finden Sie unsere Ansprechpartnerinnen, mit denen Sie einen Beratungstermin zur Eignungsfeststellung vereinbaren können:

 

www.lvq.de/weiterbildung/kurs/detail/fachkraft-fuer-arbeitssicherheit-stufe-i-und-ii.html

 

Mit freundlichen Grüßen,

Martin Salwiczek


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