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„Ich würde meinen Job nicht mehr tauschen wollen“- Quereinsteigerin und Fachkraft für Arbeitssicherheit Silke Krieger im Interview

Silke Krieger (50) war über 20 Jahre in der Keramikbranche tätig. Da der Bereich kaum noch Stellen hergab, sattelte sie auf den Bereich Arbeitssicherheit um. Dabei war sie anfangs sehr skeptisch, ob sie in dem Bereich überhaupt tätig sein wollte. Seit über einem Jahr ist sie nun Fachkraft für Arbeitssicherheit bei der ASG Ingenieure GmbH in Neuwied. Wie sie ihre anfängliche Skepsis ablegte und den Quereinstieg schaffte, erzählt sie in diesem Interview.

 

Martin Salwiczek: Hallo Frau Krieger, danke dass Sie sich die Zeit nehmen. Die Vorstellungsrunden aus der LVQ-Zeit kennen Sie ja noch, also stellen Sie sich doch bitte auch kurz unseren Lesern vor.

 

Silke Krieger: Gerne! Mein Name ist Silke Krieger, jetzt 50 Jahre alt, während meiner Weiterbildung war ich 48. Ich bin gelernte Keramikingenieurin mit über 20 Jahren Erfahrung in der Keramikbranche in verschiedenen Aufgabenbereichen. Nach acht Jahren im letzten Unternehmen passte es nicht mehr, und ich musste mir etwas Neues überlegen. Ich wohne in einer Region, in der die Keramikindustrie auf dem Rückzug ist, so dass klar war, dass ich in dem Bereich nicht mehr unterkomme. Wegziehen wollte ich nicht, also musste ich mir etwas anderes überlegen. Die Agentur für Arbeit machte mir Weiterbildungsvorschläge, die in Richtung Vertrieb gingen, da ich in diesen Bereich zuletzt gearbeitet habe…

 

Martin Salwiczek: …und weil sie dort für Sie die besten Quereinstiegschancen gesehen haben?

 

Silke Krieger: Ja, aber ich bin keine klassische Vertrieblerin sondern habe eher als Service-Technikerin gearbeitet. Mit Kundenakquise hatte ich nichts zu tun, sondern mit der technischen Beratung vor Ort. Trotzdem schaute ich mir die entsprechenden Angebote und die Bildungsträger an. Wirklich zufriedengestellt hat mich das nicht. Dann bekam ich irgendwann den Hinweis auf die LVQ.

Arbeitssicherheit statt Vertrieb

Martin Salwiczek: Wobei wir Weiterbildungen speziell für den Vertrieb ja nicht anbieten.

 

Silke Krieger: Genau, eher Weiterbildungen wie die Fachkraft für Arbeitssicherheit, die mich übrigens zunächst abschreckte. Da fand ich die Qualitäts-Schiene und das Umweltmanagement schon viel interessanter und passender zu meinem Beruf. Dennoch wurde mir bei der Beratung von Lars Hahn die Fachkraft für Arbeitssicherheit neben Qualitäts- und Umweltmanagement empfohlen, da sich die Qualifikation gut mit den übrigen Themen ergänzen würde. Also entschied ich mich für die Weiterbildung.

 

Martin Salwiczek: Was natürlich eine ganz andere Richtung als der Vertrieb ist.

 

Silke Krieger: Ja, gerade die SiFa (kurz: Fachkraft für Arbeitssicherheit). Und ich war auch nicht wirklich überzeugt, ob mir diese Qualifikation weiterhelfen würde. Die Skepsis steigerte sich am ersten Tag, als Frau Neumann von der LVQ morgens in den Raum kam und fragte, wo denn ihre Quotenfrau sei. Und tatsächlich war ich die einzige Frau im Kurs und dann noch eine der wenigen, die ihren ersten Kurs bei der LVQ machten. Die meisten hatten bereits davor die QM-Weiterbildungen oder andere Kurse gemacht. Nach drei Tagen stellte ich mir die Frage, wie ich das wohl über die Bühne kriege.

Zweifel zu Beginn

Martin Salwiczek: Wie lief es dann?

 

Silke Krieger: Ich bin von meiner Einstellung her eher pragmatisch. Also sagte ich mir, irgendwie schaffe ich das schon. Und das gegenseitige Beäugen zu Beginn ist ja ganz normal. Ich sah dann, dass es den anderen im Grunde genommen ja auch nicht anders ging als mir. Egal ob es erfahrene Leute waren oder jüngere frisch von der Uni, alle machten die Weiterbildungen, um einen Job zu bekommen. Und wenn man mehr als zwei Monate zusammen ist, dann entsteht da was Besonderes im Laufe der Zeit.

 

Martin Salwiczek: Wie bekamen Sie es fachlich über die Bühne? Sie sprachen den Zeitraum an, etwas mehr als zwei Monate für die Stufen I und II, was für die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit schon ein knapper Zeitraum ist.

Das Lernen neu lernen

Silke Krieger: Inhaltlich war das für mich nicht so das große Problem, da ich ja einen technischen Hintergrund habe. Die Menge an Stoff war eher die Herausforderung. Gerade nach so einer langen Zeit musste ich erst mal wieder lernen zu lernen.

 

Martin Salwiczek: Vor dieser Herausforderung stehen viele Menschen vor und während der Weiterbildung und haben Bedenken, dass sie den Stoff und die Prüfungen schaffen. Wie haben Sie das gemacht? Hatten Sie eine besondere Technik?

 

Silke Krieger: Wenn ich eine Technik hatte, dann Mut zur Lücke. Spaß beiseite, ich habe irgendwann einfach angefangen. Für mich war es wichtig, Ruhe beim Lernen zu haben. Einige Leute im Kurs sind vor den Prüfungen nervös geworden. Da habe ich mich nicht von anstecken lassen. Ein Vorteil hatte ich dadurch, dass ich von weiter her kam: Mein Apartment war Nahe beim Bildungszentrum der LVQ gelegen, so hatte ich nicht so weite Anfahrtszeiten wie andere und mehr Zeit zum Lernen. Man hatte aber auch während der Weiterbildungszeit viele Selbstlernphasen. So viel musste ich abends dann nicht mehr machen.  

 

Martin Salwiczek: Wie lief es im Vergleich mit den Weiterbildungen im Qualitätsmanagement und Umweltmanagement?

 

Silke Krieger: Im Rückblick bin ich froh, dass ich die Fachkraft für Arbeitssicherheit zunächst gemacht hatte, da es von allen Kursen der lernintensivste war. Da ging es mir bei den Qualitätsmanagement-Kursen etwas leichter von der Hand. Umweltmanagement anschließend hatte noch mal eine Menge Stoff, war dann aber nach der Vorbereitung gut zu schaffen. Es hat sich aber gelohnt, sich in die Themen einzuarbeiten. So habe ich in meinem jetzigen Job als Fachkraft für Arbeitssicherheit viele Überschneidungen mit dem Gelernten, vor allem den Themen aus dem Umweltmanagement.

Mut zur Bewerbung als Quereinsteigerin

Martin Salwiczek: Trotz anfänglicher Skepsis arbeiten Sie jetzt als Fachkraft für Arbeitssicherheit. Wie sind Sie an den Job gekommen?

 

Silke Krieger: Schon während meiner Weiterbildung fand ich bei XING eine Stellenausschreibung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit und Brandschutzbeauftragten in meinem Heimatort. Zunächst war ich unsicher, da ich immer noch nicht sicher war, ob ich in dem Bereich überhaupt arbeiten wollte. Dazu fehlte mir noch die Stufe III, um eine fertig ausgebildete SIFA zu sein, und von Brandschutz hatte ich gar keine Ahnung. Ich sprach dann mit Frau Peißig von der LVQ, die mir sagte, dass ich nichts zu verlieren hätte. Und ich dachte mir, dass es schon blöd wäre, sich nicht auf eine Stelle zu bewerben, die zehn Minuten von mir zu Hause entfernt ist. Also schickte ich die Bewerbung ab und bekam dann auch recht schnell die Einladung zum Vorstellungsgespräch.

 

Martin Salwiczek: Obwohl Sie Quereinsteigerin in diesem Bereich sind…

 

Silke Krieger: Das fanden die gar nicht schlimm. Der Bedarf an Fachkräften für Arbeitssicherheit ist halt sehr groß, da gibt es nicht so viele auf dem Markt, die auch noch Berufserfahrung im technischen Bereich haben. Mir fehlte ja nur die Stufe III, die man in einem vergleichbar kurzen Zeitraum machen konnte. Die zahlte mir dann die Firma.

Wichtig war vor allem die Chemie im Gespräch, und dass die auch keine Bedenken hatten, dass ich mir die fehlenden Kenntnisse schnell aneignen kann.

Menschliche Komponente entscheidend bei der Jobwahl

Martin Salwiczek: Wie ging es Ihnen mit Ihrer Skepsis dabei?

 

Silke Krieger: Eigentlich wollte ich nach der Weiterbildung ja eher in den Bereich Qualitätsmanagement. Aber da die Stelle so nahe von zu Hause ist und ich auch menschlich einen sehr guten Eindruck hatte, habe ich mich entschieden, die Stelle anzunehmen. Ich dachte mir, das könnte klappen.

 

Ich habe zuvor meist bei größeren Unternehmen gearbeitet. Hier haben wir zwölf Festangestellte, zwei Freiberufliche und eine studentische Hilfskraft. Das Persönliche spielt hier eine ganz große Rolle. Das kannte ich vorher so gar nicht. Ich dachte, hier musst du unterschreiben.

 

Martin Salwiczek: So, wie Sie das Lernen neu lernen mussten, war es mit Sicherheit auch eine Herausforderung, nach vielen Jahren einen ganz anderen Beruf auszuüben. Wie sind Sie das angegangen?

 

Silke Krieger: Das war anfangs schon viel, da du ja auch erst mal die Strukturen im neuen Unternehmen kennenlernen musst und die jeweiligen Kunden. Da kommt mir mit Sicherheit entgegen, dass ich nicht menschenscheu bin. Man hat es mir auch wirklich einfach gemacht und mich gut eingearbeitet.

Meine Erfahrungen im technischen Bereich waren mit Sicherheit auch von Vorteil und letztlich bin ich durch die Ausbildung bei der LVQ gut vorbereitet worden.

 

Martin Salwiczek:  Ein Thema über das keiner gerne spricht aber das viele interessiert: Wenn man von einem Großunternehmen zu einen kleinen Betrieb als Quereinsteigerin wechselt, wie sieht das mit der finanziellen Komponente aus?

 

Silke Krieger: Klar verdiene ich deutlich weniger als vorher, kann aber gut davon leben. Dazu muss man sagen, dass ich zuvor in der chemischen Industrie tätig war, und die liegt tariflich ganz weit vorne. Allzu schlecht verdiene ich jetzt auch nicht.

Ich muss jetzt aber auch kein Geld scheffeln. Mir sind andere Faktoren auch wichtig, der Spaß bei der Arbeit, das Menschliche, was ich beschrieben habe und bei meiner jetzigen Stelle finde. Ich würde meinen Job nicht mehr tauschen wollen.

 

Martin Salwiczek: Das ist ein schönes Schlusswort, danke für das Interview!

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Hier schreiben Lars Hahn, Martin Salwiczek und Gastautoren.

 

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

 

Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

 

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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3 Kommentare

26. September 2018

Ein interessanter Beitrag zum Thema Quereinstieg als Sicherheitsfachkraft. Wie man sieht, ist dieser mit einem gewissen Schatz an Vorerfahrungen durchaus möglich. Wobei in Großstädten diese Möglichkeiten eines Quereinstieg vermutlich geringer sind aufgrund vieler vorhandener Fachkräfte.


Susanne
10. August 2018

Tolles Interview! Ich selbst bin auch ein Quereinsteiger und kann nur ähnliches berichten. Unser Betriebsrat sorgt dafür, dass alle Mitarbeiter sicher am Arbeitsplatz arbeiten und gibt uns regelmäßig Gelegenheit Verbesserungsvorschläge einzubringen. Sobald es im Arbeitsschutz Neuigkeiten gibt dürfen wir Seminare wie dieses besuchen. Es wäre wünschenswert wenn jedes Unternehmen so an Ihre Arbeitnehmer denkt.


[…] Mal ehrlich: Für den objektiven Betrachter gibt es beim Fußball kaum was Schöneres, als wenn der Außenseiter erfolgreich ist. Und mit der richtigen Einstellung kann es sogar mit dem Job klappen, wenn man sich weniger als 70 Prozent Chancen für den Job ausrechnet. So wie bei Silke Krieger. […]


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Mitarbeiter

Autor

Martin Salwiczek

ist bei der LVQ als Berater, Dozent und Projektmanager beschäftigt. Durch seine Dozententätigkeiten und Coachings hat er einen engen Draht zu den Teilnehmern der LVQ. Daraus zieht er Ideen für seine Beiträge, interviewt die Absolventen und hat spannende Geschichten zu erzählen.