LVQ – Karriere-Blog https://www.lvq.de/karriere-blog Wertvolles Wissen für Ihre Zukunft Sat, 04 Feb 2023 09:31:40 +0100 Sat, 04 Feb 2023 09:31:40 +0100 t3extblog extension for TYPO3 https://www.lvq.de/typo3conf/ext/sg_sitepackage/Resources/Public/Assets/Images/lvq-blog-feed-logo.jpg LVQ – Karriere-Blog https://www.lvq.de/karriere-blog Jobmessen, Karrieretage und Branchenevents im Überblick – Der LVQ... Thu, 26 Jan 2023 08:04:00 +0100 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/bewerbung-und-jobsuche/jobmessen-und-karrieretage-im-ueberblick-der-lvq-messekalender.html post-208 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/bewerbung-und-jobsuche/jobmessen-und-karrieretage-im-ueberblick-der-lvq-messekalender.html Martin Salwiczek Jobmessen, Karrieretage und Branchenevents sind wichtige Bestandteile der Bewerbungsstrategie. In unserem aktualisierten Messekalender finden Sie die 2023 anstehenden Events für Jobsuche und Karriere… Jobmessen, Karrieretage und Branchenevents im Überblick – Der LVQ Messekalender by Martin Salwiczek 26-01-23

Categories: Bewerbung und Jobsuche

Von Angela Borin und Martin Salwiczek

Auf dieser Seite finden Sie einen stets aktualisierten Kalender mit allen relevanten Job- und Karrieremessen – mit Fokus auf NRW, aber auch deutschlandweite Jobmessen finden Berücksichtigung. Ergänzt haben wir unseren Messekalender mit den wichtigsten Bildungsmessen, denn auch bei diesen können Sie auf potentielle Arbeitgeber treffen, sofern Weiterbildung und Arbeitsmarktintegration Ihre Branchen sind. Zudem finden sich internationale Fach- und Leitmessen sowie Branchenevents aus ganz Deutschland in unserem Messekalender.

Auf verschiedenen Veranstaltungen kommen Sie auch mit uns ins Gespräch. Viele unserer Weiterbildungsteilnehmer/innen haben uns auf Messen kennengelernt und somit ihre Weiche für die berufliche Zukunft gestellt. Daher haben wir die Termine gekennzeichnet, bei denen Sie uns vor Ort antreffen. Und wenn wir keinen Stand vor Ort haben, dann verabreden Sie sich doch mit uns. Wir freuen uns darauf, Sie zu treffen.

Jobmessen und Karrieretage – Nutzen für die Jobsuche

Nach wie vor sind Jobmessen und Karrieretage, aber auch Fachmessen und Branchenevents – ganz gleich ob vor Ort oder virtuell – ein wichtiger, häufig auch entscheidender Bestandteil der Jobsuche. Da, wo man an der Karriereplattform von Unternehmenswebseiten scheitert, kann das persönliche Gespräch mit einem oder einer Personalverantwortlichen der entscheidende Türöffner sein. LVQ-Absolvent und Geisteswissenschaftler Dominik Timmerbeil machte folgende Erfahrung:

 „Zur Jobsuche hat bei mir ein Umdenken stattgefunden (…). Bei der Bewerbung auf Stellenanzeigen, ob jetzt online oder print, gab es kaum Resonanz und auch kein Feedback auf meine Bewerbungen. Dieses Vorgehen ist mittlerweile old-school. Wichtiger ist der persönliche Kontakt über Messen oder die direkte Ansprache von Menschen. Das ist zwar nicht jedermanns Sache, aber beim einfachen Schriftverkehr ist man nur ein Name auf einem Stück Papier. Die besten Bewerbungsunterlagen kommen einfach nicht an den persönlichen Auftritt heran.

Auch Tamara Wyszynski, 2015 Teilnehmerin bei der LVQ, betont die Bedeutung von Netzwerkveranstaltungen:

Gute Netzwerkveranstaltungen sind gerade in Veränderungsphasen eine absolute Horizonterweiterung. Man trifft Menschen, denen man so nie begegnen würde, und man lernt ganz viel. Es geht darum, neue Impulse, Ideen und Anregungen zu bekommen und interessante Kontakte zu knüpfen.

Mit Jobmessen, Karrieretagen und Branchenevents in den verdeckten Arbeitsmarkt

Deshalb motivieren wir bei der LVQ unsere Teilnehmer/innen regelmäßig dazu, Jobmessen, Karrieretage, Fachmessen oder Branchenevents zu besuchen. Wir sehen sie als elementare Maßnahme, um auch an Stellen im verdeckten Arbeitsmarkt zu kommen.

Sowohl Karrieremessen als auch Fachmessen sind überdies die idealen Orte, um neue Kontakte zu knüpfen und damit Ihr berufliches Netzwerk zu erweitern. Sie können hier die Gespräche „üben“, falls Sie noch wenig Erfahrung beim Netzwerken haben.

Damit der Messebesuch positiv verläuft, ist eine gute Vorbereitung das A und O. Das Internet bietet viele Möglichkeiten der Informationsgewinnung über potenzielle Gesprächspartner. In unserer XING-Serie berichteten wir, wie wertvoll die Rubrik XING-Events für die Messevorbereitung ist.

Digitale Job-, Weiterbildungs- und Fachmessen als Ergänzung zu Präsenzveranstaltungen

Nun ist durch die Corona-Krise das Format der Online-Messen stark in den Vordergrund gerückt. Bereits vor einiger Zeit berichteten wir vom Besuch einer virtuellen Jobmesse als innovativen Ansatz, ohne zu ahnen das dieses Format so an Bedeutung gewinnen würde. Unsere Erfahrungen als Besucher und Aussteller während der Corona-Pandemie fassten wir in einem Beitrag zu digitalen Karrieretagen und Online-Messen zusammen und sehen auch im Online-Format einen wichtigen Baustein für die Jobsuche. Entsprechend finden Sie in unserem aktuellen Messekalender sowohl Präsenz- als auch digitale Messen.

Neu dabei: Events der Bundesagentur für Arbeit zu Jobsuche, Berufsorientierung und Weiterbildung

Erstmals aufgeführt finden sie in unseren Messekalender auch eine Auswahl interessanter Veranstaltungen der Bundesagentur für Arbeit zu den Themen Berufsorientierung, Jobsuche und Weiterbildung.

 

Messen und Branchenevents 2022/2023

ZeitName der VeranstaltungOrtSchwerpunkt / ZielgruppeLVQ
28.-29.01.2023Jobmesse HamburgHamburgallex

01.02.2023

Berufliche Chancen für Frauen

Recklinghausen

Wiedereinsteigerinnen

x

04.-05.02.2023Jobmesse MünchenMünchenallex
15.02.2023Durch den Weiterbildungsdschungel blicken

digital

Weiterbildungsinteressierte

x

23.02.2023jobvector career daydigitalNaturwissenschaftler, Ingenieur/innen, Mediziner/innen, Informatiker/innenx
26.02. - 01.03.2023EuroCISDüsseldorfLeitmesse für Retail Technoloyx
01.-02.03.2023Digital Career Day #womendigitalIT- und Digital-Interessierte Frauenx
01.03.2023Jacobs Career Fair BremenBremenAbsolvent/innenx
02.03.2023Work & CulturedigitalKonferenz zur Zukunft der Arbeitx
07.-11.03.2023didactaStuttgartFachmesse für Bildungsperspektivenx
08.03.2023Wege in Engpassberufedigitalallex
09.03.2023KarrieretagBremenallex
10.03.2023KarrieretagBerlinallex
11.-12.03.2023Jobmesse BerlinBerlinallex
14.03.2023Studienabbruch, Krise im Studium: AlternativenMünsterStudierende und Studienabbrechende

x

14.-15.03.2023

(bis 16.03.2023)

Moonova

München

digital

Expo & Conference für E-Commerce und Marketingx

14.-16.03.2023

embedded world

Nürnberg

Fachmesse für Embedded-System-Technologienx
15.03.2023Vorstellung des Orientierungstools New Plan

digital

alle

x

15.-16.03.2023

TI-Expo + Conference

Frankfurt

Fachmesse für technische Isolierung (Wärme-, Schall-, Brandschutz)x

16.03.2023

Karrieretag

Bonn

allex

18.-19.03.2023

Jobmesse Lübeck

Lübeck

allex
22.-23.03.2023WorkSafeAntwerpenMesse für Arbeitssicherheit und Gesundheitx
23.03.2023KarrieretagDüsseldorfallex
24.03.2023VDI nachrichten recruiting tagDortmundIngenieur/innenx
25.-26.03.2023Jobmesse KölnKölnallex

29.-30.03.2023

 

Pumps & Valves

Solids

Recycling-Technik

Dortmund

 

Fachmesse für industrielle Pumpen, Ventile und Prozesse

Fachmesse für Granulat-, Pulver- und Schüttgut-Technologien

Fachmesse für Recycling-Technologien

x

15.-16.03.2023

 

Jobmesse Oldenburg

Oldenburg

alle

x

17.-21.04.2023

 

Hannover Messe

Hannover

 

Führende Industriemesse mit versch. intern. Leitmessen (IT, Energie, Entwicklung, Automation, Logistik etc.)x
18.04.2023Bewerbungsstrategien am Puls der Zeitdigitalallex

18.-19.04.2023

 

Zukunft Personal Nord

Hamburg

 

Fachmesse für Personalwesenx

18.-20.04.2023

 

bonding

Dresden

 

Primär MINT &
Wirtschaftswissenschaft, aber auch
andere Fachrichtung-
en
x
25.04.2023Mut zum neuen StartdigitalBerufliche Wiedereinsteiger:innenx
25.04.2023bondingStuttgartPrimär MINT &
Wirtschaftswissenschaft, aber auch
andere Fachrichtung-
en
x
26.04.2023Karrieretag SoestSoestStudierende und Absolvent/innenx
26.04.2023meet@fh-aachenAachenMINT- und Wirtschafts-Absolvent/innenx
27.04.2023meet@fh-aachen BAUAachenAbsolvent/innen des Bauingenieurwesenx
27.04.2023KarrieremesseRavensburgallex
29.-30.04.2023Jobmesse DortmundDortmundallex
02.-06.05.2023MetpackEssenWeltleitmesse für Metallverpackungenx
03.05.2023Car ConnectsBochumIngenieur/innenx
03.05.2023KarrieretagKarlsruheallex
04.05.2023AbsolventenkongressFrankfurtHochschulabsolvent:innenx
04.05.2023Online-KarrieretagKölnKarriereveranstaltung für die
Digitalbranche
(geeignet für z.B.
Geisteswissenschaftler)
x
04.05.2023Digital Farming ConferenceBerlinKonferenz zur Zukunft der Land- und Ernährungs-wirtschaftx

04.-10.05.2023

 

interpack

components

Düsseldorf

 

Fachmesse für Verpackungen

Zuliefermesse auf der Interpack

x
06.-07.05.2023Jobmesse DüsseldorfDüsseldorfallex
09.05.2023bondingBraunschweigPrimär MINT &
Wirtschaftswissenschaft, aber auch
andere Fachrichtung-
en
x
09.-10.05.2023Zukunft Personal SüdStuttgartFachmesse für Personalwesenx
09.-11.05.2023PCIMNürnbergintern. Fachmesse für Leistungselektronikx
09.-12.05.2023ControlStuttgartintern. Fachmesse für Qualitätssicherungx
10.05.2023Campusmesse HHU DüsseldorfDüsseldorfRecruitingmesse für Studierendex
10.-11.05.2023meet@hs-hannoverHannoverMINT- und Wirtschafts-Absolvent/innenx
10.-11.05.2023meet@uni-kasselKasselAbsolvent/innen aller Fachrichtungen (auch GeiWis)x
11.05.2023Digital Office Conferencedigital

Konferenz zur Arbeitswelt von morgen

x
11.05.2023DIGITAL FUTUREcongressFrankfurtKongress für die Digitalisierung im Mittelstandx
12. - 13.05. 2023Berufsinfomesse (BIM)Offenburgallex
16.05.2023JobbörseDinslakenArbeits- und Fachkräfte
16.-17.05.2023Print & Digital ConventionDüsseldorf

Kongress-Messe zur
Unternehmens-
kommunikation
und der Print-/Digital-
technologien

x
23.-25.05.2023E-world energy & waterEssenLeitmesse für die Energiewirtschaftx

24.-25.05.2023

 

Logistics & Automation

maintenance mit worksafe

Dortmund

 

Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss

Leitmesse für industrielle Instandhaltung mit Ausstellung für Arbeitsschutz in der Industrie

x
25.05.2023Alles neu macht der Mai! - Berufliche Veränderungdigitalallex

25.05.2023

 

Karrieretag

München

alle

x
31.05.2023AbsolventenkongressHamburgHochschulabsolvent:innenx

01.06.2023

 

Online-Karrieretag

Frankfurt/Main

 

Karriereveranstaltung für die
Digitalbranche
(geeignet für z.B.
Geisteswissenschaftler)
x

03.-04.06.2023

 

Jobmesse Münster

Münster

allex

05.-07.06.2023

 

re:publica

Berlin

 

Konferenz für die digitale Gesellschaftx

07.06.2023

 

Karrieretag

Essen

 

allex
07.06.2023AbsolventenkongressEssenHochschulabsolvent:innenx

10.-11.06.2023

 

Jobmesse Emsland

Lingen

allex

12.-16.06.2023

 

GIFA

METEC

NEWCAST

Düsseldorf

 

intern. Giesserei-Fachmesse

intern. Metallurgie-Fachmesse

intern. Gussprodukt-Fachmesse

x
13.06.2023KarrieretagAachenallex
13.-15.06.2023automotive testing expo europeStuttgartInternationale Fachmesse für Test-, Prüf- und Entwicklungsverfahren in der Automobilindustriex
14.-15.06.2023meet@frankfurt-universityDarmstadtAbsolvent/innen aller Fachrichtungen (auch GeiWis)x
15.06.2023KarrieretagFrankfurtallex
20.-22.06.2023jobwunderhybridAbsolvent/innen
aller Fachrichtungen
x
22.06.2023Online-KarrieretagMünchenKarriereveranstaltung für die
Digitalbranche
(geeignet für z.B.
Geisteswissenschaftler)
x
24.-25.06.2023Jobmesse HannoverHannoverallex
27.-30.06.2023automaticaMünchenLeitmesse für intelligente Automation und Robotikx
29.06.2023KarrieretagKoblenzallex
04.07.2023Elevator Pitch - Ihre erfolgreiche Kurzpräsentationdigitalallex
06.07.2023ScieConBerlinNaturwissenschaftler/innenx
26.-27.08.2023Jobmesse BremenBremenallex
01.09.2023VDI nachrichten recruiting tagDortmundIngenieur/innenx
02.-03.09.2023Jobmesse BraunschweigBraunschweigallex
06.09.2023KarrieretagWuppertalallex
12.-14.09.2023Zukunft Personal EuropeKölnFachmesse für Personalwesenx
13.-16.09.2023RehacareDüsseldorfintern. Fachmesse für Rehabilitation und Pflegex
23.-24.09.2023Jobmesse OsnabrückOsnabrückallex
27.-30.09.2023ExpopharmDüsseldorfintern. pharmazeutische Leitmessex
28.09.2023DIGITAL FUTUREcongressMünchenKongress für die Digitalisierung im Mittelstandx
12.10.2023KarrieretagHamburgallex
14.-15.10.2023Jobmesse StuttgartStuttgartallex
18.10.2023Karrieretag Bauwirtschaft NRWWuppertalStudierende, Absolvent/innen und Dozierende der Bauwirtschaftx
19.10.2023KarrieretagStuttgartallex
21.-22.10.2023Jobmesse NürnbergNürnbergallex
24.-27.10.2023A + A Düsseldorfintern. Fachmesse für betriebliche Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeitx
26.10.2023VDI nachrichten recruiting tagKölnIngenieur/innenx
26.10.2023ScieConBochumNaturwissenschaftler/innen
26.10.2023KarrieretagNürnbergallex
02.11.2023DIGITAL FUTUREcongressEssenKongress für die Digitalisierung im Mittelstandx
04.-05.11.2023Jobmesse LeipzigLeipzigallex
04.-05.11.2023Jobmesse KielKielallex
07.11.2023bondingAachenPrimär MINT &
Wirtschaftswissenschaft, aber auch
andere Fachrichtung-
en
x
09.11.2023KarrieretagHannoverallex
11.-12.11.2023Jobmesse BielefeldBielefeldallex

13.-16.11.2023

 

COMPAMED

MEDICA

Düsseldorf

 

Fachmessen im
Bereich Medizin
und Gesundheits-
technologie
x

19.-20.11.2023

 

Jobmesse Münster Osnabrück

Greven

 

allex

24.11.2023

 

Karrieretag

Köln

allex
05.12.2023New Work - Chancen der Digitalisierungdigitalallex

06.12.2023

 

Karrieretag

Dortmund

alle

x

 


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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Jobsuche 2023: Finger weg von ChatGPT? Warum bei der Nutzung von... Tue, 17 Jan 2023 08:02:00 +0100 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/neue-arbeitswelt/jobsuche-2023-chatgpt-ki-systeme.html post-335 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/neue-arbeitswelt/jobsuche-2023-chatgpt-ki-systeme.html Lars Hahn ChatGPT kann nun von allen genutzt werden und erstellt – zumindest vermeintlich – intelligente und ausgereifte Texte für Fachbeiträge, Gedichte, Hausarbeiten u.v.m. Eine Frage, die daher häufig im… Jobsuche 2023: Finger weg von ChatGPT? Warum bei der Nutzung von KI-Systemen (noch) Vorsicht geboten ist. by Lars Hahn 17-01-23

Categories: Neue Arbeitswelt

Was ist der wichtigste Trend für die Arbeitswelt im Jahr 2023? Natürlich ist es auch wieder etwas mit Digitalisierung. Die Künstliche Intelligenz (KI) hält derzeit in bisher nicht dagewesener Wucht Einzug in unseren Arbeitsalltag. Tiefgreifend. Unumstößlich.

In den vergangenen Wochen war ChatGPT eines der Hype-Themen in Sachen Digitalisierung. Das vortrainierte System (GPT steht für „Generative Pre-trained Transformer“) wird mit Daten aus dem Internet gefüttert und lernt durch Dialoge mit Anwenderinnen und Anwendern stetig dazu. Wenngleich das System derzeit noch mit Trainingsdaten bis 2021 arbeitet und mit einigen Kinderkrankheiten und Restriktionen versehen ist, wird die Bedeutung der Einführung dieses KI-Systems bisweilen mit dem ersten Smartphone, der Einführung von Amazon oder gar dem Buchdruck verglichen (!). Das für alle seit Kurzem kostenfrei zugängliche ChatGPT kann nämlich vieles: Statistiken aufbereiten, Gedichte verfassen, Computercodes programmieren, Blogbeiträge oder individuelle Bewerbungsanschreiben erstellen und demnächst gar Auditberichte und Managementreviews für Unternehmen anfertigen. Künstliche Intelligenz wird damit in nächster Zeit im Alltag vieler Menschen ankommen. Kurz gesagt: Am Thema KI kommt spätestens jetzt keiner mehr vorbei.

In diesem ersten Beitrag des Jahres möchte ich deshalb dem aktuellen Hype um Künstliche-Intelligenz-Systeme auf den Grund gehen und erforschen, welche Chancen und Risiken Künstliche Intelligenz aktuell für die Arbeitswelt und besonders für unser Thema Bewerbung und Jobsuche birgt.

Künstliche Intelligenz: Game Changer im Jahr 2023?

Manche scheinen ChatGPT als Game Changer zu sehen: Digital-Vordenker und Spiegelkolumnist Sascha Lobo sieht in der Einführung von ChatGPT gar „eine Zeitenwende“ in Sachen Digitalisierung und das „Ende der irrelevanten künstlichen Intelligenz“. Bisher waren Künstliche Intelligenz, Machine Learning und neuronales Lernen, wenn wir ehrlich sind, eher nur etwas für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für Nerds und die unausweichlichen Muskfans und Zukunftshyper. Waren sie im Mainstream der Arbeitswelt angekommen? Eher nicht.

Dabei könnte ChatGPT schon jetzt nahezu Blogartikel schreiben, wie Sie ihn gerade lesen, wobei dieser natürlich aus rein menschlicher „Feder“ stammt. ChatGPT kann bereits ein durchaus eloquenter und informativer Interviewpartner zum Thema Zukunft des Lernens sein. Auch wissenschaftliche Hausarbeiten verfasst das System bereits mit Erfolg selbstständig. Nicht umsonst befassen sich Fachleute damit, dass der intelligente Chatbot in nicht allzuferner Zukunft eigenständig journalistische Beiträge, juristische Abhandlungen und insbesondere Finanzanalysen und Sportberichte verfassen wird. Erste Beispiele zeigen erstaunliche Ergebnisse. Nach Einführung von Computer und Internet könnten Chat GPT und seine künstliche Kollegen demnach die nächste Disruption für Arbeitsplätze bedeuten. Die mit dem Job-Futuromat des Insituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zu beantwortende Frage nach der Substituierbarkeit oder Automatisierbarkeit von Aufgaben und Berufen (also kurz gesagt „kann weg durch Digitalisierung“) stellt sich ab jetzt also noch einmal völlig neu.

Bewerbung mithilfe Künstlicher Intelligenz?

Aber was machen nun eigentlich Chat-GPT und Co.? Welche Konsequenzen hat dies für die Arbeit – in unserem Fall für die Arbeit von Bewerberinnen und Bewerbern?

ChatGPT beantwortet Fragen von Nutzenden, wurde aber – anders als seine unsäglichen Chatbot-Urahnen, die bisweilen sehr eingeschränkte Antwortmöglichkeiten zur Verfügung hatten – mithilfe maschineller Lernverfahren auf eine riesige Datenmenge (mehrere Milliarden Wörter) trainiert, um menschenähnliche Texte zu generieren. Dadurch ist ChatGPT in der Lage, auf eine Vielzahl von Themen und Anfragen zu antworten und sich wie ein menschlicher Gesprächspartner zu verhalten.  Wie schnell und pfiffig der intelligente Chatbot arbeitet, wird in meinem LinkedIn-Post an einem Beispiel zum Thema Lebenslauf erkennbar.

Es liegt nahe, dass Menschen mit dem Gedanken spielen, aufwendig und mühsam zu erstellende Texte wie Arbeitsproben, PowerPoint-Präsentationen oder Hausarbeiten künftig von KI-Systemen verfassen zu lassen. Für viele Bewerberinnen und Bewerber steht dabei das klassische Anschreiben der Bewerbung an vorderster Stelle: Nicht jeder ist schließlich geborener Verfasser von professionellen Texten und Motivationsschreiben. ChatGPT könnte dies spielend übernehmen, indem der KI einfach der Jobtitel, die Position und die zu besetzende Stelle genannt und das System aufgefordert wird „Verfasse mir ein Anschreiben…“. Daraus ergibt sich die Frage: Ist die KI somit ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Automatisierung des Bewerbungsprozesses?

Versuch: Das Bewerbungsanschreiben per ChatGPT

Recruitainment-Experte und Blogger Jo Diercks hatte das kürzlich getestet: „Wenn der Chatbot das Anschreiben verfasst…“ – lesenswert und mit erstaunlich ansehnlichen Ergebnissen. Weil Menschen bequem sind und sich mühsame Arbeitsprozesse gerne abnehmen lassen, wird das KI-System ab sofort garantiert auch für das Erstellen von Anschreiben, Arbeitsproben u. ä. genutzt werden. Doch ist das bereits risikofrei möglich?

Ich habe das selbst mal ausprobiert und mich per ChatGPT auf die aktuell bei der LVQ ausgeschriebene Stelle für Online-Kommunikation beworben. Ganze 50 Sekunden hat ChatGPT benötigt, mir das Anschreiben zu verfassen. Das Ergebnis lässt sich auf den ersten Blick durchaus sehen:

Lars Hahn:„Schreibe eine außergewöhnliche Bewerbung für einen 57-jährigen Bewerber als "digitaler Thermomix" bei der LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH für eine Stelle als Online-Marketing- und Social-Media-Manager.“

ChatGPT:Sehr geehrte xxx,

mein Name ist [Name] und ich bewerbe mich auf die Stelle des Online-Marketing- und Social-Media-Managers. Mit 57 Jahren bringe ich eine Menge Lebenserfahrung und Know-how in diesem Bereich mit und bin überzeugt, dass ich genau der richtige Kandidat für Ihr Unternehmen bin.

Als "digitaler Thermomix" bin ich in der Lage, unterschiedliche Aufgaben und Herausforderungen im Online-Marketing und in den sozialen Medien zu meistern. Meine Flexibilität und mein Verständnis für neue Trends und Entwicklungen im digitalen Bereich sind meine Stärken und ich bin immer bereit, neue Herausforderungen anzunehmen und meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Neben meiner langjährigen Erfahrung in der Online-Welt habe ich auch ein abgeschlossenes Studium in Marketing und Kommunikation, was mir das nötige Rüstzeug für diese anspruchsvolle Stelle gibt.

Ich bin überzeugt, dass ich ein wertvoller Teil Ihres Teams sein werde und freue mich auf die Möglichkeit, mich Ihnen persönlich vorzustellen.

Mit freundlichen Grüßen


Dieses Anschreiben von ChatGPT ist klar strukturiert, es nimmt einige Stichworte auf und doch fehlt irgendetwas: Es gibt keinen wirklichen Unternehmens- und Branchenbezug, ein wirkliches Motiv für die Bewerbung ist neben dem üblichen „Bewerbersprech“ schwer zu erkennen. Und genau das ist der Punkt: Das Anschreiben wirkt beliebig, als eines von vielen, es fehlt Persönlichkeit, Charakter oder „klare Kante“, wie Karrierecoach Bernd Slaghuis es für ein Anschreiben empfehlen würde.

Vorsicht bei der Bewerbung per ChatGPT!

ChatGPT weist überdies - zumindest derzeit - noch andere Schwächen auf, weswegen ich aktuell noch dazu rate, das System mit Vorsicht zu genießen:

  • Die ausgespielten Ergebnisse von durch ChatGPT erstellten Bewerbungsanschreiben wirken arg glatt, beliebig und unpersönlich. Insbesondere die Vorteile eines Anschreibens für Bewerberinnen und Bewerber mit besonderen Motiven und speziellen Lebensläufen wie zum Beispiel bei Quereinstiegen et cetera kann eine künstliche Intelligenz nicht ausspielen. Ein Test, wie oben zur ausgeschriebenen Stelle, mag Inspiration für die Struktur des Anschreibens geben und für ein gutes formelles Gerüst hilfreich sein. Spätestens die kreative Bezugnahme auf das Unternehmen und seine Kultur oder die Erklärung von individuellen Motiven und besonderen Hintergründen erfordern jedoch mehr als Künstliche Intelligenz: nämlich den menschlichen Faktor. Lassen wir das ChatGPT selbst formulieren:

KI-Systeme sind zwar mittlerweile sehr fortschrittlich und leistungsfähig, aber sie sind noch immer weit davon entfernt, perfekt zu sein. Sie sind zwar in der Lage, menschenähnliche Texte zu generieren und Aufgaben zu erledigen, die für Menschen anstrengend oder langweilig sind, aber sie sind nicht in der Lage, die Feinheiten und Nuancen menschlicher Interaktionen vollständig zu verstehen.

  • Spätestens wenn ChatGPT auf Informationen des Unternehmens Bezug nimmt, sollten die genannten Fakten überprüft werden. In der aktuellen Phase des KI-Projektes „zaubert“ das System nämlich auch wahr klingende Falschinformationen zu allerlei Anfragen. Der Ex-Bundeskanzlerin Merkel dichtete ChatGPT eine Mitgliedschaft bei den Grünen an. Die Stadt Bochum erhielt durch die KI einen nicht existenten Flughafen. Überdies sind die Ergebnisse auch aus rechtlichen Gründen mit Vorsicht zu genießen: Wo kommen die Informationen eigentlich her, die das System hervorkramt? Klaue ich beispielsweise mit meiner durch ChatGPT erstellten Hausarbeit gerade geistiges Eigentum anderer Urheberinnen und Urheber?
  • Die eigene, händische Recherche über Google oder die Webseite sind indessen also (noch) wesentlich sicherer und verlässlicher. Erst zukünftig mag die Stärke eines KI-Systems darin liegen, genau die Informationen auf eine Frage zusammenzusammeln, die zutreffen (eben Big Data). Sobald es soweit ist, erspart uns die KI dann die mühsame Recherche auf Unternehmenswebseiten, bei XING und LinkedIn. Aktuell würde ich jedoch aufgrund der oben beschriebenen Unschärfen und Fehler lieber auf „good old“ Google oder die Businessnetzwerke zurückgreifen, die ich gerne liebevoll „Big-Data für Bewerber“ nenne.
  • Und hier schließt sich der Kreis: Künstliche Intelligenz und Automatisierung verleiten dazu, möglichst wenig menschliche Energie in Prozesse zu investieren. Bereits die Jobbörsen mit ihren automatisierten und vermeintlichen Alerts suggerieren eine effizient optimierte Jobsuche, die zu den Gedanken verleitet: „Da muss ich ja gar nicht selber suchen“. Künstliche Intelligenz wie ChatGPT könnte diesem blinden Automatisierungsglauben jetzt noch einmal Vorschub leisten.
  • Dabei lebt eine wirklich intelligente Jobsuche von vielfältiger, teils intuitiver Recherche in vielen Kanälen. Sie profitiert von zwischenmenschlichen Kontakten in den Businessnetzwerken und Gesprächen im realen Leben, von persönlichen Erkenntnisprozessen und menschlichen Lernerfahrungen, dem, was ich gerne „Systematisch Kaffeetrinken“ nenne.

All das kann künstliche Intelligenz nicht leisten. Zumindest noch nicht.

Fazit: KI mit gesunder Kritik und neugieriger Lernbereitschaft begegnen

Die aktuelle Diskussion um ChatGPT und ähnliche Systeme offenbart, was dem digitalen Wandel generell zueigen ist. Die Veränderungen kommen mit einer hohen Dynamik. Man weiß nie, was wirklich das „nächste große Ding“ ist. Umso wichtiger ist einerseits, gerade für Bewerberinnen und Bewerber, nicht blind auf neue Trends zu vertrauen und unreflektiert neue Systeme und Tools zu nutzen, weil es „cool“ und bequem ist.

Andererseits ist es eben auch entscheidend, am Puls der Zeit zu bleiben und sich über aktuelle Trends zu informieren. Dazu sind auch unsere Weiterbildungen hilfreich, die sich mit der Digitalisierung und den aktuellen Entwicklungen befassen.

Überdies lohnt es sich mit den neuen Tools und Trends zu spielen. Die Grenzen von ChatGPT auszutesten, macht hierfür sogar Spaß. Kritisches Verfolgen und Recherche von neuen Entwicklungen komplettieren den Lernmix. Ich handhabe das so: Für diesen Beitrag, aber auch zu anderen Themen informiere ich mich über zwei, drei journalistische Quellen, ich folge Vordenkern, Bloggern oder Trendschnüfflern bei LinkedIn und Twitter (ja! Immer noch.) und komme allein dadurch auch stets mit Fachbeiträgen zum Thema in Berührung. Probieren auch Sie das gerne aus.

Tipp: Zum Thema KI und ChatGPT empfehle ich zur weiteren Vertiefung gerne noch Tech-Blogger und Podcaster Sascha Pallenberg. Bei aktuellen Trends wie ChatGPT redet er immer Tacheles, ist stets eine Nasenlänge voraus und dabei äußerst kompetent, umfangreich und gleichzeitig unterhaltsam. Vielen Dank dafür, Sascha!

Ist die ChatGPT AI der ultimative Google Killer? - Podcast und Artikel bei MeTacheles


 


 

 

 

 

 

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Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

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2022, das Jahr der Widersprüche. Der LVQ-Jahresrückblick zu Arbeitsmarkt... Thu, 15 Dec 2022 09:30:00 +0100 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/lvq-unterwegs/2022-jahr-der-widersprueche-lvq-jahresrueckblick-arbeitsmarkt-weiterbildung.html post-334 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/lvq-unterwegs/2022-jahr-der-widersprueche-lvq-jahresrueckblick-arbeitsmarkt-weiterbildung.html Lars Hahn  In seiner traditionellen Jahresabschluss-Kolumne schaut Lars Hahn auf ein Jahr der Widersprüche auf dem Arbeitsmarkt zurück. 2022, das Jahr der Widersprüche. Der LVQ-Jahresrückblick zu Arbeitsmarkt und Weiterbildung by Lars Hahn 15-12-22

Categories: LVQ Unterwegs

Im Dezember ist die Zeit der Jahresrückblicke. Hier im LVQ-Blog schauen wir ja stets zurück, welche Entwicklungen und Bewegungen es in unseren Themenbereichen Arbeitswelt, Stellenmarkt und Weiterbildungen gegeben hat. Das Jahr 2022 hatte es auch diesbezüglich in sich!

Die zwei Corona-Jahre zuvor waren noch geprägt von Abstand und Stillstand. Der Arbeitsmarkt stagnierte und verharrte in Corona-Starre. Bezeichnend für die Arbeitswelt waren virtuelle Meetings und Terminabsagen von Präsenzevents, die zwar optimistisch geplant waren, aber dann doch wieder den Regeln zum Opfer fielen.

2022 hingegen war das Jahr der spannungsreichen Widersprüche und der überraschenden Wendungen. Ganz passend zum Motto „Kommt alles anders!“, das ich hier im Januar zum Jahresmotto erkoren hatte, überraschte nicht nur das frühzeitige Ausscheiden der Fußballnationalmannschaft bei der WM. Energiekrise, Preiskrise, Inflation und Krieg lösten schon vorab die Corona-Krise nahtlos ab und wirken sich mit großer Dynamik auf alle Lebensbereiche aus.  

Auch in der Arbeitswelt und am Arbeitsmarkt gab es erstaunliche Entwicklungen. In diesem Beitrag möchte ich den Blick zurück wenden auf das, was uns diesbezüglich im Jahr 2022 beschäftigt hat. Dabei lädt das Jahresende traditionell ein zum Innehalten, mit einem Rückblick Bilanz zu ziehen, was ich im Ausklang dieses Beitrags wage.

Kommt alles anders – das Jahr der Überraschungen und Widersprüche

Hätten Sie noch zu Jahresbeginn gedacht, dass Corona in unserem Arbeitsleben kaum noch eine Rolle spielen würde? Zwar bestimmte das Virus noch bis in die Jahresmitte dieses Jahres hinein unser Zusammenkommen und Miteinandersein, mittlerweile jedoch gehören persönliche Meetings, große Fachmessen, Dienstreisen und Weihnachtsfeiern wieder zum beruflichen Alltag. Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass das Jahr 2022 bei unseren ThemenArbeitsmarkt, Arbeitswelt und Weiterbildung geprägt ist von Überraschungen und Widersprüchen, die es auszuhalten galt:

Widerspruch 1: Stellenmarkt – Fachkräftemangel und Krisenstimmung

Der Arbeitsmarkt reagiert erstaunlich auf die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Krisen. Die letzten Corona-Einschränkungen waren noch gar nicht aufgehoben, da entwickelte der coronabedingt träge Arbeitsmarkt eine enorme Dynamik – vorher dümpelnde Branchen wie Einzelhandel, Gastronomie Kultur- und Eventbranche entwickelten einen riesigen  Nachholbedarf bei der Einstellung von Arbeitskräften. Hinzu kam seit Jahresbeginn weltweit das Phänomen der „Great Resignation“, das heißt einer Kündigungswelle von Beschäftigten, die – oft wertegesteuert und sinnsuchend – eine neue, andere, bessere Arbeit suchten und das auch ausgerechnet in den ohnehin personalsuchenden Tech- und Gesundheitsbranchen. Der Arbeitsmarkt habe sich gewissermaßen von der wirtschaftlichen Lage entkoppelt.

„Fachkräftemangel“ is back, diesmal als Arbeitskräftemangel! Der Begriff ist zum Ende dieses Jahres eines der meist behandelten Themen in Unternehmerkreisen und Arbeitsmarktforen. Kein Wunder, denn die Post-Corona-Dynamik trifft auf demografischen Wandel. Gesucht werden längst nicht mehr nur qualifizierte Fachkräfte und Spezialistinnen im Ingenieurwesen, in der Pflege oder im Handwerk, sondern aktuell häufig auch Arbeitskräfte ohne Berufsausbildung.

Gleichzeitig ist Krisenstimmung am Arbeitsmarkt: Der große Warenhauskonzern hat mal wieder Insolvenz vermeldet und die stockenden Lieferketten in der Automobilindustrie veranlassen schon wieder zur Kurzarbeit. Mögliche Eintrübungen des Arbeitsmarktes durch Inflation und Energieengpässe sind noch gar nicht absehbar. Übrigens ist die aktuelle Arbeitslosenzahl um 117.000 Menschen höher als im Vorjahr, das zeigt: Bereits jetzt werden krisenbedingt wieder mehr Leute arbeitslos, trotz aller Einstellungsdynamiken.

 

 

Das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt diese Widersprüche am Arbeitsmarkt übrigens besonders deutlich – noch nie waren die Komponenten Arbeitslosigkeit (Prognose der Arbeitslosenzahlen) und Beschäftigung (Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung) so weit auseinander. Kurzgesagt: Es wird demnächst weiter eingestellt, aber auch wieder mehr entlassen.

Mit „Blind Signing“ hat Karrierecoach Bernd Slaghuis in diesem spannungsreichen Zusammenhang von Dynamik und Krise am Arbeitsmarkt ein erstaunliches Phänomen bezeichnet: Blind Signing ist die zu schnelle oder unüberlegteUnterschrift eines Arbeitsvertrags. In unserem Beratungsalltag mit Arbeitgeber*innen und Bewerber*innen beobachten auch wir verstärkt Beendigungen von Arbeitsverträgen in der Probezeit aufgrund von überraschtem Nicht-Passen der Stelle bewerberseitig oder fehlender Passung der neuen Person arbeitgeberseitig. Die Arbeitsmarkt-Dynamik führt so zu manch vorschneller Entscheidung, deren Folgen über ein reines „es hat dann doch nicht gepasst“, hinausgeht.

Widerspruch 2: Arbeitswelt - Sehnsucht nach Nähe und digitaler Pragmatismus

Weihnachtsmarktbesuche und Geburtstagsfeiern funktionieren nicht digital, zumindest nicht so richtig von Herzen. Gleiches gilt aber auch häufig in der Berufswelt: Allenthalben ist aktuell wieder der Wunsch nach persönlichen Treffen und echten Zusammenkünften zu spüren. Wer hatte zwischenzeitlich nicht die Nase voll von all den Videokonferenzen und digitalen Meetings? Man begegnet sich wieder zum persönlichen Meeting, reist zur Fachmesse nach Nürnberg oder trifft sich zur regionalen Arbeitsmarktkonferenz vor Ort.

Und doch geht das Internet nicht wieder weg! Wer einmal erfolgreich die Vorteile des E-Commerce genutzt hat, bestellt seine Weihnachtsgeschenke und erst recht seine Büroartikel auch weiterhin per App. Wer die Zeit- und Wegersparnis bei virtuellen Konferenzen schätzen gelernt hat, greift auch weiterhin auf Zoom, Teams und Co. zurück. Homeoffice und mobiles Arbeiten haben sich nach einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts auch nach Corona etabliert, in manchen Dienstleistungsbranchen wie IT oder Werbung liegt die Homeoffice-Quote demnach aktuell bei über 50 Prozent, wobei viele der Befragten „teilweise“ angeben: Hybrid ist das neue Zauberwort – ein ausgewogener Mix aus Online und Präsenz.

Widerspruch 3: Weiterbildungsstrategie trifft Realität

„Berufliche Weiterbildung ist wichtig“, diese Binsenweisheit hat sich inzwischen durchgesetzt. Sie ist wichtig, um den vier präsenten Ds zu begegnen: Demografischer Wandel, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Deglobalisierung. Ganz gleich ob fachliche Spezialschulungen oder Managementthemen für Generalisten: berufliches Lernen ist en vogue.

Hehre Ziele haben sich Gesellschaft und Politik dazu gesetzt: Eine der fünf Säulen in der Fachkräftestrategie der Bundesregierung ist die „Gezielte Weiterbildung“. Überdies gibt es die Nationale Weiterbildungsstrategie, die von verschiedenen gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren vorangetrieben wird. Das Bundesarbeitsministerium ruft gar die „Weiterbildungsrepublik“ aus: „Unter anderem sollen die Zugänge zu Beratung, Förderung und Weiterbildungsangeboten erleichtert und die digitale Weiterbildung gestärkt werden.“

In der Praxis hingegen war das Jahr 2022 eher geprägt von Verunsicherung und Rückgang der Weiterbildungsbeteiligung: Vielen Jobcentern fehlten Mittel und Wege gerade für die Förderung beruflicher Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen. Arbeitsagenturen hatten bisweilen eher damit zu kämpfen, dass ihre Bewerberinnen und Bewerber aufgrund der dynamischen Situation am Arbeitsmarkt lieber den (bisweilen erstbesten) Job, anstatt einer beruflichen Weiterbildung wählten. Und so manches Unternehmen hätte sein Personal gerne intensiver qualifiziert, verzichtete allerdings aufgrund von Zeitmangel und Personalnot darauf.

Innehalten – Rückschau und Überprüfung

Ein Jahresrückblick bietet die Chance, noch einmal Bilanz zu ziehen, um zu überprüfen, was gut war und was noch besser werden kann. Gerade in der ruhigeren Phase „zwischen den Jahren“ ist dafür vielleicht endlich mal Zeit.

Der LVQ-Rückblick zum Jahresende fällt durchaus versöhnlich und positiv aus:

  • Die LVQ Business Akademie hat ihr vielfältiges Angebot von freien Seminaren, Lehrgängen und Inhouse-Schulungen für Firmen und Berufstätige in diesem Jahr erfolgreich ausbauen können. Dies geschah sowohl virtuell, als auch in Präsenz in unserem Bildungszentrum, was uns besonders freut.
  • Nahezu alle über den Bildungsgutschein geplanten Weiterbildungsangebote konnten wir nach (noch coronabedingt) etwas zögerlichem Start in der ersten Hälfte 2022 bis zum Jahresende dann tatsächlich auch durchführen.
  • So konnten wir 2022 sogar drei völlig neue Kursangebote über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit etablieren: E-Commerce-Manager/in (IHK), Kulturmanager/in (IHK) und Digital-Change-Manager/in (IHK).
  • Unser in Corona-Zeiten entwickeltes Angebot des Online-Präsenzunterrichts haben wir nun auch erfolgreich in die Post-Corona-Zeit überführt und kontinuierlich verbessert.
  • Insbesondere unsere Zusatzangebote zum Thema „Bewerbung und Jobsuche“für unsere Teilnehmenden „zwischen zwei Jobs“ haben wir 2022 noch ausgebaut. Neben dem „langen Donnerstag“, an dem wir wöchentlich Workshops und Vorträge durchführen, hat sich das neue Format „Langer Dienstag“ bewährt: Im Dialog mit Teilnehmenden stellen Arbeitgeber ihr Unternehmen und ihre Jobangebote vor.
  • Mit unseren vielfältigen Aktivitäten in den Weiterbildungsnetzwerken konnten wir uns gemeinsam mit unseren Partnern Gehör verschaffen für die Sache der beruflichen Weiterbildung. Im Rahmen der Kampagne #WeiterbildungRuhr22 waren wir unter dem Motto „Du kannst mehr“ auf Weiterbildungsmessen, Konferenzen und Tagungen unterwegs.
  • Insgesamt hat das Jahr 2022 unser kleines Team intensiv gefordert, was auch unter anderem dazu führte, dass wir online weniger präsent waren, als wir es uns wünschen und man es von uns auch gewohnt ist. Personell verstärkt im Bereich Online/Social-Media werden wir 2023 in diesem Bereich noch einmal kräftig nachlegen.

Unser Team der LVQ geht nun in die verdiente Weihnachtspause. Wir wünschen Ihnen besinnliche Feiertage und einen guten Jahresstart 2023!

Und jetzt Sie!

Wie sieht Ihre berufliche oder persönliche Jahresbilanz 2022 aus?

Was war gut?

Was kann noch besser werden?


Disclaimer: Seit kurzem machen Plattformen der Künstlichen Intelligenz wie Dall E oder ChatGPT Furore, die nach individuellem Wunsch überraschend toll ausgearbeitete Texte oder Grafiken und Bilder erstellen können. Sicherlich ist praktisch anwendbare KI einer der Trends des kommenden Jahres.

Natürlich haben wir uns gefragt, ob wir unsere Blogbeiträge zukünftig eigentlich noch selbst schreiben sollten, dieser ist vom echten Autor erstellt worden. Allerdings wirken entsprechende Texte letztendlich bisher dann doch seelenlos. Bei den Bildern haben wir es ausprobiert und sie sind besser, als das was wir so kreieren können. Wir haben einige von ihnen in der obigen Collage verarbeitet und gehen bei diesen davon aus, dass mit ihnen kein Urheberrecht verletzt wird.

 

 

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Kulturmanager/in IHK – Weiterbildung für einen Arbeitsmarkt im Wandel Thu, 08 Dec 2022 08:32:00 +0100 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/weiterbildung-mit-bildungsgutschein/kulturmanagement-weiterbildung-kulturmanager-ihk.html post-319 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/weiterbildung-mit-bildungsgutschein/kulturmanagement-weiterbildung-kulturmanager-ihk.html Martin Salwiczek Die Kulturwirtschaft läuft endlich wieder an.  Die Theatersäle und Opernhäuser sind wieder voll, gleiches gilt für Musicals, Filmtheater, Museen, Ausstellungen. Allenthalben wird personelle… Kulturmanager/in IHK – Weiterbildung für einen Arbeitsmarkt im Wandel by Martin Salwiczek 08-12-22

Categories: Weiterbildung mit Bildungsgutschein

Die Kulturwirtschaft läuft endlich wieder an. Nach zwei Jahre mit Videokonzerten, viel Abstand und Hygieneregeln erscheinen viele Menschen begieriger denn je nach direkt erlebbarer Kultur zu sein. Die Theatersäle und Opernhäuser sind wieder voll, gleiches gilt für Musicals, Filmtheater, Museen, Ausstellungen.

Allenthalben wird personelle Verstärkung gesucht, um neue Programme und Projekte zu stemmen. Wie passend, dass unser erste Weiterbildung Kulturmanager/in IHK genau in diese Zeit fiel. In diesem Beitrag betrachten wir den Arbeitsmarkt der Kultur- und Kreativwirtschaft und stellen die neue Weiterbildung vor.

Der Arbeitsmarkt der Kultur- und Kreativwirtschaft nach Corona

Laut dem Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2021 waren in Deutschland im Jahr 2020 rund 1,81 Millionen Personen in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig (-1,3% gegenüber 2019) – angestellt, gewerbetreibend oder freiberuflich. Hier ist nach der Corona-Pandemie mit einem langsamen Anstieg zu rechnen. Stand März 2022 waren über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland wieder mehr als 15.000 Stellen ausgeschrieben, die der Kultur- und Kreativwirtschaft zuzuordnen sind. Dazu kommen noch Stellen, die in Nischenbörsen ausgeschrieben und informell über Kontakte besetzt werden – Tendenz steigend. Gesucht werden Helfer/innen, Fachkräfte, Spezialist/innen und Führungskräfte in den unterschiedlichsten Bereichen. Nicht einberechnet sind IT-Fachkräfte und Entwickler/innen aus der Software/Gaming-Branche, da diese in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit nicht gesondert gefiltert werden können.

Akademisierung der Kultur- und Kreativwirtschaft?

Was mit Blick auf die Zahlen auffällt, ist die mittlerweile hohe Anzahl an ausgeschriebenen Positionen mit Managementaufgaben oder für Personen mit akademischem Hintergrund:

  • Kulturmanager/innen,
  • Medienmanager/innen,
  • Journalist/innen und Redakteur/innen,
  • PR-Manager/innen,
  • Event-Manager/innen,
  • Online-Marketing und Social Media Manager/innen,
  • Geschäftsführer/innen,
  • Betriebswirt/innen,
  • Sport- und Touristikökonomen,
  • Kommunikations-, Medien-, Geistes-, Sozialwissenschaftler/innen, Pädagog/innen allgemein,
  • u.v.m..

Knapp über 22% der ausgeschriebenen Stellen in der Kultur- und Kreativwirtschaft erfordern einen akademischen Background, bzw. Fähigkeiten auf Akademiker-Level. Dies entspricht den Ergebnissen des Themendossiers „Nachwuchs und Fachkräfte in der KKW“, welches das Kompetenzzentrum der Kultur- und Kreativwirtschaft erstellt hat.

Digitale und übergreifende Fähigkeiten mehr und mehr gefragt

Demnach bestand schon vor der Corona-Pandemie ein stetig wachsender Bedarf an akademischen Fachkräften in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Dies liegt nicht zuletzt an dem kontinuierlich steigenden Anforderungsniveau für kreative Berufe. Ein wesentlicher Treiber ist hier die Digitalisierung. Sie führt nicht nur zu einer Technisierung des Arbeitsalltags sondern auch zu neuen Wegen der Arbeitsorganisation, der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und zum Wandel von benötigten Kompetenzen:

„In vielen Zukunftsbereichen Kreativer Berufe werden damit CreaTech Skills, d. h. kreative Fähigkeiten und fortgeschrittene technische sowie digitale Fähigkeiten noch stärker an Bedeutung gewinnen,“ heißt es in dem Dossier.

Die zunehmende Komplexität führe jedoch nicht nur zu einem wachsenden Bedarf an digitalen Fähigkeiten, sondern auch an übergreifenden Skills: Unternehmerische Fähigkeiten sowie Führungsqualitäten, spezifische Kompetenzen im Bereich Marketing, Kommunikation und Kundenakquise, Kulturvermittlung, Pädagogik und Publikumsbindung, Kenntnisse im Bereich der Finanzen, wie z. B. Fundraising und Verhandlungskompetenz sowie Projektmanagement-Skills sind mehr und mehr gefragt.

Das Kompetenzzentrum der Kultur- und Kreativwirtschaft erwartet, dass die Anforderungen in kreativen Berufen und insbesondere die Nachfrage nach höher qualifizierten Fachkräften am Arbeitsmarkt auch in den nächsten Jahren weiter steigen werden. Somit wächst auch der Bedarf an Qualifizierungen und Weiterbildungen der Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Die Weiterbildung Kulturmanager/in IHK – fit werden für die Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft

Vom Theaterwissenschaftler bis zur Chef-Dramaturgin, von der Galeristin bis zum Veranstaltungskaufmann: Viele Menschen aus der Kultur- und Kreativbranche haben sich durch Weiterbildungen bei der LVQ digitale Kompetenzen in Bereichen wie Social Media, Online-Redaktion, Online-Marketing oder agile Methoden angeeignet.

Nun feierte auch der deutschlandweit erste Lehrgang Kulturmanager/in (IHK) seine Premiere in der geförderten Weiterbildung. 12 Teilnehmer/innen machten sich auf die 20-tägige Weiterbildungsreise ins praktische Kulturmanagement. Darunter waren sowohl die Hochschulabsolventin der Geschichte, als auch die berufserfahrene Führungskraft aus dem Stadtmarketing, sowohl der Master of Arts der Denkmalpflege, als auch der Sozialwissenschaftler. Was die Teilnehmenden erwarten würde, beschrieb Dozentin Dr. Barbara Volkwein wie folgt:

„Die Teilnehmer/innen der Weiterbildung lernen in kürzester Zeit die wesentlichen Skills, um im Kulturbetrieb einzusteigen: es geht um Projektmanagement, betriebswirtschaftliches Knowhow, rechtliche Grundlagen, Arbeitsmarktrecherche, sowie um Kommunikation und Vermarktung von Kultur, auch um Betriebskulturen. Theorie und Praxis im ausgewogenen Miteinander lassen die Teilnehmenden den realen Markt reflektieren und erfolgreich erobern.“

Das Dozent/innen-Team

Barbara Volkwein hat den Lehrgang mitentwickelt und nimmt eine leitende Rolle im sechsköpfigen Dozententeam ein. Dies setzt sich zusammen aus Praktiker/innen, die unterschiedliche Sichtweisen auf die Themen Kulturmanagement und Kulturvermittlung mitbringen:

  • Dr. Barbara Volkwein, Musikwissenschaftlerin und Kulturvermittlerin
  • Burkhard Koch, Geschäftsführer des Starlight Express, der den Kurs ebenfalls mitentwickelt hat,
  • Sabine Krasemann, Geschäftsführerin der Liedwelt Rheinland,
  • Astrid Christofori, Rechtsanwältin,
  • Gerhard Münninghoff, Betriebswirt und Kaufmann,
  • Christine Lauter, Musikwissenschaftlerin und Redakteurin.

Christine Lauter vermittelt mit Barbara Volkwein einen Großteil der Unterrichtsinhalte. Sie sieht gerade in der Vielfalt und dem hohen Praxis-Knowhow der Dozent/innen einen großen Mehrwert für die Teilnehmenden:

 „Neben der Tatsache, dass die Teilnehmenden solides Handwerk aus sämtlichen Bereichen des Kulturmanagements und der Kulturvermittlung erlernen, sind insbesondere die tiefschürfenden Einblicke in das System Kulturbranche und deren - zumeist strukturell bedingten - Hürden äußerst wertvoll. Denn das gesamte Dozententeam speist sich aus überaus erfahrenen „Kulturmenschen', die einander mit ihrem Background und ihren Persönlichkeiten auf ideale Weise ergänzen.“

Die Inhalte der Weiterbildung

Mit Hilfe der Weiterbildung lernen die Teilnehmer/innen vertiefende Grundlagen kennen um Kulturprojekte zu planen und zu entwickeln, sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen zu leiten und zu steuern. In 20 Tagen erarbeiten die Teilnehmer/innen sich im Online-Präsenzunterricht via Zoom folgende Inhalte:

  • Kulturmanagement als Teilaufgabe der Kulturvermittlung
  • Betriebsarten, kulturelle Betriebe und ihre Spezifika – inklusive Praxisbeispiele
  • Betriebswirtschaftliche Grundlagen in Kulturvermittlung und Kulturwirtschaft
  • Mittelbeschaffung, Drittmittel, Projektmittel
  • Rechtliche Grundlagen
  • Audience Development, Publikumsbindung, zielgruppengerechte Programmgestaltung
  • Kulturmarketing, digitale und interaktive Kulturvermittlung
  • Evaluation in der Kulturwirtschaft

Abschließend vertiefen die Teilnehmer/innen ihr im Kurs erlerntes Wissen im Rahmen eines eigenen praxisbezogenen Kulturprojektes. Zudem erwerben sie durch den schriftlichen Zertifikatstest das am Arbeitsmarkt anerkannte IHK-Zertifikat. Christine Lauter sieht die Teilnehmenden durch das Zertifikat gut gerüstet für den Arbeitsmarkt:

„Letztlich gewinnen die Teilnehmenden innerhalb des Seminars mehr als nur Wissen und Kenntnisse, sie lernen aus erster Hand die schönen, aber auch die herausfordernden Seiten des Kulturmanagements kennen und sind daher nach erfolgter Zertifizierung sehr gut gerüstet für die verschiedensten Aufgaben im kulturellen Bereich.“

Rückblick auf den ersten Kurs

Doch wie lief der Pilotkurs nun aus Sicht der Beteiligten? Feedbacks holten wir uns sowohl durch eine Abschlussfeedback-Runde, persönliche Befragungen und anonymisierte Evaluationsbögen ein. 

Unisono sticht das konstruktive und harmonische Miteinander zwischen Dozent/innen und Teilnehmenden heraus.

„Ein sehr umfassender und interaktiver Kurs mit engagierten Dozierenden! Auch nach dem offiziellen Kurstag unterstützten die Mentorinnen und Dozierenden bei aktuellen Bewerbungsprozessen und gaben hilfreichen Input. Den Austausch in der Gruppe habe ich als sehr wertvoll empfunden und es ist so manche Freundschaft daraus entstanden,“ fasst Teilnehmerin Judith Ley ihre Eindrücke zusammen.

Die konnten von Dozentenseite bestätigt werden. Burkhard Koch, Geschäftsführer des Starlight Express: „Es war toll, welch unterschiedliche Hintergründe und Vorwissen die Teilnehmenden mitbrachten. Dadurch ist ein intensiver Unterricht entstanden und man hat sich noch außerhalb der Weiterbildung ausgetauscht. Ich selbst konnte durch die Teilnehmenden viel dazu lernen.“

Besonders häufig positiv bewertet wurden die unterschiedlichen Schwerpunkte der Dozent:innen, deren praktisches Knowhow und die Themenvielfalt.

Teilnehmerin Franziska Burstyn fasst es so zusammen:

"Der Kurs gab einen detaillierten Einblick in die Kulturwirtschaft und ließ uns im Praxisprojekt freien Raum um eigene Ideen auszuarbeiten. Die Dozierenden haben spannende Einblicke in die eigene Praxis gegeben. Als Pilotkurs lief es zwar an einigen Stellen noch etwas holperig, dafür standen die Dozierenden bei individuellen Anliegen jederzeit beratend zur Seite."

Neben den üblichen üblichen Holprigkeiten eines Pilotkurses kam der Wunsch nach mehr Tiefe der Inhalte auf: „Ich hätte mir gewünscht, dass der Kurs über zwei Monate gehen würde und wir noch mehr Themen in der Tiefe hätten behandeln können,“ war die Rückmeldung aus einem anonymisierten Feedback-Bogen.

Zwar wird der Kurs auch in Zukunft 20 Tage dauern, doch diese Feedbacks von Teilnehmerinnen und Teilnehmern nehmen wir auf, um thematisch Dinge anzupassen. Immerhin handelte es sich hierbei um einen Pilotkurs, der insgesamt mehr als zufriedenstellend für alle Beteiligten lief, wie auch Dozentin Christine Lauter bestätigt:

„Unser Pilotkurs - und da darf ich für das gesamte Team sprechen - war für alle Beteiligten eine enorme Bereicherung! Nicht nur haben wir Dozierenden unser Praxiswissen mit der Theorie vereinen (…) können, sondern gerade auf der zwischenmenschlichen Ebene haben sich viele Türen geöffnet, die zu neuen Erkenntnissen geführt haben. Denn schließlich ist der Kern unseres Kurses kein dröges Etwas, das es abzuarbeiten gilt, sondern gerade das, was den Menschen von allen anderen Lebensarten abhebt: seine Kultur in ihrer mannigfaltigen Gestalt."

In diesem Sinne freuen wir uns schon auf den nächsten Lehrgang Kulturmanager/in (IHK), der bereits in einigen Wochen starten wird. Vielleicht werden Sie ja Teil des Lehrgangs?


Kulturmanagement mit digitalen Skills verbinden

Neben Management-Themen sind Digitalisierungs-und Projektmanagement-Skills die gefragten Kompetenzen für die in Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft. Daher lohnt es sich die Weiterbildung Kulturmanager/in IHK um Weiterbildungen in den Bereichen Online-Marketing, Social Media, Online-Redaktion, Scrum oder Projektmanagement zu ergänzen. Jedes der genannten Themen lässt sich über das modulare Weiterbildungskonzept der LVQ ebenfalls als jeweils 20-tägige Weiterbildung absolvieren und mit der Kulturmanagement Weiterbildung kombinieren.

Unser Angebot richtet sich an Menschen in der Phase der Arbeitssuche und beruflichen Neuorientierung und wird komplett durch den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit finanziert.

 

 

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Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch richtig vorbereiten und... Thu, 24 Nov 2022 08:08:00 +0100 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/experteninterviews/gehaltsverhandlung-vorstellungsgespraech-richtig-vorbereiten.html post-333 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/experteninterviews/gehaltsverhandlung-vorstellungsgespraech-richtig-vorbereiten.html Angela Borin Das Vorstellungsgespräch läuft gut, doch dann kommt sie: Die Frage nach dem Gehalt. Wie Bewerber ihre Gehaltsverhandlung erfolgreich meistern und was es im voraus – für Männer und Frauen – zu beachten… Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch richtig vorbereiten und angehen – Interview mit Gehaltsexpertin Karin Schwaer by Angela Borin 24-11-22

Categories: Experteninterviews

Unter dem Motto „Gut gelaunt und bestens vorbereitet“ berät Karin Schwaer Bewerber rund um das Thema Gehaltsverhandlungen. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung hat sie bereits auf beiden Seiten des Verhandlungstisches gesessen und bereitet ihre Kunden daher in Eins-zu-Eins-Gesprächen auf eines der lukrativsten Gespräche im beruflichen Kontext vor. Auf ihrer Webseite Gehaltssprung für „Sie“ schreibt sie in ihrem Blog regelmäßig über die verschiedenen Aspekte und gibt wertvolle Tipps. Heute haben wir sie im Interview für unseren LVQ-Blog getroffen.

Gehaltsverhandlung: 80% des Erfolges liegen in der Vorbereitung

Guten Morgen Frau Schwaer. Schön, dass wir uns heute persönlich kennenlernen. Ich folge Ihrem Blog schon lange und freue mich heute, das Thema Gehaltsverhandlung mit Ihnen zu beleuchten. Ein essenzielles Thema, dass besonders denjenigen zu schaffen macht, die erstmalig oder nach langer Zeit wieder auf Jobsuche sind, oder?

Karin Schwaer: Definitiv, denn das Thema Selbstvermarktung und Gehaltsverhandlung wird uns weder in Ausbildung oder Studium noch im Beruf beigebracht. Schnell entsteht der Eindruck, dass alle wissen, wie es geht, nur wir selbst sind die Unsicheren. Dabei ist Verhandeln ein Handwerk, was wir erlernen können. 80 % des Gesprächserfolgs liegen bei der Gehaltsverhandlung in der Vorbereitung. Das ist vielen Menschen nicht bewusst, obwohl es sich um die wichtigsten und lukrativsten Gespräche im beruflichen Kontext handelt. Eine simple Rechnung zeigt, wie erbarmungslos der Zinseszinseffekt im Laufe einer Erwerbsbiografie zuschlägt. Nach 30 Jahren führt das, je nach Einstiegsgehalt, zu siebenstelligen Differenzen. Deswegen müssen sich Erwerbstätige aktiv um ihre Gehaltsentwicklung kümmern – besonders Frauen.

Bildquelle: Gehaltssprung

Geschlechtsspezifische Differenzen und Selbstvermarktung, die wir erst lernen müssen. Spannender Einstieg. Doch fangen wir vorne an: Wie ermitteln wir denn das passende Gehalt?

Karin Schwaer: Das ist das berühmte Stichwort „Marktwertermittlung“. Im Internetzeitalter habe ich viele Möglichkeiten zu recherchieren: Große Stellenjobbörsen wie Monster, Indeed oder Stepstone liefern bei ausgeschriebenen Stellen häufig eine erste Gehaltsrange. Über Gehalt.de können individuelle Gehaltschecks angefordert werden und auf Kununu und Glassdoor können wir uns darüber informieren, was andere Mitarbeitende des anvisierten Unternehmens an Informationen ausgeben. Zuletzt müssen Bewerber weitere Kriterien hinzuziehen, die in Relation zum Gehalt stehen wie die Region und die eigene Qualifikation. Wie eine Stelle tatsächlich budgetiert ist, das finden Bewerber im Zweifel nur durch Fragen heraus: „60.000 Euro sind eine marktübliche Vergütung, das haben meine Recherchen ergeben, aber lassen Sie uns doch einfach offen darüber sprechen, wie Sie die Stelle budgetiert haben.

Runter geht es schnell, rauf wird es schwierig

In der Gehaltsverhandlung sollten Bewerber mit ihren höchsten Rechercheergebnissen argumentieren. Haben wir beispielsweise eine Vergütung von 30.000 bis 60.000 Euro recherchiert und fühlen uns mit 58.000 Euro wohl, dann gehen wir mit dieser konkreten Summe und keiner Gehaltsspanne in die Gehaltsverhandlung. Runter geht es schließlich schnell, rauf wird es schwierig. Die Gehaltsforderung muss dann mit objektiven Kriterien begründet werden: „Meinen Recherchen auf großen Stellenjobbörsen nach werden Positionen in meinem Feld und mit dieser Qualifikation mit XX.XXX Euro vergütet.“ Nur so können Bewerber zeigen, dass sie ihre Gehaltsvorstellung nicht aus der Luft gegriffen haben, sollten sich aber auch verhandlungsbereit zeigen. Das ist Teil des Spiels und für beide Seiten gilt: Das erste Angebot wird nicht angenommen. Ein Thema, dass Frauen deutlich schwerer fällt als Männern. Während Männer – stereotyp betrachtet – nach dem Motto handeln, „Jetzt sind wir im Gespräch“, gehen Frauen nicht in die Gehaltsverhandlung, sondern akzeptieren oft das erste Angebot: „Bin ich froh, dass ich dieses Gespräch hinter mir habe, mehr ist dann wohl nicht drin.“ Doch das Unternehmen bewirbt sich auch beim Bewerber, sich das bewusst zu machen, kann Augenhöhe verschaffen– insbesondere da wir uns mittlerweile auf einem Arbeitnehmermarkt befinden.

Nicht das Gegenangebot akzeptieren, sondern tatsächlich verhandeln. Doch wer spricht das Thema eigentlich an? Wer macht das erste Angebot? Und wieviel Verhandlungsspielraum benötigen Bewerber?

„Das erste Angebot setzt den Anker für die gesamte Gehaltsverhandlung.“

Karin Schwaer: Heutzutage können Bewerbungen über Stellenportale oftmals nicht abgeschickt werden, wenn die Gehaltsvorstellungen nicht ausgefüllt sind. Da sollten Bewerber also nicht zu tief, sondern realistisch drangehen, weil dieses erste Angebot den Anker für die gesamte Gehaltsverhandlung setzt. Tragen wir hier zum Beispiel die 58.000 Euro ein, können wir im Gespräch nicht mehr sagen: „Ich wollte Sie erst mal persönlich kennenlernen. Eigentlich wollte ich das Doppelte.“ Das wäre vertrauensschädlich. Bewerber können im Gespräch aber gegebenenfalls anbringen, dass die 58.000 Euro die Grundvergütung darstellen und nach dem unternehmensspezifischen Gehaltsgefüge fragen, also nach variablen Bestandteilen, die on top kämen: „Wie vergüten sie üblicherweise Ihre Mitarbeiter? Gibt es Zusatzleistungen?“ Natürlich ist es aber gut, den Anker möglichst hoch zu setzen. Haben wir also 60.000 € recherchiert, können wir 65.000 € angeben. Dann haben Bewerber locker 10%, die sie als Verhandlungsspielraum runtergehen können.

Bei schwammigen Stellenausschreibungen, die im Gespräch plötzlich mehr Verantwortungsbereiche bekommen, müssen Bewerber hingegen hellwach bleiben und dies kommentieren. Nur so kann an späterer Stelle der angemessene Gehaltswert verhandelt werden.

Vorbereitung ist das A und O für die Gehaltsverhandlung

Bevor das Vorstellungsgespräch ansteht: Was gehört aus Ihrer Sicht denn noch zur Vorbereitung?

Karin Schwaer: Jedes Gespräch ist anders und muss daher separat vorbereitet werden. Dazu gehören Faktoren wie:

  • Was ist meine Story? Richte ich mich neu aus? Wie ‚verkaufe‘ ich das?
  • Mit wem habe ich eigentlich zu tun?“,
  • Was sind meine Interessen und wie sehen die der anderen Seite aus?“,
  • Welches Problem der anderen Seite helfe ich dann zu lösen?“,
  • Wie viele Mitbewerber habe ich und wie sehr ist das Unternehmen angewiesen, diese Stelle schnellstmöglich zu besetzen?

Letztens hatte ich eine Kundin, die für den Verantwortungsbereich „Nachhaltigkeit im Lebensmittelhandel“ ein Gespräch bei einem Unternehmen hatte, von dem sie wusste, dass die Stelle dort seit zwölf Monaten unbesetzt ist. Da ab Januar 2023 das Lieferkettengesetz in Kraft tritt, welches Unternehmen verpflichtet zu handeln, ergab sich dadurch eine total andere Verhandlungsposition und Verhandlungsmacht. Und genau sowas sollten Bewerber vorab in Erfahrung bringen, um sich dies in der Gehaltsverhandlung zu Nutze zu machen – bevor unterschrieben wird.

Frauen müssen sich besser vorbereiten

Ihr Fokus liegt auf „Gehaltssprüngen“ für Frauen. Müssen die sich eigentlich anders vorbereiten?

Karin Schwaer: Frauen sind gezwungen, sich noch besser vorzubereiten als Männer und ihre Forderungen anders zu legitimieren. Die Frage nach mehr Geld wird vielmehr hinterfragt – das haben viele Studien zwischenzeitlich eindeutig aufgezeigt. Daher empfehle ich jungen Frauen, Anker zu setzen und finanzielle Unabhängigkeit als angestrebtes Ziel im Gespräch und der Gehaltsverhandlung zu signalisieren. Mit einem Augenzwinkern zu verstehen, könnte das Motto zwischen den Zeilen lauten: „Solange ihr mich so bezahlt, dass ich jemanden bezahlen kann, komme ich auch.“ Damit lösen Bewerberinnen häufig völlig unbewusste Vorurteile bei der anderen Seite auf.

Gut vorbereitet Vorurteile auflösen, heißt es also für Frauen. Aber wie gehen Bewerber denn damit um, wenn der Arbeitgeber beharrlich bei seinem Angebot bleibt – möglicherweise weil nur ein bestimmtes Budget für die Stelle zur Verfügung steht?

Mehr Verhandlungsmacht im Vorstellungsgespräch

Karin Schwaer: Beispielsweise könnte im Rahmen der Gehaltsverhandlung eine separate Vereinbarung für die Probezeit getroffen werden, wobei die Einigung auf eine Anpassung nach der Probezeit im Arbeitsvertrag festgeschrieben werden sollte. Andernfalls müssen die nun Mitarbeitenden aktiv dranbleiben und sich unerbittlich freundlich auf die Absprache berufen, sich nach der Probezeit noch einmal zusammenzusetzen. Die Vorbereitung verschiebt sich dann auf die Punkte „tatsächlicher Nutzen“ sowie Wirkung und Leistung für das Unternehmen, „Was habe ich konkret in der Probezeit einbringen können?“, aber auch auf die Frage, „Was könnte diese andere Seite mir entgegnen und wie gehe ich damit um?“ Eine Nachverhandlung ist letztlich immer mit noch mehr Überzeugungsnotwendigkeit verbunden als die Erstverhandlung im Vorstellungsgespräch.

Wie gestaltet sich eine solche Nachverhandlung dann für Frauen? Wäre es sinnvoll, Ergebnisse zu visualisieren und eine Kurzpräsentation vorzulegen?

Karin Schwaer: Das ist eine gute Idee, das im Vorfeld zu verschriftlichen. Das hat für die erneute Gehaltsverhandlung vielerlei Vorteile. Erstens sie vergessen nichts. Zweitens sind sie sich immer bewusst, dass es keine unangemessenen Forderungen sind. Und drittens: Möglicherweise findet das Gespräch mit jemandem statt, der gar nicht entscheidungsbefugt ist und das an höherer Stelle absegnen lassen muss. Durch die Unterlagen stellen Frauen sicher, dass die richtigen Informationen weitergegeben werden.

Gut gelaunt und bestens vorbereitet in die Gehaltsverhandlung

Unerbittlich freundlich in ein Gespräch gehen: Interessanter Tipp. Entstand so auch das Motto „Gut gelaunt und bestens vorbereitet in die Gehaltsverhandlung“?

Karin Schwaer: Sich in einer Gehaltsverhandlung einfach nur anzuhören, was das Unternehmen einem anbietet, ist kontraproduktiv, teuer und gegebenenfalls karriereschädlich, weil beim Verhandlungspartner schlimmstenfalls das Gefühl aufkommt, dass es denjenigen gar nicht sonderlich interessiert. „Bestens vorbereitet“ ist daher unerlässlich und das bestenfalls gut gelaunt und wertschätzend. Dann hat die Gegenseite auch ein Interesse an einem konstruktiven Gespräch und nimmt dieses als Chance wahr. Menschen wollen mit wertschätzenden Menschen verhandeln. Daher mein Tipp: „Schreiben Sie sich als Bewerber ganz Groß mit auf den Zettel, unerbittlich freundlich zu bleiben.

Druck und Stress prägen seitens der Bewerber ja eher häufig solche Gespräche. Was würden Sie hier empfehlen?

Karin Schwaer: Berufliche Alternativen und ein Plan B helfen. Je mehr Alternativen ein Bewerber im Kopf hat und sich in seiner individuellen Vorbereitung bewusst macht, desto weniger abhängig ist er von diesem einen Gespräch und desto mehr findet das Gespräch auf Augenhöhe statt. Dreh und Angelpunkt ist daher herauszufinden: „Was tue ich, wenn das überhaupt nicht meinen Vorstellungen entspricht?“ Dadurch haben Bewerber eine andere Verhandlungsmacht und -sicherheit – auch im Rahmen der Gehaltsverhandlung.

Eine gute Vorbereitung und Alternativen sind also der Schlüssel zum Erfolg. Vielen lieben Dank für das inspirierende Gespräch, Ihre Zeit und die tollen Antworten, Frau Schwaer.

Karin Schwaer: Ich danke für das angenehme Gespräch und Ihre Initiative, Frau Borin!


 

 

 

Disclaimer: Zugunsten der besseren Lesbarkeit wurde die zeitgleiche Verwendung der männlichen, weiblichen und diversen Form während des Interviews nachträglich in der Verschriftlichung auf die männliche Sprachform reduziert. Diese Form schließt an dieser Stelle alle Geschlechter mit ein.


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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Job-Community statt Businessnetzwerk: Warum XING für Jobsuche und... Thu, 10 Nov 2022 13:30:00 +0100 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/xing-fuer-die-jobsuche/xing-job-community-anstatt-businessnetzwerk-jobsuche.html post-332 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/xing-fuer-die-jobsuche/xing-job-community-anstatt-businessnetzwerk-jobsuche.html Martin Salwiczek XING hat mit seiner strategischen Neuausrichtung - weg vom Businessnetzwerk, hin zur Jobsuche-Community - für große Diskussionen in diesem Jahrgesorgt. Die Abschaltung der XING-Gruppen und Events zog… Job-Community statt Businessnetzwerk: Warum XING für Jobsuche und Recruiting immer wichtiger werden könnte by Martin Salwiczek 10-11-22

Categories: XING für die Jobsuche (inkl. eBook)

Einmal jährlich machen wir aus Perspektive der Jobsuche eine Bestandsaufnahme zu den beiden Businessnetzwerken XING und LinkedIn. Als Weiterbildungsanbieter mit Teilnehmer/innen, die vor ihrem nächsten Job stehen, fragen wir uns dabei regelmäßig:

  • Welche Plattform hat die Nase vorn?
  • Wo finden Jobsuchende die besseren Jobs, die passenderen Unternehmen, die wichtigsten Kontakte?

Durch die aktuellen Diskussionen um XING, könnte der Eindruck entstehen, dass das Pendel klar zu Gunsten von LinkedIn ausschlägt. Auslöser ist eine Mitteilung von XING im August, in der es heißt: „Ab 2023 wird es bei XING keine Gruppen und Events mehr geben.“ Als Folge kündigten viele XING-Nutzer an, ihre Profile zu löschen und gänzlich zu LinkedIn zu wechseln. Marketingexpert/innen postulierten bereits das Ende von XING. Warum wir da anderer Meinung sind und sogar glauben, dass XING in den Bereichen Jobsuche und Recruiting noch wichtiger wird, erklären wir in diesem Blogbeitrag.

XING-Änderungen sorgen für Ärger

Schauen wir uns die seit Wochen laufenden Diskussionen um XING in mehreren sozialen Medien an, erweckt es den Anschein, dass sich das letzte große Social Network mit europäischen Wurzeln seinem Ende entgegen neigt. Schon seit längerer Zeit beklagen viele XING-Power-User den eher starren Netzwerkcharakter des Businessnetzwerkes im Vergleich zu LinkedIn, dem großen Konkurrenten aus den USA. Die Ankündigung der Schließung beider zentraler Netzwerkfunktionen „Events“ und „Gruppen“ zum Ende des Jahres 2022 setzte den Abwanderungsbestrebungen vieler Nutzer schließlich die Krone auf. Es vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht einen Abschiedspost eines langjährigen XING-Power-Users lesen. Das reicht von kurzen trotzigen Hinweisen wie: „Ab jetzt findet man mich nur noch auf LinkedIn,“ bis hin zu langen Posts, die wie wehmütige Abschiedsbriefe klingen. Ein emotionaler Unterton ist meistens dabei raus zu lesen. Doch was hat diesen Unmut hervorgerufen?

Strategische Neuausrichtung von XING: Job-Community statt Businessnetzwerk

Die Entwicklung um XING hat sich schon seit Längerem angebahnt: Bereits Ende 2021 kündigte die New Work SE, das Unternehmen hinter XING an, dass sich die Plattform im Zuge einer strategischen Neuausrichtung von einem allgemeinen beruflichen Netzwerk hin zu einer Job-Community entwickeln werde. „Wir wollen der Marktplatz für Jobs sein, an dem keine HR vorbeikommt und für die Talente der Jobbegleiter mit dem besten Value“, sagte New Work Chefin Petra von Strombeck dazu im OMR-Podcast. Jobsuchende bräuchten mehr denn je Orientierung beim Finden eines passenden Jobs und XING wolle dafür die erste Anlaufstelle werden.

Dies hat zur Folge, dass XING mit seiner Neuausrichtung in Kauf nimmt, dass Nutzer abwandern, deren Fokus eher auf beruflichem Netzwerken sowie auf Vertriebs- und Marketingaktivitäten liegt. Schauen wir auf die besagten Power-User, die sich von XING abwenden, so fällt ein großer Teil von ihnen genau in diese Kategorie. XING war für sie seit Jahren die zentrale Plattform für Business-Networking, wodurch eine Vielzahl sozialer Beziehungen im beruflichen Kontext entstanden sind. Die emotionalen Reaktionen sind daher nur verständlich. Der Unmut dürfte jedoch schnell verrauchen, wenn sich deren Kommunikation final auf LinkedIn verlagert hat. In vielen Fällen ist dies unlängst geschehen.  

Was bedeutet das aber für XING? Wird XING – wie von vielen prophezeit – durch die Abwanderungswelle zu LinkedIn dasselbe Schicksal ereilen wie einst StudiVZ, das nach Facebooks Marktantritt in Deutschland in der Versenkung verschwunden ist? Sollten auch Jobsuchende nun die Plattform wechseln und nur noch auf LinkedIn setzen? Schauen wir dazu auf ein paar Zahlen.

XING war und bleibt Social Media für „Social-Media-Skeptiker“

21,4 Millionen Menschen nutzen XING aktuell in der D-A-CH-Region (Stand November 2022, Linkedin weist circa 20 Millionen auf). Im zweiten Quartal waren es noch 20,9 Millionen Nutzer (Quelle: Statista). Von einer großen Mitgliederflucht kann also nicht gesprochen werden, im Gegenteil.
XING wird im deutschsprachigen Raum weiterhin von vielen Menschen als wichtige Plattform für Jobsuche und Bewerbung wahrgenommen, auch von eher weniger netzwerkaffinen Menschen. Die alte 90-9-1-Regel des dänischen Web-Usability-Experten Jakob Nielsen, nach der 90 % der Online-Community-Nutzer nur beobachten, 9% sich hin und wieder und nur 1% sich regelmäßig beteiligen, passte seit jeher in keinem sozialen Netzwerk so gut wie bei XING. Schon 2012 bezeichneten wir XING in einem Beitrag im Berufebilder-Blog als Netzwerk der Wahl für Menschen, die eher zurückhaltend in ihrer Präsenz sind und keine große Lust auf Social Media haben. Oder wie es LVQ-Geschäftsführer Lars Hahn ausdrückt:

„XING ist Social Media für Social-Media-Skeptiker.“

Dies erleben wir auch bei unseren Teilnehmer/innen in der Weiterbildung. Viele von ihnen, selbst diejenigen die sich in Social Media oder Online-Marketing weiterbilden, sind eher verhalten, was ihre digitale Präsenz angeht: „Social Media nutze ich meist passiv, XING aktiv, wenn ich einen Job brauche“, ist ein Satz der in diesem Kontext häufig fällt.  

Von einem ähnlichen Schicksal wie für StudiVZ gehen wir bei XING also nicht aus, im Gegenteil: Mit dem Wissen, dass die Phase zwischen zwei Jobs immer wieder kommen kann, wird der Großteil (der meist passiven) XING-Nutzer keinen Grund haben, XING zu verlassen. Diejenigen, die eher aktiv in sozialen Netzwerk unterwegs sind, werden hingegen künftig LinkedIn bevorzugen.

Es bleibt dabei: Nicht XING oder LinkedIn, sondern XING UND LinkedIn für die Jobsuche

Ob eher passiver oder aktiver Social-Media-User: Jobsuchenden empfehlen wir ohnehin seit Längerem sowohl ein XING- als auch ein LinkedIn-Profil zu nutzen, denn Jobsuche funktioniert nicht immer gleich. Dies haben wir in mehreren Artikeln, unter anderem in dieser Gegenüberstellung, ausführlich behandelt.  Darüber hinaus sehen wir durch den Austausch mit unseren Teilnehmer:innen, dass sie mithilfe von Linkedin teilweise anders an Jobs kommen als durch XING. Über Linkedin finden sie ihre Jobs tendenziell häufiger über Kontakte aus ihrem Netzwerk und durch Interaktionen wie Kommentare oder Likes auf Personen- oder Unternehmensprofile. Über XING werden unsere Teilnehmer/innen tendenziell häufiger von Recruiter/innen angeschrieben oder finden durch Eigenrecherche über die erweiterte Suchfunktion ihre Arbeitgeber. Gerade hier hat XING seine Stärken: In den Jobsuche-Tools, die auch in Zukunft für Bewerber/innen wichtig sein werden.

XING mit starkem Fokus auf Jobsuche und Recruiting

Während bei LinkedIn also vor allem die Interaktion der Nutzer ein wichtiger Faktor für die Jobsuche ist, besticht XING durch spezielle Funktionen für die Jobsuche:

  • Auf den Unternehmensprofilen können sich die XING-Nutzer durch Mitarbeiterbewertungen von kununu ein differenziertes Bild vom Unternehmen machen.
  • Daran anknüpfend bietet der Kulturkompass als neues Tool XING-Nutzern Unterstützung, den passenden Job zu finden.
  • Die erweiterte Suchfunktion bei XING bietet 16 Filteroptionen. Dadurch lässt sich im Vergleich zu LinkedIn präziser nach passenden Personen und Unternehmen recherchieren.

Die strategische Neuausrichtung mit Fokus auf Jobsuchenden lässt hoffen, dass XING hier noch weiter nachrüsten wird. Eine neue Lernplattform als Unterstützung für die Berufsorientierung wurde bereits angekündigt. Kritisch sehen wir dennoch die Abschaffung der Events und Gruppen. Speziell der Austausch mit anderen Menschen in Gruppen und auf Veranstaltungen stellt doch einen zentralen Aspekt der beruflichen Orientierung dar. Wir sind gespannt, welche Alternativen XING im Gegenzug dafür anbieten wird.

Betrachten wir zudem die Arbeitgeber-/Recruiterseite, ist XING im Vergleich zu LinkedIn auch hier dank Tools wie dem Talent Manager oder dem Employer-Branding-Profil schon stark aufgestellt. Kurz nach der Information zur Schließung der Gruppen und Events präsentierte XING mit Onlyfy eine neue Recruiting-Plattform, die den Recruiting-Prozess noch weiter vereinfachen soll. Tauschen wir uns mit Recruitern und Personaler:innen aus, so zeigen diese sich zum großen Teil von den aktuellen Diskussionen um XING unbeeindruckt. Entscheidend ist für sie die Plattform, auf der sich deren Zielgruppen befinden – ganz gleich ob LinkedIn oder XING.

Fazit: XING wird mit der Neuausrichtung einen eigenen Weg gehen

XING wurde lange Zeit im Wettbewerb zum Businessnetzwerk-Riesen LinkedIn gesehen. Dass sie dieses Rennen als größtes und aktivstes Businessnetzwerk auf Dauer nicht gewinnen können war absehbar, nicht zuletzt dadurch, dass LinkedIn mit Microsoft im Rücken eine viel größere technische Innovationskraft aufweist. Die Fokussierung auf Recruiting und Jobsuche ist daher ein sinnvoller Schritt und steigert unserer Ansicht nach sogar noch den Wert von XING für Jobsuchende und Recruiter/innen. Ausschlaggebend für XINGs weiteren Erfolg wird die langfristige Bindung seiner eher passiven Nutzer durch attraktive Jobsuche-Funktionen sein.

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Qualitätsmanagement als Krisenmanagement? #Weiterbildung Thu, 27 Oct 2022 08:05:00 +0200 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/weiterbildung/qualitaetsmanagement-krisenmanagement.html post-331 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/weiterbildung/qualitaetsmanagement-krisenmanagement.html Lars Hahn Im aktuellen Blogbeitrag schreibt Lars Hahn über Qualitätsmanagement in Krisenzeiten und weshalb sich eine Weiterbildung in QM gerade jetzt lohnt. Qualitätsmanagement als Krisenmanagement? #Weiterbildung by Lars Hahn 27-10-22

Categories: Weiterbildung

Qualitätsmanagement (QM) ist eines der Kernthemen, die man in der LVQ als Weiterbildung absolvieren kann. Ist ja auch klar: Wir sind die LVQ und das Q in unserem Namen steht für Qualität. Dabei bilden wir in Sachen QM nicht nur aus und weiter, seit vielen Jahrzehnten beraten und auditieren wir dank unserer Expertinnen und Experten Organisationen in ihrem Qualitätsmanagement.


Deshalb, und weil ein fester Bestandteil des Qualitätsmanagements die kritische Selbstbetrachtung ist, möchte ich mich in diesem Blogbeitrag der Frage widmen, wie QM in der Krise helfen kann und wie Absolventinnen und Absolventen unserer QM-Weiterbildung Unternehmen dabei unterstützen können. Ich befasse mich in diesem Artikel daher mit zwei Fragen:

 

  • Wie kann die Disziplin „Qualitätsmanagement“ zur Bewältigung von aktuellen und zukünftigen Herausforderungen und Krisen beitragen?
  • Wie kann eine Weiterbildung im Qualitätsmanagement Unternehmen bei der Krisenbewältigung helfen?

Hinweis: Da dies eine Kolumne ist und kein wissenschaftlicher Fachbeitrag, picke ich mir markante Aspekte des QM heraus, die auch in jeder Qualitätsmanagement-Weiterbildung wichtige Bestandteile sind.


Der Beitrag von Qualitätsmanagement in Krisenzeiten


Krisenmanagement ist angesagt: Wir bewegen uns von der Coronakrise über die Energiekrise zu einer Wirtschafts- und Preiskrise. Die Klimakrise wird nie wieder weggehen und das alles hat Auswirkungen auf die Wirtschaft und jedes einzelne Unternehmen. Die ganze Welt ist VUCA (volatile, uncertain, complex, ambiguous) – also volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig. Die externen Effekte und Megatrends wirken heute stärker, direkter und auch langfristiger auf die Rahmenbedingungen der Unternehmen, ihre Prozesse und ihre Mitarbeitenden. Das Bewältigen von Krisen gehört heutzutage zum notwendigen Standard-Repertoire im Management. Was also kann Qualitätsmanagement als eine Spezialdisziplin zu den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen beitragen?


Die Demingsche Reaktionskette


Mithilfe der Demingschen Reaktionskette kann die Bedeutung von Qualitätsverbesserung für Unternehmen in der Krise abgeleitet werden. Der Pionier des Qualitätsmanagements William Edwards Deming definierte bereits vor langer Zeit mit der Demingschen Reaktionskette die Anforderungen an Qualitätsmanagement:

 

  • Qualitätsverbesserung führt zu
  • Produktivitätsverbesserung führt zu
  • Kostenreduktion bei der Herstellung des Produktes führt zu
  • Preisreduktion, führt zur
  • Steigerung des Marktanteils, führt zur
  • Sicherung der Position des Unternehmens führt zur
  • Sicherung der Arbeitsplätze führt letztlich zur
  • Sicherung des Gewinns.

Gerade die Aspekte der Kostenreduktion scheinen pressierender denn je, zumindest was die Energiekosten von Unternehmen angeht, aber auch die Positionssicherung des Unternehmens sowie die Arbeitsplatzsicherung sind gegenwärtig besonders maßgebend. Aus der Demingschen Reaktionskette folgt übrigens, dass alle Akteure in einer Organisation in den Prozess des Qualitätsmanagements mit eingebunden sind und eine qualitätsbezogene Haltung eben nicht nur der Leitung und den Qualitätsexperten vorbehalten sein darf.


Plan-Do-Check-Act – Der PDCA-Zyklus als Krisen-Bewältigungs-Prozess


„Plan – Do – Check – Act“ oder deutsch „Planen – Umsetzen – Überprüfen – Handeln“ sind die Phasen des PDCA-Zyklus, die gern auch dem QM-Pionier Deming zugeschrieben werden und nach denen im Qualitätsmanagement gearbeitet wird. Daher ist auch die aktuelle Revision der berühmten QM-Norm DIN EN ISO 9001 – nach der weltweit über 1 Mio  Unternehmen und Organisationen geregelt und zertifiziert sind (ISO Survey 2021) – nach dem PDCA-Ansatz aufgebaut. Zur Krisenbewältigung per „Plan – Do – Check – Act“ taugen vor allen Dingen die Phasen „Check“ und „Act“, zu deutsch die Phasen des Überprüfens und Bewertens bzw. Verbesserns. Bei uns im Haus haben sich gerade in der Coronakrise diese beiden Phasen besonders bewährt: Die stetige Überprüfung von brandneu eingeführtem Online-Präsenzunterricht während der Coronakrise und die Bewertung von Verbesserungs- und Schulungsbedarfen – praktisches Qualitätsmanagement als kontinuierlicher Verbesserungsprozess.


Was bei der Bewältigung der Coronakrise schon klappte, kann in der akuten Energiekrise auch wirken: Plan-Do-Check-Act. Überprüfung von Energieverschwendung, Bewertung von Möglichkeiten, Planung von Maßnahmen und Umsetzung in der Praxis. Wir in der LVQ werden jedenfalls akut unsere Heizungs- und Beleuchtungsgewohnheiten auf den Prüfstand stellen und das selbstverständlich unter aktiver Mitwirkung aller Qualitätsakteurinnen und -akteure im Haus.


Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)


Wer in Krisen dem äußeren Wandel Stand halten will, der darf nicht still stehen. Verbesserungsprozesse führen – ganz gemäß der Demingschen Reaktionskette – zur Sicherung der Zukunft eines Unternehmens und der praktisch angewendete PDCA-Zyklus führt zu kontinuierlicher Verbesserung der Organisation. Bestimmt haben Sie schon von KVP gehört? Es steht für „Kontinuierlicher Verbesserungsprozess“ und ist einer der wichtigsten Grundsätze im Qualitätsmanagement, der längst nicht nur in der Industrie, sondern zum Beispiel auch in der Pflege, in Bildungsinstitutionen und im Kulturbereich gang und gäbe ist.


Während der KVP in der Industrie oft recht elaboriert in einzelnen Phasen in speziellen Qualitätszirkeln umgesetzt wird, gehen kleine Betriebe und Teams in ihren regelmäßigen Meetings einfach stets gezielt auf die Frage „Was können wir besser machen?“ ein. Da gerade Krisen Verbesserung und Veränderung erfordern, ist das Praktizieren des KVPs unter Anleitung von Qualitätsmanagerinnen und -managern einer Organisation quasi Vorbeugung für den Krisenfall. Gleichzeitig sind durch die regelmäßige Anwendung des KVPs die Kommunikationsprozesse und eine positive Haltung gegenüber notwendigen Veränderungen im Krisenfall bereits eingeübt. Nach Ansicht vieler QM-Fachleute entscheiden speziell Mindset und Kommunikation oft über den Erfolg des KVPs. Übrigens ist ein Ansatz der systematischen Verbesserung auch eine Forderung der QM-Norm DIN EN ISO 9001:2015, indem es in Kapitel 10.3 heißt: „Fortlaufende Verbesserung“.


Risikobewertung in Krisenzeiten


Seit der Revision der DIN EN ISO 9001 in der Version 2015 liegt dem Qualitätsmanagement nach dieser Norm ein risikobasierter Ansatz zugrunde. Die aktuelle Norm DIN EN ISO 9001:2015 sieht eben ausdrücklich vor, dass die Organisation prüft, welche Risiken mit welcher Wahrscheinlichkeit und welchen Folgen eintreten könnten. Zudem soll die Organisation aber auch Chancen ergreifen, die sich aus den Risikoanalysen ergeben und von großer Bedeutung für die Unternehmensentwicklung sein können (Kapitel 6.1 Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen). Ressourcenmanagement ist ein Klassiker der Risikobewertung, Stichworte „Lieferkettensicherung“ oder „Energieversorgung“.

Wer beispielsweise durchdacht hat, dass ein Totalausfall der Energieversorgung ein unwahrscheinliches, aber durchaus mögliches Risiko sei, hat gegebenenfalls Notfallpläne hierfür vorgesehen. Oder stellen Sie sich vor, Sie hätten den Komplettausfall Ihrer IT durch gehackte Systeme noch nie im Risikomanagement Ihres QM-Systems erwogen und dann träte der Ernstfall doch ein. Auch weniger spektakuläre Szenarien, wie der Ausfall von wichtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder andere Aspekte der Personalplanung wie Nachfolgeregelungen, können Teil der im QM erforderlichen Risikobewertung sein. Eine gute betriebliche Risikobewertung durch Qualitätsfachleute, Leitung der Organisation und letztlich durch alle Akteurinnen und Akteure im Unternehmen dient somit der Vorbeugung und kann die Erarbeitung von Szenarien und Notfallpläne für Krisen zur Folge haben.


Wie kann eine Weiterbildung in Qualitätsmanagement Unternehmen bei der Krisenbewältigung helfen?


Für viele Menschen ist das Qualitätsmanagement offensichtlich erst einmal dafür notwendig, eine erfolgreiche Zertifizierung – meist nach der Norm DIN EN ISO 9001 – zu bestehen. Mit dem Zertifikat schmückt sich das Unternehmen gegenüber Kunden und Lieferanten. Die Aufgabe von Qualitätsfachleuten wird dann ungerechterweise darauf reduziert, „dass man das Audit besteht.“ Dabei ist die Rolle von Qualitätsfachleuten und Qualitätsmanagerinnen schon per Norm anders ausgelegt: Sie sollen nämlich von der Leitung des Unternehmens eingesetzt, angeleitet und unterstützt werden, um zur Wirksamkeit des Qualitätsmanagementsystems beizutragen (Kapitel 5.1 Führung und Verpflichtung), in der Praxis unterstützen dann natürlich auch die Qualitätsfachleute die Organisation bei der Umsetzung und Verbesserung der Qualität.


Die drei QM-Weiterbildungen, die bei uns übrigens alle auch mit dem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit absolviert werden können, beinhalten jeweils Wissen, Kompetenzen und Methoden, die Unternehmen bei der Krisenbewältigung helfen können:


Qualitätsbeauftragte verstehen und beherrschen die Terminologie und Grundsätze des QM und sind für die Umsetzung eines QM-Systems im Unternehmen verantwortlich. QM-Beauftragte kennen den PDCA-Zyklus und verstehen die Bedeutung von kontinuierlicher Verbesserung. Weitere Infos zu unserer Weiterbildung Qualitätsbeauftragte/r (TÜV) finden Sie in unserer Kurssuche.


Qualitätsmanager und Qualitätsmanagerinnen beherrschen zusätzlich einen umfangreichen Baukasten von QM-Methoden und Werkzeugen, auch aus angrenzenden Managementbereichen. Sie sind die Prozessgestaltenden und Fehlerminimierenden, also diejenigen, die – gerne mit anderen – dafür Sorge tragen, dass die Organisation und deren Angebote stetig besser werden und die Risiken für die Organisation stets Berücksichtigung finden. Weitere Infos zu unserer Weiterbildung Qualitätsmanager/in (TÜV) finden Sie in unserer Kurssuche.


Qualitätsauditorinnen und -auditoren sind diejenigen, die eine Organisation oder einen Bereich von außen betrachten und bewerten, ob die gesetzten Anforderungen und Ziele erfüllt werden. Mit ihrer „Außenbrille“ nehmen sie eine unbefangene Betrachtungsweise ein und geben Impulse von „Qut-of-the-Box.“ Weitere Infos zu unserer Weiterbildung Qualitätsauditor/in (TÜV) finden Sie in unserer Kurssuche.


Qualitätsfachpersonal hat also gleich mehrere Fachkompetenzen zu bieten, um dem Unternehmen in Zeiten der Krise aktiv zu helfen. Drei Aspekte dieser Expertise habe ich in diesem Beitrag beleuchtet: Gestalten und Bewerten von Prozessen durch den PDCA-Zyklus, durch kontinuierliche Verbesserungsprozesse und durch aktives Risikomanagement.


Und jetzt Sie: Welche Erfahrungen haben Sie mit QM in Krisenzeiten gemacht? Konnten Sie als QM-Akteur/in helfen? Welche Rolle spielt das Qualitätsmanagement in Krisenzeiten in Ihrem Haus?

Qualitätsmanagement in Krisenzeiten – Beiträge zum Weiterlesen

P. S.: Vielen Dank unseren Qualitätsexperten Bernd Grabsky, Dr. Michael Klein und Dr. Thorsten Neuhaus für den fachlichen Input und Austausch beim Entstehungsprozess dieses Beitrags!

 


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

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Jobsuche und Bewerbung für Generalisten: Warum ihnen die Zukunft auf dem... Thu, 20 Oct 2022 08:12:00 +0200 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/experteninterviews/jobsuche-bewerbung-generalisten-zukunft-arbeitsmarkt-experteninterview.html post-330 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/experteninterviews/jobsuche-bewerbung-generalisten-zukunft-arbeitsmarkt-experteninterview.html Angela Borin Generalisten sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt wie nie, begegnen bei der Jobsuche aber dennoch Herausforderungen. Wie sie mit diesen in ihrer Jobsuche und Bewerbung umgehen können und warum… Jobsuche und Bewerbung für Generalisten: Warum ihnen die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt gehört – Experteninterview mit Karriere-Coach Dr. Bernd Slaghuis Part II by Angela Borin 20-10-22

Categories: Experteninterviews

Generalisten sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt wie nie, begegnen bei der Jobsuche aber dennoch Herausforderungen. Mit welchen sie im Gegensatz zu Spezialisten zu kämpfen haben, was Generalisten grundsätzlich ausmacht und wie sie sich am besten verkaufen, haben wir im ersten Teil unseres Interviews mit Dr. Bernd Slaghuis erfahren. Im zweiten Teil unseres Gesprächs liegt der Fokus vermehrt auf der Bewerbung, der Arbeitswelt von morgen und darauf, warum Generalisten künftig noch gefragter sind.

Bewerbung als Generalist: Wie kann das funktionieren?

Zuletzt haben wir ein ganz wichtiges Learning für alle Generalisten und besonders die Berufseinsteiger mitgenommen: Die Vielseitigkeit ist das Profil des Generalisten. Doch wie können Generalisten dieses nun in ihrer Bewerbung anbringen?

Dr. Bernd Slaghuis: Der Lebenslauf ist das eine. Und hier sehe ich, dass dieser bei vielen Generalisten ein zu knappes Bild vermittelt. Daher habe ich eine neue Formel definiert: Die erste Ziffer des Alters ergibt die Anzahl an Seiten des eigenen Lebenslaufes. Das heißt, dass der Mitte Fünfzigjährige durchaus fünf Seiten Lebenslauf für sich nutzen darf – vorausgesetzt diese sind gut strukturiert und lesbar und ergeben ein rundes Bild. Berufserfahrene Generalisten dürfen und sollten sich hier also trauen und ihren gesamten bunten Blumenstrauß präsentieren.

Auf der anderen Seite bin ich Fan von einem guten Anschreiben, das Klarheit schafft. In der Regel reicht dabei eine Seite, die natürlich nicht „vollgequetscht“ sein sollte. Ein Absatz könnte dann davon erzählen, was dem Generalisten in seinem künftigen Job wichtig ist. Den meisten Generalisten bedeuten zum Beispiel Freiheiten und Gestaltungsspielräume viel. Sie möchten Entscheidungen treffen können, miteinbezogen und gefragt werden, viel Abwechslung im Job erleben, Neues lernen und flexibel arbeiten, denn Generalisten mögen kein starres Korsett. Üblicherweise begegnen mir Abwechslungs-Routine-Verhältnisse von 70 zu 30 und dies darf ruhig eins zu eins in einem Anschreiben kommuniziert werden. Ein Anschreiben bietet also die Chance, zu erläutern, was für den Generalisten im Beruf entscheidend ist: „Was fällt mir leicht, was macht mir Freude, was gibt mir Energie?“ Persönlichkeit, Stärken, Werte – das alles erfahre ich nicht aus einem Lebenslauf.

Weg von den Standards hin zur eigenen Motivation

Typische Formulierungen wie „ich bin kommunikationsstark und belastbar“ sollten aber durch klare Aussagen ersetzt werden: „Es macht mir Freude, mich mit spannenden Themen wie X zu beschäftigen, Neues zu gestalten, kreative Ideen ins Team einzubringen und im Team moderierend und vermittelnd zu agieren“. Beispiele müssen nicht immer alle belegt sein. Generalisten sollten im Anschreiben nicht in eine Rechtfertigungshaltung gehen, sondern Aussagen über ihre Motivation und ihre Persönlichkeit treffen. Dazu gehören Formulierungen wie „fällt mir leicht, motiviert mich, liegt mir, das macht mir Freude…“. So kann ein Arbeitgeber sich ein besseres Bild von dem Menschen machen, den er einlädt, um zu sehen, was hinter diesem bunten Bild des Lebenslaufes steckt.

Beobachter, Empath, Denker – auch introvertierte Generalisten vereinen Stärken

Wir haben viel über kommunikationsstarke Generalisten gesprochen. Doch wie können denn introvertierte Generalisten punkten?

Dr. Bernd Slaghuis: Spannende Frage. Auch hinter einer Introversion stecken Stärken – es sind lediglich andere als bei Extrovertierten. Wie viele Stärken ein Generalist mitbringt, hat also weniger mit der Introversion zu tun. Für introvertierte Menschen ist es somit genauso wichtig, sich der eigenen Stärken bewusst zu werden, die in so einer Introversion stecken. Ich würde vermuten, dass viele Introvertierte eher hervorragende Beobachter sind, gut Zusammenhänge erkennen können und empathischer sind. Aus ihrer Beobachtung heraus können sie die Politik, Situation und Stimmung im Team und Unternehmen besser wahrnehmen. Daraus ergibt sich, dass sie Sachverhalte in Meetings deutlicher zusammenfassen und auf den Punkt bringen können. Das stelle ich auch häufig in Coachings fest, wenn Klienten mir sagen: „Ich bin mehr jemand für die zweite Reihe. Ich muss nicht die Projektleitung sein. Ich funktioniere gut im Team. Da bin ich stark.

In Zukunft verstärkt gesucht: „Der bunte Blumenstrauß hat auch einen Wert.“

Ob introvertierter oder extrovertierter Generalist: Eine der letzten Fragen im Vorstellungsgespräch ist oftmals die nach dem Gehalt. Wie können Generalisten am besten mit dieser umgehen?

Dr. Bernd Slaghuis: Da stecken für mich verschiedene Aspekte drin. Wir haben über die große Spielwiese gesprochen. Wenn diese zu meinem Erfahrungswissen – gerade bei den Berufserfahrenen – und zu der Vielseitigkeit meiner Stärken passt, dann sollte das Gehalt dies widerspiegeln. Bewerben hat auch ganz viel mit Selbstschutz zu tun: Wenn ein Generalist, der weiß, was er kann, beispielsweise 70.000 Euro als Gehaltsvorstellung angibt, die Stelle aber nur mit 40.000 Euro budgetiert ist, dann ist es offensichtlich, dass es zu keiner Zusammenarbeit kommen kann. Der bunte Blumenstrauß hat schließlich auch einen Wert und wenn dieser Wert von einem Arbeitgeber nicht erkannt wird, dann wird die Stelle auf Dauer auch nicht passen.

Generalisten sollten den Wert ihrer Fähigkeiten also nicht durch zu starkes herunterhandeln schmälern lassen und lieber weitersuchen. Doch wird der bunte Blumenstrauß aus Deiner Erfahrung äquivalent zu spezialisierten Tätigkeiten gesucht?

Dr. Bernd Slaghuis: Ich gehe sogar noch weiter und sage, Generalisten werden noch mehr oder in Zukunft noch stärker gesucht. Gerade Berufserfahrene sind noch zu sehr fokussiert auf Spezial- und Fachwissen und sehen oft ihr breites Erfahrungswissen nicht. Es kommt aber immer mehr darauf an, in verschiedenen Teamsituationen zu arbeiten, weil das Projektgeschäft stetig stärker und agiler wird. In verschiedenen Teamkonstellationen müssen somit immer öfter temporär Themen bearbeitet werden. Kompetenzen wie Flexibilität, sich schnell auf neue Gegebenheiten einstellen und sich neue Fähigkeiten aneignen zu können werden bedeutender. Und das können Generalisten einfach besser und leichter als der Stärken-Spezialist. Deswegen bin ich der Meinung, dass unsere Arbeitswelt der Zukunft immer noch viele Spezialisten benötigt, aber auch Generalisten eine gute Zukunft haben.

Veränderungsbedarfe spielen Generalisten in die Karten

Klingt ganz so, als würden somit auch Krisen die Jobmöglichkeiten für Generalisten begünstigen. Wie schätzt Du die Entwicklung in solchen Krisenzeiten für Generalisten ein?

Dr. Bernd Slaghuis: Krisen haben natürlich immer etwas mit Veränderung und Veränderungsbedarf in Organisationen zu tun. Unternehmen müssen sich schnell auf neue Gegebenheiten einstellen und beispielsweise von heute auf morgen auf Homeoffice umstellen. Auch so eine Veränderung wird einem Generalisten leichter fallen als einem Spezialisten. Der Spezialist denkt im ersten Moment vermutlich: „Panik. Die Welt bricht gerade um mich herum zusammen. Ich muss den Ist-Zustand jetzt noch schnell retten.“ Der Generalist hingegen sagt sich – überspitzt gesehen: „Endlich Abwechslung und etwas Neues“.

Daraus erwächst für mich gerade eine super spannende Frage, die kurz die Seiten wechselt: Auch für Spezialisten wird es dann mit Blick auf Krisen und die Zukunft der Arbeit immer wichtiger generalistischer aufgestellt zu sein. Wie siehst Du das?

Dr. Bernd Slaghuis: Spannend! Darüber habe ich noch nie nachgedacht, was das für die Spezialisten-Seite heißt. Im Umkehrschluss heißt es aber theoretisch genau das, richtig. Konsequenterweise würde ich einem Spezialisten aber sagen, was ich sonst dem Generalisten sage: „Du musst Dich nicht verändern. Du bist eben Spezialist, der auch seine Stärke mitbringt. Also erstmal keine Panik.

Ob Generalist oder Spezialist: Ich schaue lieber mehr darauf, wie jemand (re)agiert, wie er ist und an welcher Stelle das einen Wert hat. Sich krampfhaft verbiegen zu müssen, um in ein bestimmtes Unternehmen oder eine bestimmte Branche zu passen, das würde ich keinem empfehlen. Mein Tipp: „Mehr Wertschätzung für sich selbst und die eigenen Stärken generieren und schauen, in welcher Umgebung dies dann auch von außen Wertschätzung erfährt.“ Die Komfortzone etwas zu erweitern, dagegen spricht allerdings nichts.

Weiterbildung für Generalisten: Lernen, worauf sie Lust haben

Aus meiner Sicht eine gute Herangehensweise für Spezialisten und Generalisten – gerade auch im Hinblick auf die Ausweitung der eigenen Komfortzone. Glaubst Du, dass eine Weiterbildung dabei unterstützen kann?

Dr. Bernd Slaghuis: Viele Generalisten glauben, dass sie ganz viele Weiterbildungen machen müssen, weil ihr Fachwissen nicht reicht. Dieser GlaubenssatzIch kann ja nicht genug.“ mündet in „Ich muss mir Wissen aneignen und Zertifikate sammeln“. Aus meiner Sicht ist das nicht der richtige Ansatz, denn hier steckt zu viel Druck dahinter: „Ich muss die Zertifikate sammeln und erst dann habe ich eine Chance auf dem Arbeitsmarkt“. Ich sage ganz vielen Generalisten:

Wenn Du etwas für den Kopf tun und etwas Neues lernen möchtest, dann mach, worauf Du Lust hast. Überlege nicht zuerst, welche Zertifikate Du benötigst, um irgendeinen Job zu bekommen, sondern schaue auf das, was Dich interessiert, was Du machen möchtest und dann finde das, was Dich im besten Fall auch weiterbringt.

Gerade bei den berufserfahrenen Generalisten ist es in den seltensten Fällen das Fachwissen, das etwa zum Zeitpunkt eines Jobwechsels fehlt. Meistens hängt es an den großen Spielwiesen. Während der Spezialist genau die Vertiefung und ein bestimmtes Zertifikat benötigt, dreht es sich beim Generalisten mehr um das Erfahrungswissen und die Verknüpfung der Tätigkeiten. Viele meiner Klienten wünschen sich aber, wieder Neues zu erlernen und das mit in den bunten Blumenstrauß einzubringen. Da macht eine Weiterbildung dann natürlich Sinn.

Heißt im Umkehrschluss, dass grundlegende Weiterbildungen aus Bereichen, wo bisher kaum Berührungspunkte vorhanden waren, sinnvoller sind als vertiefende fachliche Erweiterungen…

Dr. Bernd Slaghuis: …und dass es besser ist, nach Weiterbildungen zu suchen, die sich auf der eigenen großen Spielwiese gut nutzen lassen, die entsprechend breit gefächert sind und die gut zum eigenen bunten Blumenstrauß passen – Projektmanagement zum Beispiel.

Kontakte knüpfen: Erfahrungswissen ist mehr als nur Berufserfahrung

Entscheidend ist aber auch zu schauen, welche Form der Weiterbildung anspricht, welche spannenden Menschen an der gewählten Weiterbildung teilnehmen und mit wem gute Kontakte geknüpft werden können. Also auch hier nicht zu sehr auf das Zertifikat am Ende „schielen“, sondern gucken, was an Themen, Formaten und Menschen interessant sein kann.

Weg vom Fachlichen hin zum Menschlichen: Netzwerken und Klarheit schaffen also. Hast Du abschließend noch einen Tipp für Generalisten?

Dr. Bernd Slaghuis: Viele berufserfahrene Generalisten schätzen ihr Erfahrungswissen nicht mehr. Stattdessen sehen sie die Vielfalt und denken, dass sie eigentlich gar nichts richtig können und genau das resultiert in „Was ist denn das alles schon wert?“. Das ist aus meiner Sicht fatal, da Erfahrungswissen mehr als nur Berufserfahrung ist. Ich arbeite mit den Berufserfahrenen im Coaching dann diese Fülle nochmal heraus:

Überlegt genau, was euren bunten Blumenstrauß wirklich ausmacht: In welchen verschiedenen Branchen habt ihr gearbeitet? Mit wem habt ihr zu welchen Themen und in welcher Rolle am Tisch gesessen? Vor welchen Gremien habt ihr präsentiert? Was waren die Schnittstellen in den verschiedenen Jobs? Geht nochmal alle Stationen durch und überlegt, was die einzelnen Zeiten ausgemacht, was sie abgesehen von den Aufgaben wertvoll gemacht hat.

Im Folgetermin sehe ich dann oft, dass es sehr hilfreich für meine Klienten war, die Zeit nochmal reflektiert und den Wert ihres „Blumenstraußes“ für sich erkannt zu haben. Mit Berufseinsteigern habe ich weniger zu tun, dennoch ist es auch hier entscheidend, nochmal genau die eigenen Werte zu betrachten und zu schauen, worauf es ihnen die nächsten Jahre im Beruf ankommt. Die meisten wissen das schon sehr genau und sind oft bereits breit aufgestellt – auch wenn sie die Erfahrung noch nicht haben, empfinden das Generalistentum aber möglicherweise noch als Schwäche. Daher sollten sie für sich einfach noch deutlicher Klarheit schaffen, dass das Generalisten-Dasein eine Stärke ist, die richtig verkauft und für die die persönliche Spielwiese gefunden werden muss.

Generalisten unter sich: Was ein tolles Interview! Ich danke Dir vielmals für unseren spannenden Austausch, Bernd.

Dr. Bernd Slaghuis: Danke Dir Angela, auch für mich war es sehr interessant, über diese Thematik mit Dir zu sprechen – und ich freue mich sehr über die Veröffentlichung im LVQ-Blog.


 

 

 

Disclaimer: Zugunsten der besseren Lesbarkeit wurde die zeitgleiche Verwendung der männlichen, weiblichen und diversen Form während des Interviews nachträglich in der Verschriftlichung auf die männliche Sprachform reduziert. Diese Form schließt an dieser Stelle alle Geschlechter mit ein.


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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GEFRAGT: Wie nutze ich meine Weiterbildung für die Jobsuche? Thu, 29 Sep 2022 10:30:00 +0200 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/weiterbildung/weiterbildung-fuer-die-jobsuche-nutzen.html post-329 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/weiterbildung/weiterbildung-fuer-die-jobsuche-nutzen.html Martin Salwiczek In der Serie „GEFRAGT“ behandeln wir Fragestellungen aus dem Bewerbungsalltag Jobsuchender. Im aktuellen Beitrag steht die Frage: „Wie nutze ich die Weiterbildung(en) für meine Jobsuche?“ im… GEFRAGT: Wie nutze ich meine Weiterbildung für die Jobsuche? by Martin Salwiczek 29-09-22

Categories: Weiterbildung

In der Serie „GEFRAGT“ behandeln wir Fragestellungen aus dem Bewerbungsalltag Jobsuchender. Im aktuellen Beitrag steht die Frage: „Wie nutze ich die Weiterbildung(en) für meine Jobsuche?“ im Vordergrund. Damit richtet sich der Artikel in erster Linie alle Menschen, die eine berufliche Weiterbildung während ihrer Jobsuche absolvieren oder abgeschlossen haben. Aber auch für Jobsuchende, die planen an einer Weiterbildung teilzunehmen, bietet der Beitrag erste Einblicke, wie nützlich eine Weiterbildung für die eigene Jobsuche sein kann.

Weiterbildung während der Jobsuche: Schlüssel für die berufliche Zukunft

Berufliche Qualifizierungen nehmen für Menschen in der Phase des Berufseinstiegs, des Jobwechsels oder der Neuorientierung eine ganz wichtige Weichenstellungfunktion ein  – nicht zuletzt dadurch, dass die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein zu 100 Prozent finanzieren kann:

  • Als Hochschulabsolvent/innen lernen Sie praxisorientierte Inhalte, die während des Studiums nicht vermittelt werden.
  • Als Berufserfahrene(r) können Sie ihr bestehendes Wissen erweitern oder vorhandenes Wissen zertifizieren lassen.
  • Für den beruflichen Quereinstieg erlernen Sie Inhalte aus Berufsbildern, in deren Richtung Sie sich entwickeln möchten.

Besonders in aktuellen Zeiten eines sich rasant wandelnden Arbeitsmarktes („VUCA“) gewinnen Weiterbildungen immens an Bedeutung für die Absicherung der eigenen beruflichen Zukunft.  Lars Hahn, Geschäftsführer der LVQ, bekräftigt in seiner Kolumne „Plan B: Berufliche Weiterbildung während der Jobsuche“ den Wert einer beruflichen Weiterbildung, um aktuelles, am Markt gefragtes Fachwissen zu erwerben. Mit entsprechenden neuen Kenntnissen und Abschlüssen erweitern Sie das Repertoire an Stellen, auf das Sie sich bewerben können. Zudem erhöhen Sie durch anerkannte Zertifikate, die Sie durch abgelegte Prüfungsleistungen erworben haben, Ihre Chancen auf Stellen eingeladen zu werden.

Weiterbildung während der Jobsuche nutzen – zunächst eine Frage der Haltung

Auch wenn der Nutzen von beruflichen Weiterbildungen während der Jobsuche offensichtlich ist, sind manche Absolvent/innen verunsichert über die Einsatzmöglichkeiten und den tatsächlichen Wert der frisch erworbenen beruflichen Abschlüsse und Kenntnisse. Immerhin sind Weiterbildungen von Dauer und Tiefe mit einem Studium oder einer Ausbildung nicht vergleichbar. Und reicht das, was man während der Weiterbildung gelernt hat auch wirklich für die spätere berufliche Praxis?

Diese Unsicherheit rührt meist aus Ängsten, die in der Phase der Arbeitslosigkeit absolut nachvollziehbar sind: Die Angst den beruflichen Anschluss zu verlieren, die eigene Existenz zu gefährden, nichts mehr wert zu sein. Zweifel rücken somit automatisch in den Vordergrund und verdecken den großen Nutzen, den diese Weiterbildungen mit sich bringen.

Während viele Studiengänge eher theorielastig, manche Ausbildungsgänge veraltet sind, bieten Weiterbildungen aktuelle, praxisnahe Kompetenzen und erste relevante Erfahrungen durch praktische Projekte. Und auch wenn der zeitliche Umfang von Weiterbildungen auf den ersten Blick relativ überschaubar ausfällt: Wer zum Beispiel eine dreimonatige Vollzeit-Weiterbildung in den Themenfeldern Online-Marketing, Social Media und Projektmanagement absolviert, lernt – inklusive Prüfungen – in mehr als 540 Lerneinheiten in der beruflichen Praxis gefordertes Wissen. Das ist durchaus vergleichbar mit dem Umfang vieler anerkannter Aufstiegsfortbildungen wie Fachwirten und Fachkaufleuten.

Für viele Absolvent/innen von Weiterbildungen sind die in der beruflichen Qualifizierung erworbenen Kenntnisse für die berufliche Zukunft häufig sogar entscheidender als ein vergangenes Studium oder ein Berufsabschluss.  

Die promovierte Biologin Stefanie Träger wollte raus aus dem Labor und machte eine Weiterbildung zur Online-Redakteurin. Darauf bekam sie aufgrund der Weiterbildung eine Anstellung als medizinische Redakteurin.

Für Annika Brockhaus war die Weiterbildung entscheidend für den Berufseinstieg:

„Die Weiterbildung hat mir den Weg ins Berufsleben geebnet. Durch sie habe ich ein anderes Gefühl für meine Fähigkeiten bekommen und mir eine sehr solide Grundlage geschaffen, auf die ich bereits aufbaue. Dadurch dass ich andere Qualifikationen vorzuweisen hatte, konnte ich in Vorstellungsgesprächen viel besser zeigen, in welchen Themengebieten ich mich auskenne. Bei spezifischen Fragen hatte ich genauere Vorstellungen und konnte erklären, wie ich in welchen Situationen vorgehen würde.“

In unserem Blog haben wir viele weitere Erfolgsgeschichten von Weiterbildungsabsolvent/innen gesammelt, für die die Qualifizierung der entscheidende Schlüssel waren.

Zieht man die Essenz für den Erfolg dieser Absolvent/innen bei der Jobsuche heraus, so war am Ende immer die Haltung entscheidend. Auf die Frage, was für ihn der wichtigste Faktor neben der Weiterbildung für seinen Erfolg bei der Jobsuche war, sagte Geisteswissenschaftler Tobias Quiram im Interview:

„Vor allem die innere Einstellung. Ich habe immer den Glauben gehabt, dass ich es schaffe und habe mich nicht mit vermeintlichen Defiziten beschäftigt.“

Davor erzählt Tobias im Interview von seiner körperlichen Behinderung und den kritischen Stimmen zu seinem geisteswissenschaftlichen Studium. Tobias ließ sich nicht beirren und nutzte diedie neuen Qualifikationen für seinen Berufseinstieg.

Wie man die Weiterbildung während der Jobsuche nutzt – 5 Tipps

In den Erfolgsgeschichten finden sich über die richtige Einstellung hinaus viele weitere Impulse, wie Sie mit dem neuen Wissen in den Bewerbungsprozess gehen. Wir haben die fünf wichtigsten zusammengefasst:

1) Die Weiterbildungen für Stellen- und Unternehmensrecherche nutzen

Durch Ihr neu erworbenes Wissen können Sie das Repertoire an Stellen, auf das Sie sich bewerben, deutlich erhöhen. Gerade wenn Sie nicht wissen, welche Stellenbezeichnungen Sie angeben sollen, probieren Sie es mit den in Ihren Kursen erlernten Fachthemen. Als Ingenieur, der eine Weiterbildung im Qualitätsmanagement absolviert hat, könnten Sie es in Stepstone, Indeed und Co. über die erweiterten Suchfelder zum Beispiel mit der Suchkombination „Ingenieur + Qualitätsmanagement“ oder „Ingenieur + ISO 9001“ versuchen. Im Blogbeitrag „Wie man im Internet den passenden Job findet“ haben wir dazu einige vertiefende Tipps.

Testen Sie auch die Suchfunktion bei LinkedIn oder XING aus. Geben Sie die Kombination „LVQ“ + Ihr Weiterbildungsthema (z.B. „Scrum“, „Social Media“ oder „GMP“) ein. So können Sie sich einen Eindruck verschaffen, wo Absolvent/innen mit den gleichen Abschlüssen wie Sie beruflich gelandet sind. 

2) Die Weiterbildung im Lebenslauf platzieren

Weiterbildungen sind eine prima Möglichkeit, Lücken im Lebenslauf zu füllen. Gerade wenn Sie einen Kurs frisch absolviert haben und Sie sich auf Stellen bewerben möchten, in denen die gelernten Inhalte gefordert werden, lohnt es sich, die aktuellen Abschlüsse sogar detaillierter an den Anfang des Lebenslaufes zu stellen. Somit lenken Sie den Fokus des Personalverantwortlichen auf Ihre erworbenen Qualifikationen. In der Karrierebibel finden Sie Beispiele, wie Sie Ihre neuen Qualifikationen im Lebenslauf ideal eintragen können.

3) Mit der Weiterbildung im Anschreiben punkten

Während der Lebenslauf ein Datenblatt Ihrer bisherigen Qualifikationen und Berufserfahrungen ist, legen Sie im Anschreiben Ihre Motivation und Ihren Nutzen für die angestrebte Position dar. Hier können Sie dem Unternehmen mitteilen, welchen Mehrwert Sie durch Ihre Qualifizierung in die Vakanz mit einbringen. Zwei Formulierungsbeispiele aus Bewerbungen, die in Vorstellungsgesprächen mündeten, zeigen auf, wie Sie die Vorzüge von aktuellen Kenntnissen und Zertifikaten im Anschreiben darstellen können:

Absolventin Scrum-Master, Bewerbung für eine Stelle als agile Projektmanagerin:

„Durch meine Weiterbildungen bin ich tiefer in die agile Welt eingetaucht und habe mich mit agilen Methoden beschäftigt. Okay, eine Scrum-Zertifizierung macht aus einer Projektmanagerin noch lange keinen Scrum Master, schafft aber ein gutes Verständnis für das agile Framework und gibt mir Bestätigung, dass ich schon vor der Schulung mit einem agilen Mindset unterwegs war.“

Absolventin Online-Marketing-Managerin, Social-Media-Managerin und Online-Redakteurin, Bewerbung als Content-Marketing-Managerin:

„Ich besitze Grundlagen aus dem Online-Marketing, kann Produkte vermarkten und Zielgruppen bestimmen. Damit ist es einfach, den richtigen Kanal auszuwählen, um Ihre Marke bekannter zu machen. Ich weiß, was SEO ist und kann dies auch erfolgreich umsetzen. Grundlagen in Wordpress bringe ich ebenfalls mit. Und na ja, eine Social-Media-Strategie kann ich ebenso entwickeln. Gehört schließlich alles dazu. Ich bringe rund um die sozialen Netzwerke ein Gesamtpaket mit.“

Natürlich eignet sich die etwas saloppe Sprachwahl beider Beispiele nicht für jeden potenziellen Arbeitgeber und jede Stelle. In beiden Fällen kam es jedoch authentisch rüber. Entscheidend ist, dass Sie sich vorab via Stellenanzeige, Webseite und auch den Social-Media-Kanälen ein Bild machen, um den richtigen Ton für Ihren potenziellen Arbeitgeber zu treffen.

4) Mit dem LinkedIn- und XING-Profil sichtbar werden

Keywords sind die wichtigste Währung bei der Online-Jobsuche. Das gilt vor allem für den Bereich „Fähigkeiten und Kenntnisse“ in Ihren XING- und LinkedIn-Profilen. In dieser Rubrik haben Sie die Möglichkeit alle Kenntnisse einzutragen, die Sie während der Weiterbildung erworben haben und in Zukunft auch beruflich einsetzen möchten. Der folgende Screenshot zeigt ein Beispiel für die eingetragenen Kenntnisse einer Chemikerin mit neuen Qualifikationen im Qualitäts- und Projektmanagement:

5) Im Vorstellungsgespräch mit der Weiterbildung punkten

Auch im Vorstellungsgespräch empfehlen selbstbewusst mit Ihren neuen Wissen umzugehen. Schauen Sie vorher, welche Kenntnisse den Arbeitgeber besonders interessieren können und bereiten Sie sich entsprechend vor. Vorab noch mal einen Blick in die Lernunterlagen zu werfen, kann dabei helfen. Auch hier entscheidet die Haltung: Rufen Sie sich vor dem Gespräch noch mal den Nutzen Ihrer Weiterbildungen ins Gedächtnis und veranschaulichen Sie im Gespräch Ihre neu erworbene Expertise. Auf diese Weise unterstützen Sie Ihren Gesprächspartner, sich ein umfassenderes Bild von Ihren Kenntnissen zu machen und sich eine mögliche Zusammenarbeit besser vorstellen zu können.

Mit Weiterbildung in den Job

Mit einer Weiterbildung schafft man bisweilen die Quadratur des Kreises: Gerade im aktuellen Arbeitsmarkt, in dem es so viele offene Stellen gibt, wie noch nie, besteht die Chance auch als Quereinsteigerin oder Berufsstarter mit einer praktischen Weiterbildung und anerkannten Zertifikaten den Zuschlag für die neue Stelle zu bekommen, selbst wenn erste einschlägige Berufspraxis gefordert ist.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Weiterbildungen im Bewerbungsprozess gemacht? Welche Fragen haben Sie? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

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Die Stärken der Generalisten: Was sie ausmacht und worin sie richtig gut... Thu, 22 Sep 2022 08:02:00 +0200 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/experteninterviews/staerken-generalisten.html post-328 https://www.lvq.de/karriere-blog/artikel/experteninterviews/staerken-generalisten.html Angela Borin Generalisten kämpfen in der Zeit ihrer Jobsuche häufig mit dem Glaubenssatz, nichts richtig gut zu können und suchen oftmals die eine Stärke, die sie in ihren Bewerbungen hervorheben können. Dabei… Die Stärken der Generalisten: Was sie ausmacht und worin sie richtig gut sind – Experteninterview mit Karriere-Coach Dr. Bernd Slaghuis Part I by Angela Borin 22-09-22

Categories: Experteninterviews

Seit Jahren ist Dr. Bernd Slaghuis einer der gefragtesten Karriere-Coaches Deutschlands. Sobald es um Themen wie Neuorientierung, Bewerbung und Karriere geht, fragen ihn neben seinen Klienten auch Zeitungen wie der Spiegel, die Zeit oder die Südddeutsche regelmäßig an. Auch als XING-Insider hat er sich einen Namen gemacht. Auf beiden Businessnetzwerken folgen mehr als 30.000 Menschen seinen Beiträgen und Karriere-Tipps, die er auch in seinem Blog Perspektivwechsel festhält.

Mit seinem Beitrag „Liebe Generalisten es reicht“ traf er den Nerv vieler Jobsuchender und wurde daraufhin zum XING-Lunch-Talk eingeladen. Da auch wir bei der LVQ viele Generalisten unter unseren Teilnehmenden haben, lag es für uns nahe, dazu selbst mit Bernd Slaghuis in den Austausch zu gehen:

  • Was macht Generalisten aus?
  • Was sind ihre Kernkompetenzen?
  • Und wie können Sie sich während der Jobsuche am besten verkaufen?

Diese und andere Fragen haben wir Bernd Slaghuis im ersten Teil unseres Interviews gestellt.

Das Generalist-Sein: Die Vielfalt der Stärken

Guten Morgen Bernd. Schön, dass Du Dir Zeit für unser Interview genommen hast und wir heute über die spannende Frage „Wie gehe ich eigentlich als Generalist mit der Jobsuche um?“ reden. Doch bevor wir starten: Was macht denn einen Generalisten aus?

Dr. Bernd Slaghuis: Hallo Angela. Ich freu mich auch und bin gespannt auf unseren Austausch. Zu Deiner Frage: Einerseits sind es die Aussagen selbst, die Generalisten über sich treffen, andererseits sind es unsere persönlichen Stärken, die definieren, ob wir mehr Spezialist oder Generalist sind. Wenn ich Generalisten im Coaching habe, sagen viele: „Ich interessiere mich für so vieles, aber weiß nicht, was meines ist.“ oder „Mir wird schnell langweilig, dann brauche ich etwas Neues.“ Es ist also das eigene Gefühl, was schon eine generalistische Prägung verrät – ohne aber den Begriff Generalist zu nutzen oder zu kennen.

Hinzu kommen sehr breite und vielfältig ausdifferenzierte Stärken, die auch mit der eigenen Persönlichkeit zusammenhängen: beispielsweise, dass jemand ein guter Kommunikator ist, der auch zwischen Menschen vermitteln kann oder ein guter Denker, Stratege und Visionär, der aber auch das Alltagsgeschäft erfolgreich meistert. Generalisten sind also aus verschiedenen Stärkenrichtungen einfach sehr gut bedient und vereinen sehr viele Stärken in sich.

Kristallisieren sich aus Deiner Sicht spezielle Kernkompetenzen heraus oder ist das sehr unterschiedlich?

Dr. Bernd Slaghuis: Die Kernkompetenz eines Generalisten ist das Generalist-Sein und diese Vielseitigkeit, die daraus erwächst. Es geht nicht darum, drei spezielle Aspekte aus dieser Vielseitigkeit hervorzuheben, sondern wertzuschätzen, dass einfach viele unterschiedliche Kompetenzen stark ausgebildet sind. Dennoch sehe ich in meiner Arbeit häufig, dass mitunter ein oder zwei Stärkenrichtungen besonders hervorstechen. Zum Beispiel zeigt sich als ausgeprägteste Stärkenrichtung „der Denker“ und weitere Stärkenanteile verteilen sich auf „den Kommunikator“, „den Steuerer“, „den Künstler“ oder „den Organisator“. Anders als der Super-Spezialist, der beispielsweise nur als Innovationsexperte arbeitet, der aber seine Ideen vielleicht nicht verkaufen oder kommunizieren kann, vereint der Generalist mehrere Stärken als seine Kernkompetenz.

Das Hochstapler-Syndrom: Generalisten glauben nichts zu können

Interessanter Punkt, denn viele Generalisten glauben ja gerade, dass sie eine Sache richtig gut können müssen. Doch heißt das nun, dass Generalisten in Abgrenzung zum Spezialisten gar nichts so richtig gut können dürfen?

Dr. Bernd Slaghuis: Sie dürfen schon, aber sie müssen nicht. Ganz viele, die zu mir kommen, haben genau den von Dir erwähnten Druck, weil sie den typischen Generalisten-Glaubenssatz und das Gefühl von Hochstapelei im Kopf haben: „Ich kann ja nichts richtig, also bin ich nicht gut genug.“ oder andersherum „Ich bin nicht gut genug, weil ich nichts richtig kann.“ Hier spricht letztlich die Angst, die dem Generalisten sagt, „Hoffentlich kommt das nicht raus, dass ich eigentlich gar nichts richtig kann“. Das ist total typisch für viele Generalisten. Und genau hier finde ich es daher wichtig, für sich selber anzuerkennen: „Doch ich bin gut genug, gerade weil ich viele Dinge ein bisschen kann und diese breite Vielfalt in der Kombination mitbringe. Genau das ist meine Kompetenz.“ Außerdem hängt da noch viel mehr dran. Die Kompetenz eines Generalisten zeichnet sich im Grunde dadurch aus, dass er sehr flexibel agieren, sich leicht auf neue Sachverhalte, Themen, Projekte und Teamsituationen einstellen und sich schnell auf Veränderung einlassen kann.

Die eigenen Glaubenssätze zu identifizieren und aufzubrechen, das ist häufig gar nicht so einfach. Hast Du einen Master-Tipp für Generalisten, wie sie ihre Vielseitigkeit positiver wahrnehmen?

Dr. Bernd Slaghuis: Direkt an die Generalisten unter uns gewandt: „Erkennt eure Stärken und Werte und werdet euch der Vielfältigkeit eurer Stärken bewusst. Versucht nicht den Generalisten in euch zu töten oder aus euch krampfhaft einen Spezialisten zu machen. Erkennt den Generalisten an, seid stolz auf den bunten Blumenstrauß und sucht euch solche Positionen, Aufgaben und das Umfeld, in denen genau diese Stärkenvielfalt und eure Persönlichkeit einen hohen Wert haben.

Generalisten suchen Abwechslung statt Routine

Den bunten Blumenstrauß aktiv suchen und mit ihm glänzen: Guter Tipp, doch wie gelingt das in der Praxis? Gibt es bestimmte Dinge, auf die Generalisten in Stellen achten sollten?

Dr. Bernd Slaghuis: Ich mache mit meinen Kunden oft meine „Traumjob“-Übung, in der sie sich anhand verschiedener Kriterien ihren idealen Job backen dürfen. Eines dieser Kriterien ist das Verhältnis von Abwechslung zu Routine. Es geht darum aufzuzeigen, wie 100% der Arbeit am liebsten aufgeteilt sein sollten, um langfristig im Job zufrieden zu sein. Der Schwerpunkt liegt bei den Generalisten meistens auf der Abwechslungsseite: 70 zu 30. Sie möchten nicht wie der Spezialist Routine und Gleichförmigkeit. Während Spezialisten jedes Buch zu ihrem Thema verschlingen, immer mehr Expertenwissen ansammeln und sich immer tiefer in ihre Nische einarbeiten, reduzieren Generalisten das Wissen auf die essenziellen Eckpunkte. Sie wissen, wo sie für tiefergreifendes Wissen nachlesen können. Generalisten benötigen stattdessen immer wieder Neues in Form von Impulsen, Herausforderungen und Themen, mit denen Sie sich lernend beschäftigen können. Der bunte Blumenstrauß sollte sich also idealerweise in der Aufgabenstellung des Jobs wiederspiegeln, da Generalisten eine möglichst große Spielwiese aus verschiedenen Themen, Aufgabengebieten sowie auch Schnittstellen zu benachbarten Bereichen brauchen.

Generalisten haben also deutlich andere Wünsche und Bedürfnisse als Spezialisten. Doch wie sieht das konkret aus? Hast Du Stellenformulierungen parat?

Dr. Bernd Slaghuis: Ideale Stellen für Generalisten weisen oft einen Mix aus Konzeption, Kooperation und Umsetzung auf. Wenn in der Aufgabenbeschreibung also steht „Konzeption (und Implementierung) von X und Y“, „Begleitung von Veränderungsprozessen“, „Weiterentwicklung von Z“, „Schnittstellenarbeit und Koordination mit XY“, „Vermittlung und Moderation von Z“ oder viel Projektgeschäft – also sehr viel Neues, Umsetzung, Planung und Organisation – aus der Stelle herauszulesen ist, wird jemand gesucht, der vieles aus verschiedenen Bereichen miteinander verbindet: ein Generalist.

Sobald eine Aufgabenbeschreibung sehr eng klingt und Wörter wie „Fokus“ oder „schwerpunktmäßig“ auftauchen, wird ein Spezialist gesucht. Dies lässt sich auch daran erkennen, wenn nur wenige Bulletpoints die Aufgabe beschreiben und diese aber verschiedene Teilaspekte einer Richtung benennen. Beispielsweise die „Konzeption des Reportings zur Messung der KPIs im Vertrieb“ und die „Berichterstattung der KPIs vor dem Vorstand“. Das ist eine klassische Vertriebs-Controlling-Stelle, die einen engen Fokus setzt. Entscheidend für Generalisten ist es also, zu gucken wie vielfältig die Aufgaben beschrieben sind.

„Spezialisten suchen Stellen, Generalisten finden Arbeitgeber.“

Breite Tätigkeitsfelder statt enger Fokus: Aber wie machen sich Generalisten dann greifbar?

Dr. Bernd Slaghuis: Voraussetzung ist natürlich erstmal, dass der Generalist selbst seinen Wert kennt und anerkennt, für sich also Klarheit schafft. Mit dieser Klarheit kann er sich dann bewerben und seine Vielfalt im Lebenslauf präsentieren. Und das auch ruhig über die Stellenanforderungen hinaus ohne die Kenntnisse nur auf das „herunterzudampfen“, was auf die Stelle passt. Oft macht es auch Sinn, das Generalistentum offen im Anschreiben zu thematisieren: „Ich bin vielleicht nicht der Spezialist, den Sie auf diesem Gebiet suchen, aber als Generalist bringe ich X und Y mit.“ Generalisten sollten auch ruhig so einen Begriff mit einbringen, sodass der Leser für sich entscheiden kann, ob er in dieser Position wirklich einen Spezialisten sucht oder der Generalist doch noch besser dafür geeignet wäre. Denn häufig passen Generalisten eben nicht zu 100% auf eine Stelle und fühlen sich daher auch nicht wirklich angesprochen. Aber die Flexibilität macht ja den Wert aus. Das Ziel für alle Generalisten sollte daher immer sein, dass der neue Arbeitgeber so beeindruckt von der Fülle und Vielseitigkeit ist, dass er sich sagt: „Wenn der Bewerber dies alles in den letzten Positionen und Jahren gemacht hat, dann wird er sich auch hier bei uns in dieser Position schnell einfinden und einarbeiten können.

Für Generalisten gibt es also nicht den einen Stellentitel, nach dem sie filtern können. Erst die Aufgaben dahinter entscheiden.

Dr. Bernd Slaghuis: Genau. Deswegen sage ich auch immer: Spezialisten suchen Stellen, Generalisten finden Arbeitgeber. Die meisten Generalisten, die zu mir ins Coaching kommen, möchten am liebsten die drei für sie perfekten Stellenbezeichnungen von mir erfahren, nach denen sie dann gezielt in Stellenbörsen suchen können. Das schaffen wir aber nie, weil es für einen Generalisten auch keinen Sinn macht. Für einen Generalisten ist es am Ende egal, ob auf seiner Visitenkarte „Projektmanager“ oder „Customer Sales Experience Manager“ steht. Viel wichtiger ist es zu definieren, was ein Generalist für ein gutes Arbeitsumfeld benötigt und wie eine Aufgabe grob gelagert sein sollte. Geht es mehr Richtung Konzeption, Strategie und Denker oder Richtung operatives Tagesgeschäft, Hands-On und Macher? Mein Ziel im Coaching ist, dass jemand ein gutes Bild von einem zu ihm passenden Arbeitsumfeld und von seinen Ansprüchen an eine neue Führungskraft bekommt. So entwickelt sich ein geeignetes Suchraster für einen Generalisten – nicht durch Stellenbetitelungen.

Jobsuche abseits der Stellenbörsen

Also weg von Stellenausschreibungen hin zu Initiativbewerbungen im gewünschten Unternehmen?

Dr. Bernd Slaghuis: Ich bin kein großer Fan von Initiativbewerbungen, weil sie oft nicht funktionieren. Personaler machen eine gute Arbeit, wenn sie eingehende Bewerbungen mit offenen Stellen abgleichen. Die freiere Überlegung, wo ein Kandidat in einer Organisation eingesetzt werden kann, das passiert heute kaum noch. Eine Initiativbewerbung muss somit weit über eine klassische Bewerbung hinausgehen. Im besten Fall liefert der Generalist seinem potenziellen neuen Arbeitgeber schon eine konkrete Idee, wo er sich im Unternehmen sieht und präsentiert sich mit allem, was er dafür mitbringt, auf einem Silbertablett. Initiativbewerbungen funktionieren oft nur dann, wenn der Generalist eine Lücke im Unternehmen sieht, diese füllen kann und idealerweise schon ein Kurzkonzept mitschickt. Nach dem Motto: „Das Unternehmen ist so groß, die benötigen jetzt ein professionelleres Marketing und eine bessere Schnittstellenarbeit. Genau da komme ich als Generalist ins Spiel.“ Initiativbewerbungen funktionieren also nicht für jeden.

Besser wäre es, nach Arbeitgebern zu suchen – im besten Fall in der Region, denn die meisten suchen gerne regional – und sich die Homepage sowie die ausgeschriebenen Stellen anzuschauen. Welche Unternehmen gibt es in welchen Branchen und mit welchen Themen? Welche interessieren den Generalisten? Klar ist: Keiner schaut sich Stellen an, die nicht zum eigenen Aufgabengebiet passen. Ein Marketeer klickt eher nicht auf die IT-Anwendungsentwickler-Stelle, aber schaut sich alles rund ums Marketing an. Hier würde ich zusätzlich empfehlen, auch Stellen in Betracht zu ziehen, die etwas mit Projektmanagement, Vertrieb, Kunden und dem Markt zu tun haben. Weg von den Stellenbörsen Arbeitgeber zu googlen und zu finden, das ist aber natürlich der kreativere und schwierigere Weg. Ich sehe jedoch, dass es oft der motivierendere und am Ende auch effizientere Weg ist.

In dem Moment, wo Generalisten auf Jobsuche sind, sollten sie zudem mit offeneren Augen durch die Welt gehen und wahrnehmen, welchen Leuten sie auf Events begegnen, wo diese arbeiten und was sie über ihre Arbeitgeber erzählen. Ein Tipp, den ich meinen Klienten immer gebe, lautet: „Guck, welche Produkte, Menschen oder auch Firmenschilder Dir begegnen, was und wen Du wahrnimmst und welche Kontakte daraus entstehen können.“ Das klingt profan, aber was durch diesen Tipp alles schon entstanden ist, das ist wirklich verrückt. Einer meiner Klienten hat seinen neuen Job durch den auf einem Baumarktparkplatz stehenden Transporter mit Firmen-Logo gefunden.

Nicht zum Mädchen für alles werden

Also lieber auf ausgeschriebene Stellen der Unternehmenswebseite reagieren, aber die Extrameile gehen und den eigenen Blumenstrauß darlegen, um Möglichkeiten aufzumachen. Doch dann kann es auch schnell passieren, dass das Aufgabenfeld und die Summe der Aufgaben größer ausfällt als gewünscht. Wie sorgen Generalisten trotzdem für eine Eingrenzung ihres Arbeitsfeldes, um später nicht alles auf den Tisch gelegt zu bekommen?

Dr. Bernd Slaghuis: Das ist natürlich das Problem, wenn ein Arbeitgeber erkennt, dass er einen Bewerber oder Mitarbeiter hat, der sehr vielfältig einsetzbar ist und auch gerne alles annimmt. Dieses Abgrenzungsproblem haben viele Generalisten, da sie sich für vieles interessieren, schlecht Nein sagen können und Tätigkeitserweiterungen im ersten Moment als Bereicherung empfinden. Wenn der Generalist aber über einen längeren Zeitraum in der ohnehin dünn besetzteren Urlaubszeit noch eine Krankheitsvertretung und die Einarbeitung eines neuen Kollegen übernehmen muss, kann dies schnell in einer Überlastung resultieren.

Trotz passender Aufgaben, kreativer Spielwiese und toller Kollegen – kurzum dem eigentlich absolut passenden Traumjob mit optimalem Arbeitsfeld – kann es dann schnell kippen. Wichtig ist, dass der Generalist sich nicht alle Aufgaben zu eigen macht und auch kurze Ruhephasen mit der Perspektive, dass Veränderung wieder möglich ist, für sich nutzt, um den Stresspegel auf gesundem Maß zu halten.

Breites Tätigkeitsfeld ohne etliche weitere Aufgabenstellungen und Arbeitsfelder: Wie können Generalisten diesen Spagat in der Bewerbung hinbekommen?

Dr. Bernd Slaghuis: Generalisten brauchen wie gesagt eine große Spielwiese und es ist wichtig, diese Spielwiese zu definieren und darauf zu achten, wo die Grenzen verlaufen und wo ein anderer Arbeitsbereich anfängt. Darüber lässt sich für den angestellten Generalisten auch ein „Nein“ argumentieren: „Ja, vielleicht finde ich als Generalist die Aufgabe gerade spannend und vielleicht glaubt mein Chef, dass ich diese gut ausführen könnte, aber sie fällt nicht in meine Zuständigkeit und ich möchte meine Spielwiese dahingehend auch nicht erweitern.

Tätigkeitsbereiche im Vorstellungsgespräch klar umreißen

Die Spielwiese sollte daher in einem Vorstellungsgespräch umrissen werden. Das richtige Begreifen und Definieren geschieht oftmals erst, wenn der Generalist im Job ist. Doch ich stelle häufig fest, dass viele Arbeitgeber die Spielwiese ihrer ausgeschriebenen Stellen selbst nicht deutlich genug ausdifferenziert haben – speziell wenn es eine neue Stelle ist. Oft schwingen arbeitgeberseitig dann Gedanken mit wie: „Wir brauchen jetzt dringend jemanden in dieser Position. Wie genau die Aufgaben gestaltet sind, das ergibt sich dann im Job.

Das kann für Generalisten natürlich eine Chance sein, diese Spielwiese selbst für sich zu definieren. Die Gefahr lauert auf der anderen Seite aber darin, dass die Spielwiese nie definiert wird, die Ränder nicht klar sind und Generalisten zu einem „Mädchen für alles“ werden. Ein hilfreicher Tipp an dieser Stelle: „Wenn die Stelle im Vorstellungsgespräch bereits umrissen ist, konkretisiert die Aufgabenbereiche und die Ränder. Ist dies nicht gegeben, verweist darauf, dass die Definition des Aufgabenbereiches eine der ersten Aufgaben bei eurem Start ins Unternehmen sein wird. So habt ihr eine erste klare Aufgabe abgestimmt.

Das eigene Profil wertschätzen und klare Kante zeigen

Die Spielwiese von vornherein definieren, treffende Aussage. Aber könnte hier nicht seitens des Unternehmens das Vorurteil aufkommen, dass Generalisten doch sowieso gar nicht wissen, was sie wollen?

Dr. Bernd Slaghuis: Die Gefahr besteht natürlich immer und hängt auch immer an der Frage „Warum haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben?“. Jeder Generalist denkt vermutlich erstmal: „Die Stelle ist mir aufgefallen, weil sie spannend klang – genauso wie zehn weitere.“ Und genau das finde ich übrigens gar nicht schlimm. Bewerber dürfen aus meiner Sicht ruhig offen damit umgehen, dass sie andere Bewerbungen ausstehen haben. Die Erwartungshaltung, dass ein Bewerber sich nur an einer Stelle eine Chance aufmacht, ist schließlich realitätsfern.

Generalisten haben häufig das Gefühl, dass sie kein richtiges Profil haben, weil sie eben nichts richtig können. Daraus entsteht die Angst, dass das irgendwann auffällt. In dem Moment, in dem ein Generalist sich aber offen und klar als solcher bekennt – in einem Bewerbungsgespräch zum Beispiel – und exakt diese Vielfalt als sein Profil wahrnimmt, kann es im Nachgang nicht überraschend herauskommen. Der eigenen Vielseitigkeit also den passenden Wert beizumessen, ist eine wichtige Voraussetzung, um dem potenziellen Arbeitgeber auf Augenhöhe zu kommunizieren: „So bin ich, das ist das gesamte bunte Paket. Wenn das zu euch und der Stelle passt, dann steht einer beruflichen Zusammenarbeit nichts im Weg.“ Wenn diese Wahrnehmung erreicht ist, verschwindet auch die Angst. Und wenn im Arbeitsalltag Situationen entstehen, in denen Spezialwissen gefragt ist und der Generalist die Antwort nicht sofort parat hat, darf und kann er entspannt sagen: „Das nehme ich jetzt mit, schlage es nach dem Meeting nach und liefere euch dann die Antwort.“ Das Spannende ist ja, dass es in der Regel nicht mal auffällt und wenn doch, stellt es niemand in so einer Situation infrage. Selbstbewusst mit der Stärke „Generalist“ in verschiedenen Situationen umgehen – das ist der Schlüssel.

Weiterlesen im zweiten Teil des Interviews...


 

 

 

Disclaimer: Zugunsten der besseren Lesbarkeit wurde die zeitgleiche Verwendung der männlichen, weiblichen und diversen Form während des Interviews nachträglich in der Verschriftlichung auf die männliche Sprachform reduziert. Diese Form schließt an dieser Stelle alle Geschlechter mit ein.


 


 

 

 

 

 

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Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

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