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„Der aktuelle Arbeitsmarkt gleicht eher einer stürmischen See, denn einem ruhigen Tag am Mittelmeer. Das Ziel kann zwar erreicht werden, aber die Bedingungen sind rau und anstrengend. Sinnvoll wäre es also, wenn sie nicht in einer kleinen Nussschale reisen, sondern mit nautischen Kenntnissen in einem robusten Schiff“.

So beschrieb mein Kollege Lars Hahn in seiner letzten Kolumne zur Situation des Arbeitsmarktes die aktuelle Lage für Arbeitsuchende und gibt dort direkt einige wertvolle Impulse zur Erweiterung der nautischen Kenntnisse. Ergänzend dazu sammelte meine Kollegin Angela Borin im Beitrag Jobsuche in Zeiten von Corona viele hilfreiche Links aus anderen prominenten Blogs und Webseiten.

Bleibt man in der Metapher der stürmischen See, so ist der potenzielle neue Arbeitgeber der zu erreichende Hafen und die Personaler sowas wie die Leuchtturmwärter. Doch was passiert an den Häfen? Dürfen Schiffe andocken? Scheinen die Lichter aus den Leuchtturmscheinwerfern?

Im heutigen Beitrag möchten wir uns gezielt mit der Personaler- und HR-Sicht und deren Empfehlungen für Bewerber befassen und haben dazu einige Experten aus dem Personalbereich befragt.

Was passiert in den Personalabteilungen?

Die aktuelle Arbeitsmarktsituation, und dass, was einige Medien daraus machen, klingt teilweise beängstigend. Vom „Horror aus Nürnberg“ und vom „Arbeitsmarkt-Tsunami“ ist die Rede. Bis zu 10 Millionen Menschen sind aktuell in Kurzarbeit. Was deren Arbeitgeber planen, wissen sie häufig nicht, noch weniger wissen dies Bewerber, die aktuell auf Jobsuche sind.

Macht es aktuell überhaupt Sinn, sich zu bewerben? Suchen die Firmen zurzeit überhaupt? Sind die ausgeschriebenen Stellen gar Fake, um zu suggerieren, dass man nicht von der Krise betroffen sei?

Durchaus suchen Unternehmen weiterhin nach Mitarbeitern und führen (virtuelle) Vorstellungsgespräche – auch wenn es um Stellen geht, die final erst nach Beendigung der Krise besetzt werden:

„Wir haben vor der Krise hauptsächlich im MINT-Bereich gesourced und machen das derzeit immer noch. Die Stellen bleiben ja trotz Corona vakant“, so Jan Hawliczek, der seit Jahren im Recruiting, vor allem in der Automotive-Branche, tätig ist.

Zugegebenermaßen gehört der MINT-Bereich grundsätzlich zu einem der begehrtesten auf Arbeitgeberseite. Doch wir bei der LVQ sehen auch, dass Fach- und Führungskräfte aus anderen Bereichen Vorstellungsgespräche führen und sogar eingestellt werden. 

Recruiting während Corona: Ein Blick auf die Webseiten

Doch viele Menschen scheuen sich gerade davor, sich bei Unternehmen zu bewerben, da sie nicht einschätzen können, ob diese einstellen. Dabei führen viele Unternehmen auch Gespräche und suchen:

„Das Problem ist, dass nur wenige darüber informieren. So finden sich derzeit in den meisten Stellenanzeigen oder auf Karriereseiten weder Hinweise darüber, dass trotz Corona eingestellt wird, noch darüber, wie das Bewerbungsverfahren in Zeiten von Corona abläuft. Dabei gibt es derzeit eine große Verunsicherung bei Bewerbern“, so Personalmarketingexperte Henner Knabenreich.

Er empfiehlt Arbeitgebern daher, auf ihrer Webseite mit der derzeitigen Situation transparent umzugehen:

„Unternehmen, die Transparenz zeigen und diese Verunsicherung nehmen, etwa indem sie darüber informieren, wie Bewerbungsprozesse aktuell funktionieren, worauf bei Video-Interviews zu achten ist oder wie möglicherweise ein virtuelles Onboarding abläuft, können bei Bewerbern punkten.“

Wie dies vorbildlich aussehen kann, zeigt die Telekom auf ihrer Karriereseite. Sie gehen dort sehr offen auf die zu besetzenden Stellen und den Bewerbungsprozess während Corona ein. Bewerbern bleibt dadurch keine Frage offen.

Recruiting und Jobsuche während Corona: Alles online!

Es wird wenig verwundern, dass Vorstellungsgespräche allgemein bei den Arbeitgebern ausschließlich digital stattfinden (sollten).
So auch bei der Hyundai Capital Bank Europe, wie deren Director of Human Resources Marcus Reif berichtet:

„Wir haben das Recruiting nahezu kontaktlos aufgesetzt. Alle Interviews führen wir für alle Vakanzen und über alle internen Hierarchien hinweg per Video durch.“

Henner Knabenreich sieht es sogar als Pflicht der Arbeitgeber, Job-Interviews online zu führen:

„Mir wäre es als Bewerber wichtig, dass das Unternehmen eine kontaktlose Bewerbung ermöglicht. Sollte man dort darauf bestehen, dass man anreist, würde ich auf ein Gespräch verzichten. Meines Erachtens ist das nicht sonderlich vertrauenerweckend und zeigt, welchen Stellenwert der Mitarbeiter dort hat.“

Unternehmen sollten zudem darauf hinweisen, mit welchen Tools sie im virtuellen Gespräch arbeiten und wie man damit umgeht. Für Bewerber heißt dies umgekehrt, sich mit den Voraussetzungen für digitales Arbeiten und Kommunizieren auseinander zu setzen. „Gerade jetzt ist die Gelegenheit, sich Video- und Online-Skills anzueignen“, so Jan Hawliczek.

„Zudem ist es mit Sicherheit sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen, wie man sich im Rahmen eines Videointerviews verhält und was man währenddessen sieht. Ein Interview im Pyjama, mit ungewaschenen Haaren oder im unordentlichen Schlafzimmer wäre wohl wenig zielführend“, ergänzt Henner Knabenreich.

Schon jetzt lässt sich erahnen, dass digitales Arbeiten für viele Menschen auch nach Corona eine weitaus größere Rolle spielen wird.

Auf Jobsuche während Corona: Was würden die Personaler tun?

Darüber hinaus gibt es weitere Dinge, die Bewerber jetzt tun können. Lars Hahn hat dazu in der eingangs erwähnten Kolumne sinnvolle Tipps gegeben.

Und wie würden die Personaler aktiv werden, wären sie jetzt in der Rolle des Jobsuchenden?

Jan Hawliczek würde die Zeit für den Netzwerkaufbau im Internet investieren:

„Ich würde Zeit in Recherche stecken und schauen, wo ich mir strategisch ein Netzwerk aufbauen kann, das mir langfristig und nachhaltig hilft. Ob das dann auf Business- oder Social Networks ist hängt von meinem Ziel ab.“

Gerade die Business-Netzwerke wie XING oder LinkedIn bieten sich hierfür zum Beispiel mit ihren Gruppen an. Auch digitale Veranstaltungen kann man darüber finden, über die man sein fachliches Netzwerk erweitern kann.

Marcus Reif würde mit vielen Beispielen aus dem aktuellen Krisenmanagement seine Story schärfen: „Themen wie Business-Continuity, Krisenmanagement, Kommunikation, Arbeitsfähigkeit herstellen, Virtualisierung und Digitalisierung lassen sich gerade jetzt prima abbilden.“ Gerade digital affine Jobsuchende können hier punkten.

Ein praktischer Tipp, der allen Bewerbern viel Zeit spart, kommt von Henner Knabenreich: „Ich würde zunächst nachfragen, ob die Ausschreibung wirklich aktuell ist und ob derzeit eingestellt wird.“

Sein abschließender Tipp: Jetzt bewerben!

„Grundsätzlich denke ich, dass es sich aktuell doppelt lohnt, sich zu bewerben. Schließlich sind derzeit viele Menschen verunsichert und werden sich nicht bewerben. Insofern steigen meine Chancen an.“

Die Krise als Chance nutzen

Gerade der letzte Tipp von Henner Knabenreich zeigt, dass es in Krisenphasen Sinn macht querzudenken und mutig zu bleiben. Natürlich lassen sich die aktuellen Arbeitsmarktzahlen nicht wegwischen, aber es besteht kein Grund zur Panik. Viele Unternehmen haben weiterhin offene Vakanzen, warten nur mit der Stellenbesetzung.  „Es sind keine normalen Zeiten“, sagt Marcus Reif. Und da muss man halt jetzt gemeinsam durch, sowohl Personaler als auch Bewerber.

Abschließend empfiehlt Lars Hahn, wie Sie Ihre „nautischen Kenntnisse“ für die Jobsuche auf rauer See verbessern können:

„Endlich ist mal Zeit, sich wirklich an die berufliche Positionierung zu wagen, die Bewerbungsunterlagen zu generalüberholen und das persönliche Netzwerk aktiv zu pflegen. Wenn schon der Arbeitsmarkt flau ist, sind die nächsten Monate überdies eine ideale Zeit für Qualifizierung und Weiterbildung.“

So dürften Sie Ihre Chancen deutlich erhöhen, spätestens am Ende der Krise an Ihrem beruflichen Hafen anzulegen.


 


 

 

Weitere Beiträge von Personalern zur aktuellen Corona-Krise finden Sie hier:

Marcus Reif: HR im Krisenmodus: wie Covid 19 die Arbeitswelt verändern wird

Henner Knabenreich: Stellenanzeigen und Corona: Klarheit für Bewerber schaffen

Barbara Brehmer: Menschen verstehen: Wir wir auf Krisensituationen reagieren und mit ihnen umgehen #HRvsCoronaKrise

Stefan Scheller: Recruiting in der Corona-Krise: Studie zu Auswirkungen auf Studierende und Hochschulen

Helge Weinberg: Covid-19-Krise: Top-10 der Jobsuchen auf Indeed

Henrik Zaborowski: Wir helfen Freelancern in der Corona-Krise!

HR-Rookies: HR im Wandel – Wie Covid-19 die Weichen für die Zukunft stellt

Stefan Döring: Nach der Coronakrise: Der Public Sector als Gewinner im Fachkräftemangel

Christoph Athanas: Coronakrise: Der Re-Start nach dem Shutdown, die Riesenchance für HR


 


 

 

 

 

 

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