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Jobsuche und Bewerbung in der Corona-Krise? Die nächsten Wochen und Monate kann ich doch vergessen!

So oder ähnlich lauten die Befürchtungen und Sorgen von Menschen, mit denen wir im Moment sprechen. Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt nahezu lahmgelegt. Millionen Menschen sind in Kurzarbeit, viele arbeiten im Homeoffice. Betriebe kämpfen mit wirtschaftlichen Sorgen, manchmal mit existentiellen Nöten. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Stellenmarkt.

Die Fragen, die uns Bewerberinnen und Bewerber stellen, lauten zum Beispiel: „Was kann ich tun, wenn ich gerade arbeitslos bin und meine Jobsuche nun nicht aufschieben kann? Wie kann ich auf die aktuellen Entwicklungen am Arbeitsmarkt reagieren? Wie kann ich die Zeit der Corona-Pandemie nutzen oder gar überbrücken? Welche Arten der Bewerbung funktionieren in Zeiten der Corona-Krise?“

In diesem Beitrag schreibe ich von meinen Beobachtungen und Erkenntnissen über den aktuellen Arbeitsmarkt. Daraus und aus vielen Gesprächen der letzten Wochen sowie vielen Jahren der Beratung in krisenhaften Situationen der Jobsuche ergeben sich sieben Impulse, die ich Ihnen für Ihre Jobsuche und Bewerbung in Corona-Zeiten mit auf den Weg geben möchte.

Keine Panik in der Krise!

Jobsuche ist ohnehin häufig eine Phase des Umbruchs. Zur individuellen Neuorientierung kommt nun auch noch die gesellschaftliche Krise mit Wucht hinzu. Mit den Sorgen, Ängsten und Unsicherheiten vieler Jobsuchender sind wir in der LVQ ebenfalls in unserem Beratungsalltag konfrontiert. Auch wir können natürlich nicht alle Auswirkungen der Corona-Krise auf den Stellenmarkt und die Jobsuche überschauen. Wie es in einem halben Jahr aussieht? Wer weiß das?!

Umso wichtiger ist es, keine Panik in der Krise zu haben. Der Arbeitsmarkt mag turbulent sein, die Perspektiven ungewiss – und doch: Entgegen dem Trend werden auch jetzt in bestimmten Branchen und Situationen neue Mitarbeiter eingestellt. Zudem wird sie später kaum jemand zu der Corona-Lücke in Ihrem Lebenslauf ausquetschen. Die Zeit der Krise bietet daher Chancen für berufliche (Neu-)Orientierung und Positionierung.

Der Arbeitsmarkt in Corona-Zeiten

Die ersten Arbeitsmarktzahlen von April 2020, die die Corona-Krise berücksichtigen, sind gerade veröffentlicht worden, da schreiben einige Medien erwartungsgemäß von Horror (Der Spiegel) und Tsunami (Bild). Aber schauen wir uns die Daten mal an:

Die Arbeitslosenquote in Deutschland steigt um 0,7 Prozent auf 5,8 Prozent, die absolute Zahl um 308.000 auf über 2,6 Millionen. Gleichzeitig sind bis zu 10 Millionen Menschen in Kurzarbeit (davon arbeiten manche gar nicht, manche zum Teil und manche voll, das weiß man erst nachher).

Zum Vergleich: In den USA, wo es keine Kurzarbeit gibt, sind 30 Millionen Menschen arbeitslos, was dort weit über 15 Prozent der Erwerbstätigen betrifft. Die vielen Clickworker, die als „Selbständige“ für Uber oder Airbnb arbeiten, sind hier nicht mal drin. Zudem heißt Arbeitslosigkeit in den USA schnell Armut und Verlust der Krankenversicherung.

Also alles gut im deutschen Arbeitsmarkt trotz Corona? Natürlich nicht. Zum einen werden aufgrund der sozialeren Bedingungen in Deutschland manche Kündigungen erst später sichtbar (Kündigungsfristen) und manche werden erst erfolgen, wenn auch die Kurzarbeitergeld-Hilfen nicht mehr ausreichen. Man munkelt von zeitweise bis zu drei Millionen Arbeitslosen, die erwartet werden.

Stellennachfrage bricht ein

Was aber für die Jobsuche und Bewerbung in Corona-Zeiten entscheidend ist: „Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern ist regelrecht eingebrochen.“ So äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele just bei der Vorstellung des Arbeitsmarktberichts. So gingen Zugänge neuer Vakanzen, also neu gemeldeter Stellen bei der BA, um sage und schreibe fast 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück – zu finden im lesenswerten Monatsbericht der BA-Statistik-Experten.

Weniger freie Stellen und weniger Einstellungsbereitschaft sind das, was Bewerberinnen und Bewerbern das Leben zurzeit schwer macht. Wir erfahren von Bewerbern, dass schon verabredete Einstellungstermine verzögert werden, dass Verträge platzen und dass man in der „Verhandlungsphase“ einfach nichts mehr von Arbeitgebern hört. Darüber hinaus fragt sich jeder: „Wird die ausgeschriebene Stelle überhaupt aktuell besetzt oder steht sie in der Jobbörse, weil die Anzeige vor Corona geschaltet wurde?“.

Was jeder ahnt, bestätigt sich: Der aktuelle Arbeitsmarkt ist schwierig für Jobsuchende. Immer mehr Bewerbende tummeln sich um immer weniger offene Stellen. Aktuell ist es schon zäh, es könnte aber noch schlimmer kommen und keiner weiß, wie lange diese Durststrecke dauern wird. Meine ganz persönliche, intuitive These ist, dass sich der Arbeitsmarkt frühestens ab Oktober oder gar erst im neuen Jahr berappeln wird.

Und dennoch: Es nützt ja alles nix! Wer zurzeit arbeitslos ist, muss sich auf das schwierige Abenteuer der Jobsuche in Corona-Zeiten einlassen. Der aktuelle Arbeitsmarkt gleicht dabei einer stürmischen See, denn einem ruhigen Tag am Mittelmeer. Das Ziel kann zwar erreicht werden, aber die Bedingungen sind rau und anstrengend. Sinnvoll wäre es also, wenn sie nicht in einer kleinen Nussschale reisen, sondern mit nautischen Kenntnissen in einem robusten Schiff (Sie ahnen, wie Sie dieses Bild auf den aktuellen Arbeitsmarkt übertragen können). Und genau für die raue Corona-Zeit habe ich meine sieben Impulse aufgeschrieben, die helfen sollen, die Herausforderung der Jobsuche in dieser Phase zu meistern.

7 Impulse für die Jobsuche und Bewerbung in Corona-Zeiten

Impuls 1: Das Thema #Corona in Jobbörsen

Wer aktuell gerade einen Job sucht, wäre schlecht beraten, den offenen Stellenmarkt angesichts der schwierigen Lage komplett zu ignorieren. Zum einen gibt es in den Stellenbörsen nach wie vor Neuzugänge:  Nicht nur in systemrelevanten Feldern wie Landwirtschaft, Lebensmittelhandel oder Gesundheitsämtern, sondern auch im E-Commerce, in der Energieversorgung und in der Telekommunikation werden Stellen besetzt. Zum anderen planen viele Unternehmen auch jetzt schon für die Post-Corona-Zeit. Aber wie identifizieren Sie, ob eine Stelle einfach nur ausgeschrieben ist, weil die Anzeige schon vor Corona bezahlt wurde oder weil das Unternehmen genau für jetzt oder Post-Corona besetzen wollen? Und welche Faktoren gibt es im Bewerbungsprozess zu beachten?

Die meisten Stellenanzeigen lassen sich darüber bisher leider gar nicht aus. Wie es allerdings gehen könnte, beschreibt Henner Knabenreich in seinem Personalmarketing-Blog. Vorbildhafte Unternehmen beschreiben den Recruiting-Prozess in Zeiten von Corona in ihrer Anzeige: „Video- statt Vor-Ort-Gespräch“, sogar „Trotz-Corona…“-Anzeigen gibt es in Stellenbörsen. Man kann also sogar nach dem Schlagwort #Corona in den Jobbörsen suchen, sinnvollerweise in Verbindung mit den für Sie passenden Suchwörtern.

Mein genereller Tipp: Filtern Sie Stellen nach Veröffentlichungsdatum, jetzt noch sorgfältiger als sonst. Bei XING heißt das „neueste zuerst“, bei der BA-Jobbörse „veröffentlicht seit 2 Wochen“, bei Stepstone „Veröffentlichungszeitraum: seit 7 Tagen“. Zumindest die akut veröffentlichten Stellen sollten auch in Corona-Zeiten ernst gemeint sein.

Impuls 2: Querdenken

Gerade wenn Sie es besonders eilig haben mit Ihrer Jobsuche, zum Beispiel weil das Arbeitslosengeld bald ausläuft, kann es notwendig sein, einen Plan B gegenüber dem ursprünglichen Jobziel zu haben. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihren Jobwunsch aktuell nicht realisieren zu können, hilft es, völlig über die bisherigen Grenzen hinaus zu denken: In welchen Branchen und Aufgabenfeldern könnten meine Fähigkeiten zurzeit dringend gebraucht werden? Nicht jeder muss Erntehelfer werden. Ich las von einem Hotel-Portier, der jetzt Containment-Scout ist. Das sind die Telefonkräfte der Gesundheitsämter, die zum Beispiel die Kontaktketten von Infizierten recherchieren. Oder machen Sie es wie manche Unternehmen. Viele aktuelle Beispiele sind bereits legendär: Textilhersteller produzieren Mund-Nase-Masken und sogar Auto-Fabriken stellen Beatmungsmaschinen her. Wie sieht Ihr Plan B aus? In welchen Branchen und Aufgabenfeldern könnten Ihre Fähigkeiten zurzeit dringend gebraucht werden?

Impuls 3: Diese Zeit für die Jobsuche nutzen

Es könnte aber auch sein, dass die Jobsuche einige Zeit dauern wird. Dann macht es Sinn, diese Zeit konstruktiv und kreativ für die Jobsuche zu nutzen. Zeit für eine Rundumerneuerung! Wenn es da draußen am Arbeitsmarkt so zäh ist, könnten Sie sich zum Beispiel umso intensiver mit Ihrer präzisen beruflichen Positionierung befassen, statt sich diffus auf Stellen zu bewerben, die irgendwie nur zu 65 Prozent zu Ihnen passen. Wie wäre es, jetzt endlich mal den Lebenslauf komplett neu zu schreiben und aktuellen Anforderungen anzupassen, statt die 15 Jahre alte Flickschusterei nur lieblos upzudaten? Bei XING und LinkedIn haben Sie auch lange nicht mehr ins eigene Profil geschaut? Wie wäre denn Ihr optimales Job-Profil? Möglicherweise lohnt sich die Corona-Pause gar für eine komplette berufliche Neuorientierung, wie Karrierecoach Bernd Slaghuis gerade konstatiert?

Impuls 4: Persönliche Arbeitsmarktrecherche

„80 Prozent der Jobsuche ist Recherche und nur 20 Prozent ist Bewerbung und Kaffeetrinken!“ Dieser Satz rüttelt die Zuhörenden meiner Vorträge bisweilen hellwach. Provozierend zugespitzt meine ich damit: Arbeitsmarkt-Recherche ist viel mehr, als nur stupide durch die immer gleichen Stellenbörsen zu surfen. Leitfrage ist: „Wie gestaltet sich mein persönlicher, ganz individueller Arbeitsmarkt?“.

Auch in Corona-Zeiten kann zu Ihrer persönlichen Arbeitsmarktrecherche folgendes gehören:

  • Das Durchforsten von XING-Profilen Ihrer Zieljobs: Finden Sie heraus, welche Qualifikationen Ihre Mitstreiter haben und welche Keywords diese unter „Ich suche“/“Ich biete“ vermerken.
  • Das Lesen von lokalen News und Infos: Welche Firmen tun sich in der Krise hervor und brauchen vielleicht Ihre Fähigkeiten?
  • Das Erforschen per Linkedin/XINGng: Was tun gerade Ihre Mitstreiter aus der Meisterfortbildung oder Ihrer Abiklasse beruflich? Wichtige Recherchemethode ist auch das Sprechen mit Menschen, die da sind, wo Sie beruflich hinmöchten. Systematisch Kaffeetrinken, in Zeiten von Corona per Telefon oder Video-Call.

Impuls 5: Vernetzung – digitaler denn je

Viele Jobs werden im sogenannten verdeckten Stellenmarkt besetzt, je nach Einschätzung zwischen 50 und 70 Prozent. Darüber haben wir hier schon viel geschrieben. Meine steile These: In Corona-Zeiten dürfte der Anteil der Stellenbesetzungen über den verdeckten Arbeitsmarkt eher noch steigen, weil eine Stellenbesetzung jetzt noch mehr über Empfehlungen und Kontakte läuft. Umso wichtiger für Bewerberinnen und Bewerber, die eigene Vernetzung selbst aktiv und systematisch voranzutreiben. Natürlich läuft die Vernetzung aktuell mehr denn je über soziale Netzwerke wie XING und Linkedin, aber vielleicht momentan sogar per Facebook, Instagram, Whatsapp-Gruppen – was eben für Sie gerade so passt.

Impuls 6: Prepare for Videocalls – Persönliche Digitalisierung

Auch Vorstellungsgespräche laufen akut oft digital und online. Wenn es akut bei einer Bewerbung oder gar einer Empfehlung zu einem Gespräch kommen würde, wäre dies höchstwahrscheinlich kontaktlos und sicher. Videointerviews laufen bei Handwerkern rustikal per Whatsapp-Call, bei großen Unternehmen vornehm mit Microsoft-Teams. Da ist es hilfreich, wenn ich das als Bewerber vorab schon mal trainiert habe:

  • Die Software bereits aufgespielt und getestet und nicht erst fünf Minuten vorher hektisch installiert.
  • Whatsapp-Call geübt und Video-Interview vorab simuliert. Im Zweifel Video-Calls mit Familie oder Freunden führen.
  • Professioneller Bildschirmhintergrund plus Bewerbungskleidung inklusive. Detaillierte Tipps dazu finden Sie einschlägig im Netz oder in unserer Corona-Jobsuche-Linkliste.

Impuls 7: Die Zeit ist reif für berufliche Weiterbildung

Spannend – ich schrieb einen Beitrag hier im Blog zu Jahresbeginn mit dem Titel „Die Zeit ist reif für Weiterbildung“. Dieser Ausspruch hat mit der Corona-Krise noch einmal an Aktualität gewonnen. Wenn Sie ohnehin etwas länger für die Jobsuche benötigen könnten, was läge da näher, als diese Zeit für Weiterbildung zu nutzen. Vielleicht agiles Projektmanagement oder digitales Marketing? Zumal die Arbeitsagentur bei Arbeitslosen eine notwendige Weiterbildung mit dem Bildungsgutschein zu 100 Prozent unterstützt. Wir zum Beispiel haben uns für kontaktlose und sichere Weiterbildung gerüstet: Präsenzunterricht im Online-Format.

Mitten in der Krise zum Job

Keiner weiß zurzeit wirklich, wie lange die Corona-Krise dauern wird und welche Auswirkungen sie auf den Arbeitsmarkt haben wird. Wer sich jetzt bewerben muss, hat nicht die beste Zeit erwischt. Und dennoch gibt es sie, die positiven Erlebnisse von Bewerbern und die Mut machenden Beispiele, bei denen die Bewerbung mitten in der Krise klappt. Möglicherweise gehören auch Sie dazu oder kennen jemanden, der gerade jetzt den Volltreffer gelandet hat? Dann teilen Sie diese positive Erfahrung gerne mit uns und unseren Lesern in den Kommentaren.


 

 

 

 


 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

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Foto Lars Hahn

Autor

Lars Hahn

ist Geschäftsführer der LVQ und Entdecker von Systematisch Kaffeetrinken. Er schreibt über Entwicklungen der Arbeitswelt, gibt wertvolle Tipps und führt spannende Interviews zu den Themen Karriere, Jobsuche und Weiterbildung.