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Nicht nur an rheinischer Weiberfastnacht ist die Tendenz heutzutage: Krawatten ab! In der Berufs- und Arbeitswelt hat sich die Outfit-Kultur gerade hinsichtlich dieses ganz besonders männlichen Kleidungsstückes in den vergangenen Jahren kolossal verändert. Selbst Vorstandsvorsitzende, Bänker und Uniformierte verzichten mehr und mehr auf den „Kulturstrick“.

In diesem Beitrag schaue ich auf die Veränderungen der Outfit-Kultur in Unternehmen und ihre Bedeutung für die Zeit der Jobsuche und Bewerbung. Dabei ist die Krawatte keineswegs nur ein unentscheidendes Symbol für den kulturellen Wandel in Unternehmen. Die Veränderung der Outfit-Kultur geht weit darüber hinaus und betrifft hinsichtlich der angemessenen Kleiderwahl für den Eintritt in ein neues Unternehmen auch die Ladies.

Krawatte ab – Dieter Zetsche, Mark Zuckerberg und ich

Den Wandel der Arbeitswelt in Sachen Outfit konnte ich während meines beruflichen Wegs selbst erleben: Seit über zwanzig Jahren arbeite ich nun im Bildungsbusiness „für den anspruchsvollen Kunden mit Niveau“. Zuerst war ich an einer privaten Hochschule tätig – die Studierenden waren Berufstätige auf dem zweiten Bildungsweg aus verschiedenen Branchen: Von Banking über Handel bis hin zur Industrie. Von daher war klar: Man(n) trägt Krawatte – so auch ich. Zumindest bei Kundenterminen war auch für mich der Schlips üblich. Heute ist das ganz anders. Spannenderweise sind es heute eher Führungskräfte öffentlicher Organisationen und Behörden, die krawattiert herumlaufen. Oder Männer, die extra zu Weiberfastnacht einen Schlips zum Abschneiden tragen.

In Industrie, Wirtschaft und Politik hingegen legen immer mehr Männer dieses Kleidungsstück ab. Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche machte es vor und wechselte immer häufiger von klassischem Zweireiher mit Krawatte zu Sakko, Jeans und T-Shirt. Die Traditionsfirma Robert Bosch ist ein Beispiel von klassischen Unternehmen, die im Dress-Code auf den Schlips verzichten. Wer mit Krawatte in Startups und New Work-Unternehmen auftaucht, hat sowieso das Thema verfehlt. Facebook-Chef Marc Zuckerberg lässt grüßen.

Gerade die lebenserfahrenen Bewerber kommen zum Erstgespräch für unsere Weiterbildungen oft noch sehr schick und in Krawatte. Die jungen Hochschulabsolventen hingegen erscheinen meist wesentlich lässiger. Später im Unterricht geht es in der LVQ dann für alle eher casual zu.

Ich selbst trage übrigens schon seit Jahren eigentlich so gut wie gar keine Krawatte mehr. Im Büro sowieso nicht und selbst bei offiziellen Konferenzen, sogar Unternehmer-Tagungen geht es heute gut ohne.

„Krawatte ab“ – Code für geänderte Outfit-Kultur

„Krawatte ab“, bedeutet dabei meistens eben auch, dass die Männer lässigere Schuhe tragen, ggf. gar Jeans, bisweilen aber dennoch Anzug. Die Vielfalt der Unterschiede ist groß. Jedes Unternehmen, teils jede Abteilung tickt anders. Gleiches gilt für die Kleidung der Frauen: Der Unterschied liegt oft im Detail. Wird Kostüm getragen oder ein schickes T-Shirt? Gehen auch schicke Turnschuhe oder müssen es doch Pumps sein? Ist das Unternehmen eher casual, Business Casual oder gar sehr formell? Karrierebibel gibt da eine gute Auflistung der verschiedenen Stufen von Dresscodes.

Früher konnte man kaum etwas falsch machen. Man ging eben schick in das Job-Interview oder in das erste Gespräch im neuen Unternehmen. Krawatte war bei Vorstellungsgesprächen obligatorisch, die Damen trugen Kostüm und hohe Schuhe. Und heute?

Es ist kompliziert! Im Lean-geführten Startup, in dem übrigens auch ein „Sie“ statt ein „Du“ zumindest als schlechte Vorbereitung auf das Gespräch gedeutet werden könnte, wäre ein Auftritt im klassischen Business-Outfit ein absoluter Fail! Der internationale Konzern verzichtet weltweit auf die Schlipskultur, im Werk in Hessen aber doch nicht? Beim klassischen Mittelständler könnte Krawatte immer noch opportun sein, muss aber nicht, denn bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen haben zumindest Spuren von New Work Einzug gehalten.

„Krawatte ab“ – Vorbereitung auf das erste Gespräch

Und wie sollen Bewerber heutzutage im Vorstellungsgespräch auftauchen, wenn gerade bei unbekannteren Unternehmen die Outfit-Kultur zumindest nicht in der Stellenanzeige genannt wird? Underdressed wäre katastrophal, aber selbst zu schick gekleidet, könnte befremdlich erscheinen. Schließlich könnte die Unternehmenskultur gar so stark von Ihren Werten abweichen, dass das Unternehmen gar nicht zu Ihnen passt. Stichwort: „Cultural Fit“, kulturelle Passung zwischen Mitarbeitern und der betrieblichen Kultur.

Der Dresscode in manchen Unternehmen ist heute zwar häufig recht entspannt, allerdings sind dennoch Aspekte zu beachten. Für Bewerber und Neulinge gilt stets das Prinzip „Auf Nummer-Sicher gehen“. Eine gute Recherche als Vorbereitung auf das erste Gespräch ist daher auch hinsichtlich der Outfit-Kultur von Vorteil. Doch wie finden Sie im Vorfeld heraus, wie das Unternehmen hinsichtlich der Bekleidungsregeln tickt? Eine gute Recherche online wie offline gibt zumindest wertvolle Anhaltspunkte:

Fünf Tipps, woran Sie die Outfit-Kultur Ihres Zielunternehmens erkennen

1. Prüfen Sie die Webseite: Gibt es Anhaltspunkte über den Dresscode im Unternehmen? Gibt es Fotos der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen? Welche Kleidung tragen die potenziellen Kolleginnen und Kollegen in Beiträgen, zum Beispiel im Unternehmensblog?

2. Bisweilen sind die Webseiten der Unternehmen menschenlos, dann hilft der nächste Schritt: Prüfen Sie die Mitgliederprofile Ihres Zielunternehmens bei XING oder LinkedIn. Diese Fotos haben die Mitarbeitenden selbst eingestellt, sie sollten in der Regel geschäftlichen Charakter haben. Bei einer größeren Zahl erhalten Sie so einen „Durchschnitt“ der Outfit-Kultur.

3. Gerade bei moderneren Unternehmen und jüngerem Personal lohnt sich ein Blick auf die Facebook-Seite und auf das Instagram-Profil des jeweiligen Unternehmens: Wie zeigen sich die Mitarbeitenden dort? Wie kleiden sie sich auf Events und Messen?

4. Beachten Sie verschiedene Aufgaben und Funktionen: Bisweilen sind Vertriebsmitarbeiter und Führungskräfte krawattiert, die Produktionsingenieure hingegen gar in Kittel oder Blaumann repräsentiert. Die Kollegen in der Zentrale laufen lässig rum, während in den Filialen die Krawatte vorgeschrieben ist. Oder gar umgekehrt?

5. Auch der Blick in die Arbeitgeberbewertungsportale lohnt sich: Bei kununu können Sie viel über „cultural fit“ erfahren. Neben den klassischen Unternehmensbewertungen zeigt der kununu-Kulturkompass für das jeweilige Unternehmen, ob der Arbeitgeber auch zum Bewerber passt. Neben Themen wie Work-Life-Balance und Nachhaltigkeit spielt oft auch die Outfit-Kultur eine Rolle.

Die Erkenntnisse aus den gewonnen Informationen helfen Ihnen ganz ordentlich in der Vorbereitung auf das erste Gespräch. Richtig „kundenorientiert“ wird Ihre Bewerbung schon vorab, wenn Sie alternative Bewerbungsfotos haben und nutzen: eines für casual und eines für traditionell. Mein Tipp für die Herren lautet: Eines mit Sakko und Krawatte, eines in Sakko ohne Krawatte, eines im Businesshemd ohne Krawatte. Letzteres würde notfalls sogar in einer Hoodie-Kultur durchgehen.

„Krawatte ab“ – Was ist mir wirklich wichtig?

Die Outfit-Kultur kann für die Suche nach dem passenden Arbeitgeber durchaus eine wichtige Rolle spielen. Kann doch der Dress-Code durchaus Aufschlüsse über die gesamte Kultur geben, auch wenn „Krawatte ab“ natürlich längst nicht heißt, dass das Unternehmen wirklich New Work lebt.

Letztlich ist es hilfreich bei der Auswahl der Zielunternehmen zu prüfen, ob das Unternehmen auch bekleidungstechnisch zu mir passt. Wer Hoodie bevorzugt, wird in einer Krawattenkultur vielleicht anecken. Wer jahrzehntelang uniformiert mit Schlips oder Kostüm gearbeitet hat, passt vielleicht umgekehrt nicht in eine Hoodie-Welt. Spätestens im Bewerbungsgespräch werden Sie auch im Hinblick auf das Outfit merken, falls es dann doch so gar nicht passt.

Und jetzt Sie! Welche Erfahrungen haben Sie mit der Outfit-Kultur von Unternehmen während Ihrer Bewerbung gemacht?


 


 

 

 


 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

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Foto Lars Hahn

Autor

Lars Hahn

ist Geschäftsführer der LVQ und Entdecker von Systematisch Kaffeetrinken. Er schreibt über Entwicklungen der Arbeitswelt, gibt wertvolle Tipps und führt spannende Interviews zu den Themen Karriere, Jobsuche und Weiterbildung.