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Den Master in Germanistik absolviert, hat Annika Brockhaus zunächst eine Karriere im Verlagswesen angepeilt. Wie die Geisteswissenschaftlerin dann in einer kleinen Online-Marketing-Agentur mit Start-Up-Flair landete, erzählt sie uns im Interview.

Guten Morgen Annika! Schön, dass Du Dir die Zeit nimmst mit uns über Deinen Berufseinstieg zu sprechen. Magst Du Dich, Deinen Arbeitgeber und Deine Tätigkeit kurz vorstellen?

Gerne. Ich heiße Annika und bin mit meinen Bachelor-Fächern Germanistik und Kunstgeschichte wohl die typische Geisteswissenschaftlerin. Ende 2017 habe ich meinen Master in Germanistik gemacht und bin – direkt im Anschluss an die LVQ – seit Juli 2018 offiziell die Online-Marketing-Managerin von malermedia in Bochum. Angefangen haben wir vor 15 Jahren mit Webseiten und Webdesign, aber durch die ganzen Entwicklungen ist unser Portfolio inzwischen auf den kompletten Online-Marketing-Bereich angewachsen: Von Webseiten über Social Media bis hin zu Advertising.

Mein Schwerpunkt liegt durch mein germanistisches Studium im Texten. Für unsere Online-Marketing-Agentur mache ich tatsächlich alles, was diesen Bereich angeht. Unsere Kunden machen Social Media meistens selbst. Daher entwickle ich für sie eher Strategien, gestalte Blogs, betreibe E-Mail-Marketing und bin Querbeet im Anzeigenbereich unterwegs, um die Projekte unserer Kunden zu pflegen, zu analysieren und zu optimieren.

Berufseinstieg als Geisteswissenschaftler: Ein schwieriges Pflaster

„Direkt im Anschluss an die LVQ…“. Das heißt, Du bist nach dem Studium nicht in den Job gestartet, sondern hast noch eine Zwischenstation eingelegt. Wieso das?

Nach dem Studium habe ich angefangen, mich für Volontariatsstellen zu bewerben, weil ich dachte, das wäre ein guter Einstieg für mich. Ich hatte auch ein paar Vorstellungsgespräche, aus denen aber offensichtlich nichts geworden ist und das aus den verschiedensten Gründen. Mal brachte ich zu wenig praktische Erfahrung mit, dann gab es jemanden, der besser passte. Generell war es ein schwieriges Pflaster, weil die meisten zu dem Zeitpunkt auch nicht gesucht haben. Es war also recht schwierig als Geisteswissenschaftlerin in der Berufswelt Fuß zu fassen.

Man bekommt im Studium immer das Gefühl, man könnte alles machen, aber irgendwie kam es mir dann so vor, als könnte man gar nichts machen. Da ich keine zehn Praktika gemacht und an der Uni eher strukturelle Fähigkeiten erworben habe – wie ich Dinge einordnen und prägnant auf den Punkt präsentieren kann, fehlte mir einfach das Fachwissen für den einen bestimmten Job.

Eine Erfahrung, die viele Geisteswissenschaftler machen. Wie war das für Dich?

Nach einigen Vorstellungsgesprächen, aus denen Absagen resultierten, die aber in meinen Augen gut verliefen, dachte ich: „Es muss mir doch nur einer mal eine Chance geben!“ Es fühlte sich an als würde ich auf der Stelle treten. Ich begann mich zu fragen, ob ich das richtige Studienfach gewählt habe oder ob ich noch was anderes machen sollte. Bin ich irgendwo falsch abgebogen, dass ich in dieser Sackgasse gelandet bin?

Der Klassiker: Geisteswissenschaftler gleich Lehrer

Sackgasse im Hinblick auf die Jobsuche: Hast Du das schon während Deines Studiums so empfunden?

Um ehrlich zu sein, habe ich den Gedanken von mir weggeschoben. Aber natürlich habe ich die klassischen Dialoge bestimmt 1000 mal geführt: „Was machst Du?“ – „Ich studiere Germanistik.“ – „Auf Lehramt?“ – „Nein.“ – „Und was macht man dann damit?“ Da habe ich schon selbst gemerkt, dass dies kein Studium ist, bei dem sofort klar ist: Ich werde Ärztin.

Wie bist Du mit der Suche nach Deinem Bereich und den Zweifeln umgegangen?

Fachlich habe ich versucht, Erfahrungen zu sammeln – über ein Praktikum bei einem Online-Magazin und über Berufsbilder- und Berufsorientierungsseminare an meiner Uni mit Kubus. Das habe ich für den Bereich Verlagswesen wahrgenommen. Für mein Gefühl halfen mir Gespräche mit Familie und Freunden, durch die ich glücklicherweise immer wieder Zuspruch und Unterstützung bekommen habe. Dadurch konnte ich in mich und meine Fähigkeiten vertrauen und habe mir gesagt: „Du kannst dich schnell in andere Themenkomplexe einarbeiten und bist immer bereit, etwas Neues zu lernen. Wenn dir jemand deine Chance gibt, wird diese Firma genau aus diesen Gründen glücklich sein, dich zu haben.“

Und dann bekam ich den Schubs: „Das könnte ich doch beruflich machen!“

Die Chance, die Du bei malermedia bekommen hast. Allerdings sprachst Du gerade vom Verlagswesen. Der Online-Bereich war also zuerst nicht Dein angestrebtes Ziel?

Eher nicht. Aber ich hatte während meines Studiums nur sehr grobe Vorstellungen von dem, was ich machen will. Ich konnte mir vieles vorstellen, hatte aber nicht den einen Plan. Nach den Absagen habe ich dann nochmal überlegt, was ich eigentlich möchte. Dabei ist mir bewusst geworden, dass es nicht so sehr darauf ankommt, was sondern wo ich arbeite. Es geht mir um Kollegen und Kunden, um eine gute Zusammenarbeit und dass ich dort einbringen darf, was ich gut kann. Das Texten im Praktikum hatte mir gefallen und da ich bereits einen eigenen Blog und ehrenamtlich Webseiten pflegte, hat meine Beraterin bei der Bundesagentur für Arbeit mir dann eine Weiterbildung in diese Richtung empfohlen.

Statt Job nochmal Weiterbildung. Wie kam das bei Dir an?

Mein erster Gedanke war: „Ich bin doch gerade fertig mit Lernen. Ich habe keine Lust wieder Schule zu machen.“ Und genau da hat mich mein Erstberater Martin Salwiczek abgeholt. Er hat mir meine Möglichkeiten und damit eine Perspektive aufgezeigt. Das hat mich überzeugt, dass eine Weiterbildung in den Bereichen Online-Redaktion, Social Media und Online-Marketing doch nochmal sinnvoll für mich ist.

„Ich habe mir durch die Weiterbildung wirklich was erarbeitet!“

Hat die Weiterbildung denn halten können, was sie versprach?

Natürlich war die Zeit sehr anstrengend, weil man in kurzer Zeit viel lernt, Prüfungen ablegt und Praxisprojekte erarbeitet, aber genau diese praktische Anwendung fand ich super. Das hatte mir ja bisher gefehlt. Es war motivierend mit unseren Dozenten, die tatsächlich alle aus der Praxis kamen, im Klassenverband direkt konkrete Beispiele zu besprechen. So haben wir Einblick erhalten, wie es wirklich ist, in dem Beruf zu arbeiten.

Außerdem konnte ich dieses Gefühl, es stimme etwas nicht mit mir, weil ich keinen Job finde, loswerden. Und das einfach nur, weil ich mit ganz vielen unterschiedlichen Menschen zusammentraf, die gerade alle an einem ähnlichen Punkt in ihrem Leben standen. Dabei habe ich dann quasi genetzwerkt und sogar Freunde gefunden, die alle aus der Gegend kommen, in die ich für meinen Job gezogen bin. Da bin ich dann ohne großes Zögern nach Bochum gekommen.

Was war Dein wichtigstes Learning in Deiner Zeit bei der LVQ?

Ganz klar zu merken, dass nichts falsch mit mir ist, weil ich auf Jobsuche bin. Das kann jeden treffen und keiner ist damit allein. Wenn wir aber alle dran bleiben, findet jeder seinen Weg. Das habe ich immer wieder an anderen Teilnehmern gesehen, die plötzlich ganz schnell einen Job hatten. Und so ging es auch für mich voran, ich habe mich weiterentwickelt und mir durch die Kombination von Kursen und Praktikum wirklich was erarbeitet.

Wie bist Du dann bei deinem heutigen Arbeitgeber gelandet?

Ich habe mich selber an vielen Stellen für ein Praktikum beworben und zusätzlich einen Vorschlag von Tina Peißig erhalten. Es war dann aber das abwechslungsreiche Aufgabenfeld und die Team-Atmosphäre, die mich zum Vorschlag malermedia zogen. Ich fand es spannend im Start Up laufen zu lernen, aber gleichzeitig das Know How der Agentur im Rücken zu haben.

„Im Start Up laufen lernen“? Du solltest also gar nicht für malermedia starten?

Genau. Zum damaligen Zeitpunkt hat mein Chef ein neues Start Up mit einem Kollegen geplant, für das sie jemanden suchten, der den Schwerpunkt Social Media mitbringt. Schnell wurde aber klar, dass beide ihren Fokus doch lieber auf den eigenen Projekten lassen wollten. Und so bin ich schon während meines Praktikums mit immer mehr Aufgaben vom Start Up zur Agentur übergewandert und damit in mein eigentliches Steckenpferd Texten, Planen und Organisieren.

„Nun konnte ich mit anderen Voraussetzungen in Gespräche gehen!“

Das klingt so, als wollte man Dich sehr gerne behalten. Hattest Du auch im Vorstellungsgespräch schon das Gefühl, dass das Praktikum in eine Anstellung übergehen könnte?

Definitiv, denn das Gespräch mit meinem Chef war sehr entspannt. Wir haben einen Kaffee getrunken, gequatscht und uns und unsere Arbeitsweisen dann im Praktikum kennengelernt. Vorab ging es für meinen Chef weniger darum, was ich alles kann und gemacht habe, sondern wer ich bin und ob ich vom Typ ins Team passe. Außerdem war von vornherein kommuniziert, dass dieses Praktikum in eine feste Stelle übergehen könnte.

Im Praktikum konnten dann beide Seiten feststellen, ob wir uns eine Zusammenarbeit längerfristig vorstellen können, was dann in der zweiten Hälfte meines Praktikums sehr deutlich und schnell klar war. Denn selbst wenn es mal stressig wird, ist es trotz allem immer ein sehr entspanntes und angenehmes Arbeiten im Team. Und das war sowohl meinem Chef als auch mir wichtig.

Würdest Du rückblickend sagen, dass die Weiterbildung eine Art Vorbereitung auf Deine jetzige Tätigkeit gewesen ist?

Die Weiterbildung hat mir den Weg ins Berufsleben geebnet. Durch sie habe ich ein anderes Gefühl für meine Fähigkeiten bekommen und mir eine sehr solide Grundlage geschaffen, auf die ich bereits aufbaue. Dank der täglichen praktischen Anwendung habe ich mich in einzelne Bereich tiefer einarbeiten können und langsam wird aus theoretischem Wissen Erfahrung. Und genau das ist auch wichtig, denn bei uns in der Agentur wird starker Wert auf Weiterbildung gelegt.

Dieses andere Gefühl für Deine Fähigkeiten, wie hat sich das denn geäußert?

Dadurch dass ich andere Qualifikationen vorzuweisen hatte, konnte ich in Vorstellungsgesprächen viel besser zeigen, in welchen Themengebieten ich mich auskenne. Bei spezifischen Fragen hatte ich genauere Vorstellungen und konnte erklären, wie ich in welchen Situationen vorgehen würde. Einmal bekam ich dazu eine sehr positive Rückmeldung, auch wenn die Stelle an jemand Erfahreneren ging. Da wusste ich, dass ich nun mit anderen Voraussetzungen in solche Gespräche gehen könnte. Und das motiviert.

„Es sind die Soft Skills, die wir mitbringen.“

Du hast Dir also neue Voraussetzungen für Deinen Berufsstart geschaffen. Hast Du ein paar Tipps, wie andere Geisteswissenschaftler sich Ihren Einstieg vereinfachen können?

Ein Tipp, den ich selber leider nicht beherzigt habe, der mir aber schon während des Studiums eine klarere Richtung gegeben hätte: „Entwickle eine Vorstellung davon, wo Du mal hinmöchtest.“ Dann kann man nämlich gezielt in dem Bereich praktische Erfahrung durch Praktika und Studentenjobs sammeln und sich den Weg schon vor Ende des Studiums ebnen.

Es wird dann nicht unbedingt leichter. Daher ist mein zweiter Tipp, auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und sich damit auseinanderzusetzen: „Was hab ich im Studium gelernt? Was sind meine Stärken? Wie kann ich diese in einem Vorstellungsgespräch kommunizieren?“ Wir haben im Studium zum Beispiel nicht gelernt, wie man Google Ads bedient, aber wir wissen, wie wir gezielt für bestimmte Zwecke schreiben können und wen das ansprechen muss. Jedes Semester aufs Neue haben wir viele Informationen schnell auf die entscheidenden Punkte runtergebrochen, nämlich dann, wenn wir Hausarbeiten geschrieben haben. Wir können uns also in unsere Zielgruppe hineinversetzen und komplexe Sachverhalte entsprechend aufbereiten. Genau das ist oft entscheidender als die konkrete technische Umsetzung, die kann man nämlich auch im Nachhinein noch lernen.

Ein schönes Beispiel, aus dem Geisteswissenschaftler gekonnt ihre Stärken ableiten können. Danke dafür und dass Du Deinen Berufseinstieg so intensiv mit uns beleuchtet hast, Annika. Auf eine weitere lehrreiche Zeit und alles Gute für Deine berufliche Zukunft.


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

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