Wenn das Praktikum besser ist als sein Ruf: Ein Besuch bei den Pixelnerds



Dem Praktikum haftet häufig ein schlechter Ruf an, gerade bei Hochschulabsolventen und Berufserfahrenen. Von reinen Kopierjobs bis zur prekären Ausbeutung hört man viele abschreckende Beispiele. Zudem reiht sich gerade bei Geisteswissenschaftlern nicht selten Praktikum an Praktikum.


Dass es jedoch auch die Eintrittskarte zum neuen Arbeitgeber sein kann, zeigt die Online-Marketing-Agentur Pixelnerds aus Neukirchen-Vluyn.

Gegründet 2015 als One-Man-Show hat Geschäftsführer und LVQ-Dozent Philip Leuchtenberg schon mehrere Praktikanten „trainiert“ und drei von ihnen in Festanstellung übernommen. Seitdem haben die Pixelnerds ihre eigene kleine Erfolgsgeschichte geschrieben und im Januar 2018 sogar den großen Hamburger Untitled-Verlag als Hauptinvestor gewinnen können.


Die LVQ hat zu den Pixelnerds eine besondere Verbindung: Nicht nur ist Philip Leuchtenberg Dozent bei uns im Haus, alle drei Mitarbeiter der Pixelnerds sind auch Teilnehmer einer Weiterbildung bei der LVQ gewesen. Für uns war ein Besuch bei den Pixelnerds somit längst überfällig, um Philip und seine Mitarbeiter zu interviewen.


Unser heutiger Beitrag zeigt daher auf, warum ein Praktikum sinnvoll und lohnenswert sein kann und worauf es ankommt, wenn man im digitalen Bereich beruflich Fuß fassen möchte.

Zu Besuch bei den Pixelnerds




Neukirchen-Vluyn ist ein beschauliches Städtchen am Niederrhein. Fast 28.000 Seelen leben hier, so auch Philip Leuchtenberg, Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur Pixelnerds. Beschaulich und überraschend ist auch die Lage seines Unternehmens: Ruhige Wohngegend statt überlaufener Bürokomplex. Ein herzlich-freundschaftlicher Empfang ist da nur passend, zumal wir heute doch einige bekannte Gesichter wiedertreffen.

Die Geisteswissenschaftlerin: Von der Taxizentrale zur Texterin


Melanie Löhr ist beschäftigt als Online Redakteurin und Projektmanagerin „Webseiten, SEO und Content“. Sie sitzt gerade an einem Webseiten-Text für einen Kunden als wir die Agentur erreichen, ganz in ihrem Element. Das war nicht immer so: „Nach meinem Studium habe ich gefühlt eine Million Bewerbungen auf Stellen geschrieben, die zu meinem Studium passen, ohne einmal eingeladen zu werden.“


Melanie erging es somit wie vielen Geisteswissenschaftlern beim Berufseinstieg. Notgedrungen erweiterte sie die Stundenanzahl ihres Nebenjob in der Verwaltung einer Taxizentrale, doch glücklich war sie mit dem Job nicht. Sie meldete sich bei der Arbeitsagentur und sagte, dass sie einen Job passend zu ihrer Qualifikation finden möchte. Ihr Berater legte ihr nahe, den aktuellen Job aufzugeben, da es ohne fachbezogene Qualifikationen schwierig werde würde. Dann könne die Arbeitsagentur ihr eine entsprechende Weiterbildung finanzieren. Sie ging das Risiko ein und entschied sich für eine Weiterbildung in den Bereichen Social Media, Online Redaktion und Projektmanagement bei der LVQ. Bereut hat sie den Schritt nicht, im Gegenteil:


Melanie Löhr und Stefan Fries bei der Arbeit.[/caption]


„Den Online-Redakteurs-Kurs

fand ich super spannend, vor allem den Bau der Webseite. Im Studium hatte ich auch Informatik und somit erste Erfahrungen mit Webseiten gesammelt, die ich durch die Weiterbildung ausbauen konnte. Auch das Wissen der Projektmanagement-Weiterbildung kann ich hier bei den Pixelnerds anwenden und steuere Projekte. Insgesamt hat das Zusammenspiel aller Weiterbildungen mich besser für den Arbeitsmarkt aufgestellt und mich letztlich sehr gut auf meine jetzige Position vorbereitet.“


Und wie Melanie selber herausstellt, erfüllte die Weiterbildung ihren Zweck. Durch die LVQ bekam sie ein Praktikum bei den Pixelnerds. Relativ schnell war klar, dass es zwischen Melanie und den Pixelnerds passt: „Philip rief mich nach kurzer Zeit zu sich ins Büro. 'Was hast Du jetzt bloß angestellt', dachte ich zuerst. Aber dann sagte er mir, dass er sehr zufrieden mit meiner Arbeit sei und mich gerne fest anstellen möchte“. Seit Anfang 2017 sind die Pixelnerds nun ihr Arbeitgeber.


Der Informatikkaufmann: Von der Versicherung zum vloggenden Webseitenbauer


Ende des Jahres 2017 kam dann auch Stefan Fries dazu. Als wir eintreffen, tüftelt er wieder an einer Kundenwebseite herum. Er ist der Programmierer bei den Pixelnerds. „Philip hat mich schon während des Praktikums aufgrund meiner Informatikkaufmann-Ausbildung als Programmierer gesehen. Er hat mich direkt ins kalte Wasser geschmissen. So musste ich mich mit neuen Content-Management-Systemen auseinandersetzen, bin aber zum Glück gut im learning-by-doing.“


Und Stefan hat sich freigeschwommen. Er überzeugte durch seine schnelle Auffassungsgabe und seine Kenntnisse und wurde als Programmierer eingestellt. Heute beherrscht er die Klaviatur mehrerer Content-Management-Systeme wie Wordpress, Typo 3 oder Contao. Dabei schien es zuvor so, dass Stefan eine andere Richtung einschlägt: „Nach meiner Ausbildung bei der Ergo arbeitete ich dort noch ein halbes Jahr, war aber nicht wirklich glücklich.“


Also folgte Stefan seiner Leidenschaft und startete als „FreshFries“ eine Youtuber-Karriere. Das machte zwar Spaß, reichte aber langfristig nicht zum Broterwerb. Also ging er denselben Weg wie Melanie: Gespräch mit der Agentur für Arbeit > Bildungsgutschein > Weiterbildung bei der LVQ > Praktikum bei den Pixelnerds und anschließende Festanstellung bei der Online-Marketing-Agentur. Zwar betreibt Stefan sein Youtube-Kanal nur noch als Hobby, durch sein Wissen konnte er jedoch schon Kunden hinsichtlich der Nutzung von Youtube beraten.

Der Azubi: Ein Schritt zurück, zwei Schritte nach vorne


Was Melanie und Stefan gemeinsam haben: Beide waren sich nicht zu schade trotz Ausbildung und Studium ein Praktikum zu machen. Wobei der Anspruch im Rahmen einer Weiterbildung natürlich ein anderer ist, als bei einem Schülerpraktikum:


„Mir war wichtig, dass ich das bei der LVQ Gelernte in einem Praktikum auch anwenden kann und nicht nur Kaffee koche. Daher habe ich mich für das Praktikum bei den Pixelnerds entschieden“, so Melanie. Stefan ergänzt: „Für mich war entscheidend, etwas machen zu können, woran ich Spaß habe und worin ich meine Stärken sehe.“


[caption id="attachment_6450" align="alignright" width="323"]Vom Praktikum zur Ausbildung. Marvin Reichert ist der erste Auszubildende der Pixelnerds



Die entsprechenden Freiräume bekommen Praktikanten hier, erklärt uns Melanie:

„Praktikanten bekommen erst alles gezeigt und dürfen sich dann überlegen, wo sie ihre Stärken sehen und welchen Bereich sie gerne machen möchten. Sei es Texte schreiben, Grafiken bearbeiten oder Kampagnen schalten“. So konnte Sie sich ausprobieren und feststellen, wie sie ihre Stärken und Vorlieben einsetzen möchte.


Ähnlich ergeht es auch dem neuen Praktikanten Marvin Reichert. Ausnahmsweise nicht von der LVQ, hat auch er sich nach der Schule für ein Studium eingeschrieben. Jedoch stellte sich dies als die falsche Wahl heraus, sodass er sich neu orientieren wollte. Seine Talente entdeckte Marvin stattdessen während seines Praktikums im kreativen Bereich, sodass er im Anschluss als erster Azubi der Pixelnerds eine Ausbildung zum Kaufmann für eCommerce beginnen wird.

Der Geschäftsführer: Freiräume und Selbstverantwortung geben


Die Talente und Bedürfnisse seiner Praktikanten mitzuberücksichtigen, das ist ein wesentliches Anliegen von Geschäftsführer Philip Leuchtenberg, der gerade ein Kundengespräch abschließt, als wir ihn in seinem Büro aufsuchen. Mit seiner Strategie fährt er sehr gut:


„Ich will nicht nur wissen, was meine Praktikanten vorher gemacht haben, sondern auch, wohin sie möchten, welches Thema sie interessiert, und woran sie Spaß haben. Entsprechend gebe ich ihnen Aufgaben und helfe ihnen, ihre eigenen Stärken weiterzuentwickeln.“


Ober-Pixelnerd Philip Leuchtenberg im Kundengespräch[/caption]


Dabei räumt Philip seinen Praktikanten viele Freiräume ein und setzt auf die Selbstverantwortung seiner Praktikanten. Diese fordert er im Gegenzug aber auch mit deutlichem Feedback ein:


„Meine Praktikanten sollen die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten hier einzusetzen und auszubauen. Gewisse Vorkenntnisse kann ich bei dem Niveau der Praktikanten, die über die LVQ kommen, aber durchaus erwarten. Ein besonderer Vorteil ist nämlich, dass es Menschen sind, die schon eine gewisse Lebenserfahrung haben und denen ich ohne Zögern entsprechende Freiräume geben kann.“

Der Dozent: lehren und lernen


Seit 2016 sitzt Philip Leuchtenberg als Dozent bei der LVQ an der Quelle. Dort unterrichtet er im Bereich Online Marketing und kann direkt sehen, wer für das Thema brennt:


„Wer beruflich in den Online-Bereich will, sollte digitales Interesse haben und das Thema ernst nehmen. Social Media ist außerhalb des privaten Kontextes keine Spielerei. Hinter jeder Werbeaktion, hinter jedem Influencer steckt eine Strategie. Um das zu verstehen, muss man sich damit auch befassen wollen. Technisches Interesse ist ebenfalls hilfreich. Gerade wenn es um die Messbarkeit bestimmter Maßnahmen im Online-Bereich geht, braucht es ein gewisses technisches Verständnis. Es kommt ja auch darauf an, in welchen Bereich man möchte“, so Leuchtenberg.


[caption id="attachment_6456" align="alignright" width="409"] Der Arbeitsplatz von Philip Leuchtenberg ist fast papierlos. Das Werk zur Suchmaschinenoptimierung bildet das Fundament.[/caption]


Die Teilnehmer bei der LVQ schätzen an Philip besonders den praktischen Ansatz. Als Geschäftsführer einer Agentur kann er aus nächster Nähe berichten. Entsprechend viele Teilnehmer möchten daher das Wissen aus der Weiterbildung praktisch bei ihm vertiefen. Dabei lernt er als Dozent selbst nie aus:


„Ich finde vor allem die Heterogenität der Teilnehmer spannend – mit ihren unterschiedlichen Lebensläufen und Charakteren. Da sitzen neben talentierten Hochschulabsolventen Menschen mit Berufserfahrung, von denen ich als Dozent auch lernen kann. Die sind hier um digitale Themen zu lernen, haben aber beispielsweise im Printbereich schon fantastische Sachen gemacht. Das ist das Schöne, dass man als Dozent nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch mitnimmt.“


Umso schöner natürlich, wenn er neben neuem Wissen auch neue Mitarbeiter mitnehmen kann.

Das Praktikum: Sprungbrett zum Job


Unser Besuch neigt sich bereits dem Ende entgegen. Der Abschied fällt genauso herzlich aus wie die Begrüßung. Wir verlassen die Pixelnerds mit einem guten Gefühl und sehen uns wiedermal darin bestätigt, wie entscheidend ein Praktikum doch für das berufliche Vorankommen unserer Weiterbildungsteilnehmer sein kann. Nicht immer bleiben sie direkt im Betrieb. Aber sie nehmen wichtige praktische Erfahrungen mit, knüpfen neue Kontakte und empfehlen sich für andere Arbeitgeber. So wie unsere Mitarbeiterin Angela Borin, die seit Anfang 2019 das Online Marketing der LVQ mitgestaltet. Auch sie hat ihren Berufseinstieg

durch ein Praktikum geebnet und sich bewiesen – bei den Pixelnerds.


[caption id="attachment_6427" align="alignnone" width="605"] Das Team der Pixelnerds von links: Geschäftsführer Philip Leuchtenberg, LVQ-Mitarbeiterin Angela Borin, Melanie Löhr, Stefan Fries und Marvin Reichert.



 

Über die LVQ


Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Seit Januar 2019 erhält unser Redaktionsteam um Martin Salwiczek und Lars Hahn Verstärkung durch Angela Borin, unsere neue Mitarbeiterin im Bereich Online-Marketing.


Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.


Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.


Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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