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Der Übergang vom Studium in den Beruf ist für viele Hochschulabsolventen eine kniffelige Angelegenheit. Krisen-Zeiten wie die Corona-Pandemie machen den Berufseinstieg noch mal zur besonderen Herausforderung. Verfolgt man als Berufseinsteiger jedoch einige klare Wege, lässt sich nicht zu sehr von äußeren Umständen beeinflussen und geht mit einer passenden Haltung in die Jobsuche, klappt es auch mit dem Berufseinstieg, wie wir in diesem Blogbeitragzeigen möchten, auch aus persönlicher Erfahrung.

Berufseinstieg in Krisen-Zeiten: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos

 „Generation Corona: Die schwierige Stellensuche in der Krise“ (FAZ vom 06.07.2020)

„Schlechte Zeiten für einen Anfang“ (Die Zeit vom 04.05.2020)

"Keine Ahnung, wie es weitergeht: Wie die Corona-Krise den Berufseinstieg erschwert“ (Stern vom 11.11.2020)

„Hilfe, ich finde keinen Job“ (Zeit-Campus vom 15.07.2020 über die Herausforderungen von Hochschulabsolventen)

Blicke ich auf die aktuellen Medien, fühle ich mich an die Zeit meines Berufseinstiegs erinnert. 2008 erwischte uns die Banken- und Finanzkrise und der Arbeitsmarkt befand sich in einer ähnlich kritischen Situation wie heute. Die Schlagzeilen waren fast identisch und wirkten alles andere als motivierend. Stellenausschreibungen in den Online-Jobbörsen waren eher rar gesät. Meine ersten studienbegleitenden Erfahrungen als Werkstudent im Personalwesen halfen mir auch nicht weiter: „Die Firmen entlassen ihre Leute gerade, da brauchen die keinen Berufseinsteiger einstellen, der das übernimmt“, war sinngemäß die Aussage eines Personaldienstleisters, als ich nach meinen beruflichen Chancen im Personalbereich fragte. Auch das erste Gespräch beim Jobcenter war nicht besonders ermutigend: „Als Soziologe, bei der aktuellen Arbeitsmarktsituation, wird es sehr schwer für sie“, wurde mir gesagt.

Entsprechend groß war der Frust zu Beginn: Habe ich das Falsche studiert? Sollte ich eine Umschulung machen? Oder steht mir ein Leben im Niedriglohnsektor bevor?

Vielen Berufseinsteigern wird es heute ähnlich gehen. Haben es Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler traditionell schwer beim Berufseinstieg, trifft es heute sogar BWL’er, Ingenieure oder gar Juristen. Dies ist nicht erst seit Corona so, sondern die Krise am Arbeitsmarkt zeichnete sich bereits vorher ab, vor allem stark beeinflusst durch die Digitalisierungsentwicklungen in der Arbeitswelt.

Um heutzutage den ersten Job nach dem Studium zu finden, reicht der Blick auf die Stellenanzeigen und die Versendung von Bewerbungen nicht mehr aus. Dennoch finden viele Berufseinsteiger auch in der Corona-Krise einen passenden Job. Was ist also zu tun?

Berufsorientierung in Krisen-Zeiten: Was will ich tun? Wo will ich arbeiten? Wie komme ich da hin?

Zum Glück finden sich für Berufseinsteiger aktuell nicht nur demotivierende Beiträge im Web. Bei der Recherche für diesen Artikel fiel mir vor allem der Gastbeitrag „Wie schaffe ich den Berufseinstieg trotz Corona-Krise?“ von Jobcoach Ragnhild Struss im Stern positiv auf. Sie schreibt:

„Ganz wichtig ist zunächst die Erkenntnis, welcher Job überhaupt der richtige für Sie ist. Lassen Sie sich auf keinen Fall von der aktuellen Lage dazu verlocken, einfach irgendeinen Job anzunehmen – nach dem Motto ‚Hauptsache, ich habe überhaupt etwas‘. Gerade als Berufseinsteiger legen Sie jetzt den Grundstein für Ihre weitere Karriere und sollten dabei nicht ‚wahllos‘ vorgehen, sondern die Richtung einschlagen, in die Sie sich auch entwickeln möchten.“

Die Aussage erinnert mich an meine Jobsuche nach dem Studium. Auch wenn ich zunächst demotiviert war, hatte mein erster Besuch bei der Arbeitsagentur doch was Gutes: Im Berufsinformationszentrum lag der Flyer für einen Workshop mit dem Titel „Bewirb Dich ohne Lebenslauf – Wie Du den passenden Job für Dich findest“ aus. Die Inhalte sprachen mich an, vor allem die Vorstellung, dass es möglich ist, einen Job zu finden, ohne einen Lebenslauf zu verschicken.

Im Kern des Workshops stand die Beantwortung drei elementarer Fragen:

  • Was will ich beruflich gerne tun?
  • Wo will das machen?
  • Wie komme ich da hin?

Drei einfache Fragen, in denen jedoch viel drinsteckt, da ihre Beantwortung eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten, Kenntnissen, Erfahrungen und (!) Wünschen erfordert.

Anmerkung: Der Workshop beruhte auf der Methodik des Life Work Planning. Diese ist Grundlage für das Berufsorientierungstool „Talentkompass NRW“, welches vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales herausgegeben wird.

Berufseinstieg: Jobsuche im verdeckten Arbeitsmarkt

Der Workshop gab mir genau die Orientierung und Motivation, die ich für die Jobsuche benötigte: Sich nicht durch äußere Einflüsse und negative Glaubenssätze lenken lassen, sondern das „eigene Ding“ machen – mit dem Wissen, dass es mit dem entsprechenden Durchhaltevermögen möglich ist. Dabei war mir klar, dass die Suche nach dem passenden Job etwas mehr Aufwand erfordern würde, als lediglich die Stellenmärkte zu durchforsten, denn eine wichtige Erkenntnis, die ich aus dem Workshop mitnahm, war, dass es einen verdeckten Stellenmarkt gibt, in dem die Stellen nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Dieser Stellenmarkt umfasst laut verschiedener Studien bis zu 70 % (!) der in Deutschland zu besetzenden Stellen. Jobsuche im verdeckten Stellenmarkt bietet somit viel Potenzial den „passenden“ Job zu finden. Es erfordert jedoch Ausdauer und Geduld, da es hier auf den Mix verschiedener Bewerbungsaktivitäten ankommt.

7 Impulse für den Berufseinstieg in Krisenzeiten

Grundsätzlich gehen die wenigsten Bewerber bei der Jobsuche systematisch vor, daher haben folgende Empfehlungen auch außerhalb von Krisenzeiten bestand.

1) Die Ausrichtung bestimmen

Den ersten Tipp habe ich ja bereits vorweggenommen: Bestimmen Sie zunächst die Richtung, in die Sie möchten. Berufsorientierungsseminare der Unis oder der Arbeitsagentur können dabei helfen. Da in der Phase der Corona-Pandemie viele Seminare entfallen, lohnt es sich alternativ mit Tools wie dem Talentkompass NRW zu arbeiten. Auch ein Coaching kann in dem Kontext Sinn machen. In Nordrhein-Westfalen gibt es z. B. das Förderprogramm „Beratung zur beruflichen Entwicklung“, in dem bis zu 150 Coaches zur Verfügung stehen, deren Hilfe Sie kostenfrei in Anspruch nehmen können. Gerade in Krisenphasen, in denen das Stellenangebot geringer ausfällt lohnt es, sich intensiv mit Berufsorientierung auseinanderzusetzen.

2) Das eigene Profil schärfen

Besteht Klarheit hinsichtlich der beruflichen Ausrichtung, empfiehlt es sich als Nächstes, das eigene Profil sowohl in den Bewerbungsunterlagen als auch in XING und Linkedin anzupassen. Im Web gibt es mittlerweile viele gute Quellen für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen, so zum Beispiel das Kompendium der Karrierebibel zum Anschreiben oder die gut recherchierte Linksammlung zum Lebenslauf meiner Kollegin Angela Borin. Sollten Sie noch kein Profil in den Businessnetzwerken haben, so empfehlen wir Ihnen dringend eines anzulegen, da Sie sich so von Arbeitgebern finden lassen können.: Vor allem XING bietet für die Jobsuche über das Profil hinaus viele Möglichkeiten, wie Sie in unserer XING-Serie nachlesen können.   

3) XING und Linkedin aktiv nutzen

XING und Linkedin möchte ich daher auch extra hervorheben. Ich lernte XING erstmals während meiner Werkstudententätigkeit im Personalbereich kennen. Wirklich aktiv genutzt habe ich es dann in meiner Jobsuche als Ausgangsplattform für Recherche- und Netzwerkaktivitäten. So koordinierte ich darüber meine Eventbesuche, recherchierte nach potenziellen Unternehmen und Arbeitgebern und schloss mich fachbezogenen Gruppen an. Meinen jetzigen Job bekam ich schließlich durch den Besuch einer Jobmesse, auf die ich durch XING aufmerksam wurde. Auch wenn bedingt durch Corona Präsenzmessen aktuell nicht stattfinden, bietet sich alternativ der Besuch von Online-Messen an.

4) Branchen- und fachbezogen suchen

Den Fach- und Branchenbezug sollten Sie grundsätzlich während Ihrer Jobsuche nicht vergessen. Im Internet finden Sie Webseiten entsprechender Verbände oder Vereine, in den sozialen Netzwerken gibt es Gruppen und Vereinigungen. Behalten Sie auch Branchen- und Fachmagazine im Auge. LVQ-Absolvent Felix Schnieders bekam seinen Job durch eine Initiativbewerbung bei einem Unternehmen, über das er in einem Fachmagazin aufmerksam wurde. Zwar ist er kein Berufseinsteiger, hatte aber auch mit erschwerten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen. Ein Blick in Fachzeitschriften ist also eine Überlegung wert.

5) Gespräche führen

Es mag banal klingen, aber Gespräche sind der Schlüssel zum Erfolg bei der Jobsuche. Und damit meine ich nicht die Bewerbungsgespräche. Während des Berufseinstiegs ist das gar nicht so einfach, denn es fällt nicht jedem leicht über seine Arbeitslosigkeit oder Jobsuche zu sprechen. Mir ging es ebenso. Doch ein Stück weit muss man hier über seinen Schatten springen. Ich habe mit Bekannten über meine damaligen Ergebnisse aus der Orientierungsphase gesprochen und so wertvolle Ideen bekommen, wo ich mich bewerben oder mit wem ich noch sprechen kann. Ich habe Jobmessen, Fachvorträge, Netzwerktreffen besucht und bin ins Gespräch mit Menschen gekommen die das beruflich taten, was ich machen wollte. Entscheidend war dabei die Haltung: Nicht als jobsuchender Bittsteller auftreten, sondern Interesse an den anderen Menschen zeigen mit der Zielstellung, Informationen und Klarheit für mich zu gewinnen. So kam ich an Vorstellungsgespräche.

6) Praktika, freiberufliche oder ehrenamtliche Tätigkeiten ausüben

Ulrich Walwei ist Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und kennt den Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger seit vielen Jahren. Im Gespräch mit der Zeit empfiehlt er Hochschulabsolventen bei der Jobsuche aktiv zu bleiben, um die Lücke im Lebenslauf nicht zu groß werden zu lassen. Dies könnte durch ehrenamtliche Tätigkeiten, soziales Engagement oder freiberufliche Tätigkeiten erfolgen. Eine Empfehlung, die ich nur unterstreichen kann. Zwischen Studienabschluss und Festanstellung lagen bei mir zwei Jahre. In dieser Phase machte ich zwei Aushilfsjobs, ein redaktionelles Praktikum und arbeitete über ein Jahr freiberuflich bei zwei Bildungsinstituten. Dies sind Erfahrungen, die nicht einfach waren, die ich jedoch nicht missen möchte.

7) Weiterbilden

Auch wenn eine Weiterbildung nach dem Studium für viele Hochschulabsolventen nicht die erste Wahl ist, kann Sie ein ganz wichtiger Baustein für die Jobsuche sein. Sei es, da es für die in der Orientierungsphase herausgearbeitete berufliche Zielrichtung an Kenntnissen fehlt oder weil das Studium einen theoretischen oder industrie-/wirtschaftsfremden Fokus hatte. Von Arbeitgeberseite wird dies zudem gut angenommen: Nila Gosh, Personalerin bei Vodafone, empfiehlt Berufseinsteigern im Gespräch mit dem Handelsblatt, sich während Krisenzeiten in berufsrelevanten Themen weiterzubilden, um die Lücke so begründen zu können und sich fachlich vorzubereiten.

Spätestens wenn Hochschulabsolventen bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter davon erfahren, dass Sie mit einem Bildungsgutschein eine Weiterbildung komplett bezahlt bekommen, wird diese Option interessant.

Dass die Weiterbildung dann auch direkt zum Job führen kann, sehen wir an den Beispielen des Ingenieurs Philipp Kramer und der Geisteswissenschaftlerin Lisa Lokotsch, die wir in unserem Blog zeigen.

Berufseinstieg und Jobsuche: Eine Frage der Einstellung

Wie heißt es so schön: Viele Wege führen nach Rom. So ist es auch beim Berufseinstieg. Philipp Kramer fand seinen späteren Arbeitgeber durch die initiative Suche bei XING. Lisa Lokotsch konnte in Ihrer Bewerbung durch ihre Qualifikationen und Weiterbildungen punkten. Entscheidend war bei beiden, dass sie nicht aufgesteckt haben und sich auf ihre eigenen Bedürfnisse konzentriert haben. Lisa Lokotsch berichtet im Interview:

„In der Erstberatung bei der LVQ stellte man mir die Frage: ‚Was machst Du denn gerne?‘ Es ging nicht darum, was andere wollten, sondern einfach darum, was mir Spaß macht und was ich aus meinem Leben machen möchte. Mir wurden zwei Möglichkeiten aufgezeigt – die kreative und die qualitätsorientierte Schiene – und hat mich so „an die Hand genommen“. Und da ich durch meine Arbeit in der Gastronomie Spaß am Social-Media-Bereich fand, habe ich meine Weiterbildung in die kreative Richtung fließen lassen.“  In dem Bereich bekam sie dann auch ihren Job.

 


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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Autor

Martin Salwiczek

hat als Berater, Trainer und Experte für Jobsuche und Bewerbung einen engen Draht zu den Teilnehmern der LVQ. Daraus zieht er Ideen für seine Beiträge und findet immer wieder interessante Interviewpartner.