Kreative Bewerbung: Das Anschreiben im Zeitungsformat (3)

Anschreiben im Zeitungsformat

Jetzt ist Kreativität gefragt: Das Anschreiben im Zeitungsformat

Gut erzählte Geschichten lassen den Leser die Welt aus den Augen des Protagonisten erfahren: Er begegnet Herausforderungen, bezwingt Hindernisse und wächst an seinen Entscheidungen. Dabei werden diese Geschichten immer auch von anschaulichen Illustrationen, Grafiken und Bildern begleitet, die dem Leser auf den ersten Blick ein Gefühl für die Situation und die Hauptfigur geben.

Der visuelle Anteil ist ein entscheidender Aspekt, der auch in einer Kreativbewerbung nicht vernachlässigt werden darf. Gemeint sind damit natürlich keine Märchenbilder. Vielmehr sollte die kreative Ausgestaltung der Inhaltsebene durch ein passendes Design unterstrichen werden, damit die in der Bewerbung erzählte Story ihre ganze Wirkung entfalten kann. Gut umgesetzt kann durch das Layout und die damit verbundene Sprachwahl eine schlüssige Gesamtgeschichte erzählt werden, die den entscheidenden Vorteil bringen und den Personaler veranlassen kann, den Bewerber kennenlernen zu wollen.

Was genau eine gute Story ausmacht und wieso sie sich für eine Bewerbung lohnt, konnten wir im zweiten Teil unserer Serie „Kreative Bewerbung“ herausarbeiten. In den folgenden Beiträgen unserer Serie werden wir die gestalterischen Möglichkeiten des Anschreibens eingehender beleuchten und stellen Ihnen einige praxiserprobte, kreative Anschreiben-Layouts vor. Den Anfang macht im heutigen Artikel das Anschreiben im Zeitungsformat.

Kreative Bewerbung – Auch eine Frage der Gestaltung

Damit Ihr Empfänger wirklich das Gefühl bekommt, dass Sie ein kreativer und dadurch der richtige Kandidat für die im Unternehmen zu besetzende Stelle sind, sollten Sie Ihr Anschreiben nicht nur textlich aufbrechen, sondern auch gestalterisch untermalen. Verknüpfen Sie mithilfe eines zum Unternehmen passenden Layouts bereits zu Anfang sehr deutlich Ihre Leidenschaften und Fähigkeiten mit der angestrebten Stelle und Ihrem Wunschunternehmen.

Machen Sie sich aber auch von vornherein klar, dass die stimmige Gestaltung eines kreativen Anschreibens zeitintensiv ist. Bevor Sie sich also an ein kreatives Design wagen, sollten Sie sich vorab selbst ins Kreuzverhör nehmen, um sich einen späteren Leidensdruck zu ersparen:

  • Können Sie Storys und grafische Darstellungen harmonisch miteinander verschmelzen?
  • Trauen Sie sich eine grafische Gestaltung mit Photoshop oder Indesign zu oder sollte das Anschreiben mit Formatvorlagen bewältigt werden können?
  • Wie viel Zeit wollen bzw. können Sie in die Erstellung Ihrer Bewerbung investieren? Herrscht durch eine Bewerbungsfrist Zeitdruck?
  • Was gehört in Ihrer Branche und im gewünschten Unternehmen zum „guten Ton“?
  • Wie kreativ sind Sie? Können Sie im Beruf halten, was Sie in der Bewerbung versprechen?

Die kreative Ausgestaltung: Das Anschreiben im Zeitungsformat

Konnten Sie viele der Fragen für sich positiv beantworten, steht einer kreativen Bewerbung nichts mehr im Weg. Für einen Verlag, eine Agentur, als Redakteur oder Journalist zum Beispiel können Sie für Ihr Anschreiben das Zeitungsformat als kreative Gestaltungsgrundlage heranziehen. Denn ob Print oder Online, viele verbinden die Zeitung mit eben genannten Branchen und Berufen. Und jeder kennt sie: die Zeitung.

Nicht zuletzt aus diesem Grund bietet das Zeitungsformat eine spannende Gestaltungsmöglichkeit für ein Bewerbungsanschreiben. Optisch sofort ins Auge fallend, beweisen Sie zeitgleich, dass Sie durchaus in der Lage sind, auf wenig Raum Informationen nicht nur ansprechend darzustellen, sondern auch eine fesselnde Geschichte zu erzählen.

Das ist besonders dann interessant, wenn Sie Berufseinsteiger oder Quereinsteiger sind und bisher kaum relevante Berufserfahrung im gewünschten Arbeitsfeld mitbringen. Denn dann gibt Ihr kreatives Anschreiben im Zeitungsformat Ihrem potenziellen Arbeitgeber sozusagen eine erste „Geschmacksprobe“.

Unser praxiserprobtes Beispiel Print-Zeitung

Damit das von Ihnen genutzte Zeitungsformat als solches erkannt wird, sollten Sie sich den optischen Wiedererkennungswert einer Print-Titelseite zunutze machen, aber auch den typischen Zeitungssprachstil beherzigen. Reißerische oder fragende Schlagzeilen, Bildunterschriften, O-Töne, Verweise auf die folgenden Seiten, eine objektive Erzählperspektive, aber auch ein blickfangendes Titelbild samt Titelstory und Kurztexte sind hier maßgeblich.

Idealerweise wählen Sie auch den Zeitungsstil in Abhängigkeit von Ihrem Wunschunternehmen, denn Ihre Wahl soll zeigen, dass Sie sich sowohl mit der Firma als auch mit der Branche auseinandergesetzt haben und imstande sind, den richtigen Ton für das Unternehmen zu treffen. Für traditionsbewusste Firmen ist daher ein Zeitungs-Anschreiben mit seriösem Aufbau zu bevorzugen, zum Beispiel angelehnt an die „Frankfurter Allgemeine“. Für Startups hingegen können Sie ein etwas reißerisches Anschreiben im Zeitungsformat anfertigen – möglicherweise nach dem Vorbild der „taz“.

Überlegen Sie sich vorab gut, ob Sie passendes Bildmaterial zur Verfügung haben oder kreieren können und ob Sie sich mit Sprache und Gestaltung identifizieren können. Nur dann gelingt es Ihnen, Ihr Anschreiben im Zeitungsformat stimmig aufzuziehen und die wichtigsten Bausteine umzusetzen:

1. Der Zeitungsname und das Logo

Eine Zeitung braucht einen Namen. Da es sich um Ihre Bewerbung handelt, warum dann nicht Ihren? Statt der üblichen Adresszeile einer klassischen Bewerbung wählen Sie also einen zu Ihnen passenden und einprägsamen Zeitungsnamen. Dieser sollte nicht nur Ihren Nachnamen enthalten, sondern auch einen eindeutigen Bezug zum Thema Bewerbung aufweisen. Wenn möglich, machen Sie gerne Gebrauch von Alliterationen. Kombinieren Sie Wörter, die mit dem gleichen Buchstaben beginnen, denn Gleichklänge bleiben besser im Gedächtnis haften.

Sie könnten in Ihrem Anschreiben im Zeitungsformat zum Beispiel mit den Worten „Musterfraus Bewerberblatt“ titeln und den Leerraum zwischen den Wörtern durch das Firmenlogo des Wunschunternehmens ergänzen. Denn eine Zeitung benötigt nicht nur einen prägnanten Namen, sondern wird immer auch von einem Logo geziert. Dieses typische Zeitungsmerkmal ermöglicht es Ihnen, sich bereits im Zeitungsnamen auf gestalterische Weise mit Ihrem potenziellen Arbeitgeber zu verknüpfen und einen gewissen Wiederkennungswert auf die eigene Person zu übertragen.

2. Der Aufbau

Da eine Zeitung anders formatiert ist, bietet sie viel Platz, der auch befüllt werden möchte. Üblicherweise finden sich verschiedene Kurztexte, einige Bilder und eine Titelstory auf der ersten Seite einer Zeitung wieder. Daher sollten Sie für Ihr Anschreiben im Zeitungsformat folgende Punkte beachten:

2a. Die Kurztexte

Wollen Sie zum Beispiel auf ein klassisches Anschreiben nicht gänzlich verzichten, können Sie in der oberen linken Ecke ein solches platzieren. Um der Titelstory nichts vorweg zu nehmen, sollte es aber lediglich eine knappe erklärende Funktion haben und zum Beispiel viel Spaß beim Sichten Ihrer kreativen Bewerbung wünschen.

Um Ihre Branchen- oder Unternehmenskenntnis hervorzuheben, können Sie in der unteren linken Ecke einen branchenbezogenen Artikel anteasern.

2b. Der Aufbau: Die Bilder

Optisch aufgepeppt wird Ihr kreatives Anschreiben im Zeitungsformat durch zwei Bilder. Die Lücke zwischen den beiden Kurztexten eignet sich für Ihr Bewerberbild, welches Sie als „Kandidatenbild“ ausweisen. Ein weiteres größeres Bild gehört wie im Zeitungsformat üblich zur Titelstory und sollte einen Bezug zum Unternehmen aufweisen und Sie bestenfalls schon mit der Firma in Verbindung bringen.

Schauen Sie sich die Stellenanzeige und die Webseite Ihres Wunschunternehmens genauer an. Vielleicht findet sich ein geeignetes Team-Bild, in das sie sich mithilfe von Photoshop hineinretuschieren können. Die Worte „So könnte das Team der Firma XY in Zukunft aussehen“ lenken den Fokus noch einmal bewusst auf Ihre Gestaltungs-Fähigkeiten und Ihre Kreativität.

2c. Der Aufbau: Die Titelstory

Die Titelstory beinhaltet die eigentlichen Informationen eines Anschreibens, allerdings in zeitungsklassischer Manier:

  • Überschrift und Unterüberschrift: Nutzen Sie hier beispielsweise die Überschrift der Stellenanzeige und fügen Sie das Wort „gesucht“ hinzu.
  • Einleitung, als Antwort auf die im Titel gestellte Suchanfrage: Beschreiben Sie, dass es sich um Ihre Bewerbung bei der Firma XY handelt.
  • Zweiter und dritter Abschnitt: Beschreiben Sie zuerst Ihre Qualifikationen und unterstreichen Sie diese durch einen passenden O-Ton. Ihre Chance, dem Unternehmen kurz und knackig mitzuteilen, warum Sie der Richtige sind und warum Sie sich für dieses Unternehmen entschieden haben.
  • Vierter und fünfter Absatz: Geben Sie Ihre Gehaltsvorstellungen an und sprechen Sie weitere für Ihren potenziellen Arbeitgeber interessante Informationen zu Ihrer Person an. Ihre Sprachkenntnisse, das Erasmus-Jahr oder ein Buch, an dem Sie gerade schreiben.
  • Letzter Abschnitt: Erklären Sie kurz, welche Vorteile das Unternehmen bei Ihrer Einstellung hat.
  • Abschluss: Enden Sie mit einer Leseempfehlung auf die folgenden Seiten. Gemeint sind Ihr Lebenslauf, Ihre Zeugnisse und weitere Dokumente, die zwar modern gestaltet werden können, aber aus Gründen der Übersichtlichkeit und des Wiedererkennungswerts einer Bewerbung keinem allzu kreativen Layout folgen sollten.
  • Optional: Versuchen Sie es mit einem thematisch passenden Zitat und heben Sie dieses zusätzlich in den Firmenfarben hervor.

3. Der Sprachstil

Entgegen jeder klassischen Bewerbungsregel verfassen Sie Ihr Anschreiben im Zeitungsformat keinesfalls in der Ich-Perspektive. Stattdessen fertigen Sie ein Porträt Ihrer Person an und erzählen von Ihrem Werdegang und Ihren Qualifikationen, als würden Sie vom Leben einer anderen Person berichten.

Um Ihrem Wunsch, bei dieser Firma Fuß fassen zu wollen, trotzdem Ausdruck verleihen zu können, eignet sich ein Kommentar im O-Ton. Hier dürfen Sie gerne in der Ich-Perspektive Ihre Chance nutzen und ein eindeutiges Statement abgeben.

4. Titelzeile und Impressum

Während Sie das Datum zusammen mit Ihrer Stadt und dem Status der Zeitung in der Titelzeile unterhalb des Zeitungsnamens angeben, findet sich die Informationen zu Ihrer Person an anderer Stelle. Ihr sonst typischerweise in der Senderzeile stehende Name wird in Ihrem Anschreiben im Zeitungsformat samt Adresse in der Fußzeile verankert, im Impressum der Zeitung.

Tool-Tipp

Wenn Sie sich eine eigene Gestaltung einer Titelseite nicht zutrauen, nutzen Sie vorgefertigte Designs. Vorlagen für Titelseiten finden sich sowohl für Indesign als auch für Word und lassen sich individuell an Ihre Zwecke anpassen.

Kreativität macht sich bezahlt

Gerade für die Kreativbewerbung ist ein eigenes, auffallendes Design eine gute Chance, sich von der Vielzahl der Mitbewerber abzuheben. „Doch wie sieht das nun im Ganzen aus?“ Eine berechtigte Frage, die wir Ihnen gerne „zeigend“ beantworten wollen, da Bilder eingänglicher und leichter zu verstehen sind als Beschreibungen. Mithilfe unseres Praxisbeispiels – Anschreiben im Zeitungsformat –  wollen wir Sie inspirieren, eigene Ideen zu Ihrer Story und Gestaltung zu entwickeln. So können Sie Ihre kreative Bewerbung passgenau auf Ihren Wunscharbeitgeber zuschneiden und Ihre Chancen auf Ihren angestrebten Posten erhöhen.

Inhaltlich ein wenig modifiziert, wurde das angehängte Anschreiben im Zeitungsformat bereits im Bewerbungsverfahren getestet. Der Rückschein kam prompt: die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Der Chef wollte die Kandidatin, die Ihr Anschreiben so anders gestaltet hat als andere Bewerber, schnellstmöglich kennenlernen. Der hohe Aufwand für ein solch kreatives Projekt kann sich also durchaus lohnen, denn auch in Bewerbungen kann „ein wenig anders sein“ erfrischend wirken, Ihnen die nötige Aufmerksamkeit einbringen und Ihre Chancen auf den Wunschjob erhöhen. Und genau das wünschen wir Ihnen.

 

Zur kompletten Serie Kreative Bewerbung:

  1. Kreative Bewerbung. Teil 1: Alternative Ideen für die Jobsuche
  2. Kreative Bewerbung: Teil 2: Storytelling. Mit einer guten Geschichte den Arbeitgeber fesseln.
  3. Kreative Bewerbung. Teil 3: Das Anschreiben im Zeitungsformat

 

Über die LVQ

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