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Genau wie wir als Konsumenten gewisse Werbereize mittlerweile ausblenden und uns nur noch von außergewöhnlichen Effekten mitreißen lassen, verschwimmen auch für Personaler oftmals die Grenzen zwischen den verschiedenen Standardbewerbungen. Das Resultat: Ein geeigneter Kandidat oder eine passende Bewerberin ist kaum auf den ersten Blick zu erkennen und nach Beiseitelegen der Bewerbung nur schwerlich wieder auffindbar.

Hängen bleibt nur, was außergewöhnlich ist und Aufmerksamkeit erregt. Warum also nicht dieser Strategie folgen und die eigene Arbeitskraft auf raffinierte Weise als spannendes und innovatives „Produkt“ vermarkten, um sich im hart umkämpften Stellenmarkt gegen die Konkurrenz durchzusetzen?

Natürlich benötigen Sie dazu eine zündende Idee, wie Sie eine solche Bewerbung passend auf Ihren Wunscharbeitgeber zuschneiden und sich selbst dabei in Szene setzen können. Daher schauen wir uns im heutigen Teil unserer Serie Kreativbewerbung sowohl die Guerilla Bewerbung als auch den Pitch anhand einiger Praxisbeispiele aus dem Internet an, um Sie hinsichtlich Ihrer eigenen Wunschfirma zu inspirieren.

Guerilla-Marketing und Pitch: Was ist das überhaupt?

Eine Werbeidee in knapper ansprechender Form vor einem möglichen Kunden präsentieren, um diesen von sich und seinem Produkt zu überzeugen: Genau das macht einen Pitch aus. Dabei gibt es verschiedene Ausprägungen des Pitches, die von einem 30-sekündigen Aufzugsgespräch bis hin zu einem halbstündigen „Vorstellungsgespräch“ des angedachten Produktes reichen können. Je mehr Zeit für die Präsentation und den Pitch zur Verfügung steht, desto besser ist es, das Gesagte mit einem Pitch Deck, bestehend aus ca. 10 Power-Point-Folien, zu untermalen.

Im Kontrast dazu kommt das Guerilla-Marketing eher ohne viele Worte aus und setzt auf „visuelle Schlagkraft“. Ursprünglich eine untypische, den Gegner überraschende Art der Kriegsführung beschreibend, wurde das Wort „guerilla“ aus dem Spanischen erst in den Bereich der Vermarktung – also vom Produkt ausgehend – und später ins Marketing – vom Menschen ausgehend – überführt. Zwei Kernpunkte dabei sind nach wie vor das Überraschungsmoment und der Kundennutzen:

Der Kunde möchte in Ihrer Kommunikation, also auch in Ihrer Guerilla-Marketing-Kampagne, den auf ihn passenden, ‚echten‘ Nutzen vorgestellt sehen.“ – Thomas Patalas, Marketingberater

Und wie kann ich das nun für eine Bewerbung nutzen?

Wie eingangs erwähnt sieben wir in Zeiten der werbetechnischen Reizüberflutung stark aus. Nur das, was emotional anspricht, überrascht und sofort ins Auge fällt, bleibt in Erinnerung. Mit einem außergewöhnlichen Anschreiben im Pitch-Format oder einer Guerilla-Bewerbung können Sie daher den entscheidenden Unterschied machen und den Vorteil auf Ihre Seite ziehen, sodass Ihre Bewerbung die Hand des Personalers möglicherweise erst gar nicht verlässt.

Das Augenmerk des Personalers kann durch eine aufmerksamkeitserregende Idee also von vornherein sehr gezielt auf Sie und Ihre Fähigkeiten gelenkt werden, denn die Guerilla-Bewerbung ist laut Karriereexperte Jürgen Hesse, zitiert von Unicum Karrierezentrum, schließlich „eine sehr außergewöhnliche, verkaufsorientierte Form der Selbstdarstellung“. Der Überraschungseffekt kommt Ihnen dabei zugute und unterstützt Sie dabei, sich ganz offensiv als das zum Unternehmen passende „Produkt“ zu verkaufen. Damit das gelingt, ist die Beantwortung folgender Fragen entscheidend:

  • Welche Werte repräsentiert mein auserwähltes Unternehmen?
  • Welche meiner Fähigkeiten bringen meinem Zielunternehmen den entscheidenden Mehrwert?
  • Mit welchen Herausforderungen und Chancen sieht mein anvisiertes Unternehmen sich konfrontiert?

Schaffen Sie diesen Spagat und fallen nicht nur durch eine kreative Idee auf, sondern bieten gleichzeitig Lösungsansätze für Ihr Wunschunternehmen an, bleibt Ihre Bewerbung gleich in mehrerlei Hinsicht im Gedächtnis haften.

Werbung, Videogame, Website und Co.: Beispiele für Guerilla-Bewerbung und Pitch

Wie Sie Ihre Bewerbung mit dem von Thomas Patalas erwähnten Kundennutzen, sprich Ihre Selbstvermarktung mit den Herausforderungen des Unternehmens, verknüpfen, zeigt das Beispiel von Nina Mufleh. Bereits als Gast und Gastgeberin mit AirBnBs Werten identifiziert, hat die Kalifornierin sich überlegt, einen anderen Weg der Bewerbung für dieses Unternehmen einzuschlagen. Um gegen „thousands of other very talented people“ bestehen zu können, hat sie eine Marktanalyse, Ausbaumöglichkeiten, Startpunkte und denkbare Kooperationen für den „Zimmervermittler“ ausgearbeitet und diese mit Ihren Fähigkeiten auf einer eigens nachgebauten Website im Corporate Design zusammengebracht.

Nicht immer aber muss es der (Online-)Pitch sein und die klassische Bewerbungsform muss auch nicht zwangsweise zugunsten einer ausgefallenen Idee weichen. Leah Bowman ergänzte ihr klassisches Anschreiben um ein ins Auge fallendes Merkmal und machte ihre Bewerbung so zur Guerilla-Bewerbung: Eine Mini-Legofigur ihrer eigenen Person. Passend zum Corporate Design der auserwählten Agentur passte sie Verpackung und Anleitung an, welche ihre Kompetenzen herausstellten und sie „[a]ls fehlende[n] Lego-Stein für das Unternehmen und als Bausatz für den perfekten Praktikanten präsentiert[en]“, wie Christoph Klausnitzer vom Human Resources Manager schreibt. Am Ende bekam sie nicht nur das Praktikumsangebot, sondern ging im Anschluss in eine Vollzeitbeschäftigung über.

Eine ähnliche Vorgehensweise wählte Marius Fietzek, um seiner Guerilla-Bewerbung seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Statt einer Figur entwarf er ein eigens konzeptioniertes Videospiel im Flash-Format – wie bereits sein potenzieller Chef zuvor, um sich bei Double Fine HQ zu bewerben und an einem neuen Adventure Game mitzuarbeiten. In seinem Spiel führt der Grafiker durch ein potenzielles Interview mit sich selbst, was ihm letztlich ein Praktikum bei Double Fine einbrachte.

Vielleicht hatten Sie aber auch schonmal einen Chef der seinen eigenen Namen gerne gegoogelt hat? Dann erscheint auch die Idee, die Alec Brownstein verfolgt hat, gar nicht so abwegig. Im Gegensatz zu den vorherig genannten, verzichtete der Amerikaner auf jegliche traditionelle Bewerbung und setzte vollends auf die Taktik der Guerilla-Bewerbung. Dabei machte er sich das Ego-Googeln der sechs top New York City Creative Directors zu Nutze und schaltete Google Ads-Anzeigen auf deren Namen. In dieser Werbung rief er auf, ihn einzustellen: Mit Erfolg. Vier von sechs Creatives haben ihn zum Interview eingeladen, zwei Jobs wurden ihm angeboten. Und dabei hatte ihn dieser vermeintliche Aufwand nicht einmal 6 Dollar gekostet.

Um ins Auge zu fallen und möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ging auch Adam Pacitti ganz im Sinne einer Guerilla-Bewerbung vor. Wie Nina Mufleh kreierte er eine eigene Internetseite: Allerdings mit dem Unterschied, dass diese nur dem Zweck der reinen Selbstvermarktung dient. Darüber hinaus mietete er sich eine der Londoner Plakatwände und bat – unter Verweis auf seine eigene Website – offensiv und in aller Öffentlichkeit sichtbar um eine Anstellung. Mehr als 50 Jobinterviews hatte er Muse zufolge im Angebot und entschied sich letztlich für einen Job als Viral Producer bei KEO Digital.

Guerilla Bewerbung und Pitch: Was muss ich beachten?

Teilweise ziemlich innovativ und anspruchsvoll, manchmal relativ leicht umzusetzen: Die Guerilla Bewerbung sowie der Pitch sind zwei spannende Möglichkeiten, sich von der Masse der Mitbewerber abzuheben und die eigenen Soft und Hard Skills ins entsprechende Licht zu rücken.

Ob Sie sich der Herausforderung einer solchen Bewerbung stellen wollen, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab:

  • Passt die Guerilla-Bewerbung oder der Pitch sowohl zu Ihnen als auch zu Ihrem Wunschunternehmen? Wie aufgeschlossen ist das anvisierte Unternehmen?
  • Wie viel Zeit und eventuell Geld wollen Sie in Ihre Bewerbung investieren?
  • Kennen Sie sich mit Konzeptionierung, Webseitengestaltung oder Ads-Schaltung gut genug aus?
  • Sind Sie originell und kreativ genug, eine „bahnbrechende“ Guerilla-Bewerbung zu konzeptionieren und umzusetzen?
  • Haben Sie (genug) Kenntnisse über die Herausforderungen des Wunschunternehmens und können Sie Lösungsansätze bieten?

Mit Rafinesse punkten

Wenngleich jede Bewerbung immer auch eine Form von Werbung ist – und zwar für die eigene Person – bedienen die meisten Bewerber sich eher zurückhaltender Standardbewerbungen. Rühren Sie also zur Abwechslung sehr deutlich die Werbetrommel für sich und Ihre Fähigkeiten und probieren Sie es mit einer Guerilla-Bewerbung oder einem Pitch. Setzen Sie ein Statement, indem Sie durch ausgefallene, kreative Akzente und Ideen aus der Masse hervorstechen und dem potenziellen Arbeitgeber ihre Arbeitskraft regelrecht „schmackhaft machen“.

Speziell die letzten beiden Bulletpoints entscheiden dabei über das Gelingen Ihrer Guerilla-Bewerbung oder Ihres Pitches, denn Nachmachen ist keine Option. Nutzen Sie die vorgestellten Beispiele und folgen Sie im Bezug auf Ihr Wunschunternehmen Ihrer eigenen kreativen Ader, um sich auf einfallsreiche Art und Weise mit diesem zu verbinden. Das zeigt dem Personaler, dass Sie nicht nur verstanden haben, worum es Ihrem Zielunternehmen geht, sondern dass Sie im Stande sind, eigenständig kreative Lösungen im Arbeitsalltag zu erarbeiten. Und das ist die beste Arbeitsprobe, die Sie liefern können.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Jobsuche und sind gespannt auf Ihre Erfahrungen. Haben Sie schon mal eine Guerilla-Bewerbung oder einen Pitch verschickt?


 

 

 

 

Zur kompletten Serie Kreative Bewerbung:
  1. Kreative Bewerbung. Teil 1: Alternative Ideen für die Jobsuche
  2. Kreative Bewerbung. Teil 2: Storytelling. Mit einer guten Geschichte den Arbeitgeber fesseln.
  3. Kreative Bewerbung. Teil 3: Das Anschreiben im Zeitungsformat
  4. Kreative Bewerbung. Teil 4: Das Anschreiben im Magazinstil
  5. Kreative Bewerbung. Teil 5: Die Social-Media-Bewerbung
  6. Kreative Bewerbung. Teil 6: Von Selbstmarketing, Pitch und Guerilla Bewerbung
 

 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

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Foto Angela Borin

Autor

Angela Borin

ist Mitarbeiterin in der Online-Kommunikation und im Online-Marketing bei der LVQ. Als Berufseinsteigerin schreibt sie insbesondere über Berufsorientierung und Jobsuche.