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Weiterbildung hilft Krisen zu meistern – persönliche, berufliche, unternehmerische und sogar gesellschaftliche Krisen. Besonders in der aktuellen Corona-Krise hat Weiterbildung bereits vielen bei der Bewältigung der ganz speziellen individuellen oder kollektiven Herausforderungen genützt: Ganz gleich ob es der spontane Workshop zum Kennenlernen digitaler Videotools ist, ein Training in Digital Leadership oder gar die umfassende Fachweiterbildung in Agilem Projektmanagement: Lernen ist in Corona-Zeiten nützlicher denn je. Daher wundert es auch nicht, dass das diesjährige Motto des Deutschen Weiterbildungstages „Krisen meistern. Know-how sichern. Weiter bilden.“ lautet.

In diesem Beitrag schreibe ich über die pandemiebedingt nochmals zunehmende Bedeutung der Weiterbildung in Deutschland. Darüber hinaus portraitiere ich den Deutschen Weiterbildungstag, der sich alle zwei Jahre intensiv dem Thema der Bildung von Erwachsenen, dem lebensbegleitenden Lernen, der Weiterbildung widmet.

Weiterbildung nur Gedöns? Bildung ist mehr als Schule!

Folgt man aktuellen Diskussionen in den Medien zum Thema Bildung, so geht es in den meisten Fällen um die Schule. Und natürlich ist die Bildung von Kindern eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung, besonders in Zeiten von Homeschooling und digitalen Umsetzungsproblemen unserer Schulwelt. Es fällt aber auf, dass sich Diskussionen um Bildung eben meistens auf Schule beschränken. Die Weiterbildung von Erwachsenen wird zumeist ausgespart. Das gipfelt darin, dass ich kürzlich über die Webseite einer Behörde stolperte, die unter anderem für die Weiterbildung in ihrer Region zuständig ist. Das Thema Weiterbildung ist in einem von 14 Unterpunkten des Ressorts Schule untergebracht und zwar im Unterpunkt „Privatschulen, Weiterbildung, Kultur, Sport, Kirchensachen“ – „Gedöns-Weiterbildung“ nannte ich das in einer XING-Kolumne.

Weiterbildung als gesellschaftliches Phänomen

Dabei geht es bei der Weiterbildung von Erwachsenen um das Lernen von über 50 Millionen Menschen in unserem Land. Es geht um das Lernen im längsten Lebensabschnitt, dem Erwachsenenalter. Wenn überhaupt, wird dies landläufig oft nur unter „Sonstiges/Verschiedenes/Gedöns“ thematisiert. Und so werden mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in den vielen aktuellen Bildungsdiskussionen ignoriert. Das ist natürlich fahrlässig.

Schließlich gehen Bildung und Lernen nach Abschluss von Schule und Uni weiter. Der Spruch „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ ist seit mindestens fünfzig Jahren längst entzaubert und widerlegt. Viele Lernerfahrungen von Erwachsenen laufen informell, intuitiv, im Alltag, gewissermaßen „on the job“. Aber auch für Menschen jenseits der 25 gibt es viele und vielfältige Möglichkeiten in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung.

Vielfalt der Weiterbildung

Dabei reichen die vielfältigen Angebote von klassischen Lehrgängen, Seminaren und Kursen über Konferenzen und Workshops bis hin zu Barcamps, Open Spaces und Meetups. Alles davon sowohl in präsenziger, digitaler als auch in hybrider Variante. Den Themen sind dabei keine Grenzen gesetzt.

So gibt es ein großes Angebot von nicht berufsorientierter, allgemeiner oder gar politischer Erwachsenenbildung, bei der vielen zuerst die Volkshochschulen einfallen, gleichwohl die Trägerlandschaft hier besonders bunt ist. Digital literacy, also die Befähigung zur Teilhabe an der digitalen Gesellschaft, ist beispielsweise ein Themenbereich, dem sich die allgemeine Erwachsenenbildung widmet und der coronabedingt an großer Bedeutung gewonnen hat.

Krisen meistern durch berufliche Weiterbildung als Corona-Joker

Wenn es um die Veränderungen und Herausforderungen unserer Arbeitswelt geht, kommt die berufliche Weiterbildung ins Spiel, was angesichts der Dynamik des Wandels allenthalben auch wichtig ist (einige Buzzwords: Digitalisierung, Globalisierung, demografischer Wandel, Klimakrise). Dabei gibt es im Feld der beruflichen Weiterbildung viele verschiedene Varianten:

Betrieblich veranlasste Weiterbildung:

Schulungen, Workshops, Seminare, Webinare, bei denen vornehmlich gesetzlich oder betrieblich notwendige Inhalte oder erforderliche Skills vermittelt werden.

Berufliche Weiterbildung zur persönlichen Karriereentwicklung:

Meister- und Technikerschulen, Umschulungen und Aufstiegsfortbildungen, die zum Beispiel per IHK oder Handwerkskammer angeboten werden.

Öffentlich geförderte berufliche Weiterbildung durch den Bildungsgutschein

Diese zurzeit besonders gefragten Angebote richten sich vorwiegend an Arbeitslose, aber auch an Kurzarbeiter*innen, die die Zeit zwischen zwei Jobs für Updates ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse nutzen. So kann mit 100%iger Förderung per Bildungsgutschein durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter zum Beispiel ein Seminar im agilen Projektmanagement oder im Online-Marketing absolviert werden.

Gerade jetzt in der Corona-Krise entdecken viele die Chancen, die sich ihnen durch berufliche Weiterbildung bieten: Die „Sauregurkenzeit“ kann sinnvoll zur Vertiefung und Erweiterung von Wissen und Skills, zum Erwerb von Zertifikaten und Abschlüssen, zur beruflichen Positionierung und Profilschärfung genutzt werden. Betriebe qualifizieren ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jobsuchende nutzen die Zeit für ein Update per Weiterbildung in der Corona-Zeit.

Krisen meistern durch Weiterbildung – Deutscher Weiterbildungstag 2021

Der Deutsche Weiterbildungstag beleuchtet alle zwei Jahre einen Tag lang intensiv das Thema Weiterbildung. Er ist eine gemeinsame Initiative verschiedener Verbände, Institutionen und Unternehmen der Weiterbildungsbranche. Er wurde im Jahr 2007 vom Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband) und dem Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV) initiiert.

Der achte Deutsche Weiterbildungstag sollte ursprünglich im September 2020 stattfinden und wurde aus naheliegenden Gründen auf den 24. März 2021 verschoben, weil man davon ausging, im diesem März schon wieder in Präsenz agieren zu können. Da dies nun aber nach wie vor nicht möglich ist, findet der #DWT21 nun virtuell statt. Das finde ich konsequent und folgerichtig, denn viele Lern- und Bildungsprozesse finden natürlich auch bei Erwachsenen längst digital statt.

Das ursprüngliche Motto vom Deutschen Weiterbildungstag „Upskilling now“ wurde glücklicherweise krisenbedingt auch angepasst. Ich finde nämlich, das englische „Upskilling“ passt – bei allem Snack-Lernen, das durchaus sinnvoll sein kann – so wenig in die deutsche Erwachsenen- und Weiterbildungswelt. Es hat für mich zu sehr einen Touch von „Fast-Food-Lernen“ – mal eben schnell was upskillen. Da lob ich mir das mehr zur deutschen Seele passende, ernsthaftere Motto „Krisen meistern. Know-how sichern. Weiter bilden.“ Inhaltliche Schwerpunkte sind beim aktuellen #DWT21 unter anderem

  • Fachkräftebedarf sichern.
  • Digitale Spaltung überwinden.
  • Innovationskraft stärken.
  • Beschäftigungsfähigkeit erhalten.
  • Demografischen Wandel gestalten.

Weiterbildungsnetzwerke und Fachleute auf dem Deutschen Weiterbildungstag

Nun findet der Deutsche Weiterbildungstag 2021 also vornehmlich virtuell statt. Mit vielen namhaften Unterstützer*innen, Schirmdamen und -herren wollen Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit der Entwicklung einer Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) die berufliche Weiterbildung und das lebenslange Lernen noch stärker als bisher unterstützen und fördern.

Am Deutschen Weiterbildungstag finden in diesem Jahr virtuell auch viele bundesweite Veranstaltungen statt – im wahrsten Sinne zur Weiterbildung und zum gemeinsamen Lernen: Konferenzen, Workshops, Seminare und Netzwerkveranstaltungen. Empfehlenswert ist neben dem Besuch der Auftaktveranstaltung am Vorabend mit viel Prominenz sicherlich ein intensiver Check des vielfältigen Programms, in dem kostenfreie tolle Lernformate zu aktuellen Themen und Tools durchgeführt werden.

Das Ruhrgebiet ist unter anderem vertreten mit der digitalen Netzwerkveranstaltung der 2. Ruhrkonferenz Weiterbildung, die initiiert wurde durch die Netzwerke Weiterbildung im Revier e. V., Dortmunder Weiterbildungsforum e. V., Weiterbildungsforum Oberhausen-Mülheim e. V., Gelsenkirchener Forum, Netzwerk Weiterbildung Duisburg und WBB Hamm. Ich freu mich besonders, dass wir als LVQ die Ruhrkonferenz Weiterbildung hosten dürfen und somit gewissermaßen einer der digitalen Gastgeber am Deutschen Weiterbildungstag sind.

Dauerbrenner Weiterbildung

Es ist eine Binsenweisheit, dass wir den Herausforderungen der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen nur durch Neugier, Offenheit und stetiges Lernen begegnen werden. Deshalb ist es wichtig, dass dem Thema des Lernens Erwachsener in den Bildungsdebatten entsprechender Raum gegeben wird. Der Deutsche Weiterbildungstag ist dafür eine gute Plattform. Doch alle zwei Jahre ein Tag zum Thema Weiterbildung, das reicht natürlich nicht. Lebensbegleitende Weiterbildung findet täglich statt. Die Diskussion über Bedeutung, Ausrichtung und Realisierung von Weiterbildung und Erwachsenenlernen erfordert regelmäßigeren Austausch aller beteiligten Akteure und Lernenden, wie zum Beispiel in den oben genannten Ruhrgebietsnetzwerken. Es sollte zu einem Dauerbrenner werden. Drum schließe ich diesmal meinen Beitrag mit einem Wunsch:

Lasst uns weiter über Weiterbildung reden!

Offenlegung: Die LVQ Weiterbildung gGmbH ist unter anderem Mitglied in den Netzwerken Weiterbildung im Revier e. V., Weiterbildungsforum Oberhausen-Mülheim e. V. und Netzwerk Weiterbildung Duisburg. Wir sind daher parteiisch und engagiert, wenn es darum geht, das Thema der Weiterbildung auf die gesellschaftspolitische Tagesordnung zu setzen. Daher unterstützen wir natürlich auch aktiv die Ruhrkonferenz Weiterbildung und den Deutschen Weiterbildungstag 2021.


 

 

 

 


 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

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Autor

Lars Hahn

ist Geschäftsführer der LVQ und Entdecker von Systematisch Kaffeetrinken. Er schreibt über Entwicklungen der Arbeitswelt, gibt wertvolle Tipps und führt spannende Interviews zu den Themen Karriere, Jobsuche und Weiterbildung.