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Wie Systematisch Kaffeetrinken wirklich funktioniert. #Netzwerken

Lars Hahn schreibt in seiner Kolumne regelmäßig über Themen wie Digitalisierung, Arbeitswelt und Netzwerken. Heute skizziert er den Ansatz von „Systematisch Kaffeetrinken“ und schreibt über die Vorzüge des beruflichen Netzwerkens gegenüber herkömmlichen Bewerbungsverfahren.

 

Sie haben auch schon von „Systematisch Kaffeetrinken“ gehört?

 

Ja? Das freut mich! Schließlich halte ich seit längerem regelmäßig Vorträge darüber und ermutige Menschen, es doch intensiver mit dem beruflichen Netzwerken zu versuchen.

 

Möglicherweise geht es Ihnen aber auch so wie Niklas. Vor meinem Vortrag begrüßte er mich skeptisch mit den Worten „Ich bin kein Typ fürs Klüngeln, ein Netzwerk habe ich auch nicht und Kaffeetrinken möchte mit mir auch keiner.“ Also, was solle er dann mit dem Vortrag, meinte er.

 

Überhaupt sei das Schreiben von Bewerbungen ohnehin seriöser. Das systematische Beantworten offener Stellenausschreibungen. Nur so geht Bewerbung. Haben wir ja so gelernt.

 

Sagen ja auch die Karriereberater, Bewerberportale, Bewerbungsratgeber, die Agentur für Arbeit und - land auf land ab - die Bewerbungstrainer in ihren Trainings. Ist ja auch nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.

 

Es ist nämlich so: Laut Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurden im vergangenen Jahr 21 Prozent der Stellen über Jobbörsen besetzt und weitere 10 Prozent (!) über Inserate in Zeitungen und Zeitschriften. Macht 31 Prozent für die Besetzung über Stellenanzeigen, mehr nicht!

EDIT 2018: Blog-Co-Autor Martin Salwiczek wies mich darauf hin, dass die eigenen Karriere-Webseiten von Unternehmen ja auch öffentlich zugänglich seien und die machten in der Besetzungsliste der IAB-Erhebung auch noch mal 11 Prozent aus. Ich schlage, obwohl viele grottenschlechte Homepages der Unternehmen oft gar nicht auffindbar sind, diese Karriere-Webseiten auch mal pauschal dem offenen Stellenmarkt zu. Dann lägen wir bei 41 Prozent oder einem guten Drittel besetzter Stellen über den offenen Stellenmarkt.

Gefühlt 95 Prozent aller Bewerber tummeln sich jedoch ausschließlich in diesem offenen Drittel des Stellenmarktes. Und schreiben 50 Bewerbungen oder mehr auf Stellenanzeigen, die mehr oder weniger passen. Sie fragen sich verwundert, wo denn der viel zitierte Fachkräftemangel zu spüren sei. Lassen Vorstellungsgespräche über sich ergehen, die bisweilen bis ins Würdelose tendieren. Sind frustriert, genervt und desillusioniert. Und machen dennoch weiter mit ihren Bewerbungen.

Stellenbesetzung über Empfehlung eines Kontaktes

Wenn sie dann gefragt werden, wie sie den neuen Job ergattert haben, antworten viele so etwas wie:

 

„Och, das war totaler Zufall. Nachdem ich zig Bewerbungen geschrieben hatte, traf ich eines Tages beim Flanieren eine ehemalige Mitstudierende, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte. Wir tranken spontan einen Kaffee zusammen. Sie klagte über zu viel Arbeit und dass sie Unterstützung in der Firma bräuchten. … Zwei Tage später saß ich bei ihrem Chef und eine Woche später durfte ich bereits starten.

 

Tolle Firma, netter Job. Und das, obwohl ich gar nicht genau auf die Stelle passte (die im Übrigen noch gar nicht ausgeschrieben war).“

 

Ich verrate Ihnen was: Das war gar kein Zufall!

 

Denn so läuft Stellenbesetzung im verdeckten Stellenmarkt häufig: Auf Empfehlung eines Kontaktes. 47 Prozent der Stellen in kleinen Betrieben werden laut IAB-Studie so besetzt!

 

Wir machen das in der LVQ auch so: Wir fragen systematisch unsere Mitarbeiter, wer ihnen für die zu besetzende Stelle einfällt und ermutigen sie, in ihrem Outlook oder in ihren Xing-Kontakten danach zu recherchieren.

Systematisch Netzwerken

Wie cool wäre es, wenn Sie in den Outlook-Adressbüchern und Xing-Kontakten der potentiellen Kollegen in Ihrer Zielbranche  schon längst systematisch drin wären?

 

Genau da liegt die Chance: Bewerber können im verdeckten Stellenmarkt aktiv mitmischen. Dazu muss man gar kein Power-Netzwerker sein. Es reicht aus, vorhandene Kontakte zu reaktivieren, zu pflegen und neue Kontakte zu finden, die zu meinem Jobwunsch passen.

 

Jemanden während der Jobsuche kontaktieren, das tun viele Bewerber, meistens allerdings nicht systematisch. Aber genau da liegt meine Betonung beim Systematisch Kaffeetrinken. Ich suche systematisch nach Kontakten und pflege sie systematisch.

 

Es geht bei diesem Ansatz um das „Systematisieren der Pflege von informellen Kontakten“. Das geht natürlich auch ganz ohne Kaffee – nur: Systematisch Kaffeetrinken klingt einfach besser.

 

Genau darüber schreibe und spreche ich seit längerem: Systematisch Kaffeetrinken oder wie ich systematisch vorhandene berufliche Kontakte pflege und neue Kontakte hinzugewinne, selbst wenn ich mich bisher nicht für einen beruflichen Netzwerker gehalten habe.

Big Data für Jobsuchende

Das Tolle ist, dass dies 2017 ungleich einfacher ist, als es 1997 war. Im Internet kann ich viele Bekannte, Schulfreunde, ehemalige Arbeitskollegen, Chefs und Mitarbeiter wiederfinden. Sogar die Menschen, mit denen ich vor 20 Jahren Abitur gemacht habe.

 

Das geht per Google, aber natürlich noch viel besser über die Businessnetzwerke Xing oder Linkedin.

 

Nicht nur, dass ich dort viele meiner alten Wegbegleiter wiederfinden kann. Ich kann sogar systematisch (da ist es wieder) in ihren Kontakte recherchieren, dadurch weitere alte Bekannte wieder entdecken und neue Kontakte hinzufügen. Über die Vernetzung in den Netzwerken, erfahre ich viel über Beziehungen. In den Profilen meiner Kontakte erfahre ich viel über Trends, Anforderungen und Buzzwords.

 

Spätestens über die systematische Recherche per „erweiterte Suche“ in den sozialen Netzwerken erfahre ich etwas über unbekannte Unternehmen meiner Branche, über neue Player und gar nette Menschen, die dort arbeiten, wo ich hinmöchte. Viele vernetzte Daten, die mir per Xing und Linkedin offenstehen: Big Data für Bewerber gewissermaßen.

 

Aus diesen Recherchen im Netz ergeben sich häufig Ansatzpunkte für persönliche, echte Begegnungen. Bisweilen wird man tatsächlich empfohlen, häufig ist die aktive Kontaktaufnahme aber die sicherere Variante

 

Übrigens: Früher oder später kommt es dann auch zu dem einen oder anderen persönlichen Treffen. Spätestens wenn ich den Online-Kontakt dann erfolgreich in der realen Welt treffe, kommt er dann wirklich zum Einsatz: Der gemeinsame Kaffee.

Kleiner Werbeblock: Öffentliche Vorträge von Lars Hahn und Martin Sawiczek finden häufig auf Karrieremessen oder in Berufsinformationszentren der Agenturen für Arbeit statt. Sollten Sie Interesse haben, einen Vortrag von uns für solche Gelegenheiten zu buchen, so finden Sie hier weitere Infos.

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Hier schreiben Lars Hahn, Martin Salwiczek und Gastautoren.

 

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen (IHK, TÜV) kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

 

Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

 

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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12 Kommentare

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[…] enthält. Spätestens jetzt kann Netzwerken, Jobsuche im verdeckten Stellenmarkt, das, was ich Systematisch Kaffeetrinken nenne, ein guter Plan […]


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