5 todsichere Tipps, wie Sie Ihren beruflichen Quereinstieg versemmeln.

beruflicher Quereinstieg

Manchmal beginnt es mit einem leichten Unwohlsein, später wächst es sich heraus zu stattlichen „Berufsschmerzen“. Viele Berufstätige merken, dass der bisherige Job nicht mehr funktioniert – die Arbeit macht keine Freude, die Rahmenbedingungen passen nicht mehr, der Beruf hat „für mich“ keine Zukunft mehr.

Spätestens im Stadium zwischen zwei Jobs dämmert vielen Menschen, dass der bisher eingeschlagene Berufsweg so nicht mehr weiter geht.

Ein beruflicher Quereinstieg muss her!

Die Gründe für einen beruflichen Querstieg in ein neues Arbeitsfeld sind vielfältig:

  • „Langweilig! Meine Arbeit ödet mich an, ich möchte endlich etwas machen, das mich erfüllt“
  • „Burnout! Ich halte meine Arbeit nicht mehr aus! Druck, Überlastung, Stress. Ich brauche was anderes“
  • „Ich hab das falsche studiert! Mit meinem Exoten-Master finde ich keinen passenden Job!“
  • „Pleite! Meine Firma ist geschlossen und war die letzte ihrer Branche!“
  • „Zu teuer! Das was ich tue, können Jüngere oder gar Maschinen viel billiger!“
  • „Digitalisierung! Meinen Job macht heute der Computer-Algorithmus.“

Also muss etwas Neues her. Quereinstieg!

Gerade in Zeiten von gesellschaftlichem Wandel, Digitalisierung und einer immer dynamischeren Arbeitswelt werden immer mehr und mehr Menschen einen beruflichen Quereinstieg wagen müssen, entweder per Jobwechsel in ein neues Unternehmen oder innerhalb eines Betriebes in eine völlig neue Aufgabe.

Andere wiederum wagen den beruflichen Quereinstieg aus eigenem Antrieb. Sie möchten endlich auch beruflich etwas machen, was ihnen Freude macht, was ihnen Sinn gibt. Nicht erst in Zeiten des New Work nehmen Sinnhaftigkeit und Werte in der Berufswelt an Bedeutung zu.

Ein beruflicher Quereinstieg ist bei der Jobsuche allerdings eine ganz andere Nummer, als die Bewerbung auf genauso eine Stelle im bisherigen Beruf.

Vielen Menschen scheuen einen beruflichen Quereinstieg – vielleicht auch, weil sie nicht wissen wie es geht. Es gibt ja auch so viele Gründe eine Veränderung, ein Risiko zu meiden. Mir half mal jemand mit dem Tipp, dass man sich mit Veränderungen leichter tut, wenn man die „Killer-Argumente“ dagegen benannt hat. Dann sind sie auf dem Tisch. Das Rumpelstilzchen beim Namen nennen.

Also los. Hier sind deshalb meine

5 todsicheren Tipps, wie Sie Ihren beruflichen Quereinstieg versemmeln

Tipp 1: Bewerben Sie sich ausschließlich schriftlich auf Stellenanzeigen in einem völlig neuen Berufsfeld. Sie versemmeln garantiert. Ihre Qualifikationen passen nicht, sie haben noch keine Berufserfahrung im neuen Thema. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen großen Schritt geschafft, damit Ihr Querstieg schief geht.

Tipp 2: Schreiben Sie Ihre Bewerbung rückwärtsgewandt! Schreiben Sie ausschließlich, welche Positionen Sie bisher bekleidet haben und welche Aufgaben Sie hatten. Nehmen weder im Lebenslauf noch im Anschreiben Bezug auf das neue Arbeitsfeld und schreiben bloß nicht, was Sie für die neuen Aufgaben qualifiziert, was Sie dafür mitbringen.

Tipp 3: Weinen Sie der alten Stelle, der alten Tätigkeit nach! Bedauern Sie im Anschreiben, dass Ihr Job wegrationalisiert wurde. Eigentlich würden Sie ja gerne das weiter machen, was Sie getan haben, aber das geht ja nun mal nicht mehr. Also wären Sie durchaus bereit, sich auf Neues einzulassen, wenn es denn sein muss.

Tipp 4: Betreiben Sie den Quereinstieg aus dem stillen Kämmerlein. Wir haben ja Internet, da erfährt man schon alles. Besuchen Sie bloß keine Fachmessen, reden Sie nicht mit Menschen, die da arbeiten, wo Sie hin wollen. Das kostet viel und beeinflusst Sie nur unnötig in Ihrer Entscheidung!

Tipp 5: Vermeiden Sie unbedingt Weiterbildungen für das neue Thema. Das wenige, was Sie noch können müssen, lernen Sie doch auch irgendwie so!

Befolgen Sie am besten alle fünf Tipps gleichzeitig. Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit enorm, dass Ihr beruflicher Quereinstieg schief läuft.

Natürlich wollen Sie Ihren beruflichen Quereinstieg gar nicht versemmeln. Wär ja auch irrsinnig. Aber Sie gehören zu der großen Gruppe der Menschen, die beruflich etwas anderes machen möchten – oder müssen – und sich die Frage stellen, wie Ihr beruflicher Quereinstieg gelingen kann? Lassen Sie uns anschauen, wie wir die Anti-Tipps von oben ins Positive wenden können.

5 Empfehlungen, damit Ihr beruflicher Quereinstieg gelingt

Empfehlung 1: Hören Sie auf, sich zu bewerben! Zumindest die Bewerbungen auf Standard-Stellenausschreibungen, für die Sie als Quereinsteiger weder Qualifikationen, noch Erfahrungen mitbringen, sind nahezu aussichtlos. Stellenanzeigen, die sich ausdrücklich an Quereinsteiger richten, sollten Sie auch umschiffen, deren Stellen wollen Sie nämlich nicht, wie schon Karrierecoach Bernd Slaghuis rausfand. Ein zielgerichteter Quereinstieg gelingt eher nicht über Bewerbungen über offene Ausschreibungen, sondern über die Jobsuche im verdeckten Stellenmarkt – über Recherche, Netzwerke, Kontakte und Empfehlungen. Wir hörten von Erfolgen, die sogar durch Systematisches Kaffeetrinken erzielt wurden.

Empfehlung 2: Wenn Sie als Quereinsteiger schriftliche Unterlagen erstellen, schreiben Sie Ihren Lebenslauf und das Anschreiben zukunftsorientiert. Erwähnen Sie im Lebenslauf Tätigkeiten, die bereits zum neuen Arbeitsfeld passen. Schreiben Sie im Anschreiben von Ihren Interessen, die Sie für den neuen Berufswunsch eignen.

Empfehlung 3: Auch wenn Sie zum Beispiel aus arbeitsmarktlichen oder gesundheitlichen Gründen zum Quereinstieg „gezwungen“ sind: Halten Sie Ausschau nach positiven Aspekten der beruflichen Veränderung. Was könnte mir beruflich Freude machen? Welche Fähigkeiten und Interessen kann ich aus meinem alten Beruf auch anderswo einsetzen? Suchen Sie nach Anknüpfungspunkten und finden Sie Menschen die einen entsprechenden geschmeidigen Übergang in ein neues Berufsleben geschafft haben.

Empfehlung 4: Gerade, wenn Sie noch in der Phase der beruflichen Positionierung sind, ist es unbedingt wichtig, neue Praxisfelder auszuprobieren oder mindestens mit Menschen zu reden, die das tun, was Sie vielleicht machen möchten. Wer Arzthelferin werden möchte, sollte mit einer reden. Das geht noch relativ einfach, jeder kennt ja eine. Wer aber möglicherweise als Qualitätsmanager arbeiten will, hats schwerer. Da lohnt sich, im Bekanntenkreis rum zu fragen, ehemalige Kollegen zu kontaktieren, ob sie einen kennen, bei XING zu recherchieren etc. Generell lautet meine Empfehlung, sich die neue Branche oder das neue Tätigkeitsfeld genauer anzuschauen – aus zwei Gründen: Erstens erfahre ich so ganz viel über mein neues Arbeitsfeld und werde in Recherche, Bewerbung und Gesprächen zielsicherer und souveräner. Zweitens erfahre ich relativ schnell, wenn ich mit meinem Berufswunsch für den Quereinstieg auf dem Holzweg sein sollte.

Empfehlung 5: Wenn Sie wissen, wohin Ihre berufliche Reise geht, halten Sie Ausschau nach passenden Weiterbildungen, die Sie für Ihre neue Tätigkeit qualifizieren können. Mit neuen Erfahrungen, aktuellem Wissen und passenden Kompetenzen fallen Bewerbungen und Gespräche beim beruflichen Quereinstieg gleich viel leichter. Anerkannte Zertifikate, die für das neue Thema relevant sind, können fehlende Erfahrung manchmal durchaus kompensieren.

Sanfter Quereinstieg: Es muss nicht immer Lehrer sein!

Überhaupt ist ein beruflicher Quereinstieg möglicherweise unspektakulärer und einfacher als Sie denken. Ich behaupte: Ein großer Teil von Jobwechseln sind berufliche Quereinstiege.

Viele Menschen denken beim beruflichen Quereinstieg an spektakuläre Wechsel: Vom Handwerksmeister zum Berufsschullehrer, vom ausgebildeten Erzieher zum Youtube-Comedian oder gar vom Hollywood-Schauspieler zum Gouverneur.

Es muss aber gar nicht immer die spektakuläre 180 Grad-Wende im Berufsleben sein. Denn Quereinstiege geschehen oft viel sanfter:

  • Der Sachbearbeiterin im Marketing steigt nach Jahren auf als Führungskraft. Statt Prospektgestaltung und Messebuchung sind jetzt Teamleitung, strategische Konzepte und Außenminister-Skills gefragt.
  • Der langjährige Industriemeister Metall und Schichtleiter wird wegen Bandscheibenvorfall nach Fortbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit eben diese. Gleicher Betrieb, aber völlig andere Tätigkeit – nur die vorhandene Erfahrung ist unschätzbar wichtig.
  • Der Qualitätsleiter in der Automobilindustrie steigt nach längerer erfolgloser Jobsuche um und wird freiberuflicher Qualitätsauditor. Gleiches Thema, andere Tätigkeit, Selbständigkeit. Weil die Zertifizierungsgesellschaften ständig auditieren, kann er sich nach kurzer Zeit kaum vor Aufträgen retten.

Drüben bei systematischkaffeetrinken.de hab ich in meinem Beitrag zur Blogparade #quereinstiegsparade darüber erzählt, wie viele meist sanfte Quereinstiege ich selbst schon auf meinem beruflichen Lebensweg erlebt habe.

Auch hier im Blog hatten wir schon mehrfach über erfolgreiche Beispiele von beruflichen Quereinstiegen berichtet und zwar hier:

Beruflicher Quereinstieg durch Weiterbildung? 5 Menschen, bei denen es funktioniert hat

Beruflicher Quereinstieg: Wie nach 20 Jahren der Branchenwechsel gelang

Blogparade über Quereinstiege

Dieser Artikel ist übrigens der LVQ-Beitrag zur Blogparade über Quereinstiege, die Edda Klepp mit ihren Mitstreiterinnen Daniela Sprung und Stephanie Kowalski initiiert hat: Wer über seinen eigenen beruflichen Quereinstieg oder aus der Perspektive von Beratern oder Coaches schreiben will, kann das bis zum 07.10.2018.

Die Infos über die Quereinstieg-Blogparade finden sich auf der Webseite zur #quereinstiegsparade.

Und jetzt Sie?

Wie ist Ihnen bereits einmal ein Quereinstieg gelungen?

Haben Sie Tipps für den gelungenen beruflichen Quereinstieg?

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Ein Kommentar zu “5 todsichere Tipps, wie Sie Ihren beruflichen Quereinstieg versemmeln.
  1. Sladjan Lazic sagt:

    Hallo Herr Hahn,

    ein sehr guter Artikel.

    Ja, man kann schon richtig viel falsch machen, wenn man in alten Denkmustern steckt und sich nicht auf Neues einlässt.

    Ich habe selbst mal mit meinen Bewerbungsunterlagen experimentiert und meine Bewerbung „Image Broschüre“ genannt. Da dachte ich mir, wenn ich mich damit nicht von der Masse abhebe …

    Und tatsächlich, es hat geklappt, der Personalchef war erstaunt und wollte wissen, wie ich auf so etwas komme.

    Viele Grüße
    Sladjan Lazic

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