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Sascha Lotze-Schumann steckt derzeit in den letzten Zügen seiner Promotion. Der Diplom-Biologe hat sechs Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet und hatte den Wunsch in der Forschung zu bleiben. Seit Mitte 2018 arbeitet er jedoch nun bei einem lokalen IT-Dienstleister und ist glücklich seinen Weg dorthin gemacht zu haben.

Wie und warum er letztlich weg von der Universität, rein in die Unternehmensberatung gefunden hat, welche Schwierigkeiten sich während der Jobsuche aufgetan haben und welche Rolle seine Weiterbildung bei der LVQ gespielt hat, erzählt er uns heute im Interview.

Vom Biologen zum IT-Consultant

Guten Morgen Herr Lotze-Schumann! Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unser Interview nehmen und uns an Ihrem Berufseinstieg teilhaben lassen. Mögen Sie sich, Ihre Firma und Ihre Tätigkeit zunächst einmal kurz vorstellen?

Sehr gerne. Mein Name ist Sascha Lotze-Schumann, ich habe Biologie studiert, promoviere derzeit noch und bin seit August vorletzten Jahres für die Firma INCONSULT in Duisburg tätig. Unser Schwerpunkt liegt in der Beratung, Einführung und Betreuung von Informations- und Dokumentenmanagement-Lösungen und -Projekten für Industrie und Energiewirtschaft mit Kunden aus den Bereichen Chemie, Pharmaindustrie, Öl und Gas, Energie, Umwelttechnik sowie Maschinenbau. Hierbei übernehme ich verschiedene Aufgaben: Von der konzeptionellen Arbeit über das Scheduling der einzelnen Schritte und die Erstellung von Risikobewertungsmatrizen bis hin zur Anfertigung von Projektdokumenten.

„Eigentlich wollte ich in der Forschung bleiben!“

Als quasi promovierter Biologe bei einer IT-Firma beschäftigt: Nicht für jeden unbedingt der naheliegendste Weg. Haben Sie sich Ihr Berufsleben im Studium schon so ausgemalt?

Ursprünglich habe ich eine wissenschaftliche Karriere angestrebt und wollte in der universitären Forschung bleiben, wobei der Forschungsaspekt der wichtige für mich war. Also habe ich nach dem Diplom mit der Promotion begonnen und als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet. Doch schon während meines Studiums wurde mir klar, dass es schwierig werden würde und ich mich wenn an Zeitverträge gewöhnen müsste.

Viele Forschungsgeschichten sind drittmittelfinanziert und als 3-Jahres-Projekte angelegt. Da habe ich mich gefragt: Will ich ständig neue Projektanträge schreiben und gegebenenfalls umziehen müssen? Außerdem ist es sehr schwer in meinem Teilbereich der Mykologie etwas zu finden, sodass Netzwerken in diesem Kontext extrem wichtig gewesen wäre. Das habe ich damals aber nicht stark genug verfolgt. Klar, ich war auf Konferenzen und habe Ergebnisse präsentiert, aber ich war eher nicht der aktive Vernetzer. Und dann lief auch mein Vertrag als wissenschaftlicher Mitarbeiter aus.

Zu spezialisiert: Die Promotion stand bei der Jobsuche im Weg

Und Sie mussten sich quasi neu orientieren? Wie verlief diese Phase für Sie?

Da ich im Studium keine Praktika, sondern Exkursionen gemacht, zusätzliche Module belegt habe und sehr fokussiert auf meine Ausrichtung war, fiel die Neuorientierung schwer. Also habe ich zunächst ausschließlich in meinem Bereich gesucht, mit keinem großen Erfolg. Diese ganzen Absagen sind schon irgendwie niederschmetternd und unverständlich gewesen – insbesondere wenn es in meinen Augen passende „Traumjobs“ gewesen sind. Entweder wurde ich aufgrund meiner wissenschaftlichen Mitarbeit als zu teuer oder als überqualifiziert abgelehnt. Ein mal wurde ich gefragt, warum ich mich unter Wert verkaufe, weil der Gegenüber Angst hatte, ich gehe, sobald ich etwas besseres gefunden hätte. Das frustriert natürlich irgendwann.

„Das Persönliche hat mich überzeugt!“

Wie wurden Sie dann auf die Möglichkeit der Weiterbildung aufmerksam?

Eigentlich auf zwei Wegen: Ein Kollege hat damals eine Weiterbildung bei der LVQ gemacht, da hatte ich das schon mal wahrgenommen. Und als wir Ende 2017 von der Uni-Arbeitsgruppe gemeinsam zur Jobvector Düsseldorf gefahren sind, war da auch die LVQ. Wir wollten uns eigentlich bei potenziellen Arbeitgebern umschauen, aber für Biologen war nicht viel dabei. Ich wurde sogar gefragt, ob es schon so schlimm ist für mich als Biologen, dass ich mich in der Abfallwirtschaft bewerben will.

Und dann kam ich mit den drei Weiterbildungsanbietern ins Gespräch. Was mir aber von vornherein bei den anderen beiden nicht zugesagt hat, passte bei der LVQ direkt: Das Konzept und das Persönliche. Das Fachliche haben alle hinbekommen, aber wie ich am Stand empfangen worden bin und wie das Gespräch auf mich abgestimmt wurde, da hat es nur mit der LVQ direkt gefunkt. Und das hat sich hinterher auch nahtlos in der Erstberatung widergespiegelt, die sogar als Doppelberatung ausgelegt war, weil mein Kollege und ich beide von der Jobvector zusammen bei der LVQ gelandet sind. Dann habe ich bei der Agentur für Arbeit Bochum nachgefragt, wie es mit einer Weiterbildung aussieht und konnte diese dank meiner offenen Beraterin dort antreten.

Neue Blickwinkel statt wissenschaftlicher Lebenslauf und Unikarriere

Da hat sich der Besuch der Messe also doch gelohnt. Wie haben Sie dann die Zeit der Weiterbildung empfunden?

Die Wissensvermittlung im Prinzip „Face to Face“ fand ich extrem gut und auch die Zusammensetzung der Teilnehmer war ein indirekter Bonus, den ich mitgenommen habe. Wenn es darum ging Gruppenarbeiten zu machen, konnte man direkt mit Personen arbeiten, die eine ganz andere Geschichte mitgebracht haben. Ich kannte vorher nur die Unischiene – speziell die Biologen, doch in der Weiterbildung hatte ich die Chance, mich auch auf andere Charaktere mit anderen Lebensläufen, die ganz anders ticken, einzulassen und von deren Erfahrungen zu lernen.

Auch die Dozenten waren alle durchweg sehr gut, hilfsbereit, sind flexibel auf Nachfragen eingegangen und haben uns auch zwecks Bewerbungsunterlagen gute Tipps gegeben. Was mir dann nochmal sehr, sehr viel gebracht hat, war dann auch der neue Blickwinkel, den ich durch meine Praktikumsbetreuerin Tina Peißig bekommen habe. Mit ihrer Hilfe erarbeitete ich, worauf ich mich speziell in Anschreiben und Lebenslauf fokussieren sollte, um meine Lebensgeschichte besser zu präsentieren. Vorher habe ich stur den wissenschaftlichen Lebenslauf, mit Konferenzen, Publikationen, Lehrveranstaltungen und allem, was man in seiner Unilaufbahn gemacht hat, verfolgt, um meine Expertise hervorzuheben. Mit Frau Peißig habe ich das wirklich einreduziert und den Fokus auf das für die jeweilige Stelle Wichtige gelegt.

Den Fokus also setzen, aber anders als noch im Studium. Wie hat das dann zu INCONSULT geführt?

Eigentlich durch meine Weiterbildung bei der LVQ und ganz konkret durch Tina Peißig. Ich habe immer wieder gesucht, aber es fiel mir extrem schwierig etwas zu finden, weil ich viel zu lange im eigenen Saft verhaftet gewesen bin. Frau Peißig hat mich dann für ein Praktikum bei INCONSULT vorgeschlagen, weil sie eine Schnittstelle sah, die ich zuerst nicht gesehen habe. Ich dachte mir, das Praktikum ist super, um über meinen eigenen Tellerrand hinauszuklettern. Ganz nach dem Motto: Ich probiere mich aus und selbst wenn es nicht klappt, dann habe ich trotzdem Erfahrung gesammelt. Aber dann war es so interessant und spannend, dass ich unbedingt weitermachen wollte.

„Der Sechser im Lotto“: Übernahmemöglichkeit als Bedingung für das Praktikum

Offensichtlich wollten nicht nur Sie bleiben, sondern INCONSULT wollte Sie auch gerne bei sich behalten. War das von vornherein klar?

Bereits bei der ersten telefonischen Kontaktaufnahme, bei der wir einen Termin zum Kennenlernen vereinbarten, kam die Frage auf, ob ich mir vorstellen kann, bei INCONSULT zu arbeiten. Es war mehr oder weniger eine Bedingung, um überhaupt ein Praktikum in der Firma machen zu können. Das war für mich natürlich wie ein Sechser im Lotto, als er das gesagt hat. Ich habe mich einfach darüber gefreut, dass schon jetzt klar war, dass ich übernommen werden könnte.

Authentizität punktet: Recherche für das passende Outfit lohnt sich

Das ist natürlich eine motivierende Aussicht. Wie haben Sie sich dann auf das persönliche Gespräch vorbereitet?

Die Vorbereitung spielt natürlich immer eine große Rolle, lief bei mir allerdings etwas anders als üblich. Neben dem Fachlichen habe ich mich intensiv mit der Wahl des passenden Outfits beschäftigt. Dafür habe ich dann sogar zum ersten Mal richtig intensiv Recherche via XING betrieben. Ich habe mir sowohl Mitarbeiter aus der IT-Branche als auch direkt von INCONSULT angesehen, um die Erwartungshaltung bezüglich des Dresscodes abzustecken und um herauszufinden, wie die Außenwirkung des Unternehmens ist. Mir ist klar, dass nicht alle im Alltag so herumlaufen, aber es zeigte mir, ob ich diese Außenwirkung mittragen kann. Ich habe mir also vorab Gedanken gemacht, in welche Richtung der Job geht, um dementsprechend auch das Outfit so zu wählen, dass ich mich selber noch drin wiederfinden kann.

Wie kam das an? Und wie verlief dann das Vorstellungsgespräch und die Zeit bis zur eigentlichen Festanstellung?

Wir haben uns tatsächlich einige Minuten über mein Outfit unterhalten und ich bekam ein Lob für meine Wahl. Mir war einfach klar, dass ich mich nicht verstellen wollte, auch wenn ich mich hier gerade vermarkten will. Sonst hätte ich Unehrlichkeit und Unwohlsein ins Gespräch transportiert und dann wäre es unentspannt geworden. Das fand wohl Anklang, denn so war unser Gespräch angenehm locker und die Zeit verging wie im Flug.

Mir wurde dann das Projekt vorgestellt, welches ich für die Zeit meines Praktikums voraussichtlich übernehmen würde. Dabei wurde aber immer mit offenen Karten gespielt, dass eine Verlängerung des Projekts unter Umständen auch nicht zustande käme. Auch habe ich immer gleich Rückmeldung bekommen, inwieweit die Dinge, die ich sage, passen oder eben auch nicht. Dieser Umgang und die Transparenz haben mir imponiert. Letztlich habe ich in meinem Praktikum dann tatsächlich quasi eine theoretische Einarbeitung und Vorbereitung in das Projektumfeld erfahren, indem ich das Qualitätshandbuch durchgearbeitet und den Produktionszyklus erarbeitet habe. Das Projekt musste nur noch festgezurrt werden. Es wurde also immer wieder geguckt, wie ich dort bleiben kann. Dafür habe ich mein Praktikum dann um einen weiteren Monat verlängert und seit Ende 2018 bin ich bei INCONSULT in Festanstellung.

Nicht immer ist die Schnittstelle gleich erkennbar

Das freut uns sehr. Herzlichen Glückwunsch dazu! Im Hinblick auf Ihre jetzige Tätigkeit: Wie groß sind denn nun die Anknüpfpunkte zu Ihrer Weiterbildung?

Je nach Projekt und Kunde differiert das. Derzeit arbeite ich zum Beispiel an einem Digitalisierungsprojekt für ein lebendes Archiv eines unserer verarbeitenden Gewerbe-Kunden aus dem Bereich Chemikalien, Gas und Öl. Eine spannende Aufgabe, wenn man bedenkt, was alles passieren kann, wenn die richtigen Dokumente zum entscheidenden Zeitpunkt nicht für die Abteilungen verfügbar sind und eine Anlage ausfällt. Gerade „Umwelt“ spielt hier in der Risikobewertung, dem Zeitmanagement und der Umweltauswirkung also durchaus eine große Rolle, wenngleich auf den ersten Blick keine direkte Schnittstelle mit der IT vorhanden zu sein scheint.

Neben dem Umweltmanager profitiere ich in diesem Projekt aber tatsächlich von allen vier Modulen, die ich bei der LVQ absolviert habe – Qualitätsbeauftragter, Qualitätsmanager, Umweltmanager und Projektmanager. Gerade Projekt- und Qualitätsmanagement kommen da sehr zum Tragen, weil wir Zeit- und Qualitätspläne einhalten müssen und ich hier zur Verbesserung der Qualität ein neues Verfahren für den Kunden eingeführt habe, welches ich aus dem QM-Kurs mitgenommen habe.

Man erlernt eben nicht nur Inhalte, sondern analytisches Denken

Gibt es denn auch noch Schnittstellen zum damaligen Studium?

Sogar auf zweierlei Weise. Wir sind zwar ein reines IT-Unternehmen, aber unsere Kunden kommen eben nicht aus der IT, sondern aus der Pharma-, der Chemie- und der Life-Science-Branche, sprich Industrieunternehmen, die mit Produktion und Verarbeitung zu tun haben. Das geht also durchaus in den naturwissenschaftlichen Bereich, den ich ja auch eingeschlagen habe. Außerdem helfen viele der Erfahrungen, die ich an der Uni sammeln konnte weiter. Die meisten denken, man lernt nur Inhalte, dabei lernt man analytisch zu denken und Gedanken mithilfe von Methoden umzusetzen. Zudem lernt man, wie man sich schnell viel Stoff aneignen und Projekte managen kann. Skills, die mir auch in meinem jetzigen Beruf weiterhelfen.

Sie haben schlussendlich also eine Tätigkeit gefunden, die alle Ihre Kenntnisse miteinander vereint. Was waren Ihre wichtigsten Learnings auf Ihrem Weg dorthin?

Ich habe festgestellt, dass ich aus allen Bereichen etwas mitnehmen kann. Mein Studium und alle Module waren sinnvoll, sowohl von den Werkzeugen als auch den fachlichen Inhalten. Das wesentlichste Learning ist aber ein anderes gewesen: In ein ganz anderes Becken zu springen, also von der Biologie zur IT und den Mut mitzunehmen, etwas auszuprobieren, wenn man die Chance dazu hat.

Jobsuche: Vom Tunnelblick lösen und über den Tellerrand gucken

Mut beim Berufseinstieg zeigen: Ihr Weg ist ein tolles Beispiel für viele Hochschulabsolventen. Möchten Sie speziell den naturwissenschaftlichen Absolventen noch etwas mit auf den Weg geben?

Ich kann jedem nur empfehlen, während des Studiums als studentische Hilfskraft zu arbeiten, denn da kann man viel lernen: Wie gehe ich mit anderen Menschen um, wie kann ich andere Menschen anleiten, wie präsentiere ich Inhalte. Alles Soft Skills, die im späteren Berufsleben immer wieder eine Rolle spielen können. Doch der entscheidende Tipp ist, sich dann von diesem Tunnelblick zu lösen, über den Tellerrand zu gucken und sich neue Gebiete und Berufsfelder anzuschauen, von denen man vorher dachte: „Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Vielleicht gibt es doch die Möglichkeit die eigenen Fähigkeiten und erlernten Methoden einzubringen, wenn auch nicht fachlich, aber dann von der Seite der Soft Skills aus.

Da wäre insbesondere auch die Veranstaltung „Biologen im Beruf“ an der RUB sinnvoll gewesen. Leider habe ich zu spät von ihr erfahren. Ich weiß aber von einem Kollegen, dass dort Absolventen der Biologie eingeladen werden, die außerhalb der Universität Arbeit gefunden haben und mit denen man sich darüber austauschen kann, wie sie dorthin gekommen sind, wo sie heute stehen. Das hilft mit Sicherheit den eigenen Fokus aufzubrechen. Also definitiv Augen auf, im eigenen Bereich recherchieren und vorbeigehen.

Anlaufstellen sind immer ein guter Tipp. Danke für dieses motivierende Schlusswort, das tolle Interview und dass Sie Ihren beruflichen Weg mit uns geteilt haben, Herr Lotze-Schumann. Für Ihre berufliche Zukunft wünschen wir Ihnen weiterhin eine erfolgreiche Zeit und in jedem Fall alles Gute.


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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Foto Angela Borin

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Angela Borin

ist Mitarbeiterin in der Online-Kommunikation und im Online-Marketing bei der LVQ. Als Berufseinsteigerin schreibt sie insbesondere über Berufsorientierung und Jobsuche.