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Jobsuche und Bewerbung finden derzeit unter verschärften Bedingungen statt. Aktuell sind offiziell knapp 3 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, so viele wie lange nicht mehr. Hinzu kommen etwa ein Drittel aller Beschäftigten, die sich einen Jobwechsel vorstellen können. Es ist also gerade wieder einmal enger auf dem Stellenmarkt. Der Wettbewerb steigt unter den Jobsuchenden, die Zahl der offen ausgeschriebenen Stellen geht momentan stark zurück. Von wegen Fachkräftemangel.

In diesem Artikel befasse ich mich mit zwei unterschiedlichen Strategien der Jobsuche – gerade unter diesen verschärften Bedingungen.

Jobsuche – ein mühsames Unterfangen

Dass so viele suchen, ist übrigens der Grund dafür, dass bei einer halbwegs guten, ausgeschriebenen Stelle nach wie vor einige Dutzende Bewerbungen eintrudeln – allen Fachkräftemangel-Rufen zum Trotz. Es sind ja eben nicht nur die Bewerber*innen zwischen zwei Jobs, also Arbeitslose, sondern die vielen anderen latent jobsuchenden Arbeitnehmer*innen, die sich auf offene Stellen bewerben. Ein mühsames Unterfangen also.

Was bedeutet diese Situation für die Jobsuche und Bewerbung? Sollten Bewerber*innen besser alle wissen lassen, dass sie auf der Jobsuche sind oder ist es doch besser die Bewerbungsphase diskret hinter den Kulissen laufen zu lassen, damit niemand die Arbeitslosigkeit erkennen kann? Also „Jobsuche out Loud“ oder eher „Bewerbung undercover“?

Es liegt nahe, dass es eher hilfreich ist, andere Menschen wissen zu lassen, dass man gerade jobsuchend ist. Hier haben Arbeitssuchende allerdings sehr unterschiedliche Vorgehensweisen. Das möchte ich anhand zweier realer Beispiele erläutern, die aus Beratungsgesprächen mit Jobsuchenden stammen, die ich führte.

„Jobsuche Out Loud“ – Sichtbare Arbeitssuche

Zum einen ist da – nennen wir sie – Martina, die eine eigene Webseite für ihre Jobsuche gebaut hat. Martina berichtet seit einiger Zeit von ihrer Jobsuche, ihren Erfahrungen mit den gelegentlich skurrilen Bewerbungsverfahren sowie ihren Ups und Downs im Bewerbungsprozess – mit viel Professionalität, Mühe und großer Social-Media-Begleitung per Twitter, LinkedIn, XING, Facebook und Co.

Sie lässt ihr Netzwerk teilhaben an ihrer Suche, was wiederum ihr Netzwerk ihre Suchbegehren teilen lässt. So wissen zumindest ganz viele Menschen davon, dass Martina auf Jobsuche ist. Sie erfahren sogar, was sie genau sucht und welche Werte und Themen ihr im Beruf besonders wichtig sind.

Martinas Strategie können wir also gewissermaßen als eine „Jobsuche Out Loud“ bezeichnen, ganz in Anlehnung an „Working Out Loud“. Das ist eine spannende Methode, oft im Kontext von New Work und agilen Arbeitsumgebungen, in der die Sichtbarkeit der eigenen Arbeit und der Aufbau von Beziehungen im Zentrum stehen, weil das „besser für Dich, besser für Dein Unternehmen“ sei. „Jobsuche Out Loud“ – eigentlich müsste es natürlich konsequenterweise „Jobhunting Out Loud“ heißen – steht in meinen Augen also für die öffentliche, sichtbare Jobsuche, bei der alle mitfiebern, aber auch mit unterstützen dürfen. Extreme Jobsuche: Alles ist transparent. Jobsuche Out Loud – alle dürfen es wissen.

Bewerbung undercover

Auf der anderen Seite ist da der Manager mit vielen Jahren Konzernerfahrung, hier heißt er Dieter. Er zeigte mir seine Social-Media-Profile: „Freier Berater und Consultant“. Seit drei Jahren. Selbst im Lebenslauf steht: „Aktuell selbständig.“ Perfekte Legende als Freiberufler. Keine Spur von Jobsuche. Kein Wunder, es weiß auch keiner. Also gut, die Ehefrau. Aber selbst seine ehemaligen Kollegen wissen nichts von seiner dreijährigen Arbeitslosigkeit. Das würde den Marktwert senken und die Chancen schmälern.

Dieter bewirbt sich daher tapfer Woche für Woche weiter auf offene, in Jobbörsen veröffentlichte Stellen. Nur selten passen sie wirklich, schließlich werden C-Level-Stellen selten ausgeschrieben und Quereinstiege per Bewerbung funktionieren ohnehin meist nicht im offenen Stellenmarkt. Extreme Jobsuche: Keiner darf es wissen. Bewerbung undercover.

Laute Jobsuche oder leise Bewerbungen

Die meisten Jobsuchenden werden sich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen bewegen. Die einen lauter, die anderen leiser.

Wenn Sie zu den jobsuchenden Arbeitnehmer*innen gehören, tun Sie gut daran, die Bewerbung undercover zu betreiben. Im Businessnetzwerk steht höchstens unter „Ich suche“ die Phrase „Neue Herausforderungen“, aber natürlich ist auch das bereits verdächtig. Sie wollen ja schließlich die alten Kollegen und den Chef nicht über ihre Ambitionen informieren, bevor Sie einen neuen Job haben. Oder doch?!

Drei Tipps für Ihre Jobsuche out Loud

Wer jedoch gerade zwischen zwei Jobs steht, also Fulltime-Bewerber*in, sprich arbeitslos ist, hat den Vorteil, offen und sichtbar schreiben zu können, frei zu sein für neue Aufgaben. Sie tun neben fabelhaften Bewerbungen gut daran, Klarheit auszustrahlen und ihr Netzwerk wissen zu lassen, dass sie offen und ab sofort verfügbar für neue Aufgaben sind. Meine Empfehlungen für Bewerber*innen zwischen zwei Jobs lauten deswegen:

  • Klare und eindeutige Profile in den Businessnetzwerken schaffen: Schreiben Sie deutlich, dass Sie akut suchen und welche Tätigkeiten Sie in welcher Branche ausüben wollen. Vermeiden Sie Freiberufler-Floskeln, wenn Sie definitiv eine Angestelltentätigkeit erreichen möchten.
  • Das Netzwerk aktivieren: Lassen Sie Ihr Netzwerk – online und offline – wissen, dass und unbedingt auch was Sie suchen. Das „Was“ wird nämlich oft vergessen, aber es ist so entscheidend, damit ihre Kontakte einschätzen können, welche Stellen zu Ihnen passen.
  • Die Kür laufen: Hier kommt Ihre persönliche Präferenz ins Spiel. Wenn Sie wie Martina Ihre Jobsuche zum öffentlichen Thema machen möchten, geben Sie alles. Eigene Webseite, öffentlicher CV, Social Media, „Jobsuche Out Loud“ eben. Vielleicht haben Sie es aber gerne eine Nummer leiser: Besuche von (Online-) Fachmessen, Pflege der Kontakte, Recherche in den Online-Netzwerken, also „einfach“ Systematisch Kaffeetrinken. Ihrer Phantasie und Ihrem Engagement sind keine Grenzen gesetzt.

Und jetzt Sie: Wenn Sie gerade jobsuchend sind oder wenn Sie es mal waren: Wie bewegen Sie sich? Lieber „Bewerbung undercover“? Oder doch eher „Jobsuche Out Loud“?


 

 

 

 


 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

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