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Die Initiativbewerbung bei einem Unternehmen ist eine der ersten Alternativen, die bei der Jobsuche ins Spiel kommt, wenn es mit der Bewerbung auf Stellenausschreibungen nicht funktioniert. Viele Bewerber allerdings belassen es bei einigen Versuchen, denn der Aufwand bei der Erstellung der Initiativbewerbung sowie der Ertrag – die positive Rückmeldung der Arbeitgeberseite – stehen meist im Ungleichgewicht. Stellt man es jedoch richtig an, kann eine Initiativbewerbung von Erfolg gekrönt sein und zum passenden Job führen.

In diesem Beitrag geben wir Impulse, wie Sie Ihre Initiativbewerbung erfolgreich angehen können und verweisen auf ergänzende hilfreiche Beiträge aus dem Web.

Fokus Initiativbewerbung: Weg von den Großunternehmen, hin zu KMU

Von Martin Salwiczek und Angela Borin

Für viele Bewerber, vor allem Hochschulabsolventen, sind bekannte Unternehmensmarken wie BMW, Henkel, Deutsche Bahn oder Bertelsmann die erste Anlaufstelle bei der Bewerbung. Ist keine passende Stellenausschreibung vorhanden, lockt die Karriereseite mit der Einladung zur Initiativbewerbung. Gerade in Krisenzeiten nutzen viele Bewerber diese Option, begeben sich jedoch damit in eine ähnliche Wettbewerbssituation wie bei der Bewerbung auf eine Stellenausschreibung. Zählt man die Bewerbungen auf Stellenausschreibungen und Initiativbewerbungen zusammen, gehen bei den Top-100-Unternehmen Bewerbungen in fünf- bis sechsstelliger Zahl ein. So versuchen die ersten Großunternehmen mittlerweile die Anzahl an Initiativbewerbungen zu reduzieren, wie zum Beispiel BMW. Die Erfolgschance einer Initiativbewerbung bei einem Großunternehmen tendiert für die meisten Bewerber somit leider gegen Null.

Unsere Erfahrung bestätigt, dass Initiativbewerbungen umso erfolgreicher sind, je kleiner ein Unternehmen ist. Das dürfte nicht verwundern, beschäftigen die kleinen und mittelgroßen Unternehmen (kurz: KMU) immerhin 2/3 der Beschäftigten in Deutschland. Laut Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schreibt ein Großteil dieser Unternehmen ihre Stellen nicht aus. Bis zu 70% davon rekrutieren ihre Mitarbeiter über Kontakte und Netzwerke. Initiativbewerbungen können hier entscheidend sein, um einen passenden Job zu finden. Da viele der KMU ihre Stellen nicht öffentlich ausschreiben, empfiehlt sich aus Bewerberperspektive zunächst eine branchenbezogene Suche.

Erfolgskriterien für die Initiativbewerbung: persönlich vor telefonisch vor schriftlich

Wie der Name schon andeutet, erfolgt die Initiativbewerbung eines Bewerbers nicht als Reaktion auf eine Stellenausschreibung, sondern aus eigenem Antrieb.  Dabei lassen sich zwei Formen unterscheiden:

1) Die aktive Initiativbewerbung:

Nach umfangreicher Recherche wird eine Bewerbung nach vorheriger Kontaktaufnahme mit dem infrage kommenden Unternehmen verschickt. Schon die telefonische oder über XING oder LinkedIn initiierte Kontaktaufnahme zu einem Unternehmen oder einer Organisation mit der Intention einer Stellensuche kann bereits als Initiativbewerbung gewertet werden.

2) Die passive Initiativbewerbung, oder „Blindbewerbung“:

Diese wird ohne vorherige Kontaktaufnahme versendet, ist meist kurz und allgemein gehalten, ohne Bezug auf das Zielunternehmen. Sie zielt auf die Versendung von Masse ab.

Die Erfolgsquote aktiver Initiativbewerbungen ist in der Regel weitaus höher als die der passiven Initiativbewerbungen. Selbst wenn eine schriftliche Initiativbewerbung auf ein Unternehmen angepasst und direkt an Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer oder an Personalverantwortliche versandt wird, sie werden ohne vorherige Kontaktaufnahme in der Regel eher keinen Erfolg haben. Für eine erfolgreiche Initiativbewerbung gilt somit die Faustregel: persönlich vor telefonisch vor schriftlich.

Je direkter also der Erstkontakt mit dem potenziellen Arbeitgeber, desto höher die Chance, dass die Initiativbewerbung zum Ziel führt. Jobmessen, Karrieretage, Fachkongresse und Netzwerktreffen bietet in der Regel die beste Möglichkeit mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Dies ist jedoch aus unterschiedlichen Gründen, wie zum Beispiel im Rahmen der Corona-Pandemie, nicht immer möglich. Daher bietet es sich an, telefonischen Kontakt mit der Personalabteilung oder, wenn diese nicht vorhanden ist, mit fachverantwortlichen Personen des Unternehmens aufzunehmen.

Initiativbewerbung: Ideen für die telefonische Kontaktaufnahme

Viele Bewerber scheuen sich jedoch davor zum Hörer zu greifen, aus Sorge abgewiesen zu werden oder die falschen Fragen zu stellen. Dabei kann mit der richtigen Vorbereitung schon der Telefonanruf eine wichtige Weichenstellung sein. In etwa so könnten Sie beginnen:

„Guten Tag Frau/ Herr xxx, mein Name ist..., ich bin (Abschluss)…. und mache aktuell eine Weiterbildung in…. bei der LVQ aus Mülheim an der Ruhr. Ich suche nun nach einer Einstiegsmöglichkeit im Bereich Qualitätsmanagement und will mich grundsätzlich darüber informieren, welche beruflichen Möglichkeiten es in diesem Bereich gibt. Dazu möchte ich mit Fachleuten aus diesem Bereich sprechen und bin bei meiner Recherche auf Ihr Unternehmen gestoßen. Mich interessiert vor allem wie das Qualitätsmanagement in Ihrem Unternehmen funktioniert und welche beruflichen Möglichkeiten Sie haben. Dazu hätte ich einige Fragen, es soll auch nicht mehr als zehn Minuten dauern. Wäre es möglich dafür bei Ihnen oder jemand anderen einen Termin zu bekommen?“

Auf diese Weise stellen Sie nicht Ihre Jobsuche in den Vordergrund, sondern Ihr Interesse am Thema und am Unternehmen. So ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Sie abgeblockt werden. Selbst wenn man Sie abwimmelt, lassen Sie sich nicht entmutigen. Versuchen Sie es bei einem anderen Unternehmen erneut. Ihr Mut wird irgendwann belohnt.

Ist der Empfänger Ihres Anrufs jedoch gesprächsbereit oder leitet Sie weiter, kalkulieren Sie wie im Beispiel genannt nur die zehn Minuten ein und kommunizieren Sie dies auch direkt. Folgende Fragen könnten Sie im Gespräch stellen. Am besten eignen sich Fragen zur Person als Einstieg, um anschließend die beruflichen Perspektiven abzuklopfen:

  • „Was genau ist Ihre Aufgabe im Bereich xxx?“
  • „Wie ist es in Ihrem Unternehmen zu arbeiten?“
  • „Wie ist die Struktur des Bereichs / bzw. welche Bedeutung hat der Bereich xxx  in Ihrem Unternehmen?“
  • „Welche fachlichen und persönlichen Fähigkeiten muss man in Ihr Unternehmen mitbringen?“
  • „Beabsichtigen Sie aktuell oder in absehbarer Zeit  im Bereich xxx Stellen zu besetzen, die bisher noch nicht ausgeschrieben sind?“
  • „Gibt es andere Bereiche, in denen Sie in nächster Zeit neue Mitarbeiter benötigen?“
  • Wenn ja: „An wen kann ich meine Bewerbung schicken?“
  • Wenn nein: „Kennen Sie andere Unternehmen in der Branche oder in dem Bereich XY, die Mitarbeiter suchen?“

Dies ist nur ein Beispiel, welche Fragen Sie im Telefonat anbringen können. Es macht Sinn, sich zusätzliche Fragen zu überlegen, die Sie je nach Gesprächsverlauf stellen können. Behalten Sie jedoch die Zeit im Auge. Je nachdem wie hoch der Redeanteil Ihres Gegenübers ist, können die zehn Minuten schon nach zwei oder drei Fragen um sein. Fragen Sie zwischendurch sicherheitshalber noch mal nach, ob Ihr Gesprächspartner etwas mehr Zeit erübrigen könnte. Die letzte Frage sollte auf jeden Fall sein, ob eine Stellenbesetzung in absehbarer Zeit vorgesehen ist.

Die richtigen Fragen zu stellen, das ist der eine Erfolgsfaktor, der andere ist die richtige Recherche im Vorfeld. Informieren Sie sich daher eingehend über das Unternehmen. So bleiben Sie flexibel, gerade wenn Ihr Gesprächspartner Gegenfragen stellt oder prüfen will, wie sich vorbereitet haben.

Initiativbewerbung via XING oder LinkedIn

Sollte jedoch keine Telefonnummer zu ermitteln sein oder sollten Sie den Anruf dennoch scheuen, bietet sich alternativ die Kontaktaufnahme über XING oder Linkedin an, vorausgesetzt die entsprechenden Personen nutzen diese Netzwerke auch sichtbar zur Kommunikation.

Vor allem XING hat sich in unserer Praxis als Werkzeug etabliert, dass man für die Initiativbewerbung gut nutzen kann. In unserem XING E-Book finden Sie im Artikel „Wie schreibe ich Nicht-Kontakte bei XING an?“ einige Formulierungsvorschläge, wie man ein Gespräch initiieren kann. Gibt ein XING-Nutzer im Feld „Ich Suche“ an, dass er Mitarbeiter sucht, hilft manchmal auch eine direkte Anfrage:

„Sehr geehrter Herr Jäger,

mein Name ist Hans Müller und ich bin promovierter Chemiker. Bei meiner XING-Recherche bin ich auf Ihr interessantes Profil aufmerksam geworden. Ich nutze XING seit kurzer Zeit zur beruflichen Vernetzung und habe gesehen, dass Sie Chemiker mit Ausrichtung X,y suchen. Nun habe ich mich auf Ihrer Webseite über die JMPG GmbH informiert und bin neugierig geworden, in welchen Zusammenhang Ihr Gesuch steht.

Gerne würde ich mich bei Interesse an meinem fachlichen Profil mit Ihnen persönlich austauschen und freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichem Gruß

Hans Müller“  

Premium-Nutzer bei XING können sehen, wer ihr Profil besucht hat und haben Einblick in die entsprechenden Profile. Somit kann schon Ihr Besuch des XING-Profils eines potenziellen Arbeitgebers eine Anbahnung zur Initiativbewerbung sein.

Die schriftliche Initiativbewerbung: Links, Tipps und Beispiele

Persönlich vor telefonisch vor schriftlich – so lautet die Faustformel für die Initiativbewerbung. Wie auch immer Sie mit dem Zielunternehmen erstmalig in Kontakt gekommen sind – über einen persönlichen Kontakt, ein Telefonat oder ein Business-Netzwerk wie XING oder Linkedin – in den meisten Fällen wird anschließend nach einer Bewerbung gefragt. Liegt keine Stellenausschreibung vor an der man sich orientieren kann, stehen andere Faktoren im Vordergrund. Die folgende Linksammlung gibt Ihnen dafür sowohl aus Karriereexperten- als auch Personaler-Sicht wichtige Impulse.

Die Sicht der Karriereexperten

Mit der Initiativbewerbung bestimmen Sie den Kurs

Sich selbst proaktiv ins Gespräch bringen und nicht auf eine ausgeschriebene Stelle warten: Stepstone gibt in einem allumfassenden Artikel Einblick in die Initiativbewerbung, erklärt, was genau eine Initiativbewerbung ausmacht, für wen sie sich eignet und warum sie langfristig für Jobsuchende wirken kann. Inklusive Tipps zu Recherche, Aufbau und passender Gedanken und Fragen zu Ihrer Person und zum anvisierten Wunschunternehmen.

Initiativbewerbung: Fokussieren Sie!

Jochen Mai von der Karrierebibel erzählt im Video, auf was es bei der Initiativbewerbung ankommt und warum Sie sich nur auf eine Position initiativ bewerben sollten, um Authentizität auszustrahlen und so ein ernsthaftes Interesse für Ihre Person und Kompetenz beim Personaler zu wecken.

Initiativbewerbung: Tipps zu Form und Aufbau + Muster

Bewusstmachung, Motivation, Eigeninitiative und eine gute Branchenkenntnis kennzeichnen eine Initiativbewerbung. Welche Punkte daher vorher geklärt werden sollten, welche Vorteile eine Initiativbewerbung birgt und wie eine solche aussehen kann, stellt das arbeits-abc vor.

Die Initiativbewerbung – eine echte Chance für dich!

Proaktiv in die eigene berufliche Zukunft starten und sich eigeninitiativ weiterentwickeln: Zwei Eigenschaften, die gern bei Unternehmen gesehen und durch die Initiativbewerbung hervorgehoben werden. Monster erklärt Ihnen dabei anhand der Personaler-Sicht, welche Fallstricke und Formulierungen Sie besser meiden und welche positiv hervorstechen. Viele Tipps, Formulierungshilfen und ein Musteranschreiben inklusive.

Tipps für die Initiativbewerbung

Eigeninitiativ handelnd gegen wenig Konkurrenz in den Bewerbungsprozess einziehen und sich durch die eigenen Stärken als optimaler Kandidat für ein Unternehmen präsentieren: XING hebt die Vorteile einer Initiativbewerbung hervor und gibt Tipps, wie Sie am besten vorgehen, mahnt aber auch, kurzfristig mit Absagen und erst im späteren Verlauf mit einer Einladung zu rechnen.

Initiativbewerbung: Vorteile, Muster und die besten Tipps

Ob Definition, Betreff, Aufbau oder Musteranschreiben und Vorlagen: Der Karrieresprung arbeitet die Vorteile einer Initiativbewerbung heraus und zeigt anhand von Fragen, wie Sie sich auf Ihre Initiativbewerbung optimal vorbereiten und wie Sie diese letztlich erfolgreich umsetzen.

Initiativbewerbung aus dem HR-Blickwinkel

Die Initiativbewerbung – Fluch oder Segen für Arbeitgeber?

Wenngleich eher an Personaler und Unternehmen adressiert, lässt sich der Prozess hinter einer Initiativbewerbung dank HR4Good für Bewerber besser nachvollziehen. Der Artikel zeigt, woran Jobsuchende denken sollten, bevor sie eine Initiativbewerbung bei einem Unternehmen in Betracht ziehen: „Aus welchem Szenario heraus – völlig eigeninitiativ oder aus Empfehlung – bewerbe ich mich und wie stehen die Chancen für die jeweiligen Situationen?“ Das hilft bei der Einordnung der eigenen Erwartungen.

Vier Tipps zum Umgang mit Guerilla-Bewerbungen

Auch XING beschäftigt sich mit der Frage, wie Personaler mit nicht-standardisierten Bewerbungen umgehen. Bei genauer Betrachtung lassen sich daraus Tipps ableiten, die helfen herauszufinden, worauf Sie bei Ihrer kreativen Initiativbewerbung achten sollten, um sich alle Chancen offen zu halten – auch für später auszuschreibende Jobangebote.

Sie haben online keine relevante Stelle in dem Bereich, darf ich Ihnen meine Initiativbewerbung zusenden?

Online keine Vakanz entdeckt, das heißt im idealen Regelfall, dass keine Stellen offen oder in Planung sind und eine Initiativbewerbung somit nicht zum Ziel führen wird. Doch so einfach ist es dann doch nicht, sagt Marcus Reif und gibt Tipps, wie Sie durch Kandidatenbindungsprogramme langfristig doch im Wunschunternehmen Fuß fassen können.

Wie BMW Initiativbewerbungen erfolgreich REDUZIERT

Statt Gefahr zu laufen, dass Initiativbewerber eine schlechte Candidate Journey durchlaufen, hat BMW das Thema Initiativbewerbung trotz einer ersten Hürde nutzerorientiert für sich erschlossen. Recrutainment berichtet, was Bewerber aus dieser Erfahrung über sich selbst mitnehmen können.

Mit Initiativbewerbungen zum passenden Job

Zwar ist eine Initiativbewerbung mit höherem Aufwand verbunden als die Bewerbung auf eine Stellenausschreibung, doch der Aufwand lohnt sich, da alleine der Weg (der Messebesuch, das Telefonat, die XING-Anfrage) schon zum Ziel führen kann. Initiativbewerbungen sind zudem darauf angelegt, die eigene Person anstelle der Stellenausschreibung in den Fokus zu stellen. Hier geht es weniger darum zu zeigen, dass Sie zur Stelle passen, sondern zum Unternehmen. Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Timing und etwas Glück können Sie so einen Job finden, der zu Ihnen passt und in dem Sie noch lange gerne verbleiben.


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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