Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag wurde zuletzt am 12.06.2026 überarbeitet.
Die Initiativbewerbung bei einem Unternehmen ist eine der ersten Alternativen, die bei der Jobsuche ins Spiel kommt, wenn es mit der klassischen Bewerbung auf Stellenausschreibungen nicht funktioniert. Viele Bewerber*innen belassen es jedoch bei den ersten Versuchen, denn der Aufwand bei der Erstellung der Initiativbewerbung sowie der Ertrag – die positive Rückmeldung der Arbeitgeberseite – stehen oft im Ungleichgewicht. Stellt man es jedoch richtig an, kann eine Initiativbewerbung den entscheidenden Unterschied machen und zum Wunschjob verhelfen.
In diesem Beitrag geben wir Impulse, wie du deine Initiativbewerbung erfolgreich angehen kannst, und verweisen auf ergänzende hilfreiche Beiträge aus dem Web.
Fokus Initiativbewerbung: Weg von den Großunternehmen, hin zu KMU
Von Angela Borin und Martin Salwiczek
Für viele Bewerber*innen, allen voran Hochschulabsolvent*innen, sind bekannte Unternehmensmarken wie BMW, Henkel, Deutsche Bahn oder Bertelsmann die erste Anlaufstelle bei der Bewerbung. Ist keine passende Stellenausschreibung vorhanden, lockt die Karriereseite mit der Einladung zur Initiativbewerbung. Gerade in Krisenzeiten nutzen viele Bewerber*innen diese Option, begeben sich jedoch damit in eine ähnliche Wettbewerbssituation wie bei der Bewerbung auf eine Stellenausschreibung. Zählt man die Bewerbungen auf Stellenausschreibungen und Initiativbewerbungen zusammen, gehen bei den Top-100-Unternehmen Bewerbungen in fünf- bis sechsstelliger Zahl ein. So versuchen manche Großunternehmen, die Anzahl an Initiativbewerbungen zu reduzieren, wie zum Beispiel BMW (s. u.). Die Erfolgschance einer Initiativbewerbung bei einem Großunternehmen tendiert in den meisten Fällen somit leider gegen Null.
Unsere Erfahrung bestätigt, dass Initiativbewerbungen umso erfolgreicher sind, je kleiner ein Unternehmen ist. Das dürfte nicht verwundern, beschäftigen die kleinen und mittelständischen Unternehmen (kurz: KMU) immerhin 2/3 der Beschäftigten in Deutschland. Laut Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schreibt ein Großteil dieser Unternehmen ihre Stellen nicht aus. Bis zu 70 Prozent rekrutieren ihre Angestellten über Kontakte und Netzwerke. Initiativbewerbungen können hier entscheidend sein, um einen passenden Job zu finden. Da viele der KMU ihre Stellen nicht öffentlich ausschreiben, empfiehlt sich aus Bewerberperspektive zunächst eine branchenbezogene Suche.
Erfolgskriterien für die Initiativbewerbung: persönlich vor telefonisch vor schriftlich
Wie der Name schon andeutet, erfolgt die Initiativbewerbung nicht als Reaktion auf eine Stellenausschreibung, sondern aus eigenem Antrieb. Dabei lassen sich zwei Formen unterscheiden:
1) Die aktive Initiativbewerbung:
Nach umfangreicher Recherche wird eine Bewerbung nach vorheriger Kontaktaufnahme zum Wunscharbeitgeber verschickt. Schon die telefonische oder über LinkedIn/XING initiierte Kontaktaufnahme zu einem Unternehmen beziehungsweise einer Organisation kann – mit der Intention einer Stellensuche – bereits als Initiativbewerbung gewertet werden.
2) Die passive Initiativbewerbung oder „Blindbewerbung“:
Diese wird ohne vorherige Kontaktaufnahme versendet, ist meist kurz und allgemein gehalten, ohne Bezug auf das Zielunternehmen. Hier geht es oft mehr um Masse denn Klasse.
Die Erfolgsquote aktiver Initiativbewerbungen ist in der Regel weitaus höher als die der passiven. Selbst wenn eine schriftliche Initiativbewerbung auf ein Unternehmen angepasst und direkt an Geschäftsführer*innen beziehungsweise Personalverantwortliche versandt wird: Ohne vorherige Kontaktaufnahme wirst du in der Regel keinen Erfolg haben. Für eine erfolgreiche Initiativbewerbung gilt somit die Faustregel: persönlich vor telefonisch vor schriftlich.
Je direkter also der Erstkontakt mit dem potenziellen Arbeitgeber, desto höher die Chance, dass die Initiativbewerbung zum Ziel führt. Jobmessen, Karrieretage, Fachkongresse und Netzwerktreffen sind eine gute Gelegenheit, mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Sollte dies nicht möglich sein, wie etwa zu Zeiten der Corona-Pandemie, bietet es sich an, telefonisch Kontakt zur Personalabteilung oder zu fachverantwortlichen Mitarbeiter*innen aufzunehmen.
Initiativbewerbung: Ideen für die telefonische Kontaktaufnahme
Viele Bewerber*innen scheuen sich davor, zum Hörer zu greifen – aus Sorge abgewiesen zu werden oder die falschen Fragen zu stellen. Dabei kann mit der richtigen Vorbereitung schon der Telefonanruf eine wichtige Weichenstellung sein. Der Einstieg könnte etwa so aussehen:
„Guten Tag Frau/Herr X, mein Name ist ... ich bin (Abschluss) ... und mache aktuell eine Weiterbildung zum/zur Y bei der LVQ. Ich suche nach einer Einstiegsmöglichkeit im Bereich Z und möchte mich grundsätzlich darüber informieren, welche beruflichen Möglichkeiten es in diesem Bereich gibt. Dazu möchte ich mit Fachleuten sprechen und bin bei meiner Recherche auf Ihr Unternehmen gestoßen. Mich interessiert vor allem, wie Z in Ihrem Unternehmen funktioniert und welche beruflichen Möglichkeiten es bei Ihnen gibt. Dazu hätte ich einige Fragen, ich möchte auch nicht mehr als maximal zehn Minuten Ihrer Zeit in Anspruch nehmen. Wäre es möglich, dafür bei Ihnen oder jemand anderem einen Termin zu bekommen?“
Auf diese Weise stellst du nicht deine Jobsuche in den Vordergrund, sondern dein Interesse am Thema und am Unternehmen. So ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass du abgeblockt wirst. Lass dich nicht entmutigen, sollte man dich doch abwimmeln. Versuch es einfach bei einem anderen Unternehmen. Früher oder später wird sich die Mühe lohnen.
Ist der Empfänger deines Anrufs gesprächsbereit oder leitet dich weiter, kalkuliere wie im Beispiel genannt nur die zehn Minuten ein und kommuniziere dies auch direkt. Am besten eignen sich Fragen zur Person als Einstieg, um anschließend die beruflichen Perspektiven abzuklopfen:
- „Was genau ist Ihre Aufgabe in Bereich X?“
- „Wie ist es, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten?“
- „Wie ist die Struktur des Bereichs beziehungsweise welche Bedeutung hat der Bereich X in Ihrem Unternehmen?“
- „Welche fachlichen und persönlichen Fähigkeiten sollte ich mitbringen?“
- „Beabsichtigen Sie aktuell oder in absehbarer Zeit im Bereich X Stellen zu besetzen, die bisher nicht ausgeschrieben sind?“
- „Gibt es andere Bereiche, in denen Sie in nächster Zeit neue Mitarbeiter*innen benötigen?“
- Wenn ja: „An wen kann ich meine Bewerbung schicken?“
- Wenn nein: „Kennen Sie andere Unternehmen in der Branche oder im Bereich X, die gerade suchen?“
Dies ist nur ein Beispiel, welche Fragen du im Telefonat anbringen kannst. Es macht Sinn, dir zusätzliche Fragen zu überlegen, die du je nach Gesprächsverlauf stellen kannst. Behalte jedoch die Zeit im Auge. Je nachdem, wie hoch der Redeanteil deines Gegenübers ist, können die zehn Minuten schon nach zwei oder drei Fragen um sein. Frag zwischendurch sicherheitshalber noch mal nach, ob deine Ansprechperson etwas mehr Zeit erübrigen könnte. Die letzte Frage sollte auf jeden Fall sein, ob eine Stellenbesetzung in absehbarer Zeit vorgesehen ist.
Die richtigen Fragen zu stellen – das ist der eine Erfolgsfaktor. Der andere ist eine gute Recherche vorab. Informiere dich daher eingehend über das Unternehmen. So bleibst du flexibel, gerade wenn deine Ansprechperson Gegenfragen stellt oder prüfen möchte, ob du dich vorbereitet hast.
Initiativbewerbung via XING oder LinkedIn
Sollte keine Telefonnummer zu ermitteln sein oder du den Anruf scheuen, bietet sich alternativ die Kontaktaufnahme über LinkedIn oder XING an, vorausgesetzt, deine Ansprechpersonen nutzen diese Netzwerke auch sichtbar zur Kommunikation. Das könnte wie folgt aussehen:
„Lieber Herr Jäger,
mein Name ist Hans Müller und ich bin promovierter Chemiker. Bei meiner LinkedIn-Recherche bin ich auf Ihr interessantes Profil aufmerksam geworden. Ich nutze LinkedIn seit kurzer Zeit zur beruflichen Vernetzung und habe gesehen, dass Sie Chemiker mit Ausrichtung X suchen. Ich habe mich auf Ihrer Website über die JMPG GmbH informiert und bin neugierig geworden, in welchem Zusammenhang Ihr Gesuch steht.
Über eine Rückmeldung und einen persönlichen Austausch freue ich mich sehr.
Freundlicher Gruß
Hans Müller“
Premium-Nutzer bei LinkedIn können sehen, wer ihr Profil besucht hat, und haben Einblick in die entsprechenden Profile. Somit kann schon dein Besuch des Profils eines potenziellen Arbeitgebers eine Anbahnung zur Initiativbewerbung sein.
Die schriftliche Initiativbewerbung: Links, Tipps und Beispiele
Persönlich vor telefonisch vor schriftlich – so lautet die Faustformel für die Initiativbewerbung. Unabhängig davon, wie du den Kontakt zum Wunscharbeitgeber hergestellt hast – über einen gemeinsamen Bekannten, ein Telefonat oder ein Business-Netzwerk wie LinkedIn oder XING – in den meisten Fällen wird anschließend nach einer Bewerbung gefragt. Gibt es keine Stellenausschreibung, an der du dich orientieren kannst, stehen andere Faktoren im Vordergrund. Die folgende Liste soll dir ein paar Anregungen geben:
Die Sicht der Karriereexpert*innen
Mit der Initiativbewerbung bestimmst du den Kurs
Sich selbst proaktiv ins Gespräch bringen und nicht auf eine ausgeschriebene Stelle warten: In einem umfassenden Artikel gibt Stepstone Einblicke in die Initiativbewerbung und erklärt, was sie ausmacht, für wen sie sich eignet und warum sie langfristig für Jobsuchende wirken kann. Komplett mit Tipps zu Recherche und Aufbau sowie passenden Gedanken/Fragen zu deiner Person und zum Wunscharbeitgeber.
Initiativbewerbung: Fokussiere!
Jochen Mai von der Karrierebibel erzählt im Video, auf was es bei der Initiativbewerbung ankommt und warum du dich nur auf eine Position initiativ bewerben solltest, um Authentizität auszustrahlen und so ein ernsthaftes Interesse für deine Person und Kompetenz bei Personaler*innen zu wecken.
Initiativbewerbung: Tipps zu Form und Aufbau, inklusive Muster
Bewusstmachung, Motivation, Eigeninitiative und eine gute Branchenkenntnis kennzeichnen eine Initiativbewerbung. Welche Punkte daher vorher geklärt werden sollten, welche Vorteile eine Initiativbewerbung birgt und wie sie aussehen kann, stellt das Arbeits-ABC vor.
Initiativbewerbung: Vorteile, Muster und die besten Tipps
Ob Definition, Betreff, Aufbau oder Musteranschreiben und Vorlagen: Der Karrieresprung arbeitet die Vorteile einer Initiativbewerbung heraus und zeigt anhand von Fragen, wie du deine Initiativbewerbung optimal vorbereitest und erfolgreich umsetzt.
Initiativbewerbung aus dem HR-Blickwinkel
Die Initiativbewerbung – Fluch oder Segen für Arbeitgeber?
Wenngleich eher an Personaler*innen und Unternehmen adressiert, lässt sich der Prozess hinter einer Initiativbewerbung dank HR4Good für Bewerber*innen besser nachvollziehen. Der Artikel zeigt, woran Jobsuchende denken sollten, bevor sie eine Initiativbewerbung bei einem Unternehmen in Betracht ziehen: „Aus welchem Szenario heraus – völlig eigeninitiativ oder auf Empfehlung – bewerbe ich mich und wie stehen die Chancen für die jeweiligen Situationen?“ Das hilft bei der Einordnung der eigenen Erwartungen.
Online keine Vakanz entdeckt: Im idealen Regelfall heißt das, dass keine Stellen offen oder in Planung sind und eine Initiativbewerbung somit nicht zum Ziel führen wird. Doch so einfach ist es dann doch nicht, sagt Marcus Reif – und gibt Tipps, wie du durch Kandidatenbindungsprogramme langfristig doch im Wunschunternehmen Fuß fassen kannst.
Wie BMW Initiativbewerbungen erfolgreich REDUZIERT
Statt Gefahr zu laufen, dass Initiativbewerber*innen eine schlechte Candidate Journey durchlaufen, hat BMW das Thema Initiativbewerbung trotz einer ersten Hürde nutzerorientiert für sich erschlossen. Recrutainment berichtet, was Bewerber*innen aus dieser Erfahrung mitnehmen können.
Mit Initiativbewerbungen zum passenden Job
Zwar ist eine Initiativbewerbung mit höherem Aufwand verbunden als die klassische Bewerbung auf eine Stellenausschreibung. Doch der Aufwand lohnt sich, da allein der Weg (der Messebesuch, das Telefonat, die LinkedIn-Anfrage) bisweilen zum Ziel führt. Initiativbewerbungen sind zudem darauf angelegt, die eigene Person anstelle der Stellenausschreibung in den Fokus zu stellen. Du zeigst nicht, dass du gut auf die ausgeschriebene Stelle passt; du zeigst, dass du zum Arbeitgeber passt. Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Timing und etwas Glück kannst du so einen Job finden, der wirklich zu dir passt und den du lange ausüben möchtest.
Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.
Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.
Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.







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