Diesen Artikel teilen:

Wie arbeiten wir in Zukunft? Brauchen wir überhaupt noch das klassische Office in der Firma, in das wir alle täglich gehen – in Einzelbüros sitzend, mit Fensterreihen bemessen nach Rang und Status unserer eigenen Unternehmensrolle? Haben die vergangenen Monate die Arbeitswelt durch Lockdown-Homeoffice und Remote-Arbeit nicht vielmehr so verändert, dass das traditionelle Büroarbeiten in der Immobilie des Arbeitgebers mehr oder weniger „over“ ist?

Genau diese Fragen standen im Fokus des diesjährigen Work Smart Experience Day, kurz #WSXD, der sich mit der Zukunft unserer Arbeit befasst. Auf der Online-Konferenz diskutierten interessierte und engagierte Akteure und Akteurinnen über den Wandel unserer Arbeitswelt, speziell über die Bedeutung unseres Arbeitsplatzes: „Büro der Zukunft – Ist das Kunst oder kann das weg?“

Wir von der LVQ waren erneut dabei, um zu lernen und uns über aktuelle Trends in der Arbeitswelt zu informieren. In diesem Beitrag zeichne ich die spannende Diskussion um das „richtige“ Büro der Zukunft nach.

Büro der Zukunft – Kann nicht weg, ist aber anders

Auch nach pandemiebedingtem zwischenzeitlichem Aus für das betriebliche Büro und improvisierten Homeoffice-Lösungen lässt sich das klassische Office nicht wegdenken. So kehren in den letzten Wochen und Monaten mehr und mehr Berufstätige wieder physisch in die Unternehmen zurück. Schon Ende Juli 2021 sind laut ifo-Institut nur noch 25 Prozent der Menschen im Homeoffice tätig. Allerdings bestehen menschliche Bedürfnisse nach Abwechslung: Hybrid ist das neue Normal. Mal Homeoffice, mal Büro in der Firma oder bisweilen gar Coworking. Und das hat auch Auswirkungen auf das Büro, wie wir es bisher kannten.

Dies ist auch der Tenor des Fachgesprächs über das Büro der Zukunft beim WSXD. „Es ist zwingend notwendig, dass das Büro bestehen bleibt, aber in einer anderen Art“, sagt New-Work-Berater Bernd Fels. Marc Eichborn Chief Digital Officer bei Bitmarck ergänzt: Das Büro müsse sich wandeln zu einem Ort, wo man gerne arbeitet. Niemand kehre gern in schlechte Büros zurück. Stattdessen müssen Flächen laut Eichborn flexibel Bezug auf die sich täglich verändernden Anforderungen nehmen „Die Arbeit muss sich nicht in den Raum entwickeln, sondern der Raum muss sich um die Arbeit entwickeln."

Kiezkneipe statt Kicker: soziale Räume und kreative Plätze

Claudia Peters von New Work SE aka XING ergänzt: „Büro muss neu gedacht werden.“ Dabei stünden die Bedürfnisse der Beschäftigten im Vordergrund, denn Unternehmenskultur entstehe auch „durch Nähe und Erlebnis der Menschen“. So habe NewWork SE seine neue Hamburger Zentrale, den sogenannten New Work Harbour, ganz konsequent nach den Erfordernissen der Mitarbeitenden ausgerichtet. Dazu wurden vorab Untersuchungen gemacht, wie die Menschen arbeiten und gefragt, was sich die Menschen wünschen. „Wir haben unsere Mitarbeiter:innen in Task Forces Flächen eigenverantwortlich konzipieren lassen, die Räumlichkeiten wurden so ausgestaltet, wie die Arbeitenden sie sich für ihre Arbeit wünschen.“ Rausgekommen seien dabei weniger klassische Arbeitsplätze, sondern soziale Räume, kreative Umgebungen und Treffpunkte wie die Kiezkneipe oder der Bandprobenraum.

Das Büro der Zukunft sei nie fertig, sagt Bernd Fels beim #WSXD. Es sei Permanent Beta, entwickle sich dynamisch, weil sich auch die Bedürfnisse der Menschen ändern würden, die darin arbeiten. Der Wandel der Arbeit führe dann auch zum Wandel der Arbeitsplätze.

Während konzentriertes Deep Work mehr und mehr im Homeoffice stattfinden werde, könnten gemeinschaftlich genutzte Flächen mehr und mehr für kreative Zusammenarbeit genutzt werden, ganz gleich ob im kollaborativen Büro der Firma oder im Coworking Space.

Bedürfnisgerechte Orte statt Einzelbüro: Fünf ganz verschiedene Arbeitsplätze

Schließlich möchten viele Menschen – zumindest teilweise – auch gerne von zu Hause aus tätig sein, während manche lieber komplett im Unternehmen arbeiten wollen. Andere wiederum bevorzugen ganz andere Orte. Insgesamt unterscheidet Berater Fels fünf verschiedene Typen von Arbeitsorten:

  1. Büro im Unternehmen, ob klassisch oder New Work
  2. Homeoffice – Arbeiten von zuhause aus
  3. Mobiles Arbeiten im Wortsinne von unterwegs aus Bahn oder gar Auto (Freisprechanlage)
  4. CoWorking aus Hubs und Spaces und alle anderen
  5. Orte, an denen es einem gefällt: Parkbank, Pommesbude, Strand oder Wald

Mixed-Office: Von allem etwas

Für mich gibt es gar noch die Kategorie Nummer 6: Eine Mischung von allem. Schon vor acht Jahren nannte ich mich selbst den Mixed-Office-Typ – von allem bitte etwas. Mal im klassischen Büro, bisweilen im Homeoffice, unterwegs sowieso, ab und zu CoWorking und gerne auch draußen im Park oder beim Spazieren. Remote-Work macht es heute leichter möglich denn je. Jede eingesparte Fahrt ins Büro würde schließlich auch klimafreundlich CO2 einsparen – ein Argument, auf das Höhle-des-Löwen-Gründer Karsten Kossatz in seiner Session „Free the workplace“ noch mal verwies. Überdies würden viele Menschen das Pendeln gerne meiden, um Lebenszeit sinnvoller verwenden zu können.

Die Variante Mixed-Office scheint gerade in bewegten VUCA-Zeiten den Erwartungen und Wünschen vieler Berufstätiger zu entsprechen: Zumindest ein guter, ausgewogener Mix aus Homeoffice und Büro im Unternehmen ist für viele Menschen eine Wunschvariante. 3-2-2 (3 Tage Office, 2 Tage Homeoffice, 2 Tage Wochenende) ist dabei nur eine der vielen diskutierten Möglichkeiten.

Wichtig ist generell, das war auch Tenor auf dem #WSXD, dass die Arbeitsorte zu den Bedürfnissen der Berufstätigen passen – sowohl was die Ausgestaltung angeht (New Work Harbour) als auch was die persönliche Wahl der Arbeitsumgebung angeht, sofern dies denn möglich ist. „Finde das Büro, das zu Dir passt“ sozusagen. Sven Adomat betonte in seiner Session des Work Smart Experience Day, wie wichtig der Flow, also die Übereinstimmung zwischen Anforderungen und Können, sei. Unternehmen müssten für Mitarbeiter:innen Flow ermöglichen, damit Beschäftigte Freude an hoher Leistung und ihrer Arbeit haben und gerne beim Unternehmen seien und blieben. Die passende Arbeitsumgebung sowie die passenden Arbeitsanforderungen seien dafür entscheidend.

Wie finde ich mein individuelles Büro der Zukunft?

Schon zu Jahresbeginn schrieb ich hier im Blog davon, dass die Utopie des Wunscharbeitsplatzes durch die Homeoffice-Gelegenheiten in greifbare Nähe käme. Allerdings stellte ich mir auch beim #WSXD wieder die Frage, wie Berufstätige sich denn ihre passende Arbeitsumgebung ein Stück weit selber schaffen können. Office-Crafting: „Wie finde ich das Büro, das zu mir passt?“ sozusagen, ganz analog zum Job-Crafting (schaffe Dir selbst den Job, der zu Dir passt), das uns Nico Rose im Interview erklärte. Während Freelancer viel Gestaltungsspielraum haben mögen, ihre Arbeitsumgebung selbst zu „craften“, erscheint diese Möglichkeit für Angestellte erst einmal viel schwieriger umzusetzen, gibt doch klassischerweise der Arbeitgeber die Umgebung vor. Oder ergeben sich in (post-)pandemischen Zeiten nicht gerade viele Chancen auch für Beschäftigte, ihre Arbeitsumgebung mitzugestalten?!

Mein persönlicher Erkenntnisprozess diesbezüglich hat hier dank #WSXD gerade begonnen. Für unser Blog werde ich demnächst Antworten auf die Frage ergründen, wie speziell Jobsuchende – zwischen zwei Jobs – im Vorhinein klären können, ob sie beim potentiellen Arbeitgeber auf die richtige Arbeitsumgebung und das für sie passende Verhältnis eines Mixed Office treffen.

WSXD – Erkenntnisse und Inspiration im virtuellen Office

Zum Abschluss möchten wir im Namen des LVQ-Teams allen Beteiligten des diesjährigen Work Smart Experience Day für die inspirative und lehrreiche Konferenz danken. Es war wieder einmal ein vielfältiges Programm mit tollen Fachleuten und Speakern zum Wandel der Arbeit. Danke an den Veranstalter Migosens, allen Sponsoren und Beteiligten für das – trotz virtuell – tolle Setting, was nach 18 Monaten Pandemie gar nicht mehr so leicht herzustellen ist. Wir jedenfalls freuen uns auf weitere Work Smart-Erlebnisse am liebsten in physischer Präsenz.


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

Diesen Artikel teilen:

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Kommentar

Autor

Lars Hahn

ist Geschäftsführer der LVQ und Entdecker von Systematisch Kaffeetrinken. Er schreibt über Entwicklungen der Arbeitswelt, gibt wertvolle Tipps und führt spannende Interviews zu den Themen Karriere, Jobsuche und Weiterbildung.