Welche Weiterbildung ist für mich die richtige? – dieser Beitrag erschien erstmalig 2016, wurde 2018 und 2020 überarbeitet und ist im Juni 2025 aktualisiert worden.
Weiterbildung hat bei Arbeitnehmer*innen einen hohen Stellenwert für die berufliche Entwicklung – und gewinnt in Zeiten der Digitalisierung rasant an Bedeutung. Regelmäßige Studien und Berichte des Bitkom e. V., der Bertelsmannstiftung, des Welt-Wirtschaftsforums, des TÜV-Verbands oder des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unterstreichen die Bedeutung beruflicher Weiterbildung in Zeiten des stetigen gesellschaftlichen und digitalen Wandels.
Unabhängig von den äußeren Bedingungen des Arbeitsmarkts, gibt es für die meisten Menschen drei Motivationen für eine berufliche Weiterbildung: Sie möchten a) beruflich aufsteigen b) ihre aktuelle Stelle erhalten beziehungsweise sichern oder c) einen neuen Job finden und durch Weiterbildung Ihre Chancen verbessern.
Vermutlich möchtest auch du dich nicht bloß zum Zeitvertreib weiterbilden, sondern um ein bestimmtes Karriereziel zu erreichen. Deshalb ist es so wichtig, die für dich richtige Weiterbildung zu finden. Es wäre ja schade, wenn du dich für den ‚falschen‘ Kurs entscheiden würdest und die berufliche Weiterbildung für dich gar keinen Nutzen hätte oder dich beruflich in eine Richtung bringen würde, die gar nicht zu dir passt
Die richtige Weiterbildung finden
Die entscheidende Frage zu beantworten ist aber auch knifflig. Sie heißt: „Wie finde ich die für mich richtige Weiterbildung?“ Vier Fragestellungen dazu solltest du bei deiner Recherche im Hinterkopf behalten:
Welches Weiterbildungsthema ist das richtige?
Je nachdem, mit welcher Motivation du eine Weiterbildung machen möchtest, solltest du dir Gedanken darüber machen, welches Thema das richtige ist:
Kommen für dich eher Managementkompetenzen infrage? Oder soll es ein fachlicher Lehrgang etwa im Bereich Online-Marketing sein? Kann ein Projektmanagementkurs der Karriereturbo sein? Oder doch eher einer rund um Künstliche Intelligenz (KI)? Oder ist am Ende ein klassischer IHK-Lehrgang zum Betriebswirt vorzuziehen?
Welche Form der Weiterbildung ist die richtige für mich?
Hierbei geht es unter anderem um die Weiterbildungsdauer (Wochenendseminar oder langes Studium). Wie viel Zeit hast du zur Verfügung? Welche Lernform passt am besten zu deinen Stärken und Schwächen? Wie viel darf die Weiterbildung kosten?
Welcher Abschluss hilft weiter?
Bei dieser Frage steht im Raum, ob du zum Beispiel noch einmal ein berufsbegleitendes Studium machen möchtest oder ob gegebenenfalls nicht eher ein vierwöchiger Zertifikatslehrgang ausreicht. Der Klärungsprozess bleibt manchmal genau an solchen äußerlichen Merkmalen von Fortbildungen hängen.
Aber manchmal stehen hinter diesen Fragen auch unbeantwortete, vielleicht noch wichtigere Fragen: Wo möchte ich durch die Weiterbildung eigentlich beruflich landen? Was ist mein tatsächliches Karriereziel? Welcher Kurs ist der für mich wirklich richtige?
Wie kann die Weiterbildung finanziert werden?
Wenn du jobsuchend oder arbeitslos bist, lässt sich deine Weiterbildung unter bestimmten Voraussetzungen zu 100 Prozent über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanzieren. Wenn du berufstätig bist, gilt Ähnliches, wenn dein Arbeitgeber eine sogenannte Beschäftigtenförderung beantragt. Darüber hinaus gibt es oft andere Fördermöglichkeiten wie die KOMPASS-Förderung für (Solo-)Selbstständige oder die (Teil-)Finanzierung durch den Arbeitgeber. Stell dir die Frage nach der Finanzierung immer auch im Rahmen der Recherche in den nachfolgenden Schritten.
6 Tipps, wie du die für dich richtige Weiterbildung findest
Wo du nun nach deiner passenden Weiterbildung suchen kannst, wenn du den einen oder anderen beruflichen Anlass dazu siehst, verraten dir die folgenden sechs Tipps für deine Recherche:
1. Weiterbildungsdatenbanken
Mit über 800.000 Bildungsangeboten ist das nationale Onlineportal für berufliche Weiterbildung der Agentur für Arbeit - kurz „mein NOW“ die größte und bekannteste Weiterbildungsdatenbank in Deutschland. Daneben gibt es viele regionale und private Seminardatenbanken, deren Fülle an Angeboten schlichtweg erschlägt. Eine übergeordnete neutrale Quelle ist das InfoWeb Weiterbildung, das die gängigsten Datenbanken auflistet.
Weiterbildungs-Datenbanken geben einen Anhaltspunkt über Themen und Angebote, aber eine wirkliche Hilfestellung bei der Suche nach der richtigen Weiterbildung sind sie oft nicht. Ein großer Nachteil ist auch, dass oft Angebote eingestellt werden, die in der angegebenen Form gar nicht stattfinden.
2. Unabhängige Weiterbildungsberatungsstellen und -berater
In vielen Bundesländern gibt es ein Netz von unabhängigen Beratungsstellen für Weiterbildungssuchende. Sie beraten neutral, klären den individuellen Bedarf und geben Adressen von Anbietern. In Nordrhein-Westfalen bieten sie überdies Beratung zur beruflichen Entwicklung an. Ein Beispiel ist der W. I. R. e. V., also der Verein Weiterbildung im Revier in Essen. Solche Beratungsstellen eignen sich besonders für Berufstätige oder Einsteiger*innen, die sich nicht bei der Agentur für Arbeit beraten lassen möchten.
Mittlerweile hat jedoch auch die Bundesagentur für Arbeit eine Berufsberatung für Erwachsene, die auch von Berufstätigen, Wiedereinsteiger*innen und anderen Personen genutzt werden kann, die nicht arbeitslos gemeldet sind. Unter Berufsberatung im Erwerbsleben (kurz BBiE) können sich alle Menschen informieren und beraten lassen, die sich beruflich verändern möchten.
Wer die Weiterbildungssuche mit einer dezidierten Beratung und Entwicklung einer Karriere-Strategie verbinden möchte, könnte sich aber auch direkt eine*n Karriereberater*in oder
-Coachin suchen. Diese beraten in der Regel auch unabhängig zu Weiterbildungen.
3. Weiterbildungsanbieter befragen
Viele Weiterbildungsanbieter führen umfassende Beratungen zu ihren Weiterbildungsangeboten durch. Ernsthafte Beratungen, die in der Regel persönlich remote oder vor Ort stattfinden, beinhalten dabei immer auch eine Analyse des beruflichen Status Quo und ein Aufzeigen von Möglichkeiten für das berufliche Fortkommen. Der Nachteil dieses Weges liegt auf der Hand: Anbieter werden in der Regel nicht übergreifend und neutral beraten, da sie ihre Angebote besser kennen als andere und ein wirtschaftliches Interesse vorhanden ist.
4. Recherche über soziale Netzwerke
Gerade das Businessnetzwerk LinkedIn bietet vielfältige Informationsmöglichkeiten, die du bei den klassischen Wegen nicht hast. So lohnt es sich, über die erweitere Suchfunktion bei LinkedIn Menschen zu finden, die dort arbeiten, wohin du dich beruflich entwickeln möchtest. Bei den Ergebnissen schaust du dann der Reihe nach, welche Qualifikationen die Menschen in ihren Profilen haben. Wenn z. B. unter den angezeigten 141 Ergebnissen 80 Qualitätsmanager*innen mit Zertifikat wären, wäre das ein starkes Indiz, dass eine entsprechende Weiterbildung sinnvoll ist.
5. Mit erfolgreichen Absolventen*innen sprechen
Der nächste Schritt wäre, mit Absolventen*innen einer solchen Weiterbildung zu sprechen. In der Regel sprechen sie gerne über ihre Erlebnisse während der Weiterbildung. Lade systematisch entsprechende Personen zum virtuellen oder echten Kaffee ein und plaudere mit ihnen über ihre Erfahrungen. Frage gezielt nach Erlebnissen und Einsichten, zum Bespiel:
- Welche Erfahrung hat dein*e Gesprächspartner*in bei seiner/ihrer Weiterbildung gemacht?
- Würde er/sie diese empfehlen?
- Hat die Weiterbildung den erhofften Nutzen gebracht?
- Wie war die Lernbelastung?
- War der Anbieter in Ordnung oder kennt er/sie noch Alternativen?
Du gewinnst dann ein gutes Bild, ob deren Weg auch zu dir passt. Nicht zu vergessen: Im Gespräch bekommst du ein Gefühl, ob jene Weiterbildung die für dich richtige ist. Hier findest du Beispiele erfolgreicher LVQ-Teilnehmer*innen.
6. Teilnehmerstimmen im Netz
Ähnlich wie bei Arbeitgeberbewertungen oder Produktbewertungen, findest du auch Teilnehmerstimmen von Absolvent*innen im Internet. Spätestens, wenn es an die Auswahl des konkreten Bildungsanbieters geht, erhältst du hier weitere Informationen. Manche Absolvent*innen bloggen gar über ihre Erfahrungen aus der Weiterbildung.
Bei einer Recherche in Suchmaschinen wirst du Teilnehmerstimmen und Rezensionen finden, entweder in Bewertungsportalen, Weiterbildungs- und Arbeitsforen oder aber direkt bei Google. Der Name des Bildungsinstituts mit dem Zusatz ‚Erfahrungen‘ oder ‚Bewertung‘ zeigt dir eine Bündelung aller Bewertungen im Netz, die außerhalb sozialer Netzwerke, wie zum Beispiel Linkedin oder Instagram, vorgenommen worden sind. Pro-Tipp: Bildungsanbieter sind auch Arbeitgeber; Bewertungen ihrer Mitarbeiter*innen sagen viel über die Kultur des Unternehmens aus. Auch hier lohnt sich ein Blick.
Dass Bewertungen teilweise kritisch zu betrachten sind, weiß man von anderen Produkten oder Dienstleistungen. Manchmal gibt’s die positiven Fake-Bewertungen, bisweilen aber auch die negativen Schmäh-Rezensionen. Deswegen lohnt es sich, mit Rezensent*innen Kontakt aufzunehmen und mit ihnen zu reden. Natürlich findest du auch über uns verschiedene Berichte auf den jeweiligen Plattformen. Manchmal fördert die Recherche ganze Blogbeiträge zutage, wie den unserer Absolventin Sandra: Digitale Horizonte erweitern: Meine Weiterbildung zur KI-Managerin.
Weiterbildungssuche: Dieselben Spielregeln wie bei der Jobsuche
Zugegeben: Die Suche nach der passenden Weiterbildung gleicht oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, ähnlich wie bei der Jobsuche. Beide Suchen liegen dieselben Fragen zugrunde:
- Was kann ich und was tue ich gerne?
- Wo wird das, was ich gerne tue, benötigt und wo möchte ich das anwenden?
- Wie finde ich die passende Weiterbildung, den passenden Job?
Wie auch bei der Jobsuche verspricht der Weg über das persönliche Gespräch den größten Erfolg bei der Suche nach der geeigneten Weiterbildung. Und ganz gleich wie du den Kontakt zum Beispiel zu erfolgreichen Absolvent*innen herstellst, haben diese Wege einen charmanten Nebeneffekt: Du erweiterst dein Netzwerk und begegnest möglicherweise zufällig, quasi beim Kaffee, deiner Chance auf den nächsten Job.
Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.
Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.
Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.






Vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich denke auch, Weiterbildungen haben bei Arbeitnehmern einen hohen Stellenwert für die berufliche Entwicklung und gewinnen in Zeiten der Digitalisierung rasant an Bedeutung. Interessant, dass laut der Studie Weiterbildungstrends 2018 der Studiengemeinschaft Darmstadt für das Arbeiten im digitalen Umfeld eine Weiterbildung sogar unabdingbar ist. Da auch ich mich gerne weiterbilden möchte, um möglicherweise Karriere technisch voranzukommen, suche ich nun einen kompetenten Ansprechpartner für eine Fortbildung in Dresden.
Der verlinkte Weiterbildungsguide der Stiftung Warentest wurde letztres Jahr eingestellt.
[…] 5: Wenn Sie wissen, wohin Ihre berufliche Reise geht, halten Sie Ausschau nach passenden Weiterbildungen, die Sie für Ihre neue Tätigkeit qualifizieren können. Mit neuen Erfahrungen, aktuellem Wissen […]
Hallo Lars,
deinen Beitrag finde ich sehr interessant. Da ich vor 3 Jahren auch meine Weiterbildung gemacht habe und meine beste Freundin dieses Jahr eine machen möchte.
Ich kann jedem nur das empfehlen was du in deinem Beitrag schon so schön beschrieben hast. Ich bereue es nicht diesen Weg gegangen zu sein. Nach meiner Weiterbildung zur Berufskraftfahrerin habe ich noch diverse Schulungen, z.B. Ausbilderin für Ladungssicherung VDI2700, mit dran gehängt.
Die Weiterbildung und die Schulungen zur Ausbilderin im Mindestalter der LTS Akademie haben meine Arbeitswelt so sehr bereichert, dass ich überlege noch weitere Schulungen mit dran zu hängen. Meinen Arbeitgeber begeistert diese Einstellung, da er auch davon profitiert wenn seine Angestellten qualifiziert sind.
Mit lieben Grüßen
Julia
[…] Bereits vor dem Gespräch mit dem Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit sollten Sie nach möglichen Weiterbildungen recherchieren. Voraussetzung für die Recherche ist die Analyse des eigenen Bedarfs: „Was brauche ich?“, „Wo geht meine Reise hin?“, „Welche Zertifikate und Kenntnisse benötige ich für meine nächste Tätigkeit?“ Genauer erläutert haben wir das in diesem Beitrag. […]