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XING und LinkedIn sind im Jahr 2020 als digitale Werkzeuge für jobsuchende Fach-, Führungskräfte und Akademiker kaum noch wegzudenken. Die Nutzerzahlen der beiden Businessnetzwerke haben sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt und immer mehr Unternehmen nutzen die beiden Plattformen zur Mitarbeitergewinnung und für ihre Präsenz als Arbeitgeber.

Auch wir haben in den letzten zehn Jahren die Erfahrung gemacht, dass sowohl XING als auch immer mehr LinkedIn wichtige Werkzeuge für die Bewerbungsaktivitäten Jobsuchender sind. Doch viele Bewerber scheuen sich immer noch davor, Profile in Businessnetzwerken anzulegen – aus häufig nachvollziehbaren Gründen. Spätestens jedoch, wenn es mit herkömmlichen Bewerbungsaktivitäten über Stellenbörsen nicht funktioniert oder Unternehmen zur Kontaktaufnahme via XING oder LinkedIn auffordern, findet ein Umdenken statt.

Aber braucht man ein Profil in beiden Netzwerken? In welchem Netzwerk hat man größere Chancen einen Job zu finden? Welche Bedeutung haben die Netzwerke aktuell und welche neuen Features gibt es?

Diesen Fragen wollen wir im heutigen Beitrag nachgehen und Empfehlungen aus unseren Erfahrungen mit qualifizierten Jobsuchenden unterschiedlichster Fachrichtungen geben. Wir konzentrieren uns hierbei auf die Vorteile und Möglichkeiten, die XING und LinkedIn für die Jobsuche bieten.

XING und LinkedIn in 2020 - einige Zahlen

2014 stellten wir in einem Blogbeitrag noch die Frage, ob man XING oder LinkedIn für die Jobsuche nutzen sollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte XING 7 Millionen Nutzer, LinkedIn 5 Millionen. Spätestens 2016, als LinkedIn vom Microsoft-Konzern aufgekauft wurde, prognostizierten viele Marketingexperten XING ein ähnliches Schicksal wie einst StudiVZ, das welches von Facebook verdrängt wurde. Doch bis heute wachsen beide Businessnetzwerke kontinuierlich und im Gleichschritt nebeneinander weiter.  

XING zählt mittlerweile 17 Millionen Nutzer in der D-A-CH-Region, LinkedIn 14 Millionen.  Wobei LinkedIn im weltweiten Vergleich mit 660 Millionen Nutzern die Nase weit vorne hat, was nicht verwundert, weil sich XING mittlerweile offen auf die D-A-CH-Region fokussiert. Entsprechend wird XING laut unterschiedlicher Studien insgesamt stärker von Unternehmen zur Mitarbeitergewinnung in Deutschland genutzt,  LinkedIn entsprechend weltweit. Doch in bestimmten Branchen und vor allem bei international agierenden Unternehmen gewinnt auch LinkedIn in Deutschland weiter an Bedeutung.  

Diese Entwicklung ist Ausdruck einer zunehmenden Digitalisierung unserer Arbeitswelt und auch einer damit einhergehenden Veränderung der Bewerbungsverfahren. Das Magazin t3n berichtet zum Beispiel, dass einer aktuellen Studie der Recruiting-Plattform Taledo zufolge nur noch ein Drittel der 50 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland ein Bewerbungsanschreiben fordern. Darunter auch Henkel. Wie die Recruitment-Leiterin in einem Interview erklärt, begrüßt der Konzern stattdessen eine schnelle Bewerbung per Klick auf XING oder LinkedIn.

Für Bewerber und Jobsuchende sind die beiden Netzwerke somit mehr denn je wichtige Plattformen, um von Arbeitgebern gefunden zu werden, diese selbst zu finden und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. 

XING und LinkedIn für die Jobsuche: Unsere Bestandaufnahme aus Bewerbersicht

Nun könnten wir hier noch einige Studien und Untersuchungen heranziehen, um einen Vergleich der beiden Netzwerke zu ziehen. Wir möchten jedoch gezielt einen Beitrag aus unserer Sicht liefern. Seit Jahren beschäftigen auch wir bei der LVQ uns intensiv mit den beiden Netzwerken aus Bewerbersicht. Als Weiterbildungsinstitut sind wir spezialisiert auf Managementweiterbildungen für Arbeitsuchende, die Weiterbildungen über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit erhalten. Von Social Media Managern über Projektmanager und Qualitätsauditoren bis hin zu Fachkräften für Arbeitssicherheit bilden wir spezialisierte Fachkräfte für den Arbeitsmarkt aus. Die Erfahrungswerte unserer Teilnehmer hinsichtlich der beiden Netzwerke sind dabei sehr unterschiedlich.

Lange Zeit war XING die Plattform, über die die meisten unserer Teilnehmer sich vernetzt, recherchiert und ihren neuen Job gefunden haben. Entsprechend verfassten wir hier im Blog unsere mehrteilige XING-Serie für Jobsuchende, die vielen Arbeitssuchenden über die LVQ hinaus bei der Jobsuche helfen konnte. Doch LinkedIn hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen und reduziert sich nicht mehr nur noch auf Fachkräfte mit internationalem Background oder Konzernerfahrung. Aber welche der beiden Plattformen Erfolg bei der Jobsuche bringt, hängt von der Art ab, wie man sie jeweils nutzt. 

Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Nutzung von XING und LinkedIn

Von jeher empfehlen wir in Vorträgen, Workshops, Einzelberatungen und hier im Blog, XING und LinkedIn als Werkzeuge für die Jobsuche zu verstehen und aktiv zu nutzen. Neue Kontakte finden und knüpfen, sich an Events und in Gruppen beteiligen - Basis dafür ist und bleibt jedoch ein aussagekräftiges Profil. Erst dann bekommen Sie geeignete Stellen- und Kontaktvorschläge sowie Einladungen zu passenden Events Gruppen. Im Folgenden geben wir einige elementare Tipps für die wichtigsten Funktionen von XING und LinkedIn.

1) Das Profil

Die Herausforderung bei der Erstellung eines Businessnetzwerk-Profils während der Jobsuche besteht darin, es für potenzielle Arbeitgeber attraktiv zu gestalten und zugleich den Aspekt der Arbeitslosigkeit nicht zu stark in den Vordergrund zu stellen. Dabei erschweren XING und LinkedIn es Bewerbern dafür einen guten Mittelweg zu finden. Gerade die Gestaltung der Kopfzeile wirft Fragen auf. Passende Vorschläge finden Sie in unserem Beitrag zur aktuellen Position bei XING, dessen Empfehlungen sich auch auf LinkedIn übertragen lassen.

Um sich von Arbeitgebern besser finden zu lassen, sind bei XING zudem die Felder „Ich biete“ und „Ich suche“ entscheidend. Tragen Sie hier einzelne fachliche Schlagwörter ein, nach denen ein potenzieller Arbeitgeber suchen würde. Das Pendant bei LinkedIn ist der Bereich „Kenntnisse und Fähigkeiten“ sowie das Feld „Info“, das direkt unter der Kopfzeile erscheint. Dieses müssen Sie jedoch zunächst freischalten, indem Sie neben dem Profilbild den Button „Profilbereich hinzufügen“ anklicken. Füllen Sie dieses Feld so ausführlich wie möglich mit einer Beschreibung Ihrer Kenntnisse, Qualifikationen und Erfahrungen aus.
Wichtig: Sowohl bei XING als auch bei LinkedIn sollten Sie zu Beginn einen Blick in die
Privatsphäre-Einstellungen werfen, um einige für Sie zu transparente Standardeinstellungen zu ändern.

2) Stellenmarkt / Jobs

Ein genauerer Blick auf die Rubrik „Stellenmarkt“ bei XING und „Jobs“ bei LinkedIn lohnt sich, haben sich diese Bereiche im Laufe der letzten Jahre doch deutlich verbessert. Der Algorithmus der jeweiligen Netzwerke lernt anhand Ihres Nutzerverhaltens, ob Sie bestimmte Jobs verstärkt anwählen oder als ungeeignet kennzeichnen und passt die Vorschläge entsprechend an.

XINGs Stärke ist hierbei die Anbindung der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu, die Ihnen aufzeigt, wie die entsprechenden Unternehmen bewertet werden. Zudem kommt Ihr Netzwerk ins Spiel: Haben Sie direkte oder indirekte Kontakte in das entsprechende Unternehmen, zeigt XING Ihnen diese an. Das Spektrum an Stellen bezieht alle möglichen Fachbereiche und Branchen mit ein.

Bei LinkedIn wiederum ist die Auswahl exklusiver und richtet sich mehr an Jobsuchende mit Ausrichtung auf Großunternehmen und international orientierte Arbeitgeber. Der Stellenmarkt von LinkedIn hat seine Stärken vor allem in der Premiumversion und greift dabei auf das große Datenvolumen seiner Nutzer zurück. So erhalten Sie Daten über Ihre Mitbewerber, bekommen eine Einschätzung zu Ihrer Passung auf die jeweilige Stelle und haben teils die Möglichkeit über eine spezielle Mailfunktion in Direktkontakt mit den Personalverantwortlichen zu treten. Hier empfehlen wir, in der Phase der Intensivjobsuche die einmonatige kostenfreie Premiummitgliedschaft von LinkedIn zu nutzen. Diese ist mit circa 29,95 € pro Monat (!) ansonsten recht teuer. 

Welchen Stellenwert die Stellenbörsen beider Netzwerke mittlerweile eingenommen haben, zeigt sich, seit Google ebenfalls in den Jobmarkt eingestiegen ist. So werden bei der Google-Suche nach Stellenangeboten Anzeigen von XING und LinkedIn prominent angezeigt.

3) Ihr Netzwerk

Mindestens 50 % der Jobs in Deutschland werden über persönliche Kontakte und Empfehlungen besetzt. Je nach Fachrichtung sind es gar bis zu 70%. In diesem Kontext wird auch häufig vom verdeckten Arbeitsmarkt gesprochen. Es ist naheliegend, dass XING und LinkedIn als berufliche Netzwerke hier ein großes Potenzial aufweisen, welches sich an der Ausrichtung der jeweiligen Plattformen orientiert: LinkedIn also eher im Bereich internationale Großunternehmen, XING eher mit Fokus auf D-A-Ch-ansässige KMU.

Leider hat gerade XING in den letzten Jahren seine Funktion als soziales Netzwerk für nicht zahlende Basismitglieder deutlich beschnitten, indem es die Möglichkeiten zum Netzwerken mehr und mehr eingeschränkt hat. So müssen Sie mittlerweile den Premium-Zugang buchen, um Nicht-Kontakten eine Nachricht zu schreiben und haben nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Versendung von Kontaktanfragen. Insbesondere die Recherche ist bei XING fast nur noch über Premium möglich. Wer XING also intensiv nutzen möchte, kommt  während der Jobsuche an Premium nicht vorbei.

Das ist bei LinkedIn nicht der Fall. Grundsätzlich punktet LinkedIn in der Basis-Version klar hinsichtlich der Recherche- und Interaktionsmöglichkeiten mit dem Netzwerk. So können Sie neben Bildern auch Videos teilen und Empfehlungen aussprechen. Es wird mehr kommentiert und interagiert.

XING hat dafür wiederum mehr Möglichkeiten zur Netzwerkerweiterung, sofern man im deutschen Arbeitsmarkt unterwegs ist. So finden Sie mehr Gruppen und finden über die Rubrik Events für alle möglichen Fachbereiche und spezielle für die Jobsuche geeignete Veranstaltungen. Diese können Sie wiederum auch als Basismitglied nutzen, ohne zu bezahlen.

4) Die Suchfunktion

Eine der wertvollsten Funktionen von XING für die Jobsuche, vor allem für die Suche im verdeckten Arbeitsmarkt, ist die erweiterte Suchfunktion. Ganze vier Beiträge mit vielen Praxisbeispielen haben wir dazu geschrieben. Die erweiterte Suchfunktion eignet sich, um…:

  • …potenzielle Arbeitgeber über Filter wie „Branche“, „Standort“ und „Tätigkeitsfeld“ zu finden.
  • …Entscheider und Schlüsselpersonen bei potenziellen Arbeitgebern zu finden und somit Personaler zu umgehen.
  • …Marktforschung während der Orientierungsphase zu betreiben. In welchen Positionen arbeiten Biologen oder Literaturwissenschaftler? Welche Unternehmen im Postleitzahlbereich 40* beschäftigen Qualitätsmanager? Welche Qualifikationen werden von einem Projektleiter im öffentlichen Dienst erwartet?

Die Nutzungsmöglichkeiten lassen sich beliebig fortsetzen, je nachdem welche der 18 Filter Sie einsetzen. Allerdings ist auch die erweiterte Suchfunktion ein Premium-Tool, das kostenpflichtig ist, sich aber gerade in der intensiven Phase der Jobsuche lohnt.

Als Basismitglied sind Sie in den Nutzungsmöglichkeiten der Suchfunktion sehr eingeschränkt. LinkedIn hat in der Basis-Version mehr Filtermöglichkeiten, neun an der Zahl. Diese sind jedoch weniger nutzerfreundlich als diejenigen von XING und werden durch das Premiumpaket auch nicht mehr. Was Recherchemöglichkeiten und die aktive Suche und Ansprache von potenziellen Arbeitgebern angeht, hat XING gegenüber LinkedIn einen Vorsprung.

XING oder LinkedIn? Ein Resümee

Aktuell muss XING viel Kritik wegen seiner Änderungen an der Benutzeroberfläche und den Einschränkungen für Basis-Mitglieder hinnehmen, während LinkedIn sich für digital affine Menschen immer mehr zur „Lieblings-Social-Media-Plattform“ entwickelt. Auch hinsichtlich der Mitgliederzahlen ist LinkedIn mittlerweile fast auf Augenhöhe mit XING. Doch wenn es um die Nutzung der Arbeitgeberseite für die Mitarbeitergewinnung geht, hat XING in Deutschland immer noch deutlich die Nase vorne.

Welches Netzwerk nun das bessere ist, hängt ganz stark davon ab, wen Sie fragen und was Ihre Zielrichtung ist. Im Rahmen der Jobsuche stellt sich unserer Ansicht nach daher gar nicht mehr die Frage, ob XING oder LinkedIn. In Zeiten einer immer digitaler und internationaler werdenden (Arbeits-)Welt empfiehlt es sich für Fach-/Führungskräfte und Akademiker, beide Netzwerke parallel zu nutzen. Einmal angelegt bedeutet dies nur unwesentlichen Mehraufwand, kann Sie aber sowohl in lokalen KMUs als auch in internationalen Großkonzernen in Ihrer Jobsuche noch zielgerichteter zum Erfolg führen.

Man darf gespannt sein, wie sich XING und LinkedIn in Zukunft entwickeln.

Welche Erfahrungen haben Sie mit XING und LinkedIn während der Jobsuche gemacht? Welches Netzwerk bevorzugen Sie? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!


 

 

 

 


 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

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1 Kommentare

Dr. Cornelia Riechers
17. Februar 2020

Sehr nützlicher Beitrag, vielen Dank, Herr Salwiczek!


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