„Als Naturwissenschaftler kommst Du aus einer Schwarz-Weiß-Welt“ – Interview mit Dr. Christian Hartmann

Christian Hartmann, Chemiker

Christian Hartmann ist promovierter Chemiker und als Qualitätsbeauftragter bei einem großen Chemieunternehmen tätig. Die Stelle bekam er über eine Empfehlung der Bundesagentur für Arbeit. Dabei wollte er usprünglich gar nicht im Qualitätsmanagement arbeiten. Heute ist er glücklich und zufrieden mit seinem Job.

Im heutigen Interview erzählt er uns, welche Rolle seine Weiterbildung bei der LVQ für den jetzigen Job gespielt hat und mit welchen Schwierigkeiten er beim Berufseinstieg und der Jobsuche zu kämpfen hatte. Er gibt viele hilfreiche und mutmachende Tipps für Naturwissenschaftler, die ähnliche Schwierigkeiten bei der Jobsuche haben, wie er sie hatte. 

Martin Salwiczek: Hallo Herr Hartmann, stellen Sie sich doch bitte den Lesern vor.

Christian Hartmann: Mein Name ist Christian Hartmann, ich bin promovierter Chemiker und 43 Jahre alt. Nach meinem Studium habe ich bei einer kleineren Firma im Bereich chemische Abfallwirtschaft gearbeitet. Anschließend habe ich eine Weiterbildung bei der LVQ absolviert und bin  seit gut drei Monaten als Qualitätsbeauftragter für ein internationales Großunternehmen aus der Chemieindustrie tätig.

Einstieg in die Industrie: Mit Blaumann und Werkzeug

Martin Salwiczek: Herr Hartmann, Sie sind einen Weg gegangen, vor dem viele promovierte Naturwissenschaftler aktuell stehen. Erzählen Sie doch mal bitte, wie Sie den Einstieg in die Industrie geschafft haben.

Christian Hartmann: Nach meiner Fertigstellung der Promotion habe ich eine Zeit lang gesucht und damals bereits festgestellt, dass es auch für einen promovierten Chemiker nicht ganz so leicht ist, Fuß zu fassen.

Beim Blick auf die Stellenanzeigen wurden meist hochqualifizierte Spezialisten mit herausragenden Studienleistungen oder mehrjähriger Berufserfahrung gesucht. Ein reiner Promotionsabschluss reichte nicht. Ein Problem, dass viele Absolventen heute ja immer noch haben.

Martin Salwiczek: Wie sind Sie dann an Ihren ersten Job gekommen?

Christian Hartmann: Nicht über eine Stellenanzeige, sondern über Kontakte. Ein Bekannter gab mir den Hinweis, mich dort zu bewerben. Auch wenn die Position für einen promovierten Chemiker zunächst ungewöhnlich erschien, nutzte ich die Gelegenheit. Anfangs war ich viel mit Blaumann und Werkzeug in der Hand unterwegs, bevor ich Konzepte erstellt und als Betriebsleiter Personal verantwortet habe.

Das sind Erfahrungen, die ich an andere Absolventen so auch weiter geben kann: Früh genug Kontakte in die Forschung knüpfen und als Student am Zahn der Zeit arbeiten. Besser industrienah arbeiten, als zu spezialisiert, da man damit seine potenziellen Stellen einschränkt. Werkstudentenjobs oder Praktika bieten sich an und man sollte sich auch nicht zu schade zu sein, sich mal die Hände schmutzig zu machen.

Fehlende Zertifikate als Manko bei der Jobsuche

Martin Salwiczek: Wie kamen Sie dazu, sich bei der LVQ weiterzubilden?

Christian Hartmann: Leider entwickelte sich mein damaliger Arbeitgeber damals nicht so wie geplant, so dass ich aus wirtschaftlichen Gründen entlassen wurde. 

Schon als klar war, dass das Arbeitsverhältnis endet, habe ich mich auf Stellen beworben, auf die ich mit meiner Erfahrung und meinem Profil eigentlich gut passte. Doch auch das erwies sich schwieriger als gedacht. Denn mir fehlten die Nachweise beziehungsweise Zertifikate für meine vorherigen Tätigkeiten. Das wurde konkret deutlich an einem Unternehmen, das eine Manager- und eine Assistentenposition für den betrieblichen Umweltschutz ausgeschrieben hatte. Für die Managerposition wurden entsprechende Zertifikate gefordert, die ich nicht nachweisen konnte. Also bewarb ich mich für die Assistenzstelle, für die ich natürlich eine Absage erhielt. Das war für mich die Initialzündung mir die Frage zu stellen: „Wo stehe ich eigentlich?“

Ich habe mit meinem Arbeitsvermittler über meine Problematik gesprochen, dass ich als promovierter Chemiker mit Berufs- und Führungserfahrung, aber ohne Nachweise quasi zwischen den Stühlen hänge. Der reagierte sofort und stellte mir einen Bildungsgutschein in Aussicht, um die fehlenden Nachweise zu erwerben.

Da ich mich in den Bereich Umweltmanagement und Arbeitssicherheit weiterbilden wollte, kam es zum Beratungsgespräch bei der LVQ, wo mir zusätzlich zu den beiden Themen der Qualitätsbeauftragte empfohlen wurde. Ich war anfangs recht skeptisch, sah für mich in dem Bereich Qualitätsmanagement eher keine Perspektive, nahm die Weiterbildung jedoch als nette Ergänzung an.

Job durch Vermittlung der Agentur für Arbeit bekommen

Martin Salwiczek: Wie kam es dann dazu, dass Sie heute im Qualitätsmanagement tätig sind?

Christian Hartmann: Es zeigte sich im Laufe der Weiterbildung, welch gutes Instrument die DIN ISO 9001 auch für die Themen Umwelt und Arbeitssicherheit ist.

Entscheidend war dann mein erstes Gespräch mit meinem Arbeitsvermittler nach der Weiterbildung. Der gab mir direkt einen Vermittlungsvorschlag für eine Stelle als Qualitätsbeauftragter bei einem relativ großen Chemieunternehmen. Ich selbst wäre gar nicht auf die Idee gekommen, mich auf diese Stelle zu bewerben, schon gar nicht vor der Weiterbildung. Und obwohl ich dem Thema anfangs so skeptisch gegenüberstand, wurde ich für diese Position eingestellt und bin auch sehr zufrieden damit.

Martin Salwiczek: Wie gut sind Sie durch die Weiterbildung auf Ihren aktuellen Job vorbereitet worden?

Christian Hartmann: Insgesamt kann ich sagen, dass ich mit dem Gesamtpaket der LVQ eine gute Basisausrüstung für meinen jetzigen Job erhalten habe. Man darf jetzt nicht davon ausgehen, nach der Weiterbildung in den jeweiligen Themen fertig zu sein. Der Auftrag der LVQ ist es ja, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten, den Teilnehmern die Grundlagen zur fachlichen Weiterbildung zu vermitteln, was bei mir hervorragend funktioniert hat.

Auftrag der LVQ: „Hilfe zur Selbsthilfe“

Martin Salwiczek: Können Sie das etwas näher erläutern?

Christian Hartmann: Nehmen wir als Beispiel das Thema Qualitätsmanagement und die Norm  9001.
Als Naturwissenschaftler komme ich aus einer Schwarz-Weiß-Welt, entweder Dinge funktionieren oder sie funktionieren nicht, dazwischen gibt es nichts. Da sind Texte wie die 9001 eine ganze andere Lesart. Im Vorwort existiert zum Beispiel eine Definition für „soll“, „kann“, „muss“, „darf“. Das sind diese Grauschattierungen, die mir vorher so nicht bewusst waren, da musst Du erstmal umdenken. Das meine ich mit Hilfe zur Selbsthilfe, hier werden die Spielregeln vermittelt, Spielen musst Du alleine.

Martin Salwiczek: Wie waren Ihre Erfahrungen mit den Weiterbildungen im Bewerbungsprozess?

Christian Hartmann: Zunächst mal gab mir die Weiterbildung den nötigen Auftrieb, um mich mit neuer Motivation zu bewerben. Dafür war auch die Fürsprache hier im Haus entscheidend, nicht nur die fachliche Vermittlung, sondern auch die menschliche Komponente.

Sehen Sie, ich war vor der Weiterbildung acht Jahre in einer Firma tätig. Die Kündigung war ein schwerer Schlag für mich und mir ging es schlecht damit. Hier bekam ich viel Unterstützung und mir wurden Perspektiven aufgezeigt.

Zum anderen erlebte ich die Sende-Wirkung der Weiterbildungen. Schon während der Weiterbildung stieg das Interesse an meiner Person erheblich. In der Zeit hatte ich drei Vorstellungsgespräche, in denen ich Erfahrungen sammeln konnte, die ich so in der Form vorher noch nicht hatte. Weitere folgten nach der Weiterbildungen. Am Ende konnte ich tatsächlich aus vier Jobs auswählen.

Authentizität und Offenheit als wichtige Elemente im Bewerbungsgespräch

Martin Salwiczek: Wie sind Sie in Vorstellungsgesprächen mit der Tatsache umgegangen, dass Sie nur über Grundlagenkenntnisse verfügen?

Christian Hartmann: Ich bin da immer sehr offen mit umgegangen. Nehmen wir das Gespräch mit meinem jetzigen Arbeitgeber als Beispiel: da habe ich von vornerein offen kommuniziert: Ich bin kein Profi, aber ich habe das Grundrüstzeug, so dass ich mich schnell eindenken und einarbeiten werde. Dieser offene Umgang wurde sehr positiv aufgenommen und führte letztendlich zum Erfolg. Entsprechend wurde mir auch Entwicklungs- und Handlungsspielraum gewährt. Grundsätzlich halte ich es für wichtig, im Vorstellungsgespräch ehrlich und authentisch zu sein. Antworten, die nicht den Tatsachen entsprechen, sondern vermeintlich das sind, was der Arbeitgeber hören möchte, werden schnell durchschaut.

Martin Salwiczek: Herr Hartmann, welche Tipps können Sie abschließend naturwissenschaftlichen Absolventen geben, die auf Jobsuche sind?

Christian Hartmann: Einige Dinge erwähnte ich ja bereits anfangs: Früh Netzwerke knüpfen, so früh wie möglich praktische Erfahrungen sammeln, und wenn es ein Praktikum nach der Promotion ist. Sie sollten zudem versuchen aufzufallen, wobei Weiterbildungen hilfreich sein können.
Ganz wichtig: Sich nicht verleugnen und nicht jeden beliebigen Job annehmen, sondern so nahe wie möglich am eigenen Thema bleiben. Und abschließend: Auch mal über den Tellerrand schauen, Dinge ausprobieren. Das Leben bietet einem viele Gelegenheiten, auch wenn Sie auf dem ersten Blick nicht das sind, was man sich anfangs erhofft hat. Im Leben kommen noch viele weitere Gelegenheiten, wie man bei mir sieht.

Martin Salwiczek: Herr Hartmann, herzlichen Dank für das Interview!

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

Getagged mit: , , , , ,
0 Kommentare zu “„Als Naturwissenschaftler kommst Du aus einer Schwarz-Weiß-Welt“ – Interview mit Dr. Christian Hartmann
1 Pings/Trackbacks für "„Als Naturwissenschaftler kommst Du aus einer Schwarz-Weiß-Welt“ – Interview mit Dr. Christian Hartmann"
  1. […] Christian Hartmanns Erfolgsgeschichte ist ein gutes Beispiel dafür, welche Bedeutung eine Weiterbildung im QM haben kann. Der promovierte Chemiker hatte wie viele andere Naturwissenschaftler Schwierigkeiten beim Berufseinstieg und begann mit Blaumann und Werkzeug in der Hand bei einem kleinen chemischen Abfallbetrieb. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde er am Ende entlassen. Die Jobsuche gestaltete sich danach schwierig: […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Neue Beiträge abonnieren:

Vernetzung und Dialog