Von der Biologin zur Redakteurin – Interview mit LVQ-Absolventin Dr. Stefanie Traeger

Biologin LVQ Stefanie TraegerRosenmontag in Köln bleiben die Büros geschlossen. So hatten wir die Gelegenheit, LVQ-Absolventin Stefanie Traeger an diesem Tag für ein Interview zu bekommen. Frau Traeger ist promovierte Biologin und seit November 2015 als Medizinische Projektleiterin und Redakteurin bei einer Werbeagentur mit Schwerpunkt Medical Marketing tätig. Die Stelle bekam Sie im Anschluss an ihre Weiterbildung bei der LVQ. Entscheidender Türöffner war die Weiterbildung zum Online Redakteur, die sie zunächst gar nicht im Blick hatte. Im heutigen Interview erzählt die Naturwissenschaftlerin von ihrem fachlichen Quereinstieg und gibt wertvolle Einblicke in ihre Phase der Jobsuche.

Martin Salwiczek: Liebe Frau Traeger, schön dass wir Zeit für das Interview gefunden haben. Berichten Sie doch mal unseren Lesern, was Sie jetzt beruflich machen.


Abschied von der akademischen Laufbahn

Stefanie Traeger: Ich bin medizinische Projektleiterin und Redakteurin. Das heißt, ich stehe im Kundenkontakt und bespreche mit den Kunden die durchzuführenden Projekte. Ich bin außerdem für die Konzeptionierung und die medizinischen Inhalte verantwortlich. Daneben leite ich das Projekt, indem ich die Grafik- und IT-Umsetzungen plane und koordiniere. Anschließend gebe ich den Entwurf, die App oder ähnliches zur Freigabe an den Kunden und sorge bei Änderungswünschen für die Umsetzung. Vom Pitch über Angebotsverfassung, Konzeptausarbeitung über Umsetzung bin ich also bei der Entstehung von Flyern, Broschüren, PPS-Slideshows, Apps und der Planung von Kongressen mit beteiligt.

Martin Salwiczek: Das ist jetzt nicht unbedingt das „klassische“ Berufsprofil einer Biologin.

Stefanie Traeger: Stimmt. Schon während meiner Promotion war mir klar, dass ich keine akademische Karriere anstrebe. Die zeitlich befristeten Verträge, das viele Umziehen – ich habe mich in diesem Weg zu eingeengt gefühlt. Daher habe ich mich schon früh damit beschäftigt, was ich eigentlich machen möchte. Ich habe in Stellenbörsen recherchiert um zu schauen, welche Firmen ausschreiben und welche Stellen ausgeschrieben werden. So habe ich viele Beispiele von unterschiedlichen Berufsfeldern kennengelernt.

Wichtig waren auch die Besuche von Karrieremessen.

Experimentierwiese Jobmesse

Martin Salwiczek: In welcher Hinsicht? Welche Erfahrungen haben sie bei ihren Jobmessebesuchen gemacht?

Stefanie Traeger: Jobmessen lassen sich vor allem sehr gut zu Lernzwecken nutzen: Wie kann ich mich in zwei Minuten gut präsentieren und von anderen abheben? Wie sehen Personaler mich? Da konnte ich wichtige Erkenntnisse gewinnen, die ich auch für meine Bewerbungen übernommen habe. Das Üben von Gesprächen war letztendlich wichtiger, als Infos über die Jobs und Unternehmen zu bekommen. Grundsätzlich kann ich den Tipp geben, gut vorbereitet zur Messe zu gehen, um die entsprechende Infos zu bekommen.

Martin Salwiczek: Sie sagten, dass Sie einige Erkenntnisse für Ihre Bewerbungsunterlagen übernommen haben. Können Sie das etwas genauer ausführen?

Stefanie Traeger:Gerade beim Messebesuch merkt man noch mal, wie wichtig der erste Eindruck ist. Also machte ich hochwertige Fotos, passte meine Unterlagen mehr den Bedürfnissen der Personaler außerhalb der Forschung an, erstellte die Unterlagen auch auf Englisch. 30 Bewerbungen verschickte ich in den letzten vier Monaten der Promotion, woraus immerhin drei Gespräche resultierten.

Martin Salwiczek: Anstatt einen Job anzufangen, machten Sie jedoch zunächst eine Weiterbildung. Wie kam es dazu?

Stefanie Traeger: Teilweise war es mit den Stellen zu früh, da ich in der Abschlussarbeit steckte. Andere Jobs wollte ich nicht machen, zum Beispiel im Außendienst. Also wollte ich mich mit Unterstützung der Arbeitsagentur weiterbilden, die anfangs jedoch nicht mitspielte. Ich solle mich erst mal weiter bewerben. Nach sechs Monaten bekam ich dann doch eine Förderung meiner Weiterbildung mit dem Bildungsgutschein.

Weiterbildung zur Erweiterung des fachlichen Profils

 Martin Salwiczek: Welche Weiterbildung hatten sie da im Blick?

 Stefanie Traeger: Ich wollte von vornherein BWL machen. Das gab es nicht an der Uni, wurde in Gesprächen aber häufig nachgefragt. Also informierte ich mich über mögliche Weiterbildungen und fand dabei die LVQ.

Ich bekam sehr kurzfristig ein Beratungsgespräch bei Herrn Hahn, da der Weiterbildungsstart auch recht kurzfristig war. Umso mehr Zeit nahm er sich dann im Gespräch. Wir sprachen zunächst viel über mich, meine Stärken und meine Ausrichtung. Da wurde auch noch mal besonders klar, dass ich weniger die forschungsbegeisterte Wissenschaftlerin bin. Kommunikationsstarke Themen standen für mich mehr im Vordergrund. Wir sprachen über das modulare System der LVQ und überlegten gemeinsam, wie ich mich fachlich breiter positionieren kann. Um die geringe Projektleitungserfahrung etwas auszugleichen, nahmen wir zu BWL das Projektmanagement dazu. Qualitätsmanagement fand ich interessant, auch als wichtige Zusatzergänzung da es in Stellen für Naturwissenschaftler häufig gefordert wird.

Martin Salwiczek: Wie empfanden Sie den Start?

Stefanie Traeger: Mit BWL ging es los. Ich war direkt begeistert, dass Thema lag mir sehr. Es war ein toller Kurs mit netten Teilnehmern und guten Dozenten, sehr strukturiert. Zudem empfand ich die Atmosphäre bei der LVQ direkt sehr angenehm, sehr familiär. Vor allem Frau Neumann, die durch die Räume ging und nachfragte, wie es einen ging. Man merkt, dass die Mitarbeiter keine Floskeln von sich geben, sondern ernsthaftes Interesse an den Teilnehmern haben. Der Austausch und die Vernetzung zwischendurch mit Teilnehmern war schließlich einer der wichtigsten Faktoren. Man unterstützt sich gegenseitig, gibt einander wertvolle Tipps.

Martin Salwiczek: Dabei kommen die Teilnehmer ja aus ganz unterschiedlichen Bereichen….

Stefanie Traeger: Der Mix macht es ja gerade so spannend. Man sitzt mit Berufsstartern und ehemaligen Geschäftsführern in einem Kurs. Das zeigt, dass es jeden treffen kann und man sich seiner Arbeitslosigkeit nicht schämen muss.
Die Gespräche mit erfahrenen Menschen haben mir viel Mut gemacht. Sie haben mich darin bestätigt, meinen eigenen Weg zu gehen, nicht etwas zu tun, was ich nicht will.
Stolpersteine zu nehmen, gehört dazu. Genauso wie auch mal einen Job abzulehnen. Wichtig ist, nicht als Bittsteller im Vorstellungsgespräch aufzutreten, sondern als derjenige, der den Job aussucht.

Online Redakteur als Türöffner für den Job

Martin Salwiczek: Die Gespräche mit den Teilnehmern war für Sie ein wichtiger Faktor bei der Weiterbildung. Wie lief es auf der fachlichen Ebene weiter, nach der BWL-Weiterbildung?

Stefanie Traeger: Ich begann mit Qualitätsmanagement und merkte sehr schnell, dass der Stoff mir gar nicht liegt. Auch wenn ich das Thema als sehr wichtig erachte und ich froh bin die Weiterbildung gemacht zu haben, war mir klar dass ich nicht im Qualitätsmanagement arbeiten will. Die Erkenntnis war wie ein Augenöffner.
Die zweite Stufe stand im Anschluss an, doch das wollte ich nicht. Ich überlegte mir, was ich stattdessen machen könnte. Eigentlich ist ein Kurswechsel im Nachhinein ja nicht möglich, doch durch einen Zufall wurde noch ein Platz im Kurs Online-Redakteur frei, den ich glücklicherweise bekam.

Martin Salwiczek: Das Thema Online Redaktion ist ja ähnlich weit weg vom klassischen „Biologenprofil“ wie BWL. Wie kamen Sie denn darauf?

Stefanie Traeger: Ich dachte dabei nicht unmittelbar an einem Job, sondern wollte etwas tun, worin meine Stärken liegen und woran ich Spaß habe. Ich habe schon immer gerne geschrieben, gerne formuliert und Texte verfasst. Ich habe mich während des Studiums sogar auf schriftliche Arbeiten gefreut, mehr als auf das Labor.
Als ich die Möglichkeit sah, eine redaktionelle Weiterbildung zu machen, habe ich einfach mal meine Stellensuche erweitert und neue Schlagworte mit angegeben. Ich war überrascht, wie viele entsprechende Stellen dann aufgeschlagen sind. Auf einmal konnte ich mir vorstellen im Marketing oder der Kommunikation zu arbeiten. Daher wollte ich den Online Redakteur unbedingt machen.

Martin Salwiczek: Was Sie auch getan haben…

Stefanie Traeger: …und was ausschlaggebend für meinen jetzigen Job war. Für eine Bewerbung als medizinische Redakteurin bekam ich innerhalb von einer Stunde eine Einladung zum Gespräch. Obwohl ich die Weiterbildung zu diesen Zeitpunkt noch gar nicht angetreten hatte, konnte ich mich von anderen Bewerbern durch Erwähnung des anstehenden Zertifikats abheben. Ich konnte meinen praktischen Teil der Weiterbildung, das Praktikum, dort machen und habe anschließend auch den Job bekommen.

Jobsuche als einjähriger Entwicklungsprozess

Martin Salwiczek: Im Nachhinein sieht man ja bestimmte Dinge anders. Wie blicken Sie denn auf ihre Phase der Jobsuche zurück?

Stefanie Traeger: Es war ein einjähriger Entwicklungsprozess. Angefangen beim komplett neuen Lebenslauf, losgelöst vom universitären Kontext, auf die „Zielgruppe“ angepasst. Dazu überleitend die Erstellung eines aussagekräftigen XING-Profils.

Das neu gewonnene Selbstbewusstsein während der Weiterbildung, nicht eine von vielen zu sein, sondern sich fachlich noch mal abzuheben. Es ist immer einfach zu sagen: „Du musst selbstbewusster auftreten“. Das ist während der Jobsuche aber gar nicht so einfach. An der Uni bist Du mit Deinem Doktortitel eine von vielen.Die Weiterbildung bei der LVQ hat mir in der Hinsicht wirklich weitergeholfen, da es meinem Abschluss wieder eine Bedeutung gegeben hat.

Martin Salwiczek: Welchen Tipp können Sie abschließend promovierten Naturwissenschaftlern für die Jobsuche geben?

 Stefanie Traeger: Zunächst der klassische Schritt: Über Jobvector nach den Stellen gucken und sich fragen:

Was will ich eigentlich? Was will ich auf gar keinen Fall? Will ich für ein großes Unternehmen arbeiten oder ein mittelständisches?
Zudem mehr auf die soft skills schauen. Was habe ich schon gerne während der Schul- und Studienzeit gemacht? Auch Dinge zu berücksichtigen, die man nicht primär gesehen hat.
Ganz wichtig: Weiter informieren, unterwegs bleiben, reden, zu Messen gehen, sich weiterbilden. Man kann sich nicht genug informieren oder sich tot lesen.

Ein letzter Tipp: Super war auch die Jobapp truffls. Ich war so dankbar, als es im Bewerbertraining vorgestellt wurde. Es schafft Möglichkeiten sich neue Felder zu erschließen. So konnte ich schauen, ob ich woanders Interesse entwickeln kann. Man treibt somit Marktforschung in eigener Sache, bewirbt sich mit einem Klick. Es ist eine Art von Marktwert testen, für mich war es super!

Martin Salwiczek: Vielen Dank für das spannende Interview!

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Hier schreiben Lars Hahn, Martin Salwiczek und Gastautoren.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

 

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0 Kommentare zu “Von der Biologin zur Redakteurin – Interview mit LVQ-Absolventin Dr. Stefanie Traeger
2 Pings/Trackbacks für "Von der Biologin zur Redakteurin – Interview mit LVQ-Absolventin Dr. Stefanie Traeger"
  1. […] Stefanie Traeger ist Projektleiterin und Redakteurin bei einer Werbeagentur mit Ausrichtung auf den medizinischen Bereich. Noch einige Monate vorher hätte sie nicht im Leben daran gedacht, in diesem Berufsfeld zu arbeiten. Die promovierte Biologin war sich zwar bewusst, dass sie raus aus Forschung und Lehre wollte, jedoch war ihr die Richtung noch nicht ganz klar. Sie entschied sich für eine Weiterbildung im Qualitätsmanagement, merkte aber schnell, dass sie in diesem Bereich nicht glücklich werden würde. Schon immer lagen ihre Stärken in der Kommunikation, ihre Leidenschaft im Schreiben. Also bekam sie die Gelegenheit, sich zusätzlich zur Online-Redakteurin weiterzubilden. […]

  2. […] 9) Von der Biologin zur Redakteurin – Interview mit LVQ-Absolventin Stefanie Traeger […]

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