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In diesem Jahr startete unsere Messe-Saison im Februar: Wir waren gerade auf dem Karrieretag in Dortmund, der Jobmesse in Bochum und der Weiterbildungsmesse in Hagen und freuten uns bereits auf die Weiterbildungsmessen der Folgemonate in Essen und Oberhausen, die Jobmessen in Düsseldorf und Dortmund und die Karrieretage in Gelsenkirchen und Frankfurt. Wir waren gut vorbereitet, begeistert mit einem brandneuen Messestand, tollen Unterlagen und neuen Vortragsthemen auf die Events zu ziehen und mit vielen Menschen über unsere Weiterbildungsangebote persönlich zu sprechen.

Doch dann wurde das öffentliche Leben schlagartig eingefroren. Alles, was Event ist, wurde gecancelt. Messen und andere Großveranstaltungen konnten von einem Tag auf den anderen nicht mehr stattfinden.

Dabei sind Weiterbildungsmessen nicht nur für uns, sondern gerade für potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein durchaus bedeutsamer Treffpunkt, denn das persönliche Kennenlernen und Informationen aus erster Hand stehen bei diesen Events im Mittelpunkt. Weiterbildungsinteressierte können im direkten Gespräch mit uns als Beraterinnen und Beratern herausfinden, welche (Weiterbildungs-) Möglichkeiten und Perspektiven ihnen offenstehen und welcher Kurs oder Lehrgang sie dabei unterstützt sowie zu ihnen und ihren Bedürfnissen passt.

Nun über mehrere Monate oder länger abgesagt, fehlt dieser erste Kennenlern- und Kontaktpunkt für beide Seiten: Ärgerlich für Weiterbildungsinteressierte, teils tragisch für uns Bildungsanbieter. Gemeinsam suchten wir Weiterbildungsträger daher nach einem Plan B, ein alternatives, jetzt digitales Format musste her:

Am Donnerstag, den 29.10.2020 starten über 100 Bildungsunternehmen aus dem Ruhrgebiet die erste Digitale Weiterbildungsmesse Ruhr. Diese Messe richtet sich in erster Linie an Jobsuchende und Beschäftigte, die eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters starten möchten.

In diesem Beitrag erzähle ich über die Entstehungsgeschichte der ersten Digitalen Weiterbildungsmesse Ruhr, denn die kreative, vernetzte Zusammenarbeit zwischen uns Bildungsträgern sagt viel über Spirit, Pioniergeist, Improvisationsvermögen und Zusammenhalt in schwierigen Corona-Zeiten aus.

Digitale Vernetzung statt persönliche Treffen

In der Corona-Phase zahlte sich schnell aus, dass sich viele von uns Weiterbildungsunternehmen längst vernetzt haben. So gibt es allein im Ruhrgebiet die fünf Netzwerke: Weiterbildung im Revier e. V., Dortmunder Weiterbildungsforum e. V., Weiterbildungsforum Oberhausen-Mülheim e. V., Gelsenkirchener Forum, Netzwerk Weiterbildung Duisburg. Gerade planten wir gemeinsam noch ein klassisches Event für den Herbst 2020 – den 1. Weiterbildungskongress Ruhr, der mittlerweile auf 2021 verschoben wurde – schon starteten wir stattdessen mit der Planung eines virtuellen Projektes: einer Digitalen Weiterbildungsmesse.

Da traf es sich gut, dass wir trotz aller widrigen Umstände – quasi mit Beginn der Krise – die Aktivitäten unserer Netzwerke sogar noch intensivierten. Es ging um Fragen der Wiedereröffnung von Unterricht, nach digitalen Alternativen, rechtlichen Fallstricken und Hygieneregeln. Es ging darum schnelle, kurzfristig brauchbare Lösungen zu finden – Improvisationsvermögen allenthalben. In der Not halfen wir uns gegenseitig, wir tauschten uns aus und lernten gemeinsam miteinander, wie wir mit den Herausforderungen von Corona umgehen könnten. Statt als Wettbewerber Wissen zu horten und sich von anderen Mitstreitern abzuschotten, teilten wir unser Wissen und profitierten so von den Erfahrungen eines jeden – Kollaboration statt Konkurrenz.

Wir trafen uns digital über Zoom, Skype, Webex, Teams. Sogar die Mitgliedsversammlungen der Weiterbildungsnetzwerke fanden mittlerweile online und virtuell statt. Und auch der Austausch mit unseren Partnern wie der Bundesagentur für Arbeit und den Jobcentern intensivierte sich durch die gemeinsame Ansprache als ein Netzwerk.

Schnell entwickelten wir dabei gemeinsam auch die Idee einer alternativen Lösung zu herkömmlichen Weiterbildungsmessen. Schließlich ist es gerade jetzt wichtig, öffentlich nicht nur über Bildung an Schulen, sondern auch über Weiterbildung zu sprechen, weil das Thema Weiterbildung in Zeiten des Corona-Arbeitsmarktes wichtiger denn je ist: Die Möglichkeit der Qualifizierung in Kurzarbeit oder während einer Arbeitslosigkeit bietet allen Akteuren – Unternehmen wie Berufstätigen – viele Chancen, sich fit zu machen für die zukünftigen Anforderungen unserer Arbeitswelt. Weil aber klassische Events wie Messen auf absehbare Zeit nicht mehr stattfinden werden, war klar: Etwas Digitales muss es sein!

Digitale Weiterbildungsmesse – Quadratur des Kreises

Aber geht das überhaupt: Eine digitale Messe? Zeichnen sich doch klassische Messeveranstaltungen gerade durch persönliche Treffen, direkten Austausch und echten Dialog aus. Genau diese „persönlichen“ Aspekte waren daher auch die Mindestkriterien für unsere Suche und Auswahl einer digitalen Möglichkeit für eine Weiterbildungsmesse. Gemeinsam suchten wir, Kolleginnen und Kollegen von Weiterbildungsunternehmen, nach einer guten Variante: Wir probierten verschiedene Plattformen und diskutierten eigene „selbstgebaute“ Lösungen.

Schließlich landeten wir bei einem Messe-Veranstalter, der genau das umgesetzt hatte, was wir und viele andere Bildungseinrichtungen selbst erlebt hatten, nämlich das eigene Geschäftsmodell schnell in die digitale Variante zu transformieren. Als reiner Anbieter von klassischen Präsenzmessen schuf auch dieser Messe-Veranstalter eine digitale Plattform, die genau das erfüllte, was wir suchten: Einfacher, niederschwelliger Zugang, Ermöglichung von echten, persönlichen (Video-)Gesprächen und außerdem noch datensparsam und datensicher.

Auf der digitalen Plattform der Jobwoche ist unter Mitwirkung der regionalen Weiterbildungsnetzwerke nun das Online-Format der Digitalen Weiterbildungsmesse Ruhr entstanden, die jetzt am 29.10.2020 erstmalig stattfinden wird. Erfreulich ist, dass auch die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter von diesem Messe-Event überzeugt werden konnten und als Kooperationspartner der Digitalen Weiterbildungsmesse Ruhr auftreten.

Digitale Vernetzung – Was habe ich persönlich gelernt?

In den vergangenen sechs Monaten konnte ich persönlich durch diese Aktivitäten viel lernen. Die vielen Gespräche und Vorbereitungen für die Digitale Weiterbildungsmesse Ruhr – online wie offline – stehen für mich dabei beispielhaft für die spannenden Herausforderungen der Corona-Zeit: In extrem kurzer Zeit musste eine tragfähige Lösung gefunden werden, damit etwas digital, kontaktlos und sicher umgesetzt werden kann, was vorher noch und teils sogar nur offline möglich war. Digitale Disruption im Schnellverfahren gewissermaßen.

Was mir dabei aufgefallen ist: Mit Denkweisen des 20. Jahrhunderts kommt man nicht weit. Wer allein im stillen Kämmerlein vor sich hinwerkelt und ganz auf Sicherheit detailliert plant, bevor er handelt, ist verraten und verkauft. Seit Corona und den damit verbundenen Herausforderungen sind Tugenden und ein Mindset gefragt, die typischerweise in Kontexten von New Work oder Arbeiten 4.0 thematisiert werden. So haben wir uns bei den Vorbereitungen der Digitalen Weiterbildungsmesse in

  • informellen und formellen Netzwerken organisiert, die von
  • Kooperation und Kollaboration statt von Konkurrenz geprägt sind.
  • Wir haben in wechselnden Teams aufgabenbezogen gearbeitet,
  • digitale Plattformen und klassische Wege (Telefon und echte Meetings!) parallel oder gar hybrid genutzt,
  • viel Improvisation gebraucht, um pragmatische, brauchbare Lösungen (minimal viable products) zu schaffen
  • und – für mich einer der wichtigsten Aspekte – in einer Atmosphäre gearbeitet, die von Vertrauenvorschüssen geprägt ist.

Ich hatte in den letzten Wochen und Monaten viel Freude bei der unkonventionellen Zusammenarbeit mit allen Akteuren. Gemeinsam mit den Mitstreitern anderer Weiterbildungsunternehmen, den Ansprechpartnern bei unseren Partnern und dem Projektmanager der Messeplattform trafen wir uns in wechselnden Teams online per Zoom wie offline beim Kaffee. Trotz oder gerade wegen der coronabedingten Widrigkeiten erarbeiteten wir gemeinsam pragmatische Lösungen und lernten jeden Tag neu dazu. Wir rissen Kommunikationshürden nieder, schufen Wege und Möglichkeiten, die vorher undenkbar schienen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Jetzt packen wir gerade unseren virtuellen Messekoffer für die Digitale Weiterbildungsmesse Ruhr. Der neue Messestand wird endlich ausprobiert und wir sind bereits alle ganz aufgeregt wegen unseres neuen digitalen Messe-Formats! Sie lade ich herzlich ein, bei der ersten Digitalen Weiterbildungsmesse Ruhr dabei zu sein, damit Sie sich selbst einen Eindruck davon machen können, was in dieser kurzen Zeit erreicht werden konnte.

P. S.: Ich freue mich sehr auf die tolle Messe und möchte deshalb allen Akteurinnen und Akteuren, die an der Vorbereitung der 1. Digitalen Weiterbildungsmesse beteiligt sind, ganz herzlich danken! Beispielhaft seien hier genannt: Simone Klug vom W.I.R. e.V., Helga Piepenbrink vom dwf e.V., Frank Bahnsen vom TÜV Nord, Peter Urselmann vom Weiterbildungsinstitut wbi, Wolfgang Hildebrand-Peters von den GSI-SLV, Benjamin Herzog von der Jobwoche, allen Kolleginnen und Kollegen der unterstützenden Weiterbildungsunternehmen, Torsten Withake, von der Regionaldirektion NRW mit seinem Team und seinen vielen unterstützenden Kolleginnen und Kollegen in den Arbeitsagenturen und Jobcentern. Mein besonderer Dank gilt auch unserem tollen Team in der LVQ!


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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Foto Lars Hahn

Autor

Lars Hahn

ist Geschäftsführer der LVQ und Entdecker von Systematisch Kaffeetrinken. Er schreibt über Entwicklungen der Arbeitswelt, gibt wertvolle Tipps und führt spannende Interviews zu den Themen Karriere, Jobsuche und Weiterbildung.