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Ein Monat Online-Präsenzunterricht bei der LVQ: Wie ist es gelaufen? Was sagen die Teilnehmer, Dozenten und beteiligten Mitarbeiter? In diesem Beitrag ziehen wir eine erste Zwischenbilanz.

Wie erfindet sich ein Unternehmen in einem Monat neu?

Haben Sie schon mal von der „Kill-Your-Company“-Methode gehört? Dahinter verbirgt sich die Idee, die eigene Firma in einem Experiment vom Markt zu verdrängen, um so Risiken des eigenen Geschäftsmodells aufzudecken und Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Diese Methode erfreut sich wachsender Beliebtheit und wird vor allem gerne von Unternehmensberatungen genutzt, um Firmen bei der Digitalisierung zu unterstützen. Was eigentlich als Planspiel gedacht ist, wurde für uns, wie auch für viele andere Unternehmen, nun zur Realität – mit dem Unterschied, dass nicht die Digitalisierung, sondern ein Virus uns dazu gezwungen hat, das eigene Geschäftsmodell schnellstens umzukrempeln.

Über ein Jahr lang arbeiteten wir zuvor an unserem neuen Markenauftritt, mit der Fokussierung auf dem Alleinstellungsmerkmal „Präsenzunterricht“. Nicht mehr als knapp über vier Wochen dauerte es, um unser Erfolgsmodell auf neue Beine zu stellen: Aus Präsenzunterricht wurde Online-Präsenzunterricht. Welch ein Unterschied ein Präfix ausmachen kann.

Zoom und Moodle als Plattformen der Wahl

Bereits vor den Corona-Einschränkungen bereiteten wir uns auf einen improvisierten Online-Unterricht vor. Allerdings kamen die Schnelligkeit der verordneten Schließung und die formalen Restriktionen dazwischen. Für Online-Unterricht hatten wir anfangs noch nicht die Genehmigung, also meldeten wir zunächst Kurzarbeit an. Wir wussten nicht, wie es für uns weitergehen soll, doch es dauerte keine Woche und die Bundesagentur für Arbeit erteilte pragmatisch die Sondergenehmigung für Präsenz-Bildungsträger, Unterricht auch online anbieten zu dürfen. Also direkt wieder raus aus der Kurzarbeit und los ging es mit Planung und Projektmanagement. Zu Beginn stand die Frage, über welche Plattform der Online-Unterricht stattfinden soll. Wir probierten unterschiedliche Systeme aus und berieten uns mit erfahrenen Online-Trainern. Die Wahl fiel schließlich auf die Plattform Zoom, da sie der einzige Anbieter ist, der über 20 Teilnehmer mit Video und Audio in vernünftiger Qualität übertragen kann. Für Verunsicherung sorgte kurzzeitig die aufkommende öffentliche Kritik an Zoom hinsichtlich Datenschutz, dennoch entschieden wir uns dazu, auf Zoom zu setzen. Marvin Müller, Datenschützer und IT-Leiter der LVQ dazu:

 

„Die aktuelle Kritik ist zwar schrill und stark auf Zoom fokussiert, die Kritikpunkte lassen sich aber eins-zu-eins auf alle anderen Konferenzsoftware-Anbieter übertragen. Zudem ist Zoom nach Privacy Shield zertifiziert und damit nach europäischem Recht datenschutzkonform. Auch Datenschützer nutzen Zoom.“

Ergänzend dazu entschieden wir uns, das Lernmanagementsystem Moodle zu nutzen. Darüber ist es möglich Unterlagen zu teilen, Prüfungen abzuwickeln und den Austausch der Teilnehmer über den Unterricht hinaus zu fördern.

Schnelle Umsetzung dank vieler Helfer

Besondere Unterstützung erhielten wir dabei neben vielen anderen engagierten Helfern besonders von Susanne Plaumann, die unsere Dozenten in der Nutzung von Zoom schulte und Stephan Rinke von der VHS Essen, der uns in die Nutzung von Moodle einführte und viele Tipps gab. Dafür vielen Dank!

„Die LVQ hat als einer der wenigen Anbieter schnell auf die Situation reagiert, auf virtuelles Lernen umgestellt und uns im Vorfeld sehr intensiv auf den Unterricht vorbereitet. Sowohl die technische Ausstattung als auch die Vorbereitung führten dazu, dass ich sofort beginnen konnte“, bemerkt Dozent Torsten Pyzalski, der für mehrere Bildungsinstitute tätig ist.

Auch von Teilnehmerseite wurde die Umstellung positiv aufgenommen. Eliana Salber war bereits Teilnehmerin vor dem Corona-Ausbruch und erlebte die Umstellung auf online mit:

„Von der schnellen und guten Organisation der LVQ war ich überrascht. Dazu gehörte ein Online-Meeting zur Vorbereitung, mit mehreren Erläuterungen zum Thema technische und didaktische Hürden. Die Bereitschaft war sofort da, Teilnehmern mit noch nicht vorhandener Ausstattung (Mikro, Kamera etc.) zu helfen. Dann kam der Ordner mit dem Lern-Material und detaillierten Erläuterungen, wie Moodle und Zoom korrekt genutzt werden.“

Die LVQ bleibt persönlich, auch online

Als die Infrastruktur soweit stand, war die nächste Frage, in welcher Form wir den Unterricht durchführen, denn auch hier gibt es verschiedene Varianten. Für uns war von vornherein klar, dass wir das typische „LVQ-Feeling“ so gut wie möglich online transportieren wollen: Keine Videoaufzeichnungen, keine virtuellen Klassenräume mit Avataren, kein reines E-Learning, sondern echter Präsenzunterricht mit Dozenten und Teilnehmern live in einem Raum – nur halt online. Entsprechend bereiteten wir den Online-Präsenzunterricht vor. Vor allem die Dozenten waren hier gefordert: in kürzester Zeit strickten sie ihre Lehrmaterialien um, arbeiteten sich in die Materie des Online-Trainings ein und leisteten somit in kürzester Zeit enormes.

Mitte April war schließlich der Startschuss für unsere ersten sieben Online-Weiterbildungen mit knapp über 150 Teilnehmern. Nach einigen zu erwartenden technischen Stolpersteinen zu Beginn, läuft der Online-Präsenzunterricht seitdem ohne große technische Zwischenfälle. Die Prüfungen, sowohl schriftlich als auch mündlich, konnten Mitte Mai erfolgreich durchgeführt werden. 

Auch das Coaching mit den Teilnehmern findet über Zoom statt: „Das klappt prima über Zoom. Es ist zwar nicht dasselbe, wie sich vor Ort zu sehen, aber trotzdem persönlich. Manche Teilnehmer sind in ihrer privaten Umgebung sogar etwas entspannter. Lebensläufe lassen sich gut teilen und besprechen ebenso XING-Profile. Hier ist der Vorteil online sogar, dass jeder am Rechner sitzt und die Teilnehmer besprochenes direkt umsetzen können“, so Beraterin Helene Thiessen.

Präsenzunterricht in Zoom – Möglichkeiten und Erfahrungen

Wie empfanden die Teilnehmer und Dozenten den Online-Unterricht? Dozentin Beate Koch unterrichtet Kommunikation, eine besondere Herausforderung, da Kommunikation bekanntlich zu 90% non-verbal abläuft. Denn online ist es nun mal schwierig mit Körpersprache zu arbeiten:

„Das war schon eine Umstellung, gerade da die Teilnehmer ihre Kameras und Mikros zwischendurch ausgeschaltet haben. Da ist das Kommunikationstraining schon eine Herausforderung.“

So empfand es auch Teilnehmer Benjamin Kratz: „Videoaufnahme und Analyse ging ja leider nicht, Mimik und Gestik zu behandeln ist auch schwer über die Webcam. Ein Vortrag in einer gewohnten Umgebung ohne tatsächliche Zuschauer vor einer Webcam zu halten, das ist kein Vergleich zu Realität.“

Doch Beate Koch bediente sich der vorhandenen Medien um den Fokus auf den Kommunikationsunterricht anders zu setzen:

„Das Zoom-Format bietet tolle interaktive Möglichkeiten. Gruppenarbeiten lassen sich über die Breakoutrooms sehr gut machen. Die Teilnehmer erarbeiten gemeinsame Präsentationen, z. B. zum Thema Umgang mit Lampenfieber. Kreativitätstechniken lassen sich üben, Fallaufgaben lösen. Ebenso Partnerübungen. Auch das Üben von virtuellen Vorstellungsgesprächen klappt prima, was ja aktuell ein wichtiges Thema ist.“

Dies registrierten auch die Teilnehmer. Eliana Salber, die selbst über mehrjährige Erfahrung als Trainerin verfügt, meint:

„Die Dozenten konnten alle sehr gut mit den Kanälen umgehen. Es war interessant, wenn der eine oder andere unterschiedliche „Tricks“ zur aktiven Mitarbeit in Zoom zu nutzen wusste.“

Entsprechend konnten anfängliche Bedenken der Teilnehmer gegenüber dem Online-Unterricht ausgeräumt werden:

„Vor dem ersten Unterricht hatte ich die Befürchtung, dass es eher träge und einschläfernd wird... Pustekuchen! Bis dato hat es jeder Dozent geschafft meine Aufmerksamkeit den Tag über aufrecht zu erhalten. Der Unterricht ist interaktiv, es gibt Gruppenarbeiten und zwischendurch die Freiheit Mal die Kinder abzuholen, ein Paket anzunehmen oder sonstiges, was beim Präsenzunterricht nicht möglich wäre“, so Benjamin Kratz.

Präsenz vs. Online: Vor- und Nachteile

Auch Eliana Salber sieht als zweifache Mutter die Vorzüge des Online-Unterrichts von zu Hause aus:

„Nicht zu unterschätzen ist die Entlastung beim Erledigen der anstehenden Aufgaben im Haushalt und mit den Kindern. Und ein eindeutiger Vorteil sind die doch deutlichen Zeit- und Kostenersparnisse.“

Dies schildert auch Benjamin Kratz sehr eingängig:

„Mein erstes Modul fand bekanntlich noch im Präsenzunterricht statt. Das hieß für mich, früh aufzustehen, mich fertigzumachen und 45 Minuten Auto zu fahren. Am Vortag musste noch das Lunchpaket für den Tag vorbereitet werden. Heute sieht mein Tag im Onlineunterricht etwas anders aus. 7:45 Uhr aufstehen, Taste für Kaffee drücken, in eine Hose schlüpfen die grad zur Hand liegt und obenrum etwas Passenderes für die Onlineerscheinung. Zwischen 7:55 und 7:58 betrete ich den virtuellen Klassenraum per Zoom. In den kurzen Pausen, gibt es Mal ein Brötchen, Mal Müsli. Was gerade der Haushalt hergibt. 16:00 Uhr Feierabend 16:01 Uhr Zeit für die Familie. In den Punkten schlägt der Onlineunterricht den Präsenzunterricht um Längen.“

Schlägt der Online-Unterricht nun den Präsenzunterricht?

Immerhin lebt die LVQ von dem direkten Miteinander der Dozenten, Teilnehmer und Mitarbeiter.

„Mir fehlt die Nähe, der direkte Austausch, die Gespräche zwischendurch“, sagt Beate Koch und Torsten Pyzalski fügt hinzu, dass der „individuelle persönliche Bezug zu den Teilnehmern“ fehlt.

Teilnehmer Benjamin Kratz zieht einen Vergleich:

„Was den Komfort angeht, ist der Präsenzunterricht um Längen hinterher. Was den Lerneffekt betrifft gibt es Themen, die ich persönlich lieber im Präsenzunterricht bearbeitet hätte, die Wirkung wäre eine ganz andere gewesen. Bei Themen, wo keine körperliche Präsenz nötig ist, kann man auch zum Onlineunterricht greifen.

Für mich aber entscheidend ist der soziale Aspekt. Bei meinem ersten Modul habe ich neben dem fachlichen Wissen ein nützliches Netzwerk in den Pausengesprächen geschaffen. Dies habe ich online so nicht. Der Kontakt zu den Kollegen vom ersten Kurs ist ein ganz anderer als der zu den Online-Kollegen. Von daher würde ich mich immer wieder für den Präsenzunterricht entscheiden, da der Nutzen den Komfort übertrifft.“

Präsenz- oder Online-Unterricht – wie geht’s weiter?

Mit seinem Statement bringt Benjamin Kratz auf den Punkt, was viele Teilnehmer empfinden. In einer ersten Umfrage gaben mehr als ¾ der Teilnehmer an, dass sie sich den Präsenzunterricht zurückwünschen, auch wenn Sie mit der Organisation und Umsetzung des Unterrichts durchweg zufrieden waren. Auch uns fehlt die soziale Komponente, die Menschen vor Ort. Auch wenn wir sehr zufrieden damit sind, wie der Online-Unterricht läuft, möchten wir auch wieder auf klassischen Präsenzunterricht umsteigen, sobald es wieder möglich ist. Lars Hahn, Geschäftsführer der LVQ schrieb kürzlich dazu in seiner Kolumne:

"Auch zukünftig setzt die LVQ sicherlich wieder auf echten Präsenzunterricht. Jedoch werden wir das erst wieder anbieten, wenn es für alle Beteiligten, Mitarbeitende und Teilnehmende nicht nur erlaubt, risikolos und gefahrlos möglich ist, sondern sich auch wieder gut anfühlen wird. Das bis dahin Gelernte aus dieser aufregenden Zeit der Corona-Krise werden wir sicherlich mitnehmen.“


 


 

 

 

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Martin Salwiczek.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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Autor

Martin Salwiczek

hat als Berater und Dozent einen engen Draht zu den Teilnehmern der LVQ. Daraus zieht er Ideen für seine Beiträge und findet immer wieder interessante Interviewpartner. Zudem ist Martin XING-Spezialist und hat unter anderem die XING-Serie für die Jobsuche geschrieben.