Ein persönlicher Blick auf ein Jahr, das anders kam als gedacht.
„Was für ein Jahr?!“ Wer hätte im Januar geahnt, wie sich 2025 am Ende anfühlt? Ich jedenfalls nicht. Ein guter Kaufmann jedoch schaut sich zum Jahresende an, inwiefern das Ergebnis mit dem ursprünglichen Plan übereinstimmt. Genau das möchte ich in diesem Artikel tun: Den Blick zurück wagen, meinen Eröffnungsbeitrag aus Januar danebenlegen und daraus einen Ausblick auf 2026 ableiten. Im Fokus stehen dabei natürlich Arbeitsmarkt, Transformation, Weiterbildung und die Frage: „Was bedeutet das alles für Karriere und Jobsuche?" Den Beitrag werde ich garnieren mit einigen Impressionen aus unserem LVQ-Jahr 2025.
Erneuerungskrise. Oder: Wenn die Welle anders bricht als geplant
Wellenbewegungen. Als Kind wurde ich einmal am Atlantik von einer großen Welle komplett weggespült. Plötzlich war alles Wasser, Wirbel, Sand. Unangenehm, und ein Moment, der mir Respekt beigebracht hat. Vor allem aber auch die Erkenntnis: Surfer machen bei Wellen eine bessere Figur als Menschen, die durch Wellen überrascht werden.
2025 war ein Jahr voller solcher Wellen. Manche verliefen ganz anders, als wir dachten. Klimawirtschaft, Energiepolitik, KI, Arbeitsmarkt – überall Transformation, die sich überraschend anders entwickelte, als zu Jahresbeginn vermutet. So wurde oft die jeweilige Transformation selbst noch mal transformiert:
- von Globalisierung mit freien Märkten zur zollbewährten Deglobalisierung,
- von Dekarbonisierung mit erneuerbaren Energien zurück zur fossilen Gaswirtschaft,
- von „E-Mobility“ zu: „Vielleicht doch wieder Verbrenner?“,
- von „Friedensdividende“ zu Defence Economy – mit unklarem Ausgang zum Jahresende,
- von „KI frisst alle Jobs“ zu „KI frisst vielleicht… vorerst nur die Einsteigerjobs“,
- von vermeintlicher KI-Disruption zu etwas, das Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung „Erneuerungskrise“ nennt.
Ganz Europa ringt derweil mit seiner Rolle in der großen Welt. 2025 war das Jahr, in dem viele endgültig realisiert haben: Nicht nur die USA, sondern vielmehr auch China wird die Märkte der Zukunft prägen.
Kurzum, die Wellen der Transformation wurden höher, unberechenbarer, gar chaotischer. Umso wichtiger wird es, zu lernen, sie zu reiten.
Transformation 2025 beobachten, begleiten, nutzen
Für mich hat sich in diesem Jahr ein Dreisatz bewährt, mein kleines persönliches Transformations-Framework:
1. Die Welle beobachten.
Wie verläuft die Transformation? Beispiele finden sich in der Textarbeit durch KI, Recruiting durch Automatisierung, Big-Data-Recherche per LLM.
2. Die Welle begleiten.
Entwickelt sich die Transformation wie ursprünglich prognostiziert oder „biegt sie unterwegs ab?“ (Spoiler: 2025 sind viele Wellen abgebogen. Kaum einer spricht noch vom Klimawandel. Was ist dort passiert?)
3. Die Welle nutzen.
Weiterbilden, LinkedIn-Profil schärfen, Tools ausprobieren und sich sichtbar machen als jemand, der Fortschritt nicht nur aushält, sondern gestaltet.
KI ist gekommen, um zu bleiben
„Bei KI stehen wir dort, wo wir beim Internet 1996 waren“, sagte Professor Miriam Meckel im Frühjahr im Handelsblatt-Disrupt-Podcast. Am Jahresende sind wir inzwischen „bei 1999 angekommen“. Dabei nimmt die Veränderungsdynamik weiterhin stetig Fahrt auf.
Besonders die Arbeitswelt betreffend schob sich eine KI-Debatte über das Jahr 2025 hinweg zunehmend in den Fokus: Frisst KI die Einsteiger-Jobs – oder frisst die aktuelle Arbeitsmarktlage diese Jobs? Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (kurz IAB) formulierte es nüchtern: „Nicht nur KI macht es Einsteiger*innen schwer, sondern der ohnehin zähe Arbeitsmarkt.“ In einer stagnierenden Wirtschaft werden per se weniger Menschen eingestellt. Speziell Berufseinsteiger*innen sind in solchen Situationen traditionell benachteiligt, denn Berufserfahrene können auf ihren Jobs verharren, Juniors aber nicht.
Während die Gesamtzahl aller zu besetzenden Stellen „weitgehend stabil“ bleibt, rechnet das IAB aber damit, dass künstliche Intelligenz die Berufswelt verändert. Durch KI werden in den nächsten 15 Jahren rund 800.000 Stellen sich verändern, wegfallen und neu entstehen. Das heißt aber eben auch, dass:
- einerseits keine Massenarbeitslosigkeit durch KI entsteht,
- andererseits kein Ende des Fachkräftemangels durch KI in Sicht kommt und
- sich letzlich massive Verschiebungen im Anforderungsprofil ergeben.
Future Skills – das Megathema 2025
Keine Studie ist mir im Jahr 2025 so oft begegnet wie der Future of Jobs Report des World Economic Forum. Kern-Aussagen des Reports lauten eindeutig:
- 39 Prozent der Skills werden sich bis 2030 verändern, was nicht mal mehr fünf Jahre (!) sind.
- Menschen müssen upskillen, also dazulernen. Andernfalls bleiben sie stehen.
- Weiterbildung wird zum entscheidenden Anker in diesen turbulenten Zeiten.
Das spiegelte sich auch im Leitmotto „Future Skills“ des Deutschen Weiterbildungstags im September und beim daran angeschlossenen Weiterbildungskongress Ruhr in Duisburg wider. Dort unterstrich Professor Weber, wie stark Arbeitsmarkt und Kompetenzbedarf auseinanderdriften und wie wichtig gezieltes Upskilling ist.
Was heißt das nun für deine Jobsuche 2026?
Meine kompakten fünf Tipps für ein erfolgreiches neues Karrierejahr ergeben sich genau aus dieser Wellenbewegung, rasanten Entwicklung und den Future Skills:
1. Trends und Wellen beobachten, zum Beispiel auf LinkedIn
Folge Expert*innen wie Holger Schmidt, Enzo Weber, Bernd Slaghuis und natürlich uns von der LVQ, um wertvolle Karrieretipps, Weiterbildungsnews und Transformationseinblicke zu erhalten. So bleibst du stets gut informiert.
2. Klarheit über zentrale Fragen erlangen: „Was will ich 2026 wirklich, wirklich, wirklich tun?“
Hilfreich für die berufliche Neupositionierung sind zum Beispiel der Talentkompass NRW und Bücher wie der Klassiker „Durchstarten zum Traumjob“. Zwar lange nicht neu aufgelegt, unterstützt das Buch nach wie vor bestens und trifft auch heute noch den richtigen Punkt.
3. Big Data nutzen und den Arbeitsmarkt lesen lernen
Business-Netzwerke wie LinkedIn, sogar XING, sind 2026 mit ihren zig Millionen beruflichen Profilen die Recherche-Datenbanken für die Jobsuche. Ich nenne sie liebevoll „Big Data für Bewerber*innen“. Hier kannst du zum Beispiel per Keywordrecherche herausfinden, welche Trendberufe sich in deiner Branche entwickeln oder welche Weiterbildungen Menschen absolviert haben, die dort arbeiten, wo du hinwillst. Du kannst so übrigens auch erfahren, welche Wege unsere Abolvent*innen der LVQ-Weiterbildungen gehen – beispielsweise einfach, indem du in die Suchleiste bei LinkedIn „LVQ and Qualitätsmanagement“ eingibst.
4. Future Skill: KI-Tauglichkeit entwickeln
Probiere dich mit KI-Tools wie ChatGPT und Co. aus. Dies kann geschehen durch Learning by Doing, also das Ausprobieren von Tools, durch kleine Micro-Learning-Einheiten wie LinkedIn-Learning, Coursera, Udemy oder gar durch eine Weiterbildung zum/zur KI-Manager/in (IHK) oder Digital-Change-Manager/in (IHK) bei der LVQ.
5. Deinen Lebenslauf KI-tauglich machen
Robo-Recruiting per ATS, also automatisierte Bewerbermanagementsysteme, sind spätestens 2026 Standard. Dein Lebenslauf sollte daher maschinenlesbar sein und dein LinkedIn-Profil keywordoptimiert (stelle dir also die Frage: Zu welchen Schlagwörtern möchtest gefunden werden?)
Transformation ist kein Zustand, sie ist ein dynamischer Prozess
Mein Fazit: Mir hat das Jahr 2025 gezeigt, wie schnell sich der Wandel längst selbst wieder wandelt. Transformation ist nicht linear und statisch. Sie ist ein dynamischer bisweilen chaotischer Prozess. Wellenbewegungen, die sich ständig neu formen. Die Kunst besteht darin, nicht unter der Welle begraben zu werden, sondern darauf zu surfen.
Und 2026? Ich denke, es kann ein gutes Jahr werden, wenn wir bereit sind, zu lernen, uns zu erneuern und die Transformationen aktiv zu gestalten.
Und als P. S. noch ein paar Impressionen aus dem LVQ-Jahr 2025:
Auch 2025 war wieder ein aufregendes Jahr für das LVQ-Team und mich. Wir haben uns personell verändert, waren unterwegs auf Messen, Kongressen und Events. Wir haben gelernt, gefeiert – manchmal beides zusammen. Hier zeigen wir dir einige Impressionen aus diesem Jahr:
Kleiner Funfact: einer der reichweitenstärksten Beiträge in diesem Jahr war mein LinkedIn-Post bezüglich unseres bestandenen Audits nach ISO 9001 und AZAV (Leute, ihr wisst, was wichtig für uns ist!).
Ein weiteres LVQ-Highlight 2025:
Der Mülheimer Firmenlauf, an dem wir auch diesmal wieder teilgenommen haben. Im Video kannst du sehen, wie die Kolleg*innen sich vorbereitet haben (Augenzwinkern inklusive). Zum Abspielen klicken:






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