Künstliche Intelligenz bietet gerade Menschen zwischen zwei Jobs viele Möglichkeiten. Doch was technisch möglich ist, ist aus rechtlicher Sicht teils problematisch. Daher reden wir in Folge 26 von Du bist mehr als dein Lebenslauf mit Rechtsanwältin Astrid Christofori. Sie begleitet die LVQ seit 2013 als Dozentin und unterrichtet in jedem unserer Kurse mit IHK-Zertifikat an ein bis zwei Tagen zum Thema Recht. Anhand konkreter Fallbeispiele gehen sie und Kay unter anderem folgende Fragen durch:
- Ist es unbedenklich, den vollständigen Lebenslauf etwa bei ChatGPT hochzuladen?
- Darf ein Foto von der Website eines Unternehmens mithilfe von KI kreativ bearbeitet werden?
- Müssen Anschreiben, die mithilfe von KI erstellt wurden, gekennzeichnet werden?
- Ist auf die Google-Suche Verlass?
Die wichtigsten Inhalte ihres Gesprächs kannst du im Folgenden nachlesen. Wir empfehlen natürlich, die ganze Folge anzuhören:
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KI-Verordnung: Was betrifft die Nutzer:innen?
Die EU-KI-Verordnung (auch EU AI Act) wirkt auf den ersten Blick komplex. Viele Nutzer:innen befürchten neue Pflichten im Alltag, doch Astrid relativiert: Für die meisten Menschen sind vor allem zwei Punkte relevant – KI-Kompetenz und Transparenzpflichten.
Statt Einzelpersonen betreffen viele der Regelungen eher Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen. Besonders deutlich werde das bei sogenannter Hochrisiko-KI, wenn also die KI – etwa im Personalbereich – eigenständige Entscheidungen trifft (man denke an Bewerbungsverfahren, das Bestehen von Prüfungen oder die Vergabe von Zertifikaten).

Für den Alltag mit Tools wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity sind laut Astrid andere Rechtsbereiche entscheidender: Urheberrecht, Datenschutz, Persönlichkeitsrechte und die Nutzungsbedingungen der Anbieter. Ihr gehe es an den ‚Rechtstagen‘ nicht darum, den Teilnehmer:innen etwas zu verbieten, sondern zu sensibilisieren: „Das Ziel der Tage ist nicht zu sagen: Ihr dürft das nicht, sondern Risiken aufzuzeigen.“
Nur wer die Risiken kenne, könne bewusst entscheiden. Problematisch werde es vor allem dann, wenn Nutzer:innen gar nicht erkennen, dass ihr Handeln rechtliche Folgen haben kann. Im beruflichen Kontext kann das schnell teuer werden, weiß die Rechtsanwältin: „Haftung heißt in der Regel, es kostet Geld.“
KI-Kompetenz heißt: Risiken erkennen
Typische Fragen unserer Teilnehmer:innen drehen sich um rechtssichere Nutzung, KI-Kompetenz, Haftung und Datenschutz. Auch die Frage, ob Unternehmen KI-Richtlinien brauchen, taucht häufig auf.
Für Astrid zeige das: KI-Kompetenz bedeutet nicht nur, Tools bedienen zu können. Sie umfasst auch das Verständnis für rechtliche Grenzen und Verantwortlichkeiten. Ein zentraler Punkt dabei seien die Nutzungsbedingungen der KI-Tools.
Nutzungsbedingungen: oft unterschätzt, aber entscheidend
Wer ChatGPT oder andere KI-Dienste nutzt, akzeptiert automatisch deren Nutzungsbedingungen und geht damit ein Vertragsverhältnis ein.
Astrid empfiehlt, zumindest die wichtigsten Punkte zu kennen: „Was darf ich und wofür darf ich es nutzen?“ Entscheidend sei nicht nur der Inhalt selbst, sondern der Nutzungskontext.
KI für Jobsuchende: Vorsicht bei diesen Fallstricken
Künstliche Intelligenz bietet nicht zuletzt in der Phase zwischen zwei Jobs viele Möglichkeiten. Ob Bewerber:innen
- ChatGPT als Sparringspartner nutzen, um sich beruflich zu orientieren,
- sich mit Gemini Notebook die Unternehmenswebsite zusammenfassen lassen, um sich aufs Bewerbungsgespräch vorzubereiten,
- oder Perplexity bitten, ihnen die wichtigsten Keywords aus Stellenanzeigen herauszufiltern.
Aber auch hier besteht das Risiko, gegen geltende Urheber- oder Nutzungsrechte zu verstoßen. Um es möglichst anschaulich zu machen, gehen Astrid und Kay ein paar Fallbeispiele durch.
Fallbeispiel 1: Kreativbewerbung mit KI
Angenommen, jemand möchte sich kreativ bewerben und nutzt dafür ein Teamfoto, das er oder sie auf der Website des Wunscharbeitgebers heruntergeladen hat. Dieses wird mithilfe von KI so bearbeitet, dass der/die Bewerbende Teil des Teams ist. Geht das? Ein klares Nein von Astrid: „Es gibt einen Fotografen oder eine Fotografin. Er oder sie hat die Urheberrechte und hat dem Unternehmen Nutzungsrechte eingeräumt. Die Tatsache, dass das Bild auf der Webseite ist, gibt mir eben nicht das Recht, es irgendwo hochzuladen – bei kostenfreien Versionen wird damit sogar noch das KI-Tool trainiert.“
Fallbeispiel 2: Lebenslauf bei ChatGPT hochladen
Ein weiterer naheliegender Anwendungsfall ist es, KI als Karrierecoach zu nutzen. Warum nicht den Lebenslauf hochladen und sich passende Jobs oder Optimierungsvorschläge geben lassen?
Das Problem: Lebensläufe enthalten viele personenbezogene Daten – und selbst anonymisierte Daten können oft wieder identifizierbar sein.
Astrid erklärt, dass schon ungewöhnliche Kombinationen aus Stationen ausreichen können, um eine Person zu identifizieren. Zusätzlich erleichtere KI die Verknüpfung von Informationen aus verschiedenen Quellen. Ihr Appell daher: Nutzer:innen sollten sich vorab gut überlegen, mit welchen Daten sie die jeweilige KI ‚füttern‘ wollen.
Fallbeispiel 3: Recherche per KI-gestützte Google-Suche
Google liefert inzwischen oft KI-Zusammenfassungen statt reiner Linklisten. Das ist praktisch, aber nicht immer zuverlässig. „Die [Zusammenfassungen] können inhaltlich richtig sein, müssen es aber nicht“, warnt Astrid. Für sie bestehe das eigentliche Problem darin, dass KI-Antworten oft überzeugend wirken, selbst wenn sie falsch sind. Je weniger Vorwissen vorhanden ist, desto schwerer sei das zu erkennen.
Hinzu kommt ein menschlicher Faktor, nämlich die Bequemlichkeit. Die Überprüfung kostet Zeit. Astrid plädiert deshalb für mehr Ehrlichkeit im Umgang mit Wissen. „Wir Menschen müssen wieder lernen, zu sagen: Ich weiß das nicht.“ Es sei viel besser, die entsprechenden Informationen zu einem späteren Zeitpunkt nachzureichen, als den Anschein von Wissen zu vermitteln – wie KI es nicht selten tue.
Fallbeispiel 4: Gemini Notebook zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche
Trotz aller Risiken kann KI sinnvoll eingesetzt werden. Tools wie Gemini Notebook können Inhalte aus verschiedenen Quellen zusammenfassen und strukturieren.
Für Bewerber:innen bedeutet das: Unternehmenswebsites, Leitbilder oder Informationen lassen sich schnell aufbereiten und für die Vorbereitung nutzen. Astrid sehe das pragmatisch: Solange Inhalte nicht veröffentlicht werden, sei das unproblematisch – solange Bewerber:innen die Quellen prüfen und nicht einfach alles für bare Münze nehmen.
Fallbeispiel 5: Das Anschreiben mit KI optimieren
Müssen Bewerber:innen es angeben, wenn sie ChatGPT und Co. fürs Anschreiben oder Motivationsschreiben nutzen? „Nein“, lautet Astrids Antwort. „Da eine Bewerbung kein öffentlich gemachter Text von allgemeinem Interesse ist, besteht keine Kennzeichnungspflicht.“ Spannender sei für Astrid ohnehin die inhaltliche Frage: Wie viel sollte überhaupt an die KI ausgelagert werden?
KI könne bei Struktur, Formulierungen, Analyse von Stellenanzeigen oder Rechtschreibung helfen. Besonders für Menschen, die sich mit dem Schreiben schwertun, sei das hilfreich. Gleichzeitig warnt die Rechtsanwältin vor einem Problem: „KI fördert in einem gewissen Ausmaß das Mittelmaß“, erzeuge also oft sehr ähnliche, glatte Texte.
Ein Anschreiben, die Bewerbung allgemein, sollte jedoch einen Eindruck der Persönlichkeit vermitteln. Wenn KI zu sehr übernehme, gehe genau das verloren, ist Astrid überzeugt.
Wie nutzt eine Juristin selbst KI?
Astrid selbst nutze KI eher zurückhaltend: „Wenig, selten, sehr ausgesucht.“ Bildgenerierende KI-Systeme nutze sie gar nicht; zum einen, weil sie sie nicht brauche, zum anderen, weil sie dem Ressourcenverbrauch kritisch gegenüberstehe. Sinnvoll finde sie KI vor allem zur Unterstützung in der Lehre, etwa für die Strukturierung von Inhalten oder für Inspiration zu Übungen. Die Ergebnisse passe sie jedoch immer an. Das fasst Astrids – und unsere – Haltung KI gegenüber eigentlich ganz gut zusammen: Es ist ein Werkzeug, kein Ersatz.
Fazit: KI bewusst nutzen
KI kann im Bewerbungsprozess enorm helfen – bei Recherche, Struktur, Vorbereitung und Textarbeit. Gleichzeitig entstehen neue Risiken in den Bereichen Datenschutz, Urheberrecht und Verantwortung.
Astrids zentrale Botschaft ist deshalb keine Verbotsliste, sondern ein Bewusstseinswechsel: Risiken erkennen, Daten prüfen, Quellen hinterfragen und Entscheidungen reflektieren. KI-Kompetenz bedeutet nicht nur zu wissen, wie man KI nutzt, sondern auch wann, wofür und mit welchen Konsequenzen.
Links
Hier geht es zu Astrids LinkedIn-Profil.
In unserem Podcast geht es um die Phase #ZwischenZweiJobs, also Jobsuche und Berufsorientierung, aber auch um das Thema (geförderte) Weiterbildung und Trends sowie Entwicklungen der Arbeitswelt allgemein.
Wir unterhalten uns mit spannenden Gästen, darunter Karriere-Coaches, Vertreter*innen der Verwaltung und natürlich ehemalige Teilnehmer*innen unserer Weiterbildung.
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