#LVQPod: Innere Blockaden, Orientierungslosigkeit, Eigenvermarktung: Tipps vom Karrierecoach für die Phase zwischen zwei Jobs (#23)

16.04.2026, Kay Pfefferkuchen

Diesen Artikel teilen:

Die Phase zwischen zwei Jobs ist für viele alles andere als leicht. Sie kann verunsichern, Kraft kosten und Fragen aufwerfen, auf die es nicht sofort einfache Antworten gibt. Über diese herausfordernde Zeit sprechen unser Gast, Karrierecoach Dr. Bernd Slaghuis, und unsere Leiterin digitale Kommunikation Angela Borin in dieser Folge. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Fragen: Wie können Jobsuchende mit Unsicherheit, Selbstzweifeln und einem schwierigen Arbeitsmarkt umgehen? Und wie kann in dieser belastenden Übergangsphase neue Klarheit entstehen?

Die wichtigsten Inhalte ihres Gesprächs kannst du im Folgenden nachlesen. Wir empfehlen natürlich, die ganze Folge anzuhören:

Natürlich findest du uns auch bei Spotify, Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt (einfach ‚Du bist mehr als dein Lebenslauf‘ oder ‚LVQ‘ ins Suchfeld eingeben). Du hast Fragen, Anregungen oder einen Vorschlag, wovon die nächste Folge handeln sollte? Dann schreib uns! Vielleicht gibt es dann ja bald eine Folge zu deinem Wunschthema ...

Und wenn dir gefällt, was du hörst, empfiehl uns gern weiter! ;-) 

Warum viele Menschen erst dann Unterstützung suchen, wenn der Druck schon groß ist

Im Coaching erlebt Bernd Slaghuis nach eigener Aussage seit einiger Zeit eine Veränderung. Früher kamen häufiger Menschen, die noch im Job waren und sich neu orientieren wollten. Heute sitzen ihm öfter Menschen gegenüber, die schon lange suchen, viele Bewerbungen verschickt haben und sich fragen, warum nichts funktioniert.

Er berichtet von Klient*innen, die 50, 100, manchmal 300 Bewerbungen verschickt haben und mit der bangen Frage zu ihm kommen: „Was mache ich falsch?“
Dahinter stecke oft nicht nur Unsicherheit, sondern ein massiver innerer Druck. Bernd beschreibt, dass viele sich professionelle Unterstützung holen, weil sie merken, dass ihre bisherigen Strategien nicht aufgehen. Dann geht es nicht einfach darum, ein Dokument zu überarbeiten oder ein paar Formulierungen zu glätten. Vielmehr steht die grundsätzliche Frage im Raum, was überhaupt der nächste sinnvolle Schritt im Beruf ist – und wie dieser erreichbar wird.

Wenn Menschen sich selbst im Weg stehen

„Nicht immer scheitert es an fehlender Kompetenz“, weiß der Karrierecoach. Manchmal seien es innere Blockaden, die Jobsuchende ausbremsen. Bernd nennt dafür mehrere mögliche Ursachen. Manche Menschen haben keine echte Klarheit darüber, was sie eigentlich wollen, und bewerben sich deshalb wahllos. Andere kämpfen mit Glaubenssätzen wie: „Mich will doch eh keiner mehr.“ Wieder andere hängen emotional noch stark am alten Arbeitgeber, an einer ungerechten Trennung, an Konflikten oder an Verletzungen, die noch nicht verarbeitet sind.

„Viele, die mir gegenübersitzen, pfeifen sprichwörtlich aus dem letzten Loch“, sagt Bernd. Nicht selten kommen seine Klient*innen aus dem Krankenstand zu ihm. In solchen Fällen rät er dazu, nicht auf Hochdruck Bewerbungen zu schreiben. Stattdessen spricht er sich dafür aus, Regeneration als wichtigen Teil dieser Übergangszeit ernst zu nehmen: „Ich darf mich auch mal wieder erholen, ich darf wieder Kraft tanken, ich darf Abstand gewinnen.“ Wer innerlich noch völlig erschöpft ist, trifft selten gute Entscheidungen für die Zukunft.

Die Angst vor der Lücke – und warum sie nicht alles bestimmen sollte
Viele Jobsuchende stürzen sich dennoch in die Jobsuche und ihre nächste Bewerbung. Sie fürchten die Lücke im Lebenslauf, manchmal mehr als alles andere. Und so passiert es nicht selten, dass die eigenen Vorstellungen und das Wohlbefinden hintenangestellt oder gar nicht erst beleuchtet werden.

„Ich gehe inzwischen so weit, dass ich sage: Geh lieber die Lücke im Lebenslauf ein, als zu schnell in einem falschen Job zu landen und im Zweifel die Probezeitkündigung zu riskieren“, sagt Bernd. „So eine Probezeitkündigung macht wahnsinnig viel mit einem Menschen. Lieber ein paar Wochen oder Monate mehr Lücke im Lebenslauf und damit für sich im Reinen sein und sich erholen.“

Orientierung beginnt nicht mit dem Lebenslauf

Für den Karrierecoach stehe nicht das fertige Bewerbungsdokument im Mittelpunkt stehe, sondern der Weg dorthin. Wer nur den Lebenslauf „optimieren“ wolle, greife zu kurz. Entscheidend sei, sich zunächst mit den eigenen Werten, Stärken und Erwartungen auseinanderzusetzen.

Was ist einer Person bei einem Arbeitgeber wirklich wichtig? Freiheit, Entwicklung, Sinn, ein gutes Team, Gestaltungsspielraum – all das kann entscheidend sein. Wenn diese Werte in der bisherigen Stelle über längere Zeit nicht erfüllt wurden, entsteht Frust. Wer das erkennt, gewinnt oft zum ersten Mal wieder eine verständliche Sprache für das eigene Unbehagen.

Auch die Frage nach der Abwechslung will geklärt sein. Wie abwechslungsreich sollte der Job sein? Wie viel Routine sollte er enthalten? Soll der Schwerpunkt auf der Konzeption oder eher der Umsetzung liegen? Fragen wie diese tragen dazu bei, Orientierung zu erlangen.

Vom Zauber des Bewerbungsgesprächs oder „Geh nicht als Bewerber rein!“

Sind innere Blockaden abgebaut und der oder die Jobsuchende weiß, in welche Richtung es gehen soll, gilt es, sich im Bewerbungsprozess gut zu präsentieren. Bernds wichtigster Rat: „Geh nicht als Bewerber rein, sondern als potenzieller neuer Kollege, neue Kollegin.“ Dahinter steckt ein Perspektivwechsel, der viel verändern kann. Es geht nicht darum, möglichst perfekt zu funktionieren, jede Frage fehlerfrei zu beantworten oder sich in einem starren Prüfungsszenario zu beweisen. Stattdessen sollte es darum gehen, gemeinsam herauszufinden, ob eine Zusammenarbeit denkbar und sinnvoll ist.

Angela gibt zu, in vergangenen Bewerbungsgesprächen automatisch „innere Checkboxen“ abgehakt zu haben. Habe ich alles richtig beantwortet? Habe ich nichts falsch gemacht? Genau dieser Fokus lenke jedoch schnell davon ab, worum es eigentlich geht: das gegenseitige Kennenlernen. Dies unterstreicht Bernd mit einem Wortspiel, das er in einem Blogbeitrag gemacht hat: „Ein gutes Vorstellungsgespräch ist ein gutes Gespräch über gegenseitige Vorstellungen.“ Damit verschiebt sich die Logik des Gesprächs. Nicht das fehlerfreie Abarbeiten eines Fragenkatalogs stehe im Vordergrund, sondern gegenseitige Passung, Dialog und ein Stück weit Selbstschutz.

Selbstschutz ist kein Luxus, sondern Teil einer guten Entscheidung

Bernd macht klar, dass Jobsuchende sich nicht blind darauf verlassen sollten, dass ein Arbeitgeber schon eine gute Auswahlentscheidung treffen wird. „Die musst du selbst treffen.“ Wer im Vorstellungsgespräch bereits irritierende Signale wahrnehme, sollte sie ernst nehmen. Dazu gehören Situationen, in denen Fragen nicht willkommen sind, Führungskräfte überheblich auftreten oder die Kommunikation im Gespräch seltsam wirkt. Bernd plädiert dafür, solche Eindrücke nicht zu ignorieren. Sie können Hinweise darauf sein, wie eine spätere Zusammenarbeit aussieht. Natürlich gehe es nicht darum, ausschließlich nach dem perfekten Traumjob zu suchen. Kompromisse seien oft notwendig. Aber sie sollten bewusst getroffen werden – nicht aus reiner Angst.

Quereinstieg, Generalismus und Erfahrungswissen

„Quereinsteiger*innen passen per Definition selten 1:1 auf Stellenausschreibungen“, weiß Bernd. Umso wichtiger sei es, das eigene branchenübergreifende Erfahrungswissen herauszuarbeiten. So verfügen Generalist*innen und Quereinsteiger*innen oft über starke Schnittstellenkompetenzen. Wer Projekte geleitet, Budgets verantwortet, Teams geführt, Prozesse begleitet oder mit unterschiedlichen Ebenen einer Organisation gearbeitet hat, bringe wertvolles Wissen mit – auch dann, wenn das Produkt- oder Branchenwissen wechselt.

Im Lebenslauf und Anschreiben müsse genau das sichtbar werden. Nicht der alte Branchenstempel sollte dominieren, sondern das, was übertragbar ist. Ein Quereinstieg ist kein Mangel, braucht aber eine klare Übersetzung der eigenen Erfahrung in den neuen Kontext.

Weiterbildung als Fachwissen, Impuls und neuer Kontaktpunkt

Für Bernd mache eine Weiterbildung zwischen zwei Jobs aus vielerlei Hinsicht Sinn. Zum einen helfe sie, konkrete Fachwissenslücken zu schließen. „Noch spannender aber finde ich Weiterbildung unter dem Aspekt der Orientierung. So etwa bei den Generalist*innen, die sagen: Ich kann mir vieles vorstellen, aber eigentlich weiß ich gar nicht so genau, was man als Social-Media-Manager macht.“

Nicht zu vergessen: Der Networking-Aspekt. „Vielleicht treffe ich im Rahmen meiner Weiterbildung ja sogar auf Menschen, die mir dabei behilflich sein können, einen neuen Job zu finden.“ Das sei dem Karrierecoach besonders wichtig: Die Weiterbildung nicht aus einem Defizitdenken heraus zu machen – von wegen Ich bin nicht gut genug, mir fehlt etwas –, sondern offen zu sein für neue Ideen, neue Kontakte und die Einsicht, dass man als Jobsuchende*r nicht allein ist.  „Vernetzung ist auf jeden Fall ein großes Thema, das merken wir bei unseren Teilnehmenden auch immer wieder“, bestätigt Angela. So erleben viele es als entlastend, andere Menschen zwischen zwei Jobs kennenzulernen.

Sichtbarkeit in der Jobsuche: so viel wie nötig, so passend wie möglich

Während einige unserer Teilnehmenden schon sehr laut in ihrer Jobsuche unterwegs sind, gestalten andere sie eher zurückhaltend und verdeckt. Auf Angelas Frage, wie offen Jobsuchende mit ihrer Bewerbungssituation umgehen sollten, empfiehlt Bernd grundsätzlich mehrere Kanäle zu nutzen: LinkedIn, XING, Stellenbörsen, persönliche Gespräche, das eigene Netzwerk und auch spontane Kontakte im Alltag. Gleichzeitig warnt er vor pauschalen Rezepten. Nicht jede Person müsse maximal sichtbar werden oder sofort ein „Open to Work“-Banner aktivieren.

Entscheidend sei vielmehr die Frage: Was passt zur eigenen Art? Was tut in dieser Phase gut? Welche Form von Sichtbarkeit motiviert – und welche setzt eher unter Druck? Auch hier bleibt Bernd konsequent bei seinem Grundprinzip: Die Jobsuche sollte nicht nach starren Regeln funktionieren, sondern zur Person passen.

Fazit: Klarheit, Konsequenz und eine neugierige Haltung

Auch anstrengende Phasen wie die zwischen zwei Jobs bieten Potenzial für schöne Momente, für Begegnung, Entwicklung und Horizonterweiterung. Vorausgesetzt, wir bleiben neugierig.

Karrierecoach Bernd Slaghuis macht Mut: „Ja, der Arbeitsmarkt ist gerade durchwachsen. Und vielleicht braucht es ein paar Bewerbungen mehr. Aber: Klarheit über die eigenen Bedürfnisse zu erlangen und konsequent zu sich selbst zu stehen, macht viel aus auf dem Weg zum nächsten – passenden – Job.“ Rückschläge, Frust und Trauer gehören dazu – aber sie sind nicht das Ende der Geschichte.

Links:


 

 

 

 


 

 

In unserem Podcast geht es um die Phase #ZwischenZweiJobs, also Jobsuche und Berufsorientierung, aber auch um das Thema (geförderte) Weiterbildung und Trends sowie Entwicklungen der Arbeitswelt allgemein.

Wir unterhalten uns mit spannenden Gästen, darunter Karriere-Coaches, Vertreter*innen der Verwaltung und natürlich ehemalige Teilnehmer*innen unserer Weiterbildung.

Du hast Fragen, Anregungen oder einen Vorschlag, wovon die nächste Folge handeln sollte? Dann schreib uns! Vielleicht gibt es dann ja bald eine Folge zu deinem Wunschthema ... ;-)


 

 

 

 


 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.

Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Diesen Artikel teilen:

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Kommentar