In Folge 22 von Du bist mehr als dein Lebenslauf spricht Kay Pfefferkuchen mit LVQ-Absolventin Pia Steinberg über ihren mutigen Weg von der jungen, alleinerziehenden Mutter über die freiberufliche Texterin bis hin zur Mitgründerin eines zweifach ausgezeichneten Unternehmens.
- Wie hat sie als Mutter die Vollzeitweiterbildung gemeistert?
- Wie ist sie nach der Weiterbildung beruflich durchgestartet?
- Was macht ihr Unternehmen, KARTONizza, so besonders?
Um diese und weitere Fragen geht es in Folge 22. Eine Folge, die eindrücklich zeigt, was zum Teil hinter den meist nüchternen Stationen im Lebenslauf steckt: Die Umwege, die Belastungen und die Entscheidungen unter Druck, die letztendlich dazu führten, dass Pia ihren beruflichen Traum lebt.
Die wichtigsten Inhalte des Gesprächs kannst du im Folgenden nachlesen. Wir empfehlen natürlich, die ganze Folge anzuhören:
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„Dann hat jeder Prüfer einmal mein Kind im Arm gehalten.“

Pia wurde während ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau schwanger. Für sie war schnell klar: Sie zieht durch. Also verkürzte sie ihre Ausbildung. So schrieb sie fünf Wochen vor der Geburt die schriftliche Prüfung. Drei Wochen nach der Geburt stand dann die mündliche an.
„Man kann sich gut vorstellen, wie ich dann vor der Prüfung noch mein Kind gestillt habe und jeder Prüfer einmal mein Kind im Arm gehalten hat“, erinnert sich Pia. In ihrem Lebenslauf ist davon – abgesehen vom Abschluss – nichts zu lesen. Dabei sage es viel über ihr Organisationstalent und ihre Belastbarkeit aus, betont Kay. „Es wäre ja schade, das unter den Teppich zu kehren, nur weil es nicht an eine bestimmte Position geknüpft ist.“
Kündigung in der Pandemie – und ein strategischer Neustart
Nach Ausbildung und BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing arbeitete Pia als Assistentin der Geschäftsführung. Dann kam Corona – und mit der Krise eine Entlassungswelle, von der auch Pia betroffen war. „Für einen kurzen Moment war ich traurig“, scherzt Pia, „weil ich meinen schönen Firmenwagen abgeben musste, einen weißen Jeep Compass.“
Statt sich dem Frust hinzugeben, entschied sie, ihr Profil auszubauen. So fand sie ihren Weg zur LVQ, wo wie die Weiterbildung zur Online-Marketing- und Social-Media-Managerin sowie Online-Redakteurin in Vollzeit absolvierte. Vollzeit-Weiterbildung? Eine Herausforderung für eine alleinerziehende Mutter.
30 Minuten für Kindergarten, Kind und Rückweg
Der organisatorische Kraftakt war enorm. Dass die Kurse online stattfanden, war für Pia ein entscheidender Faktor. Präsenz hätte sie kaum stemmen können – allein wegen der Fahrzeiten.
Ihr Alltag war eng getaktet: Unterstützung mit der Kleinen am Morgen, in der Mittagspause hat sie sie vom Kindergarten abgeholt. „Während andere sich ausgeruht und einen Snack gegönnt haben, bin ich ins Auto gesprungen und habe meine Tochter eingesammelt. Für Hin- und Rückfahrt habe sie circa 30 Minuten gebraucht. Da bleibt nicht viel Zeit für Entspannung. „An den Nachmittagen ist öfter eine Freundin eingesprungen, um auch die letzten Unterrichtsstunden zu ermöglichen“, erinnert sich Pia. Um 16 Uhr war dann Feierabend – und sie wieder mit voller Aufmerksamkeit bei ihrer Tochter.
„Ich schreibe unglaublich gern.“
Während ihrer Weiterbildung kristallisierte sich eines immer mehr heraus: Pia schreibt gern, denkt in Botschaften, Tonalität und Wirkung. Warum also nicht die Leidenschaft zum Beruf machen? Bis dahin habe sie nur ‚klassische BWL-Pfade‘ gekannt: Industriekauffrau, Betriebswirtin, Festanstellung. Dass man sich als Texterin selbstständig machen kann, daran habe sie zunächst gar nicht gedacht.
In der Weiterbildung zur Online-Redakteurin sollte sie dann als Abschlussprüfung eine eigene Website erstellen. „In mir sträubt sich alles, wenn ich etwas für die Katze erstellen muss“, deshalb entschied sie – wenn sie schon eine erstellt –, die Website als Startschuss für eine mögliche Selbstständigkeit zu nutzen.
Da sie auf ein reales Ziel hinarbeitete, nutze Pia jede freie Minute, um weiter an ihrer Website zu feilen. So auch spätabends, nachdem sie ihre Tochter ins Bett gebracht hatte. „Ich hätte wohl auch die volle Punktzahl erzielen können“, erzählt sie schmunzelnd. „Wenn ich nicht vergessen hätte, mein Impressum zu zeigen.“
Die Kundschaft kommt nicht von allein
Der Anfang war gemacht, aber der Markt reagiert nicht automatisch. So toll die Website auch war – dafür, dass Kunden ihr die Tür einrennen, habe sie allein nicht gesorgt. Also tat Pia etwas, wovor sich viele scheuen: Sie ging raus. Von Tür zu Tür. Sie bot Social-Media-Texte an, Newsletter und Website-Inhalte. Ihr erster Kunde war ein Schmuckladen aus der Region. Parallel ergab sich ein Auftrag für eine Marketingagentur, vermittelt durch einen ihrer Dozenten aus der Weiterbildung.
Von der Schnapsidee zum Unternehmen
Pias Mitgründer und Partner, selbst im Marketing aktiv, suchte nach neuen Werbeformen. Die Vorschläge reichten von Bierdeckeln über -flaschen bis hin zu Kronkorken. Alle wurden von Pia abgeschmettert. Bis sie die Kneipe verließen und vor sich einen Pizzakarton auf dem Boden liegen sahen. „‚Wie wär’s mit Werbung auf Pizzakartons?‘, fragte mein Partner. Und ich hatte einfach keine Gegenargumente mehr“, erinnert sie sich schmunzelnd. So entstand die Idee zu KARTONizza: Werbung auf Pizzakartons, regional steuerbar, kombiniert mit digitalen Erweiterungen, Tracking, Geodaten-Targeting und Augmented Reality.
20.000 Pizza-Kartons, ein Reality-Check
Der erste Kunde war direkt ein Schwergewicht: Dr. Oetker – allerdings aus Österreich, weil Pia über LinkedIn versehentlich die falsche Landesgesellschaft angeschrieben hatte. Statt das als Problem zu sehen, nahmen sie die Chance an. Der Testlauf umfasste 20.000 Kartons.
Anfangs dachten sie noch, sie könnten ein Wohnmobil mieten und die Kartons selbst nach Wien bringen. Dann kam die Ernüchterung: „Pizzakartons sind schwer – sehr schwer. Wir reden von Tonnen, nicht von ein paar Kilo.“ Am Ende fanden sie praktikable Lösungen über Lieferantenstrukturen. Aber dieser Moment zeigt, was Gründung wirklich bedeutet: Ideen zu finden ist oft nicht das Problem. Die Umsetzung ist es, die Arbeit erfordert.
Gleich doppelt überzeugt: Die German Brand Awards 2025
2025 wurde KARTONizza gleich doppelt mit dem German Brand Award ausgezeichnet, einmal als Newcomer Brand of the Year und einmal für Best Services. Die Verbindung aus analoger Fläche und digitaler Verlängerung, aus Kreativität und Messbarkeit, habe die Jury überzeugt.
KARTONizza lebt zudem eine konsequente Markensprache. Aufträge sind „im Ofen“, Kampagnen sind „heiß“, Rechnungen werden mit einem Augenzwinkern kommentiert: „Unser Ofen heizt schon vor, aber ihm fehlt die Kohle.“ Und statt Angeboten spreche man bei ihnen von der Speisekarte. Laut Pia kein Zufall, sondern strategische Markenarbeit.
ChatGPT: Konkurrenz oder Werkzeug?
Als ehemalige Texterin kennt Pia die Diskussion um generative KI nur zu gut. Sie gibt offen zu, dass sie zunächst skeptisch war.
„Anfangs dachte ich, ich kann das alles besser und brauche kein ChatGPT.“ Heute nutze sie KI gezielt. Aber: „Man muss wissen, wohin man will. Kreativität, Markenverständnis und strategisches Denken lassen sich nicht einfach auslagern.“ Ihr Gefühl könne sie schließlich nicht auf ChatGPT projizieren. ChatGPT – und da sind sich beide einig – ist eben als Tool zur Effizienzsteigerung kein Ersatz für wirkliche Kreativität, Haltung und Positionierung.
Fazit: Habe den Mut, Dinge auszuprobieren – es könnte ja klappen!
„Wenn es eines gibt, das unsere Hörer*innen aus dieser Folge mitnehmen sollten“, sagt Kay, „dann, dass man mutig sein sollte.“ Mutig, Dinge auszuprobieren, gemäß dem Motto ‚Es könnte ja klappen‘. Pias Beispiel zeigt wieder einmal, dass wir mehr sind als unser Lebenslauf und dass da, wo ein Wille ist, auch ein Weg ist:
- Als alleinerziehende Mutter absolvierte Pia eine Vollzeit-Weiterbildung, um sich beruflich zu verwirklichen.
- Trotz steiler Lernkurve schreckte sie nicht davor zurück, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen.
- Auf Basis einer ausgefallenen Idee gründete sie ein Unternehmen, das nicht ein-, sondern gleich zweimal von führenden Persönlichkeiten aus der Marketingwelt ausgezeichnet wurde.
Pias Erfolg – und der von KARTONizza – spricht für sich. Wir sind gespannt, wie es bei ihr weitergeht, und wünschen Pia alles Gute für die Zukunft.
Links
- Hier geht's zu Pias LinkedIn-Profil.
- Hier geht's zur Website von KARTONizza.
In unserem Podcast geht es um die Phase #ZwischenZweiJobs, also Jobsuche und Berufsorientierung, aber auch um das Thema (geförderte) Weiterbildung und Trends sowie Entwicklungen der Arbeitswelt allgemein.
Wir unterhalten uns mit spannenden Gästen, darunter Karriere-Coaches, Vertreter*innen der Verwaltung und natürlich ehemalige Teilnehmer*innen unserer Weiterbildung.
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Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.
Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.
Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.




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