In Folge 21 von Du bist mehr als dein Lebenslauf befassen wir uns damit, wie Menschen Rückschlägen und Veränderungen mit mehr Klarheit, Leichtigkeit und Gelassenheit begegnen können, kurzum: mit Resilienz. Darüber unterhalten sich Resilienztrainerin Katja Michalek und LVQ-Coachin Helene – Lena – Thiessen. Kay Pfefferkuchen moderiert.
- Was sind die Resilienzfäden und was hat es damit auf sich?
- Wie wirst du resilienter?
- Wie profitierst du als Jobsuchende*r von Resilienz?
Um diese und weitere Fragen geht es in Folge 21.
Die wichtigsten Inhalte des Gesprächs kannst du im Folgenden nachlesen. Wir empfehlen natürlich, die ganze Folge anzuhören:
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Du bist mehr als dein Lebenslauf – und was Resilienz damit zu tun hat

Unser Podcast heißt nicht umsonst Du bist mehr als dein Lebenslauf. Bewerbungsphasen fühlen sich oft an, als müsse man eine ‚saubere‘ Story liefern; dabei ist ein Werdegang mit Kurven, Höhen und Tiefen nicht weniger wertvoll als einer, der schnurgerade verläuft.
Das weiß auch Katja: „Was nicht im Lebenslauf steht, sind die vielen Punkte, wo ich gezweifelt habe und Angst hatte.“ Gerade diese Momente – die für gewöhnlich nicht im Lebenslauf landen – seien es aber, die fürs persönliche Wachstum, für die eigene Resilienz, von unschätzbarem Wert seien.
Resilienz heißt nicht, dass alles an dir abprallt

Resilienz wird oft missverstanden. „Es bedeutet nicht, dass alles an einem abperlt“, betont Katja. Sie verdeutlicht das gern anhand eines Schwammes: Resilienz kommt ursprünglich aus der Materialkunde. Wird ein Schwamm zusammengedrückt, springt er danach in seine Ursprungsform zurück, aber damit dies geschehen kann, muss er überhaupt erst zerdrückt werden. Resilienz heißt also nicht „keinen Druck zulassen“, sondern „zurückspringen (zur Ursprungsform)“.
Lena ergänzt: „Wenn der Schwamm wieder hochkommt, entsteht im besten Fall sogar noch etwas Neues – wir reden also von Wachstum, Entwicklung.“ Wenn du gerade in einer Phase steckst, in der du dich klein oder erschöpft fühlst, dann ist das nicht das Gegenteil von Resilienz, sondern Teil davon.
Die Resilienzfäden
Im Rahmen ihres Coachings arbeitet Katja mit dem Bild eines inneren Spinnennetzes – entwickelt auf Basis der wissenschaftlichen Arbeit der University of Pennsylvania. Dieses Netz besteht aus sieben Resilienzfäden. Folgende greifen die drei im Gespräch auf, nicht zuletzt da sie für die meisten Jobsuchenden von besonderer Bedeutung sein dürften:
Impulskontrolle
Die Resilienztrainerin erklärt: „Impulskontrolle hilft, einem Drang zu widerstehen – etwa zu weinen, zu schreien, sofort Ja zu sagen oder sich ablenken zu lassen – und äußerlich handlungsfähig zu bleiben.“
Emotionssteuerung
Das Gegenstück zur Impulskontrolle bildet die Emotionssteuerung: Emotionen nicht wegdrücken, sondern wahrnehmen, annehmen und irgendwann auch wieder gehen lassen. In diesem Zusammenhang teilt Katja Michalek, dass sie lange Zeit in einem Ungleichgewicht gelebt habe. Ihre Impulskontrolle sei sehr stark ausgeprägt gewesen, aber sie hätte kaum Zugang zu den Emotionen gehabt. Dabei seien gerade die Momente des „Zusammenbrechens“ im Nachhinein die resilienteren gewesen, weil die Emotionen endlich raus durften.
Selbstwirksamkeitsüberzeugung
Laut Lena ist die Selbstwirksamkeitsüberzeugung für Jobsuchende besonders wichtig. „Immer wieder erlebe ich es, dass Menschen – wenn es mit der Jobsuche nicht so läuft – den Fehler zunächst bei sich selbst suchen. ‚Was stimmt nicht mit mir?‘ ist die Frage, die mal explizit, mal implizit im Raum steht.“
Katja ergänzt: „Wir definieren uns häufig über unsere berufliche Tätigkeit. Wenn wir aber zwischen zwei Jobs sind und unser Selbstwirksamkeitserleben nicht daraus ziehen können, ist dieser Faden schnell angenagt.“ Dabei ist die Besetzung einer Stelle mit vielen Faktoren verbunden, auf die wir keinen Einfluss haben.
Ist der Faden Selbstwirksamkeitsüberzeugung jedoch stark ausgeprägt, fühlen wir uns nicht den Widrigkeiten des Lebens (oder des Arbeitsmarktes) ausgeliefert. „Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist die Überzeugung, dass ich selbst etwas bewirken kann. Das Vertrauen, dass ich einen Weg finden werde. Wenn’s der Job nicht ist, dann wird es halt ein anderer.“, hebt Katja hervor. „Der Job ist nicht das, was dich ausmacht“, pflichtet Lena ihr bei – und bringt auf den Punkt, worum es bei Du bist mehr als dein Lebenslauf geht.
Zielorientierung
Neben der Selbstwirksamkeitsüberzeugung täten Jobsuchende zudem gut daran, den Faden Zielorientierung zu pflegen, sagt Lena. „Dabei kann es helfen, das übergeordnete Ziel – einen neuen Job zu finden – in kleinere, messbare Schritte zu unterteilen. Das ist oft motivierender, da so der vielen Arbeit, die in eine Bewerbung fließt, Rechnung getragen wird.“
So kann es helfen, die Jobsuche als Projekt anzugehen. Die SMART-Formel, die oft im Projektmanagement Verwendung findet, hilft dabei, klare und erreichbare Ziele zu formulieren, die den Fokus auf die Zielverwirklichung richten. SMART steht für:
- Spezifisch: Das Ziel sollte eindeutig formuliert,
- Messbar: messbar,
- Attraktiv: attraktiv und
- Realistisch: umsetzbar sein und
- Terminiert: eine klare Zielvorgabe haben, bis wann es erreicht werden soll.
So wird aus der recht vagen Aussage „Ich möchte irgendwo im Automotive-Bereich arbeiten, wo ich meine analytischen Fähigkeiten und meine QM-Affinität einbringen kann“ folgende Zielformulierung nach der SMART-Methode: „Ich möchte spätestens in sechs Monaten bei einem Automobilzulieferer in Nordrhein-Westfalen im Prozess- oder Qualitätsmanagement beginnen, wo ich die Ergebnisse aus meiner Abschlussarbeit zu Antriebstechniken anwenden kann.“
Resilienz: Praktisch anwendbar oder Hokuspokus?
„Resilienz, Achtsamkeit … für viele hat das so ein ‚spirituelles Geschmäckle‘“, sagt Kay. Ob Katja oder Lena mit dem Thema schon mal auf Gegenwehr stoßen? „Gerade bei der Achtsamkeit wird das gern so wahrgenommen“, bestätigt Katja. Resilienz sei für viele schon pragmatischer, wobei es natürlich auch hier Skeptiker gebe. Das Entscheidende sei: „In der Folge bleibt es nicht bei Buzzwords. Es geht um konkrete Mechaniken, konkrete Übungen und einen sehr alltagsnahen Blick.“
Fazit: Trau dich, dich mit dir selbst zu befassen. Es lohnt sich
Resilienz ist nicht die Abwesenheit von Tiefpunkten. Resilienz ist der Weg durch den Tiefpunkt – mit Emotionen, Hilfe, kleinen Schritten und einem klareren Blick auf das, was du wirklich beeinflussen kannst.
Wenn du gerade auf Jobsuche bist und dein Selbstwert vielleicht etwas wackelt, lass dir gesagt sein: Du musst nicht ‚härter‘ werden. Aber du darfst dich gern eingeladen fühlen, dich mit dir selbst bewusst auseinanderzusetzen. Horche in dich hinein, lass Gefühle zu, nimm Hilfe an und mach die Resilienzfäden aus, die bei dir (noch) nicht so stark ausgeprägt sind, um an ihnen zu arbeiten. Hierfür hat Katja einen Test entwickelt, den du sowohl online als auch in ihrem aktuellen Buch Nichts ist zu schwer für den, der spinnt findest. Und das Beste: Nachdem du den Test absolviert hast, erfährst du nicht nur, welche deiner Resilienzfäden ausbaufähig sind, sondern auch, wie du an ihnen arbeiten kannst – von Atemübungen über Tagebuch-Führen bis hin zu Meditation.
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Hier gibt's weitere Informationen zum Resi-Run.
Hier geht's zum Buch Jetzt! Die Kraft der Gegenwart, über das die drei sich unterhalten.




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