In der 20. Folge von Du bist mehr als dein Lebenslauf spricht Angela Borin mit Marlene Lowigus, Projektleiterin Kommunikation bei der Essener Wirtschaftsförderung (EWG) – und ehemalige Teilnehmerin der LVQ. Gemeinsam mit ihrem Team hat Marlene den LinkedIn-Kanal der EWG strategisch aufgebaut und zur Benchmark in der deutschen Wirtschaftsförderung gemacht.
- Wie Marlene das LinkedIn-Profil der EWG zum Erfolg gebracht hat,
- was die drei Ks und die drei Rs damit zu tun haben und
- wie du dir dies als Jobsuchende*r zunutze machen kannst,
das und mehr erfährst du in Folge 20.
Die wichtigsten Inhalte des Gesprächs kannst du im Folgenden nachlesen. Wir empfehlen natürlich, die ganze Folge anzuhören:
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Kommunikation statt Eheberatung: Marlenes Weg
Marlene ist seit sechs Jahren in der Wirtschaftsförderung aktiv – zunächst in Bochum, heute in Essen. Dort verantwortet sie als Projektleiterin Kommunikation unter anderem die Themenbereiche LinkedIn, Website, Kampagnen, Redaktion und Markenführung. In ihren Worten: „Manchmal bin ich interne Beraterin, manchmal Ghostwriterin für den Oberbürgermeister – manchmal auch einfach Diskussionspartnerin von ChatGPT.“
Die studierte Lern- und Bildungswissenschaftlerin wollte ursprünglich Eheberaterin werden und landete dann über Umwege in der strategischen Kommunikation. Ihr Herz schlägt für Sinn, Humor, Neugier und digitalen Wandel – mit Fokus auf LinkedIn und KI. „Ich bereite aktuell einen Workshop zur CEO-Kommunikation auf LinkedIn vor und halte einen Vortrag zum Thema Standortmarketing mit KI – das sind meine absoluten Lieblingsthemen.“
Was macht gute Kommunikation aus?
Marlene bringt es auf den Punkt: „Gute Kommunikation ist kein Zufall. Sie braucht Konzept, Konsistenz und Konsequenz.“ Statt Inhalte auf Zuruf zu erstellen, folgt die Essener Wirtschaftsförderung einer klaren Strategie. Zielgruppe, Tonalität, Timing und Markenpassung werden bei jedem Beitrag mitgedacht. Das zahlt sich aus: Mit mittlerweile rund 12.000 Follower*innen allein bei Linkedin gehört die EWG zu den erfolgreichsten Kanälen unter den deutschen Wirtschaftsförderungen.
Die Kommunikatorin vergleicht den Kanal mit einer guten Netflix-Serie: „Du bleibst nur dran, wenn die Story stimmt.“ Sichtbarkeit entstehe durch Wiedererkennbarkeit und Relevanz – nicht durch platte Werbung oder das sprichwörtliche Gießkannenprinzip. „Social Media, insbesondere LinkedIn, sind keine Ego-Show. Es geht darum, den Nutzern echte Mehrwerte zu bieten.“
Drei Ks und drei Rs: Die Formel für Erfolg
Im Gespräch tauchen zwei Formeln auf, die gut zusammenfassen, worauf es bei Social Media ankommt: Die oben genannten drei Ks – Konzept, Konsistenz, Konsequenz – und die drei Rs, also Relevanz, Reichweite, Resonanz.
Gerade Letztere sei entscheidend für den Algorithmus – aber auch für den Menschen: „Ohne Relevanz keine Resonanz. Und ohne Resonanz keine Reichweite“, betont die Projektleiterin. Im Schnitt kommt die EWG auf rund 80 Likes pro Beitrag – ein starker Wert im Vergleich zu vergleichbaren Kanälen und Profilen.
Haltung statt Blässe zeigen
Für Marlene ist klar: Kommunikation ohne Haltung bleibt blass. „Wenn du für alles stehst, stehst du am Ende für nichts.“ Haltung bedeutet nicht nur, eine Meinung zu haben, sondern sie auch sichtbar zu machen – in Bildern, Worten und Verhalten.
Angela ergänzt, dass das beinhaltet, auch mal Nein zu sagen: „Alles, was rausgeht, sollte dem übergeordneten Ziel dienlich sein und zur übergeordneten Story passen.“ Dies bedeute auch, Dinge NICHT zu teilen, die vielleicht im anfänglichen Brainstorming noch von allen befürwortet wurden.
Gleichzeitig betont die Kommunikationsexpertin die Rolle von Authentizität. Wer etwa New Work propagiert, aber kein Homeoffice anbietet, mache sich unglaubwürdig. Oder wie sie sagt: „Fachwissen kann man sich aneignen. Wellenlänge nicht.“
Und was heißt das für Jobsuchende?
LinkedIn wird oft als digitale Visitenkarte bezeichnet. Wer hier als Jobsuchende*r sichtbar sein möchte, muss sich positionieren. Und zwar nicht mit plakativen Phrasen, sondern mit Haltung, Klarheit und Relevanz. Marlenes Empfehlung: „Mach dir ein Mini-Konzept. Was will ich erreichen? Wer soll mich finden? Und womit will ich sichtbar sein?“
Dafür brauche es keine 5-Jahres-Strategie, aber ein klares Ziel helfe, um nicht in der Masse unterzugehen Wenn die ersten Posts nicht so viele User*innen erreichen, sei das kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, da relevante Inhalte oft erst nach und nach Wirkung entfalten: „Manche Posts funktionieren wie ein positiver Teufelskreis – je mehr Relevanz, desto mehr Reichweite, desto mehr Relevanz“, weiß Marlene.
KI als Turbo – nicht als Ersatz
Wie viele andere nutzt die EWG auch ChatGPT zur Effizienzsteigerung. „Wir haben rund 20 Prozent mehr Spielraum gewonnen, seit uns die KI bei Ideenfindung und Textbausteinen unterstützt. Aber die Prüfung und Freigabe bleibt bei uns.“
Für Angela Borin, die bei uns unter anderem die Weiterbildung zur KI-Managerin (IHK) absolviert hat, ist klar: „KI ist gekommen, um zu bleiben.“ Dabei ersetze sie den Menschen nicht. Stattdessen brauche es „Expert*innen, die mit ihr umzugehen wissen.“ Hier also ein kleiner Bonustipp für Jobsuchende: Wer sich mit KI-Tools auskennt, punktet gleich doppelt auf dem Arbeitsmarkt.
Fazit: Erst denken, dann posten
Egal ob Unternehmen oder Jobsuchende: Kommunikation funktioniert nur mit Struktur. Wer sichtbar sein will, braucht Haltung, ein Ziel und die Bereitschaft, sich mit der eigenen Positionierung auseinanderzusetzen.
Marlenes wichtigste Botschaft zum Schluss: „Nicht jede Idee ist ein guter LinkedIn-Post. Kommunikation ist auch die bewusste Entscheidung, etwas nicht zu veröffentlichen.“









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