Den Marktwert ermitteln: Wie du eine realistische Gehaltsvorstellung erhältst

30.04.2026, Angela Borin

Diesen Artikel teilen:

Tagtäglich stöbern Jobsuchende in bekannten Stellenportalen, sichten Jobanzeigen, führen Bewerbungsgespräche und stoßen auf die Frage nach dem eigenen Marktwert. Die gängigste Formulierung in Sachen Gehalt lautet oftmals: „Wie sehen Ihre Gehaltsvorstellungen aus?“ Eine Frage, die in Bewerbungen gerne umgangen wird, die sich aber spätestens im Vorstellungsgespräch unausweichlich zeigt.

Während die einen sich maßlos unter- oder auch überschätzen, antworten andere nur zögerlich. Taktiken, die häufig mehr von Selbstzweifeln oder einer bloßen Bauchentscheidung denn von einer guten Vorbereitung geprägt sind. Nicht selten geistern dabei ganz bestimmte Gedanken durch den Kopf vieler Bewerber*innen:

  • Kann ich das überhaupt verlangen? Das ist schließlich mein erster Job. Ich bringe doch noch gar nichts mit.“
  • „Meine Erfahrung habe ich in Beruf oder Branche X gesammelt, nun bewerbe ich mich für Beruf Y/in Branche Y. Da kann ich schlecht mein letztes Gehalt zugrunde legen.“
  • „Ich bin seit mehr als XX Monaten arbeitslos. Welche Ansprüche kann ich überhaupt noch stellen?“
  •  „Monats- oder Jahresgehalt, Benefits, Prämien etc.: Was gehört eigentlich alles in die ‚Gehaltsvorstellung‘ und wie kann ich meinen Marktwert ermitteln?“
  •  „Ich habe gehört, dass ich in meinem Berufsfeld Summe X fordern darf – stimmt das überhaupt?“

In diesem Artikel erfährst du, wie du deinen Marktwert ermitteln kannst, um mit realistischen Gehaltsvorstellungen selbstsicher ins nächste Jobinterview zu starten. Zudem verraten wir dir verschiedene Quellen, die dich dabei unterstützen.

Marktwert ermitteln: Wie setzt sich mein Marktwert zusammen?

Deine Gehaltsvorstellung sollte weder von unsicheren Gedanken noch von einer ad-hoc-Entscheidung bestimmt werden. Vielmehr setzt sich dein Marktwert aus deinen Kenntnissen und Erfahrungen – auch universitären – und einer passenden Recherche zusammen. Er beeinflusst mitunter, wie dein Gegenüber dich im Bewerbungsprozess wahrnimmt: (un-)authentisch, (un-)sicher, weltfremd oder realistisch.

Den Marktwert ermitteln bedeutet also auch, dass du Einfluss auf deine Wirkung hast. Diese Vorbereitung führt daher nicht nur zu hilfreichen Ergebnissen in Form von konkreten Zahlen, sondern verleiht dir für dein Vorstellungsgespräch vor allem eines: Selbstsicherheit und Authentizität.

Die eigene Kompetenz realistisch betrachten

Damit du deine Qualifikationen im branchenüblichen Marktumfeld einsortieren und somit deinen passenden Marktwert ermitteln kannst, lohnt zunächst ein Blick auf deine beruflichen Stationen und die dabei erworbenen Fachkenntnisse:

  • Berufs- & Branchenerfahrung: Wie viele Jahre hast du in welchen beruflichen Umfeldern gearbeitet? Hast du beispielsweise schon einmal erfolgreich die Branche gewechselt oder hast du verschiedene Stationen in deiner Branche durchlaufen?
  • Erfolge: Welche messbaren Erfolge konntest du in deinen bisherigen Stationen verbuchen?
  • Verantwortung: Welche Verantwortungen durftest du im Rahmen deiner Karriere bereits übernehmen? Hast du bereits Teams geführt – etwa im Rahmen von Projekten – oder hast du Budgets verwaltet?
  • Studium, Aus- und Weiterbildung: Bringst du einen passenden Abschluss und/oder Wissen rund um aktuelle Themen mit?
  • Ehrenamt: Hast du berufsnahe ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeübt – beispielsweise während deines Studiums?

Nimm deine Erfahrungen und Kompetenzen genau unter die Lupe und analysiere, welche Fähigkeiten sich aus deinen einzelnen Tätigkeiten und Stationen ergeben. Dies bildet die Basis, um deinen Marktwert ermitteln zu können, und hilft dir mit Blick auf Vorstellungsgespräche, klar und deutlich deine Stärken, aber auch den Mehrwert zu umreißen, den du einem potenziellen Arbeitgeber bietest.

Bewertungsportale, Gehaltsreports & Netzwerke: Wie du deinen Marktwert ermitteln kannst

Hast du deine Selbstanalyse abgeschlossen, folgt auch schon der Abgleich mit dem Markt. Es gibt diverse Portale und Tools, mit denen du herausfinden kannst, was einzelne Unternehmen oder ganze Branchen zahlen – filterbar nach Berufsbezeichnung und Region:

  • Bewertungsportale: Als Arbeitgeberbewertungsportal aus dem deutschsprachigen Raum bietet Kununu dir die Möglichkeit, konkret nach bestimmten Arbeitgebern der DACH-Region zu suchen. Ähnlich funktioniert das in den USA gegründete Glassdoor – nur auf internationaler Ebene. Durch echte Bewertungen und Gehaltsangaben (ehemaliger) Arbeitnehmer*innen kannst du nicht nur herausfinden, ob das Unternehmen zu dir und deinen Werten passt, sondern auch welche Durchschnittsgehälter das gesuchte Unternehmen für die jeweiligen Positionen im Unternehmen zahlt. Außerdem kannst du über den Reiter „Gehälter“ das Durchschnittsgehalt deines Berufes einsehen – nach Einstieg oder mehrjähriger Berufserfahrung sowie nach Region.

 

 

HINWEIS: Voraussetzung für die Anzeige eines Gehaltsbandes ist die Beteiligung der Mitarbeitenden des Unternehmens. Kleine Unternehmen haben meist weniger bis keine Einträge im Gegensatz zu Konzernen. Tendenziell zahlen sie auch weniger als die Großen. Neben der Unternehmensgröße spielt auch der Unterschied zwischen Bundesländern oder Groß- und Kleinstädten sowie die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt eine entscheidende Rolle. Läuft es gut, kannst du offensiver in Gespräche gehen, zeigt sich der Arbeitsmarkt zäh, drückt dies auch auf deinen Marktwert.

TIPP: Betrachte nicht nur dein auserwähltes Unternehmen, sondern wirf auch einen Blick auf Wettbewerber deiner Branche oder Unternehmen ähnlicher Größe aus deiner Region. Beziehe unterschiedliche Standorte und den Arbeitsmarkt mit ein: Nur so kannst du letztlich passend deinen Marktwert ermitteln.


 

 
  • Künstliche Intelligenz: Auch mit KI kannst du deinen Marktwert ermitteln und dir viele hilfreiche Tipps erarbeiten. Dazu benötigen ChatGPT, Claude und Co. möglichst viele detaillierte Informationen zur Stelle und deinem beruflichen Hintergrund – wie Ausbildung, Kenntnisse und konkrete Erfahrungen. Mit dem richtigen Prompt kannst du die gewählte KI dann anweisen, eine tiefe Recherche in deinem beruflichen Segment vorzunehmen und dir die entsprechenden Quellen zur Verfügung zu stellen.
     

 

 

TIPP: Mit der KI kannst du anschließend sogar ganze Vorstellungsgespräche simulieren und trainieren und so passende Antworten und Argumente ausarbeiten.

HINWEIS: Auch wenn du einen möglichst passgenauen Marktwert ermitteln möchtest, achte immer auf deine persönlichen und auf vertrauliche Daten. Wirf daher vor der Dateneingabe am besten einen Blick in die Datenschutzeinstellungen, um zu prüfen, inwieweit dein Chat und deine zur Verfügung gestellten Dokumente gespeichert und zu Trainingszwecken genutzt werden. Prüfe zudem unbedingt die von der KI genannten Quellen, denn auch die KI ist im Trainingsmodus und kann Fehler machen.


 

 
  • Gehaltsreports: Neben kununu bieten auch viele der großen Jobbörsen jährliche Gehaltsreports an, so etwa Stepstone. Für diese Reports werden Millionen von Datensätzen Berufstätiger aus Deutschland ausgewertet, sodass das Bruttodurchschnittsgehalt nach Geschlecht, Verantwortung, Erfahrungsstufen und Bundesländern sichtbar gemacht wird. Je nach Report werden zudem die Top-Städte und -Branchen oder der Vergleich von Ausbildung, Studium oder fehlendem Abschluss aufgezeigt.

 


 

 
  • Stellenanzeigen: Neben der Frage nach dem Gehaltswunsch finden sich in einigen Stellenausschreibungen bereits Gehaltsspannen, die eine erste Orientierung bieten. Ab Juni 2026 wird dies zumindest auch in Ausschreibungen größerer Unternehmen zunehmen. Die Entgelttransparenzrichtlinie verpflichtet Unternehmen ab einer bestimmten Größe bereits im Bewerbungsverfahren dazu, über das Einstiegsgehalt bzw. die Einstiegsgehaltsspanne sowie Tarifregelungen Auskunft zu geben. Dies soll idealerweise innerhalb der Stellenausschreibung geschehen. Das bietet dir schon zu Beginn des Bewerbungsprozesses einen sicher(er)en Rahmen und unterstützt dich, deinen Marktwert passgenau zu ermitteln.

 


 

 
  • Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Auch die Bundesagentur bietet ein hilfreiches Tool. Dieses klassifiziert den eingegebenen Beruf nach Anforderungsniveau und gibt Aufschluss, welche Berufe zur Berufsgattung zählen. Darüber hinaus ist das monatliche Durchschnittsgehalt sowie das obere und untere Gehaltsende gelistet – auch nach Alter, Geschlecht und Region.

 


 

 
  • Soziale Netzwerke: Sowohl online – beispielsweise über Businessnetzwerke wie LinkedIn – als auch offline kann das Gespräch mit (Ex-)Kolleg*innen, Freunden in ähnlichen Arbeitsverhältnissen oder befreundeten Personaler*innen und Abteilungsleiter*innen interessante Einblicke bieten. Vielleicht konntest du im Rahmen einer Weiterbildung auch Kontakte in deiner aktuellen oder Zielbranche knüpfen. Nutze diese Gelegenheiten und gleiche im direkten Austausch deine Vorstellungen ab, um einen realistischen Marktwert ermitteln zu können. Sprich auch mit einer Person des Vertrauens – besonders wenn du mehrere Jobs in Aussicht hast oder mit den ermittelten Werten haderst. An dieser Stelle lohnt sich möglicherweise auch ein Gespräch mit einem Jobcoach oder speziellen Gehaltscoach.

Vom Marktwert zur Gehaltsvorstellung: Und was gehört dazu?

Um die Frage „Wie kann ich meinen Marktwert ermitteln?“ passend abzurunden, ist es entscheidend, mehr als eine Quelle zu nutzen. Das beseitigt Zweifel und schafft Klarheit darüber, welchen Wert deine Fähigkeiten konkret für ein Unternehmen haben können. Basierend auf deiner Position, Region und Erfahrung kannst du dich im Abgleich mit mehreren Daten selbstsicher einordnen und eine passende Gehaltsspanne ermitteln. Diese Spanne ist zunächst nur für dich bestimmt. Die größere Zahl bildet dabei deinen Verhandlungseinstieg, die untere deine Untergrenze, bis zu der du zu verhandeln bereit bist.

Neben der Gehaltsvorstellung – oftmals jährlich angegeben – gibt es verschiedene zusätzliche Faktoren, die du berücksichtigen solltest, wenn du deinen Marktwert ermitteln und eine realistische Gehaltsvorstellung formulieren möchtest. Von Alterversorgung über Homeoffice bis hin zu zusätzlichen Urlaubstagen oder Prämien bieten Unternehmen unterschiedliche zusätzliche Benefits an. Auch diese werden bei einem Gespräch über Gehaltsvorstellungen mit verhandelt. Beziehe die für dich wichtigen Faktoren daher in deine Überlegungen ein und bestimme für dich auch hier eine Verhandlungsmasse.

Beides ermöglicht dir einen gewissen Spielraum, indem du dich sicher mit deinem potenziellen Arbeitgeber bewegen kannst – ohne Zögern, aber mit Selbstvertrauen. Denn auch Personaler*innen möchten am Ende nicht nur eine Zahl wissen, sondern auch herausfinden, wie realistisch du deinen Marktwert ermitteln kannst und wie selbstsicher du dich im Gespräch einbringst.

Mit dem eigenen Marktwert selbstsicher ins nächste Vorstellungsgespräch

Den eigenen Marktwert zu betrachten und nicht aus reinem Wunschdenken zu benennen, verleiht dir für viele Aspekte deines Vorstellungsgespräches mehr Klarheit, Selbstsicherheit und letztlich auch Authentizität. Auf dem Weg beleuchtest du ausgiebig deine Stärken und deinen Mehrwert und bringst beides mit einer realistischen Gehaltsvorstellung zusammen. Dadurch zeigst du in deiner Bewerbung nicht nur, dass du dich auf allen Ebenen mit dem Unternehmen und der Branche beschäftigt hast, sondern dass du auch in der Lage bist, die richtige Einschätzung vorzunehmen. Dabei wünschen wir Dir viel Erfolg!


 

 

 

 


 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.

Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Diesen Artikel teilen:

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Kommentar