Mit Strategie zum Job – Interview mit Social Media Manager Patrick de Vries

Patrick de Vries ist Social Media & Content Manager bei der renommierten Agentur Saatchi & Saatchi. Dort betreut er die Social-Media-Auftritte von internationalen Automarken in Deutschland. Vor diesem Job absolvierte der 40-jährige gelernte Einzelhandelskaufmann die Weiterbildung zum Social Media Manager IHK bei der LVQ.

Nach fast zwei Jahren besucht er uns wieder in unserem Bildungsinstitut. Im Interview sprechen wir über die Aufgaben eines Social Media Managers in einer großen Agentur, schauen auf einen bewegten Lebenslauf zurück und sehen, was beruflich möglich ist, wenn man seine Passion gefunden hat.

Martin Salwiczek: Patrick, es ist schön, dich wieder zu sehen. Fast zwei Jahre ist es her, dass du hier warst. Jetzt bist du Social Media & Content Manager bei einer großen Agentur in Düsseldorf. Erzähl doch mal, was du da machst.

Social Media für internationale Automarken

Patrick de Vries: Gerne! Bei Saatchi & Saatchi betreue ich vornehmlich die Kunden aus der Automobilbranche. Im ersten Schritt bewerte ich deren allgemeine Kommunikationsstrategien und passe diese entsprechend an. Operativ gehören im Alltagsgeschäft dann die Erstellung von Redaktionsplänen und das Konzeptionieren, Planen und Setzen von Postings zu meinen Aufgaben. Aber auch strategische Aufgaben, wie das Monitoring und die Planung für das nächste Jahr und die Zeit darüber hinaus, gehören zu meinen Aufgaben.

Martin Salwiczek: Das entspricht ja zum Teil den Aufgaben eines Social Media Managers, die wir auch in unserer Weiterbildung vermitteln. Inwiefern hatte die Weiterbildung Einfluss auf deinen jetzigen Job?

Patrick de Vries: Ich habe ja bereits vor meiner Weiterbildung im Bereich Social Media gearbeitet. Dennoch habe ich durch die Weiterbildung viele Aspekte kennengelernt, die ich noch nicht kannte. Zudem war es sehr hilfreich, dass Ganze gebündelt vermittelt zu bekommen. Im Berufsalltag verlierst Du Dich irgendwann im Kleinen. Hier wurde mir vermittelt, das große Ganze bei Social Media im Blick zu halten. Das hat mich motiviert und gab mir noch mal ordentlich Dampf für meine Bewerbungsaktivitäten.

Social Media Konzept bei der Bewerbung mit eingereicht

Martin Salwiczek: Du sprichst die Bewerbungsaktivitäten an. Wie verlief deine Bewerbungsphase nach der Weiterbildung? Wie bist du an deinen jetzigen Job gekommen?

Patrick de Vries: Als ich mit der Weiterbildung bei der LVQ fertig war, ging ich davon aus, dass mir die Jobs nur so zufliegen. Ich musste zunächst ernüchternd feststellen, dass dem nicht so war. Ich bereitete mich jedoch auch anders vor. Vor der Weiterbildung war ich eher auf dem klassischen Pfad unterwegs. Anschreiben, Lebenslauf, Foto, schönen Tag noch! Das lief nicht sonderlich erfolgsversprechend.

Nach der Weiterbildung war dann mehr Zeit, sich eingehender mit den Stellenausschreibungen zu beschäftigen. Ich habe nicht mehr so breit gestreut, sondern mir Stellen gezielt herausgesucht. Ich habe mich dann näher mit den Arbeitgebern auseinandergesetzt. Das geht ja im Social-Media-Bereich sehr gut:

Wie präsentieren die sich in den Social-Media-Kanälen? Welche Verbesserungsvorschläge kann man anbringen? Das habe ich dann auch bei meiner Bewerbung für Saatchi & Saatchi gemacht. In der Stellenausschreibung stand drin, welche Kunden betreut werden sollten. Für einen Kunden habe ich dann eine Social-Media-Strategie entwickelt, so wie wir es hier im Kurs gelernt haben, und diese der Bewerbung beigelegt…

Martin Salwiczek: ….was dann zur Einladung zum Vorstellungsgespräch geführt hat…

Patrick de Vries: …und der zusätzlichen Anmerkung, dass sie die Strategie direkt an den Kunden weitergeleitet haben. Also hatte ich mit der Bewerbung zwei Ebenen erreicht, ohne das direkt beabsichtigt zu haben. Der Kunde entschied dann auch mit, dass ich die Stelle bekomme.

Martin Salwiczek: Du hattest ja schon vor der Weiterbildung Erfahrungen im Social-Media-Bereich. Du hast aber ursprünglich etwas ganz anderes gemacht. Erzähl doch mal.

Nach bewegten Lebenslauf die Passion gefunden

Patrick de Vries: Gelernt habe ich den Einzelhandelskaufmann und viele Jahre auch im direkten Kundenkontakt im technischen Bereich Audio, Video und Fotografie gearbeitet. Das habe ich zehn Jahre gemacht und bin dann in den Außendienst gewechselt, um Schmuck zu vertreiben. Das war dann jedoch weniger direkter Verkauf als Teammanagement. Nach fünf Jahren wurde diese Firma verkauft, leider ohne mich.

„Das war schon interessant: vom Verkäufer zum Manager und dann zum Reifenschubser.“

Da ich relativ schnell eine neue Stelle brauchte, trieb es mich in den Reifenhandel. Das war anfangs nur als Übergang gedacht, dauerte aber zwei Jahre. Das war schon interessant: vom Verkäufer zum Manager und dann zum Reifenschubser. Es war mir klar, dass ich den Job nicht lange machen würde.

Social Media ist nicht gleich Social Media

Aus alten Tagen kannte ich die beiden Inhaber eines Dienstleisters für Community Management aus dem Gaming-Sektor. Sie sprachen mich an, ob ich nicht etwas für die machen möchte. Das passte, denn für den Bereich des Community Managements brachte ich alles mit, was ich bisher im Berufsleben gelernt habe: Vom Kommunikationsverständnis, bis zum Druck im direkten Kundenkontakt, sowie organisatorischen und strategischen Aspekten. Dort arbeitete ich erst in der klassischen Foren-Kommunikation, dann im Social Media Bereich für Kunden und zuletzt im Bereich Paid Social Media, wo esum das direkte Schalten von Werbeanzeigen in Social Media. Das war aber gar nichts für mich. Der Paid Social Media Bereich ist sehr excellastig, zahlenlastig. Das war mir nicht lebendig genug, so das ich auch nicht wirklich gut in dem war, was ich gemacht habe. Das führte dazu, dass mein damaliger Chef und ich uns auch einig waren, dass mit dieser Ausrichtung unser Weg nicht zusammen weiter geht. Das war dann vor meiner Weiterbildung.

Social Media Zertifikat als Beleg der Kenntnisse

Wie bist du dann dazu gekommen, dich im Bereich Social Media weiterzubilden?

Patrick de Vries: Die Idee, die Weiterbildung zu machen, kam ja gar nicht von mir, sondern von der Dame der Arbeitsagentur, die mich damals betreut hatte. Sie sagte damals zu mir: “Herr de Vries, sie arbeiten seit einigen Jahren in diesem Bereich, und ich glaube Ihnen das alles, was Sie da sagen, aber: Sie können es nicht belegen. Sie haben keinerlei Zertifikate, sondern lediglich einige Empfehlungen von Kunden. Was halten Sie davon, wenn Sie eine Weiterbildung zu machen, um Ihr Wissen zu belegen?” So kam ich dann zur LVQ.

Martin Salwiczek: Also hast du die Weiterbildung als Chance während der Arbeitslosigkeit gesehen?

Patrick de Vries: Ja, wobei ich offen sagen muss, dass ich Anfangs meine Vorbehalte hatte. Man hat die letzten Jahre teils schlechte Dinge über die Erwachsenenbildung gehört. Von demotivierten Dozenten bis zu veralteten Lehrinhalten und schlechter Organisation. Hier bei der LVQ bin ich jedoch in kurzer Zeit sehr überrascht worden, denn hier ist in jedem einzelnen Punkt das Gegenteil der Fall.

Martin Salwiczek: Welche Weiterbildungen hast Du damals bei uns gemacht?

Patrick de Vries: Insgesamt waren das vier. Neben dem Social Media Manager waren das der Projektmanager, der Online-Redakteur und die Marketing-Weiterbildung.

Der Projektmanager war für meinen jetzigen Job auch eine enorm spannende Erfahrung, auch wenn die Weiterbildung vom Ablauf und der Vermittlung her ganz anders war, als der Social Media Manager. Aber das was ich da gelernt habe, hilft mir heute bei der Planung und Durchführung von Kampagnen weiter.

Motivation, Struktur, Wertschätzung, Netzwerk: Wichtige Aspekte der Weiterbildung

Martin Salwiczek: Neben den fachlichen Inhalten betonen wir immer wieder, wie wichtig in der Phase der Arbeitslosigkeit auch Motivations-Aspekte hinsichtlich der Jobsuche sind. Kannst Du aus Deiner Perspektive erzählen, wie du das hier wahrgenommen hast?

Patrick de Vries: Da gibt es in der Tat eine Menge zu erzählen. Jeder der schon mal wie ich arbeitslos oder sogar von Hartz IV bedroht gewesen ist, kennt wahrscheinlich das Gefühl, wenn das eigene Selbstwertgefühl leidet. Wenn man über Monate die kalte Schulter vom Arbeitsmarkt gezeigt bekommt, dann stellt man sich und seinen eigenen Wert in Frage: “Wozu mache ich das noch? Mich will ja eh keiner haben!” Das werden wahrscheinlich viele nachvollziehen können, die schon mal in der Situation waren.

Da muss ich sagen, dass hierfür die Zeit bei der LVQ sehr hilfreich war.

Martin Salwiczek: In welcher Hinsicht?

Patrick de Vries: An erster Stelle war das Zusammen-Lernen und -Arbeiten mit den anderen Teilnehmern sehr wichtig, auch wenn oder gerade weil wir uns nicht als Teilnehmer, sondern als Kollegen verstanden haben. Im Grunde haben wir in unserer Wahrnehmung die LVQ als unseren Arbeitgeber angesehen.

Zweitens war es wichtig, wieder eine Aufgabe und eine Struktur zu haben. Das darf man gar nicht unterschätzen, wie wichtig das ist.

Drittens kommt das wertschätzende Feedback, das man erhalten hat, wenn man seine Leistung erbracht hat. Wie gesagt war ich anfangs skeptisch, aber ich habe gesehen: Die haben Bock, also hab ich auch Bock und hänge mich rein, denn das schulde ich nicht nur mir, sondern auch der LVQ. So habe ich die vier Monate hier dann auch verbracht. Mit dieser Haltung bin ich auch die vier Weiterbildungen angegangen, was den Effekt mitgebracht hat, dass ich in den Themen drin war und mit einem ganz anderen Selbstwertgefühl in meine Bewerbungsaktivitäten gegangen bin.

Und viertens  habe ich eine Riesen-Fülle an neuen Kontakten mitgenommen, mit denen man noch heute in Verbindung ist, telefoniert oder sich trifft. Diese Zeit bei der LVQ ist schon etwas, das einen aneinander bindet. Da sitzen bis zu 25 Leuten in einem Raum, alle hochqualifiziert und ohne Beschäftigung, teils bis zur vier Monate. Klar, dass das miteinander verbindet, und es ist spannend, welche Impulse man von den anderen bekommt. Da motiviert man sich auch mal gegenseitig, wenn der andere mal nicht so einen guten Tag hat.

Social-Media-Bewerbung: Lösungen anbieten

Martin Salwiczek: Patrick, letzte Frage: Was würdest Du einem Teilnehmer der Social Media Weiterbildung bei der LVQ oder jemandem empfehlen, der beruflich in den Social Media Bereich möchte?

Patrick de Vries: Das Thema Social Media brennt ja gerade in Deutschland an allen Ecken und Enden. Die Chancen, da einzusteigen sind so gut wie nie. Aber damit ist natürlich die Dichte an Bewerbern auch entsprechend hoch. Ihr solltet Euch also so positionieren, dass die Arbeitgeber, bei denen man sich bewirbt das Gefühl haben: Das, was sie oder er mir anbietet, das kann kein Praktikant. Dazu solltet Ihr in die Tiefe gehen, die Präsenzen der Arbeitgeber anschauen und Strategien entwickeln.

Martin Salwiczek: Dass das funktioniert, sieht man ja schön an deinem Beispiel. Wie wichtig findest du den Besuch von Events und den Aufbau einer eigenen digitalen Präsenz?

Patrick de Vries: Für mich persönlich haben beide Faktoren keine große Rolle gespielt. Aber der Besuch von Social Media Veranstaltungen wie Barcamps, Twittwochs oder anderen Events kann definitiv hilfreich sein. Einige der damaligen Kollegen bei der LVQ haben dort gute Erfahrungen gemacht, hatten den Mut sich aktiv einzubringen oder einfach eine intelligente Frage zu stellen und sind dadurch angesprochen worden, ob sie nicht Interesse an einer Stelle hätten.

Zur digitalen Präsenz: Zwar habe ich Profile in allen gängigen sozialen Netzwerken. Ich kann aber aus meiner Warte nicht sagen, dass das eine große Rolle gespielt hat, auch nicht für meinen jetzigen Job. Worauf ich einmal positive Resonanz bekam, das war mein eigener Blog zu digitalen Themen, den ich im Rahmen des Online-Redakteur-Kurses bei der LVQ erstellt und dann auch weiter geführt habe. Auf die Frage in einem Vorstellungsgespräch, wie ich am Puls der Zeit bleibe, habe ich auf den Blog verwiesen, was sehr positiv angenommen wurde.

Aber das ist ja das Gute an der LVQ: Sei es das Erarbeiten einer Social-Media-Strategie, das Erstellen eines Blogs, oder der Hinweis auf die richtigen Veranstaltungen, hier lernt man das entsprechende Handwerkzeug und die richtigen Leute kennen.

Patrick, vielen Dank für das Interview!

 

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

 

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