Das Arbeitszeugnis in der Bewerbung – Teil 2: Besonderheiten nach Berufserfahrung und fachlichem Hintergrund

Welchen Arten von Arbeitszeugnissen gibt es? Wie ist die Zeugnissprache zu lesen? Was soll ich tun, wenn ich aufgefordert werde, ein Arbeitszeugnis selber zu schreiben? Diese und andere Fragen beantworteten wir im ersten Beitrag zum Arbeitszeugnis in der Bewerbung.

Im heutigen Teil legen wir den Schwerpunkt auf die Besonderheiten für einzelne Bewerbergruppen. Denn je nach beruflicher Erfahrung kann sich das Arbeitszeugnis in seiner Struktur und inhaltlichen Gewichtung unterscheiden. Auf die wichtigsten Besonderheiten und Aspekte, auf die Arbeitnehmer beim Lesen ihres Zeugnisses achten sollten, gehen wir nun ein.

Nachweise für Praktikanten, Werkstudenten, studentische Hilfskräfte

Als studentische Hilfskraft arbeitet man in der Regel an Hochschulen und Universitäten, als Werkstudent oder Praktikant im wirtschaftlichen oder industriellen Kontext. Naturgemäß wechseln junge Menschen in diesem Alter öfter ihre Jobs. Dennoch haben Werkstudenten, studentische Hilfskräfte und Praktikanten uneingeschränkten Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.

Für junge Menschen lohnt sich ein Arbeitszeugnis vor allem dann, wenn die Dokumentation ihrer Tätigkeiten für den angestrebten beruflichen Werdegang von Bedeutung ist. Der Nachweis von besonderem Engagement und erster Praxiserfahrung in Form eines Zeugnisses kann das entscheidende Alleinstellungsmerkmal für die eigene Bewerbung sein.

Studenten, die als Werkstudenten oder studentische Hilfskräfte tätig sind, müssen keine Besonderheiten beachten. Für Praktikanten sieht die Sache anders aus. Auch beim Praktikumszeugnis wird zwischen einem qualifizierten und einem einfachen Zeugnis unterschieden.

Wer den Nachweis eines Schülerpraktikums oder Pflichtpraktikums erbringen muss, benötigt darüber hinaus noch eine Praktikumsbescheinigung. Diese beinhaltet Angaben zur Art und Dauer der Tätigkeit. In der Regel stellt der Arbeitgeber dem Praktikanten Bescheinigung und Zeugnis zum Ende der Beschäftigung aus.

Arbeitszeugnisse für Trainees und Volontäre

Sowohl das Volontariat, als auch das Trainee-Programm beschreiben eine unternehmensinterne, gesetzlich nicht geregelte Ausbildung, mit der Absolventen mit geringer Berufserfahrung in ein Unternehmen oder eine Branche einsteigen können. Die Dauer beträgt in der Regel zwischen 12 und 24 Monate. Mit dem Abschluss eines Trainee-Programms oder eines Volontariats erhält man ein Zeugnis, das den gleichen Aufbau aufweist wie ein Arbeitszeugnis. Aufgrund des befristeten Arbeitsverhältnisses sollten Trainees und Volontäre darauf achten, das Zeugnis rechtzeitig und vor Ablauf des befristeten Vertrages beim Arbeitgeber einzufordern.

Berufseinsteiger – was im Arbeitszeugnis stehen sollte

Ob als Werkstudent, Praktikant, Trainee oder Volontär – besonderes Augenmerk beim ersten Arbeitszeugnis gilt der Bewertung persönlicher Eigenschaften, da Berufseinsteiger in der Regel noch nicht über viel Berufserfahrung verfügen. Zukünftige Arbeitgeber können so auf das persönliche Entwicklungspotenzial des Berufseinsteigers schließen – vor allem dann, wenn Nachweise aus vorangegangenen Praktika oder anderen Tätigkeiten für einen Vergleich vorliegen.

Besonderheiten im Arbeitszeugnis von Berufseinsteigern

Doch es gibt auch unter Berufseinsteigern gewisse Besonderheiten.
Geisteswissenschaftler zum Beispiel sind oft Quereinsteiger und Generalisten. Soft Skills wie Flexibilität, Lernbereitschaft oder eine systematische Arbeitsweise werden bei ihnen gerne gesehen und sollten entsprechend im Arbeitszeugnis eines Geisteswissenschaftlers stehen.

Auch Naturwissenschaftler sind gefragte Fachkräfte. Ihre Stärken und Erfahrungen unterscheiden sich jedoch häufig von Geisteswissenschaftlern. Arbeitgeber interessieren sich hier für Aspekte wie:

  • Verfügt der Naturwissenschaftler über die erforderlichen Fähigkeiten, um Lösungen zu komplexen Problemen zu erarbeiten?
  • Über welche Forschungserfahrung verfügt der Bewerber?
  • Welche Kenntnisse und Fähigkeiten hat der Bewerber durch seine Forschungsarbeit erlangt?

Sind all diese Fragen innerhalb eines Zeugnisses beantwortet, kann der zukünftige Arbeitgeber, wie auch beim Geisteswissenschaftler, Schlüsse auf die berufliche Entwicklungsmöglichkeiten ziehen.

Arbeitszeugnisse bei Promovierten

Eine Studie der Technischen Universität Dresden besagt, dass Promovierte sehr gut im außerakademischen Markt integriert sind. Je nach Unternehmen und Stellenprofil kann die Promotion vom Vorteil im Auswahlverfahren sein. Die Stärken eines Promovierten liegen vor allem in der erlernten wissenschaftlichen Arbeitsweise. Sie ist strukturiert, analytisch und geht stets in die Tiefe. Ihr professioneller Status und ihre Reputation in der Fachwelt werden von Arbeitgebern ebenso geschätzt.

Persönliche Kompetenzen wie Eigenständigkeit, Durchhaltevermögen und Leistungsorientierung sind bei Promovierten besonders stark ausgeprägt. Das Arbeitszeugnis eines Promovierten sollte all diese unterschiedlichen Kompetenzen abdecken.

Gerade von Promovierten hört man öfter, dass sie ihre Arbeitszeugnisse selbst schreiben müssen. Hilfestellungen hierzu haben wir im ersten Beitrag zum Arbeitszeugnis gegeben.

Young Professionals

Young Professionals mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung kennen meist ihre Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. Sie haben den Einblick in mindestens eine Branche, ein Unternehmen oder in eine Funktion. Steht der Entschluss, eine neue berufliche Herausforderung zu suchen, sollten sich Young Professionals Gedanken über den bisherigen Werdegang und die berufliche Zukunft machen.

Ein roter Faden kann sich in den bereits gesammelten Zeugnissen finden lassen. In solchen Situationen gibt das neueste Arbeitszeugnis Aufschluss darüber, ob und wie die Tätigkeit an den roten Faden anknüpft. Zukünftige Arbeitgeber interessieren sich unter anderem für die weiteren beruflichen und persönlichen Ambitionen des Young Professional, und ob er die nötigen Fähigkeiten besitzt, diese in seiner neuen Stelle erfolgreich umzusetzen.

Arbeitnehmer mit langer Berufserfahrung

Egal ob Bewerber 40 oder 50 Jahre alt sind: Menschen mit langjähriger Berufserfahrung punkten bei Personalern mit ihrer Berufs- und Lebenserfahrung. Der Personaler wird aber auch versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen: Warum hat dieser wertvolle und erfahrene Bewerber beschlossen, das Unternehmen zu wechseln?

Arbeitnehmer mit umfassender Berufserfahrung sollten vor allem darauf achten, dass im Arbeitszeugnis sowohl ihre Arbeitsweise, als auch ihre Soft Skills und ihre persönlichen Fähigkeiten, soweit sie für den Beruf relevant sind, klar zur Geltung kommen.

  • Wird deutlich, was Sie in den letzten Jahren im Unternehmen geleistet haben?
  • Ist klar erkennbar, mit wem Sie Kontakt hatten und was Ihre Aufgaben waren?
  • Entsteht der aus Ihrer Sicht richtige Eindruck Ihrer Fähigkeiten?
  • Werden Ihre Kompetenz und Erfahrung klar benannt?
  • Ist erkennbar, dass Sie nicht nur fachlich sondern auch zwischenmenschlich einiges geleistet haben?

Erfahrene Arbeitnehmer die lange Zeit in einem Betrieb tätig waren, sollten zudem darauf achten, dass auch alle wesentlichen Aufgaben und Positions- oder Abteilungswechsel – sofern geschehen – aufgeführt sind. Dies kann für Bewerbungen auf Stellen, die nicht unmittelbar etwas mit den letzten Tätigkeiten zu tun haben, von wichtiger Bedeutung sein.  

Im nächsten Teil der Reihe gehen wir der Frage auf den Grund, ob Empfehlungen und Referenzen heutzutage vielleicht sogar wichtiger sind als Arbeitszeugnisse. Bis dahin freuen wir uns auf Ihre Kommentare und Fragen zum Arbeitszeugnis.

Stephanie Kowalski ist Geisteswissenschaftlerin. Als Bloggerin und freiberufliche PRlerin unterstützt sie kleine und mittelständische Unternehmen bei ihrer Kommunikation. Sie hat bereits in mehreren Blogs und Online-Magazinen Gastbeiträge zu den Themen Jobsuche und Bewerbung geschrieben.
In ihrem Blog Online PR Guide erklärt sie, wie man mithilfe bewährter PR-Strategien und moderner Online-Kanäle erfolgreich digital kommuniziert.

 

Zur kompletten Serie „Bewerbung und Jobsuche“:

  1. Wie fange ich mit der Jobsuche an? Erste Schritte im Bewerbungsprozess
  2. Wie Sie sich Ziele für die Jobsuche setzen
  3. Die Bewerbungsmappe – 7 Antworten auf häufige Fragen
  4. Das Anschreiben – Fixpunkt der Bewerbung oder überholtes Relikt
  5. Bewerbung nach DIN 5008 – Das Anschreiben
  6. Einleitungssätze im Anschreiben – aller Anfang ist schwer
  7. Wie überzeuge ich im Anschreiben inhaltlich?
  8. Die Gehaltsangabe in der Bewerbung
  9. Das Arbeitszeugnis in der Bewerbung – Teil 1

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Hier schreiben Lars Hahn, Martin Salwiczek und Gastautoren. Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

 

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  1. […] wir in den vorherigen beiden Beiträgen auf das Arbeitszeugnis als Pflichtelement der Bewerbung eingegangen sind, schauen wir uns heute den […]

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