Die Gehaltsangabe in der Bewerbung: Wie Sie den passenden Wert ermitteln und formulieren

Die richtige Gehaltsangabe für die Bewerbung zu finden, ist für viele Bewerber nicht einfach. Vor allem Berufseinsteigern und beruflichen Quereinsteigern fällt es schwer, den richtigen „Marktwert“ zu ermitteln. Zum einem möchte man als Bewerber eine angemessene Honorierung von Qualifikation und Berufserfahrung erhalten. Auf der anderen Seite möchte man seine Bewerbung nicht direkt mit einer unpassenden Gehaltsangabe ins Aus manövrieren.

In diesem Beitrag unserer Bewerbungsserie möchten wir daher einige Tipps zur richtigen Gehaltsermittlung und -formulierung geben. Dazu ziehen wir die Beiträge einiger Experten zu Rate, ergänzen unsere Erfahrungen aus Workshops und Einzelcoachings und geben Ihnen eine Zusammenstellung hilfreicher Online-Quellen.

Gehaltsangabe in der Bewerbung: Das richtige Maß finden

Andrea P. ist promovierte Biochemikerin und möchte von der Forschung in die Industrie wechseln. Sie hat sich bereits bei mehreren Großunternehmen beworben, bisher ohne Erfolg. Nun versucht sie es eine Nummer kleiner, visiert eher mittelständische und kleine spezialisierte Unternehmen an. Das Anschreiben hat sie soweit erstellt, lediglich die Gehaltsangabe fehlt ihr. Bei Großunternehmen war diese einfach zu ermitteln. Entweder waren diese tarifgebunden, oder Andrea informierte sich über Verbandswebseiten wie beispielsweise der der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCH). Auch die großen Jobbörsen, die Informationen zu den Gehältern direkt von den ausschreibenden Arbeitgebern erhalten, geben zu großen Unternehmen Auskunft.

Doch wieviel kann Andrea bei einem mittelständischen Medizintechnikunternehmen als Einsteigerin in die Industrie verlangen?

Gerhard S. hat dieselbe Problematik, nur unter anderen Vorzeichen. Er war jahrelang Geschäftsführer und Inhaber eines großen Gastronomiebetriebs. Nun will er nicht weiter in der Branche arbeiten und entscheidet sich für einen beruflichen Schnitt. Er bildet sich in den Bereichen Qualitätsmanagement und Arbeitssicherheit weiter und bewirbt sich als Quereinsteiger bei einem Beratungsunternehmen. Zuvor hat er jahrelang sehr gut verdient, das wird auch das Unternehmen mit Blick auf den Lebenslauf erkennen.

Welches Gehalt soll er nun angeben, ohne sich im Vorfeld ins Aus zu schießen?

Die richtige Gehaltsangabe: Auch für Experten eine Herausforderung

Wie man an den Beispielen sieht, kann die Angabe der passenden Gehaltsvorstellung in der Bewerbung eine knifflige Angelegenheit sein:

 „Ausgeschriebenen Stellen, (…), sieht man das Gehaltsniveau oft nicht an. Konzerne neigen dazu, so viele Fachbegriffe zu nutzen, dass die Stelle sehr anspruchsvoll wirkt – bei näherer Betrachtung fällt dieser Anspruch aber in sich zusammen“, sagt die Karriereexpertin Svenja Hofert in einem Blogbeitrag und ergänzt:

„Ich sehe viel, aber auch ich habe schon einmal eine Stelle auf 85.000 geschätzt, die letztendlich innerhalb des Tarifs liegen sollte, in dem Fall 48.000 EUR. Wie sollen Bewerber mit dem Gehaltswürfeln klar kommen, wenn selbst Profis beim Schätzen scheitern?“

Sobald keine klaren Angaben zu den Gehaltsstrukturen eines Unternehmens vorliegen oder es keine Tarifbindung gibt, wird die Angabe der Gehaltsvorstellung in der Bewerbung ein Glücksspiel, bei dem mehrere Faktoren berücksichtigt werden müssen.

Gehaltsvorstellung in der Bewerbung: Zwischen Marktwert und Wertschätzung

Unser Geschäftsführer Lars Hahn nennt ein weiteres Problem:

Viele Bewerber verwechseln Marktwert mit Wertschätzung. Sie orientieren sich bei der Gehaltsangabe stark an ihrer Qualifikation oder bisherigen Berufserfahrung. Natürlich soll das Gehalt  angemessen sein. Sobald sie sich aber bei einem anderen oder bei ihrem ersten Arbeitgeber bewerben, sind andere marktrelevante Faktoren zusätzlich zu berücksichtigen: Wie groß ist das Unternehmen? In welcher Branche ist es tätig? In welcher wirtschaftlichen Lage befindet es sich? Und in welchem Maße passen meine Qualifikationen zur ausgeschriebenen Stelle? Die Gehaltsvorstellung sollte daher immer ein Zusammenspiel marktrelevanter Faktoren und der Wertschätzung des eigenen beruflichen Profils sein.“

Ähnlich sieht es Karriereexperte Dr. Bernd Slaghuis, der sich das Thema Wertschätzung in Verbindung mit dem Thema Gehalt anschaut. Er schreibt in einem Blogbeitrag:

„Viele Arbeitnehmer verbinden mit dem Thema Gehalt weniger das Geld auf ihrem Konto sondern Werte wie Gerechtigkeit oder Anerkennung. Was ist aus Ihrer Sicht eine gerechte Vergütung für die Zielposition bzw. welches Gehalt steht für die motivierende Anerkennung Ihres Fachwissen und Ihrer Berufserfahrung?“

Diese persönliche Gehaltsvorstellung soll dann mit Informationsquellen verglichen werden, die marktrelevante Faktoren berücksichtigen, um daraus einen Wert zu ermitteln. Einige dieser Quellen stellen wir im Folgenden vor.

Informationsquellen für die Gehaltsermittlung

Für die Gehaltsermittlung gibt es im Internet etliche Quellen. Wichtig ist zu wissen, wonach man sucht. Daher möchten wir unsere Tipps auf fünf Quellen beschränken.

1) Für den ersten Blick: Gehalt.de

Gehalt.de ist nach eigener Angabe Deutschlands größte Gehaltsseite und verfügt über zwei Millionen Gehalts-Datensätze. Sie geben einen Jobtitel, eine Berufsbezeichnung oder eine Branche ein, und Gehalt.de nimmt anhand angezeigter Stellenausschreibungen Gehaltsschätzungen vor. 

Gehalt.de eignet sich zur ersten Orientierung. Was fehlt, ist der Bezug zum eigenen Lebenslauf und Berufsprofil. Was ist, wenn ich Berufseinsteiger oder Quereinsteiger bin?

2) Verdienst als Berufseinsteiger: GehaltsReporter.de

Hochschulabsolventen müssen sich in den meisten Fällen an externen Verdienst-Richtwerten orientieren. Eine hilfreiche Quelle hierfür ist die Webseite GehaltsReporter.de, die mehrere Faktoren bei der Gehaltsempfehlung berücksichtigt. In einem Fragebogen wird nicht nur die Studienrichtung abgefragt sondern auch Hochschule, Abschluss inkl. Note, Alter und Zusatzqualifikationen. Anschließend wird nach angestrebter Branche, Unternehmensgröße, Standort des Arbeitgebers, Funktion und Position gefragt. Das Ergebnis wird in einem kostenfreien PDF-Report zugeschickt.

3) Gehaltsangabe bei Quereinstieg: Mix aus mehreren Quellen

Wie ermittle ich als Quereinsteiger, wie unser Beispiel Gerhard S., die Gehaltsangabe für die Bewerbung? Hier ist es ratsam, mehrere Quellen einzubeziehen. Gehalt.de kann eine Erstorientierung geben. Branchenbezogene Webseiten wie die der Gesellschaft Deutscher Chemiker oder des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) sind ergänzend hilfreich, genauso Fachportale (z.B. QZ-Online für das Qualitätsmanagement). Auf der Arbeitgeberbewertungsplattform glassdoor.de geben Mitarbeiter anonym an, was sie in ihrer Position verdienen.
Bei Initiativbewerbungen für kleine oder mittelständische Unternehmen, die als Arbeitgeber nicht sonderlich bekannt sind, empfiehlt sich zudem ein Blick auf den Bundesanzeiger. Hier bekommen Sie kostenfrei Einsicht in die Jahreszahlen der Unternehmen und können sich daran orientieren, wie der angestrebte Arbeitgeber wirtschaftlich da steht.

4) Sonderfall: Gehalt nach Tarif

Am einfachsten ist die Ermittlung von Gehaltsangaben für Stellen im tarifgebundenen Bereich. Hier wird das Monatsgehalt nämlich genau angegeben. Prinzipiell gibt es in allen Branchen tarifgebundene Unternehmen. Die entsprechende Vergütung finden Sie im Internet. Im Tarifregister NRW zum Beispiel finden Sie alle Gehälter vom Abbruchgewerbe bis zur Zuckerindustrie, vom Abfüller bis zum Zuschneider in NRW.

Doch nicht jedes Unternehmen ist tarifgebunden. Tariflöhne werden in Unternehmen gezahlt, in denen Arbeitgeber im Arbeitgeberverband und Arbeitnehmer in der Gewerkschaft organisiert sind. Tarifgebundene Unternehmen geben die Tarif-/Entgeltgruppe in der Regel auch in den entsprechenden Stellenausschreibungen an.

5) Kontakte fragen

Nur der Vollständigkeit halber erwähnen wir, dass die Nachfrage bei eigenen Kontakten die erste Informationsquelle für die Gehaltsrecherche sein sollte. Das kann der Onkel sein, der gewerkschaftlich aktiv ist, oder die ältere Cousine, die seit zwei Jahren beim mittelständischen Schraubenhersteller arbeitet. XING ist eine prima Quelle, um einen Überblick über die Berufe des eigenen Freundes- und Bekanntenkreises zu erhalten.

Fragen zur Gehaltsangabe in der Bewerbung

Die Gehaltsangabe wird immer am Ende eines Anschreibens angegeben. Bei der Frage nach der Formulierung orientieren wir uns an den häufigsten Bewerberfragen.

Soll ich die Gehaltsvorstellung überhaupt angeben?

„Ich lese das Anschreiben eigentlich nur, um zu wissen was der Bewerber verdienen möchte“. Diese Aussage bekamen wir in Gesprächen mit Personalern schon häufiger zu hören.

Grundsätzlich gilt: Wird in der Stellenausschreibung die Angabe der Gehaltsvorstellung verlangt, sollte sie diese auch angeben:

Wenn Bewerber auf einen explizit genannten Gehaltswunsch nicht antworten, geben sie letztlich unvollständige Unterlagen ab. Ein klarer Minuspunkt im Bewerbungsschreiben. Und nicht wenige Personaler sortieren solche Bewerbungen sofort ausschließlich missachtet der Bewerber eine explizit genannte Erwartung an die Bewerbung…“,gibt das Team der Karrierebibel zu bedenken.

Der Arbeitgeber will im Vorfeld sehen, ob er sich den Bewerber leisten und testen, ob der Bewerber seinen Marktwert einschätzen kann.

Gebe ich die Gehaltsvorstellung in Monats- oder Jahresangabe an?

Hier gibt es eine klare Regelung: Gehaltsvorstellungen werden grundsätzlich jährlich in brutto angegeben, also zum Beispiel:

„Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 36.000 Euro brutto im Jahr.“

Gebe ich einen konkreten Wert oder eine Gehaltsspanne an?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Ein konkreter Wert zeugt von Selbstbewusstsein und Klarheit, kann jedoch fehlende Flexibilität suggerieren und Ausschlusskriterium sein, wenn er vom angedachten Gehalt zu weit weg ist.

Eine Spanne hingegen zeigt Flexibilität und Verhandlungsbereitschaft, bringt aber die Gefahr mit sich, dass man vom Arbeitgeber am unteren Wert festgenagelt wird. Daher sollte die Spanne auch nicht zu groß sein.

Dr. Bernd Slaghuis empfiehlt einen klaren Wert anzugeben:

„Geben Sie am Ende Ihres Anschreibens keine Gehaltsspanne und auch nicht Ihr heutiges Gehalt an sondern einen Richtwert als zukünftige Gehaltsvorstellung, am besten das Bruttogehalt pro Jahr.
Sind Sie in einem Beruf mit hohem variablen Gehaltsanteil tätig, können Sie entweder Ihr Zielgehalt inklusive Bonus angeben oder als Wert nur das gewünschte Fixgehalt pro Jahr beziffern und mit dem Zusatz „zzgl. variabler Anteile“ ergänzen. Auch so signalisieren Sie Flexibilität und spätere Verhandlungsbereitschaft im Gespräch.“

Für Hochschulabsolventen empfiehlt das Team von Staufenbiel die Angabe einer Gehaltsspanne und hat auch direkt eine Empfehlung, sollte der Arbeitgeber an den niedrigsten Wert andocken:

„Mit einer Spanne signalisierst du dem Arbeitgeber, dass du deinen Marktwert kennst, aber verhandlungsbereit bist. Natürlich darf die Spanne nicht zu groß sein, sondern sollte maximal 3.000 bis 5.000 Euro umfassen. Sollte sich dein Gegenüber im Vorstellungsgespräch auf den niedrigsten Wert beziehen, kannst du immer noch Extraleistungen wie Jobticket, Essenszuschuss oder ähnliches heranziehen, um möglichst viel aus der Verhandlung herauszuholen. Auch eine Abmachung, nach der Probezeit das Gehalt entsprechend zu erhöhen, ist eine gute Lösung für beide Seiten.“

Die Formulierung für die Gehaltsspanne könnte dann in etwa so lauten:

„Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 36.000 – 40.000 € brutto. Weitere Details bespreche ich mit Ihnen gerne im Rahmen eines persönlichen Gesprächs.“

Die passende Gehaltsangabe ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren

Wie man sieht, ist die Angabe der Gehaltsvorstellung eine individuelle Frage. Sie hängt ab von Ihrer Qualifikation, Ihrer Berufserfahrung und Ihrer persönlichen Wertvorstellung auf der einen Seite. Auf der anderen Seite sind die genannten äußeren Faktoren der Stelle maßgeblich.
Um die zu ermitteln, orientieren Sie sich an den genannten Online-Quellen, fragen Sie in Ihrem Netzwerk nach. Wir hatten auch schon Rückmeldungen von Bewerbern, die zum Hörer gegriffen haben und direkt nachgefragt haben, ob die Gehälter tariflich orientiert sind, oder welcher Rahmen für die Stelle angemessen wäre. Zwar bekommt man nicht immer eine klare Antwort, jedoch einen ungefähren Rahmen. Das würden wir jedoch nur in Fällen empfehlen, in denen Sie auch durch die vorherige Recherche auf kein passendes Ergebnis gekommen sind.

Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen zum Thema Gehalt während der Bewerbung. Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Hier schreiben Lars Hahn, Martin Salwiczek und Gastautoren.

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