Das Anschreiben für die Bewerbung – wie überzeuge ich inhaltlich?

Ein gutes Bewerbungsanschreiben kann den Ausschlag für eine Einladung zum Vorstellungsgespräch geben. Während die Einhaltung formeller Aspekte den Rahmen bildet, machen Sie mit den inhaltlichen Aspekten den Unterschied aus:  Welche Qualifikationen und Soft Skills bringe ich für die Stelle mit? Warum passen das Unternehmen und ich zusammen? 

In diesem Beitrag geben wir Tipps für die inhaltliche Gestaltung des Anschreibens.

Fassen wir noch einmal kurz die wesentlichen Punkte zum Anschreiben aus unseren vorherigen Artikeln zusammen, die wichtig für die inhaltliche Gestaltung sind:

Voraussetzungen für die inhaltliche Gestaltung

  • Im Beitrag „Das Anschreiben – Fixpunkt der Bewerbung oder überholtes Relikt?“ thematisierten wir, dass das Anschreiben zwar häufig in der Kritik steht, von vielen Personalern jedoch immer noch gefordert und sogar als Grundlage für einen ersten persönlichen Eindruck über den Bewerber genommen wird. Das sollte man bei der inhaltlichen Gestaltung berücksichtigen.
  • Eine formale Struktur für die Bewerbung liefert die DIN 5008. Sie legt Umfang und Form der inhaltlichen Gestaltung fest. Die Norm sollte jedoch nur als Orientierungsrahmen verwendet werden, die persönliche Note sollte im Vordergrund stehen.
  • Die persönliche Note darf dann auch im Einleitungssatz erkennbar sein. In den Beispiel-Sätzen aus unserem vorherigen Beitrag kann man Motivation, Begeisterungsfähigkeit, Kontinuität, Neugierde, Teamfähigkeit oder Humor herauslesen.

Diese persönliche Note ist vor allem für Berufseinsteiger wichtig, die noch nicht viel Berufserfahrung vorzuweisen haben. Bei berufserfahrenen Fachkräften oder hochspezialisierten Hochschulabsolventen wird ein sachlicher Einstieg mit Bezug zur fachlichen Passung reichen.

Wie geht es nun nach dem Einleitungssatz weiter?

Im Anschreiben Bezug zur Stellenausschreibung herstellen

Ganz grob betrachtet gibt es drei Bezugspunkte, die je nach Voraussetzung des Bewerbers für die Stelle unterschiedlich gewichtet und strukturiert werden: Der fachliche Bezug (Qualifikationen und/oder Erfahrung), der persönliche Bezug (Soft Skills) und der Unternehmensbezug.

Ganz bewusst betonen wir hier den Bezug zur Stelle. Wir sehen häufig, dass im Anschreiben fachliche und persönliche Eigenschaften genannt werden, jedoch viel zu selten mit Bezug auf die entsprechende Stelle. Häufig werden Formulierungen aus den vorherigen Anschreiben einfach übernommen.

Was auch oft fehlt: Der Unternehmensbezug. Das ist vielleicht nicht notwendig, wenn Sie alleine aufgrund ihrer fachlichen Expertise oder Erfahrung eingeladen werden. Anders sieht es bei Quereinsteigern, Berufsanfängern und Hochschulabsolventen aus, die ihre Motivation für den Arbeitgeber deutlich machen wollen.

Inhaltliche Elemente des Anschreibens

Bevor Sie mit dem Anschreiben beginnen, lesen Sie die Stellenausschreibung (sowohl die Aufgaben, als auch die Anforderungen) sehr präzise mit folgenden Fragen im Hinterkopf durch:

  • Warum bewerbe ich mich auf diese Position? Was spricht mich an dieser Position / diesem Unternehmen an?
  • Welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen sind gefordert? Inwieweit erfülle ich diese Anforderungen?
  • Welche Angaben sind in diesem Zusammenhang für das Unternehmen interessant und wichtig (aktuelle Position, vorherige Position, wesentliche Erfahrung, fachliche und zwischenmenschliche Kompetenzen)?
  • Wie und womit kann ich verdeutlichen, dass ich zum Unternehmen und genau dieser Position passe (Kompetenzen, Erfahrungen)?

Haben Sie den Stellenbezug idealerweise schon im Einleitungssatz hergestellt, können Sie, heruntergebrochen auf die drei thematischen Blöcke Qualifikationen, Soft Skills und Unternehmensbezug, Ihr Anschreiben aufbauen.

Fachlicher Bezug im Anschreiben – Qualifikationen und Erfahrung

Die meisten Anschreiben beginnen inhaltlich mit dem fachlichen Bezug zur Stelle. Schauen wir uns zwei Beispiele für eine Position an. Gesucht wird ein Qualitätsmanager.

Berufserfahrene Bewerber greifen bei der Darstellung des fachlichen Bezugs auf ihre Erfahrung zurück:

„Als Qualitätsmanager habe ich in den letzten fünf Jahren Erfahrungen in der Durchführung von internen Audits sowie der Erstellung und Prüfung von Qualitätsdokumenten gesammelt. Zuletzt war ich verantwortlich für die Umsetzung der neuen DIN EN ISO 9001:2015.“

Hochschulabsolventen benennen in der Regel ihren Studienabschluss mit Schwerpunkt und gegebenenfalls ihre Praktika. Wichtige Regel hierbei: Vermeiden sie nachzuerzählen oder ausführlich zu benennen, was der Leser bereits dem Lebenslauf entnehmen kann. Hier sollten Sie wieder den Fokus auf den Bezug zur Stelle setzen.

Der fachliche Bezug könnte dann in etwa so lauten:

„Im Rahmen meines studienbegleitenden Praktikums im Bereich der Qualitätssicherung habe ich Qualitätsdokumente erstellt und erste Product Quality Reviews bewertet.“

Hier ist der fachliche Bezug erkennbar. Studium, Name der Universität und Praktikumsgeber werden nicht benannt. Diese können dem Lebenslauf entnommen werden.

Persönlicher Bezug im Anschreiben – Soft Skills

Während die Darstellung der beruflichen Erfahrungen oder fachlichen Qualifikationen den meisten Bewerbern leicht von der Hand geht, tun sie sich mit der Beschreibung der persönlichen Stärken eher schwer.

Hier gilt ein wichtiger Grundsatz: Beschreiben anstatt benennen.

Sprich: Vermeiden sie aufeinanderfolgende Worthülsen wie:

 „Neben Führungsfähigkeit (1), zeichnen mich noch Organisationsgeschick (2) und Kommunikationsfähigkeit (3) aus“.

Beschreiben Sie eher, in welchen Situationen sie diese Eigenschaften anbringen konnten. Zum Beispiel:

„Als internationaler Projektleiter (1) war ich für die Projektkoordination (2) und Kommunikationssteuerung (3) der Teammitglieder aus unterschiedlichen Staaten verantwortlich.

Je berufserfahrener sie sind, desto weniger müssen sie sich Gedanken über die Darstellung der persönlichen Eigenschaften machen. Die Beschreibung ihrer Tätigkeiten, die Angaben im Lebenslauf und das Arbeitszeugnis lassen einige Rückschlüsse ziehen.

Berufsanfänger hingegen müssen dem Arbeitgeber deutlich machen, warum sie auch persönlich zum Unternehmen passen. Zur Orientierung dient hier wieder die Stellenausschreibung, die neben den fachlichen auch die persönlichen Anforderungen an den Bewerber beinhaltet. Stellen Sie sich hier die Frage, in welchem Kontext (beruflich, schulisch oder privat) Sie diese Eigenschaften zur Anwendung bringen konnten. Zum Beispiel:

„Während des Promotionsstudiums koordinierte ich (1) ein Forschungsprojekt (2) mit Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Nationen (3).“

Unternehmensbezug und Motivation darstellen – „Warum wollen Sie bei uns arbeiten?“

Spätestens im Vorstellungsgespräch wird die Frage auftauchen, warum Sie sich beim Unternehmen beworben haben. Viele Unternehmen wünschen sich diese Erklärung bereits im Anschreiben. Recruiting-Experte Henrik Zaborowski drückt es im Interview mit uns sehr deutlich aus:

„Der gemeine Personaler will immer noch die komplette Bewerbungsmappe mit Anschreiben. Und wenn er schon mal das Anschreiben liest, soll bitte auch drin stehen, warum der Bewerber das Unternehmen so geil findet.“

Zugegeben ist das etwas überspitzt formuliert, trifft aber gut die Erwartung vieler Personaler an einen (Jung-) Bewerber. Dahinter steht immer noch die Haltung vieler Unternehmen, dass Bewerber Bittsteller für eine offene Vakanz sind. Diese Sichtweise ist jedoch nicht mehr aktuell. Die Unternehmen werden mehr und mehr zu Bewerbern um geeignete Kandidaten. Für Sie und das Anschreiben gilt daher: Schreiben Sie, was Ihnen am Unternehmen gefällt oder welchen Bezug Sie zu dem Unternehmen haben.

Mittlerweile finden Sie über soziale Netzwerke wie XING, Karriereblogs der Unternehmen oder Bewertungsportale viele Anhaltspunkte, mit denen Sie feststellen können, was Ihnen am Unternehmen gefällt.

Im nächsten Beitrag dieser Serie beschäftigen wir uns gesondert mit dem Abschluss des Anschreibens und der Angabe der Gehaltsvorstellung.

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Hier schreiben Lars Hahn, Martin Salwiczek und Gastautoren.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen (IHK, TÜV) kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

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