Von Trüffeln, Social Media und dem Zeugnisland – LVQ-Absolventin Alice Kaufmann im Interview

Alice KaufmannAlice Kaufmann haben wir während ihrer Weiterbildung bei der LVQ als leidenschaftliche Marketerin kennengelernt. Mit ihrer Kreativität bestach sie nicht nur bei ihrer Social Media Marketing Präsentation, sondern auch bei ihren Bewerbungsaktivitäten. Entsprechend unkonventionell schaffte sie auch den Einstieg in ihren aktuellen Job als Kundenberaterin in einer Marketingagentur.
Wie das geklappt hat, erzählt sie in unserem heutigen Interview.

Viel Spaß beim lesen!

Martin Salwiczek: Hallo Alice, schön dass Du Dir Zeit genommen hast. Du hast ja momentan ordentlich zu tun. Was machst Du zurzeit?


Alice Kaufmann:
Ich bin seit Mai Kundenberaterin in einer Marketingagentur in Münster und bin in dieser Position für mehrere Kunden aus den Bereichen Handel und Industrie verantwortlich. Dabei stehe ich unseren Kunden nicht nur in puncto Marketingkommunikation beratend zur Seite, sondern koordiniere auch sämtliche Kundenprojekte.

Martin Salwiczek: Was sind Deine Aufgaben?

Alice Kaufmann: So klar definiert ist das gar nicht. Ich kümmere mich in erster Linie darum, dass die Kundenprojekte rund laufen, die Timings eingehalten werden und Briefings vom Kunden in der Kreation ankommen und entsprechend umgesetzt werden. Für unsere Kunden bin ich also Kontaktperson und Schnittstelle zur Kreation, aber auch die Kalkulation und Abrechnung von Projekten gehört in meinen Aufgabenbereich und dann berate ich Kunden natürlich auch im Bereich der Marken– und Marketingkommunikation.

Martin Salwiczek: Was hast Du vorher gelernt?

Alice Kaufmann: Angefangen hat alles vor 13 Jahren mit einem Praktikum in einer Werbeagentur. Es folgten ein Studium, was mich letztlich aber überhaupt nicht zufrieden stellte und dann wieder der Weg zurück in die Werbung. Nach meiner Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation habe ich sowohl auf Agenturseite, als auch auf Kundenseite als Marketingmitarbeiterin in einem Kinobetrieb und in einem Großhandelsunternehmen gearbeitet. Außerdem habe ich Erfahrung im Vertrieb und Personalmarketing gesammelt, bis ich im Mai dann meine Zelte in Münster aufgeschlagen habe.

„…tada, zehn Tage später war ich in Münster, um den Arbeitsvertrag zu unterschreiben.“

Martin Salwiczek: Wie bist Du an den Job gekommen?

Alice Kaufmann: Während meiner Bewerbungsphase habe ich sehr viele verschiedene Kanäle parallel genutzt. Darunter branchenspezifische Jobportale, natürlich Xing und Linkedin, aber auch Truffls, eine noch recht junge App-Entwicklung, die nach einem Matchingprinzip funktioniert.
Bei Truffls hatten mein jetziger Arbeitgeber und ich dann einen Match, ich habe meine Bewerbung verschickt und „tada“, zehn Tage später war ich in Münster, um den Arbeitsvertrag zu unterschreiben.

Martin Salwiczek: Da bist Du ja einen recht unkonventionellen Weg gegangen. Was hat bei der Jobsuche sonst noch gut funktioniert?

Alice Kaufmann: Generell kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass man bei der Jobsuche vor allem auf branchenspezifische Jobbörsen wie in meinem Fall dasauge.de oder wuv.de, sowie Netzwerke wie beispielsweise Xing zurückgreifen sollte.

Bei XING gibt es für Bewerber und Unternehmen zum Beispiel die Möglichkeit, sich anhand der jeweiligen Profile einen ersten Eindruck zu verschaffen. So bieten manche Unternehmen innerhalb ihrer Stellenanzeigen eine Funktion an, über die der Bewerber zunächst sein Interesse an der angebotenen Stelle anmelden kann. 

Das hat bei mir sehr gut funktioniert, denn ich kam zu 90% mit dem entsprechenden Ansprechpartner via Xing ins Gespräch. So konnte man erste Informationen austauschen, bevor man eine vollständige Bewerbung verschickt hat. Manches Stellenangebot hat sich dadurch direkt erledigt, bei anderen war dadurch der Einstieg sehr viel leichter. 

„Deutschland ist ein Zeugnisland und nur wenige Unternehmen haben es inzwischen begriffen, dass Zeugnisse oder Lebensläufe oftmals gar nicht so viel über die Qualifikation einer Person aussagen.“

Martin Salwiczek: Und was waren für Dich die größten Schwierigkeiten bei der Jobsuche?

Alice Kaufmann: Ich glaube das einzig schwierige bei der Jobsuche war für mich, dass mein Lebenslauf Ecken und Kanten besitzt und die Unternehmen in Deutschland zum Teil immer noch konservativ damit umgehen. Deutschland ist ein Zeugnisland und nur wenige Unternehmen haben es inzwischen begriffen, dass Zeugnisse oder Lebensläufe oftmals gar nicht so viel über die Qualifikation einer Person aussagen.
Nicht, dass ich Probleme mit dieser Art des Auswahlverfahrens hätte – im Gegenteil. Einmal eingeladen, konnte ich in den persönlichen Gesprächen meist punkten und habe stets positive Rückmeldungen bekommen.

Dennoch habe ich in der Vergangenheit auch viele Absagen erhalten und meistens ohne konstruktive Kritik oder konkrete Begründung. Und das ist meines Erachtens das größte Problem bei der Jobsuche: man bekommt keine oder nur allgemein formulierte Absagen und weiß eigentlich nicht, was man anders machen soll oder woran es lag, dass man abgelehnt wurde.

„Eine Weiterbildung alleine reicht nicht aus. Man muss am Ball bleiben, Entwicklungen beobachten und sich selber neues Wissen aneignen.“

Martin Salwiczek: Du hast dann ja zur Verbesserung Deiner Jobchancen bei uns eine Weiterbildung gemacht. Was hast Du gelernt und wovon profitierst Du in Deinem jetzigen Job?

Alice Kaufmann: Genau, ich habe eine Weiterbildung zur Social Media Managerin mit IHK-Zertifikat und eine weitere Weiterbildung zur TÜV-geprüften Projektmanagerin gemacht.

Ich habe in den letzten Jahren bereits im Projektmanagement gearbeitet, aber nie eine theoretische Ausbildung absolviert. Deshalb war der Kurs Projektmanagement für mich sehr interessant, denn ich konnte nicht nur wichtige Instrumente, sondern auch Grundlagen lernen, die ich bisher nicht kannte. Auch mit MS-Project hatte ich zuvor nie gearbeitet. Insbesondere das Thema Ressourcenplanung hatte ich in der Vergangenheit nur unzureichend berücksichtigt.

Ich versuche das Thema in meine jetzige Tätigkeit zu integrieren, denn in mittelständischen Agenturen findet häufig keine wirkliche Ressourcenplanung statt. Dabei würde gerade das die interne Planung insgesamt effizienter machen.

Allerdings etabliert sich in der Agenturbranche immer mehr das agile Projektmanagement, das vom klassischen Projektmanagement abweicht. Das macht deutlich, dass eine Weiterbildung alleine nicht ausreicht. Man muss am Ball bleiben, Entwicklungen beobachten und sich selber neues Wissen aneignen.

„Wenn es um digitale Themen und  Social Media geht, ist das Wissen von heute schnell veraltet.“

Martin Salwiczek: Was war Dein Resümee aus dem Social Media Manager?

Alice Kaufmann: Social-Media-Management war für mich natürlich erste Wahl, denn der digitale Wandel ist ein brandheißes Thema in meiner Branche. Mein erstes Profil in einem deutschlandweiten Chatroom hatte ich irgendwann ab 1999. StudiVZ, Myspace & Co. folgten und bei Xing bin ich seit nunmehr sechs Jahren Mitglied. Social Media ist für mich also kein unbekanntes Feld.
Deshalb war ich skeptisch, wie viel ich bei der LVQ wirklich dazu lernen würde. Heute kann ich sagen, dass ich mit dieser Weiterbildung meine Fachkenntnisse sehr gut erweitern konnte und viel sensibler mit meinen Beiträgen umgehe, die ich im Internet veröffentliche. Ich denke sehr viel vernetzter, kann man das so sagen? *lach*

Beruflich sind derzeit meine SEO-Kenntnisse noch mehr gefragt als mein Know-How im Bereich Social Media, aber zumindest einen Xing- und Google MyBusiness-Auftritt meines Arbeitgebers treibe ich aktuell voran.

Ich glaube die Schwierigkeit ist, wirklich am Ball zu bleiben, denn wenn es um digitale Themen und  Social Media geht, ist das Wissen von heute schnell veraltet.

„Durch die Vollzeitweiterbildung kann man neues Wissen schnell festigen, unterschiedliche Inhalte miteinander verknüpfen und im Rahmen des Praxisprojektes sofort anwenden.“

Martin Salwiczek: Was war gut an den Weiterbildungen insgesamt gut und was weniger gut?

Alice Kaufmann: Ganz klar hervorzuheben ist der Praxisbezug durch die gute Mischung an Dozenten. Diese Insights bekäme  man nicht von einem Dozenten, der seit Jahren ausschließlich an der Uni oder irgendeiner anderen Bildungseinrichtung lehrt.

Besonders im Social Media Management ist diese Praxiserfahrung Grundvoraussetzung.

Außerdem fand ich es sehr gut, dass es sich um eine Vollzeitweiterbildung handelt, d. h. acht Stunden an fünf Tagen die Woche lernen. Diese Kontinuität halte ich für wichtig. Man kann neues Wissen schnell festigen, die unterschiedlichen Inhalte miteinander verknüpfen und letztlich im Rahmen des Praxisprojektes sofort anwenden. Die Praxisprojekte sind im Übrigen auch sehr toll, weil nicht jedes Bildungsinstitut so etwas anbietet. So hat man die Gelegenheit, das Gelernte bei der Konzeptionierung einer eigenen Social Media Strategie praktisch mal umzusetzen.

Im Kurs Projektmanagement hätte es mir persönlich besser gefallen, wenn nicht nur Großprojekte als Praxisbeispiel gedient hätten, denn gerade in meinem Job sind es oft Projekte eher kleineren Umfangs, für die nicht jedes Instrument des Projektmanagements sinnvoll ist oder es wohlmöglich alternative Ansätze gibt, zum Beispiel wie bereits erwähnt das agile Projektmanagement.  

„Ich hatte das Gefühl, dass bei der LVQ der Ansatz, Menschen beruflich weiterhelfen zu wollen und neue Perspektiven zu geben, wirklich gelebt wird.“

Martin Salwiczek: Was würdest Du jemanden sagen, der überlegt eine Weiterbildung bei der LVQ zu machen?

Alice Kaufmann: Ich kann die LVQ guten Gewissens als Bildungsinstitut weiterempfehlen. Jeder Mitarbeiter der LVQ ist mir stets sehr offen, freundlich und hilfsbereit begegnet, auch über die eigentliche Zeit bei der LVQ hinaus. Fachlich wie menschlich konnte ich einiges für mich mitnehmen.

Und besonders wenn es um das Fachgebiet Social Media und Online-Marketing geht, wird man hier von echten Experten betreut, die nicht erst seit gestern in diesem Bereich praktisch tätig sind. Zu einigen Dozenten pflege ich nach wie vor Kontakt und kann bei Fragen, die sich hier und da ergeben, jederzeit auf schnelle Hilfe zurückgreifen, auch deshalb weil wir über die sozialen Netzwerke miteinander vernetzt sind.

Ich hatte das Gefühl, dass bei der LVQ der Ansatz, Menschen beruflich weiterhelfen zu wollen und neue Perspektiven zu geben, wirklich gelebt wird. Es ist nicht dieser unpersönliche Umgang miteinander, den man vielleicht aus anderen Einrichtungen kennt oder der manche Menschen möglicherweise davor abschreckt diesen Schritt, eine Weiterbildung zu absolvieren, zu gehen.

Nebenbei bemerkt: in meinem Social Media Kurs waren die Teilnehmer in einem Alter zwischen Anfang 20 und Ende 50, ich selber bin 32. Wir haben heute alle noch über den einen oder anderen Weg Kontakt, treffen uns zu gemeinsamen Abenden und verstehen uns sehr gut. Dazu hat mit Sicherheit auch die tolle Atmosphäre bei der LVQ beigetragen.

„Wer stellt denn schon jemanden als Social-Media-Manager ein, der sich scheinbar gar nicht in sozialen Medien bewegt?“

Martin Salwiczek: Welchen Tipp kannst Du abschließend Bewerbern geben, die sich für die Bereiche Social Media und Online Kommunikation interessieren?

Alice Kaufmann: Wenn man sich speziell für die Bereiche Social-Media und Online-Kommunikation bewirbt, sollte man zunächst seine eigene Online-Präsenz überprüfen und sich fragen:

Was möchte ich nach außen kommunizieren?

Sei es über eigene Beiträge, über Bilder oder andere Beiträge, die mit dem eigenen Namen in Zusammenhang stehen und die für die Öffentlichkeit sichtbar sind – all das kommuniziert und gibt ein bestimmtes Bild nach Außen ab.

Aber Vorsicht: Wer jetzt hergeht und alle Profile versteckt, Bilder löscht und plötzlich gar nicht mehr auffindbar ist, der hat gleich verloren. Wer stellt denn schon jemanden als Social-Media-Manager ein, der sich scheinbar gar nicht in sozialen Medien bewegt?

Im Klartext heißt das: man sollte sich auch mit sozialen Medien auskennen, sich darin bewegen, Dinge ausprobieren und Spuren hinterlassen, die dem potentiellen Arbeitgeber zeigen, dass man man mit der digitalen Welt vertraut ist, gleichzeitig aber auch mit der nötigen Sensibilität Inhalte veröffentlicht und verbreitet.

„Es heißt nicht umsonst Arbeitsmarkt, und auf einem Markt treffen Anbieter und Nachfrager aufeinander – zwei Parteien mit Wünschen und Anforderungen.“

Martin Salwiczek: Und generell?

Alice Kaufmann: Generell kann ich sagen, dass es wichtig ist selbstbewusst aufzutreten, egal für welche Stelle man sich bewirbt und dazu gehört auch, selbstbewusst zu den Ecken und Kanten zu stehen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, Ehrlichkeit wiegt mehr als ein aalglatter Lebenslauf und Authentizität kann man nicht lernen.

Wo steht denn bitte geschrieben, dass nur der Arbeitgeber den Ton angibt? Es heißt nicht umsonst Arbeitsmarkt, und auf einem Markt treffen Anbieter und Nachfrager aufeinander – zwei Parteien mit Wünschen und Anforderungen.

Ich spreche nicht davon, übertriebene Gehaltsvorstellungen durchdrücken zu wollen, sondern eigene Vorstellungen an den zukünftigen Arbeitgeber deutlich zu formulieren und neben den Schwächen die häufig im Zuge eines Vorstellungsgespräch thematisiert werden, sich schon im Vorfeld bewusst zu machen:
wer bin ich, was kann ich und warum ist dieses Unternehmen das richtige für mich – nicht umgekehrt!

Martin Salwiczek: Alice, herzlichen Dank für das spannende Interview!

Weitere Interviews mit LVQ-Absolventen

 

 

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Hier schreiben Lars Hahn, Martin Salwiczek und Gastautoren.

Die LVQ Weiterbildung gGmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Präsenzunterricht mit Dozenten aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Das Angebot der LVQ Business Akademie richtet sich an Berufstätige und umfasst die Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot oder Interesse an einer Beratung haben, rufen Sie uns einfach an!

 

 

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Ein Kommentar zu “Von Trüffeln, Social Media und dem Zeugnisland – LVQ-Absolventin Alice Kaufmann im Interview
  1. Elisabeth Weber sagt:

    Deutschland ist ein Zeugnisland! Vollkommen klar. Nirgendwo sonst wird mit so standardisierten Regularien die Leistung eines/einer Arbeitnehmer/in bewertet. Daher sollte das Zeugnis ab einem Beurteilungszeitraum von über 1 1/2 Jahren auch eine Aussage zu konkret erreichten Erfolgen treffen. Hierüber wird die gesamte Beurteilung individualisiert und insgesamt glaubwürdig untermauert.

1 Pings/Trackbacks für "Von Trüffeln, Social Media und dem Zeugnisland – LVQ-Absolventin Alice Kaufmann im Interview"
  1. […] einigen Wochen interviewten wir die LVQ-Absolventin Alice Kaufmann über ihre Jobsuche und Weiterbildung. Dabei sprach sie unter anderem von der Job-App truffls, […]

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